| Sekundaerliteratur |
| Deutschland | Kaiserreich v. 1871 | [P|S|M] |
"Pardon wird nicht gegeben" - Vor 100 Jahren hielt Wilhelm II. die "Hunnenrede"
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Am 27. Juli 1900 hat Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven Soldaten verabschiedet, die in China kämpfen sollten. Seine blutrünstige Ansprache wurde als „Hunnenrede“ bekannt. Über die Geschichte der Rede, die Zensurversuche der Regierung und die unabhängige Rolle der Zeitungen hat am Dienstag Dr. Jost Lübben informiert.
Der Historiker, zugleich stellvertretender Leiter der Lokalredaktion der NORDSEE-ZEITUNG, legte in der Reihe „Vorträge des Stadtarchivs“ dar, wie faszinierend die damaligen Vorgänge auch 100 Jahre später sind: Der Staatssekretär des Äußeren (und spätere Reichskanzler) Bernhard von Bülow war mit dem Kaiser an die Kaiserschleuse gekommen. Ihm war sogleich bewusst, wie brisant einzelne Passagen der Rede des Kaisers waren – praktisch ein Aufruf zum Völkermord (siehe Kasten unten rechts). Zahlreiche Journalisten hatten die kaiserliche Rede auf dem Dach der Lloydhalle sitzend verfolgt. Von Bülow vergatterte sie alsbald, den Text nicht an die Redaktionen weiterzugeben, sondern auf eine zensierte Version zu warten. Doch das klappte nicht. Der Mitarbeiter der Bremer Agentur Bösmanns Büro telegrafierte seinen Text an die Bremer Weser-Zeitung, der Sonderkorrespondent des Berliner Lokal-Anzeigers gab eine knappe Stunde nach Ende der Rede sein Telegramm auf. Komplett und unzensiert Alle drei bürgerlichen Zeitungen der Unterweserorte – die Nordwestdeutsche Zeitung (Vorgängerin der heutigen NZ), die Provinzial-Zeitung und die damalige Nordsee-Zeitung – kamen mit ihren gegen 18 Uhr ausgelieferten Ausgaben desselben Tages mit der kompletten Fassung der Rede heraus. Die meisten Blätter in Deutschland warteten auf die autorisierte Version. Aber aus Bremerhaven kam nichts. Stundenlang musste die halboffizielle Nachrichtenagentur Wolffs Telegrafisches Büro (WTB) deshalb vor allem die Journalisten der anderen Berliner Zeitungen hinhalten, die massiv auf Nachrichten von der Küste drängten, nachdem die Konkurrenz in der Hauptstadt – der Lokal-Anzeiger – schon um 18 Uhr mit der Meldung von der Kaiserrede herausgekommen war. Erst gegen Mitternacht traf bei WTB die von von Bülow bearbeitete Redefassung ein. Die gravierendste Änderung: Statt der Aufforderung an die Soldaten, in China keine Rücksicht walten zu lassen („Pardon wird nicht gegeben“), klang es nun eher wie eine Mahnung, vorsichtig zu sein: „Pardon wird euch nicht gegeben“. Außerdem gab es in der zensierten Version keinen Vergleich mehr mit den Hunnen. Derweil saß Kaiser Wilhelm an Bord seiner Yacht „Hohenzollern“ und beklagte sich bei von Bülow: „Sie haben mir ja gerade das Schönste weggestrichen“. Aber alsbald dürfte Seine Majestät wieder versöhnt gewesen sein: Ein Mitarbeiter reichte ihm die Abendausgabe der Nordwestdeutschen Zeitung, die seine Rede unzensiert veröffentlicht hatte. tom
| | aus: Nordsee-Zeitung
vom 23.3.2000 mit frdl. Genehmigung für psm-data; vgl. auch: Synopse:
(Hunnenrede A) Nordwestdeutsche Zeitung, Bremerhaven, 28. Juli 1900 (Hunnenrede
B) Reichsanzeiger, Berlin, nichtamtlicher Teil
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GM (digitale Edition) für psm-data 
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