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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1905, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin
1905 -
Allgemeine Bemerkungen:
Deutsch-Südwestafrika
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Deutsch-Südwestafrika
(S. 11)
Grösse:
835 100 qkm (= 1 ½ Deutsches Reich).
Bevölkerung:
Ungefähr 200 000. Zahlreichster Bestandteil der Eingeborenen sind
die Hereros, ein Bantustamm, nach Schinz 86 000 Seelen. Sie bewohnen das
innere Hochland nördlich vom Swakop, nordwärts bis jenseits Waterberg,
ostwärts bis zum 18. Grad östlicher Länge von Greenwich, 80 000 - 90
000 qkm. Die Bergdamara (nach Missionar Viehe an Zahl 35 000), durchaus
verschieden von den Hottentotten, kommen südlich von der Etoschapfanne
in ganz Deutsch-Südwestafrika vor und leben in kleinen Abteilungen
zwischen den Herero und Hottentotten.
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(640
x 597) (1256
x 1173) |
Die Hottentotten
(ungefähr 10 000) oder Nama (von gelblicher Hautfarbe) finden sich in
Gross-Namaland und einem Teil des Kaokofeldes. Die Owambo (ungefähr 60 000),
ein Bantustamm im Ambolande, zwischen dem (S. 12) 18. Grad südl. Breite und
dem Kunene. Die Buschmänner, einige Tausend an Zahl, führen in der Kalahari
und in dem Gebiet zwischen der Etoschapfanne und Damaraland ein ungebundenes
Leben. Die Bastards, stärkste Niederlassung bei Rehoboth (sämtlich
Christen), sind Mischlinge von Europäern und Hottentotten (nach Wagner 2000
an Zahl). Die weisse Bevölkerung betrug am 1. Januar 1903 4682 Personen,
davon 2998 Deutsche. Infolge des Aufstandes ist die Aufstellung einer
Statistik für 1905 unmöglich geworden.
Bodengestalt: In
seiner ganzen Ausdehnung ist Deutsch-Südwestafrika eine bis zu 1200 m,
anfangs sanft, dann meist steil ansteigende Terrassen-Landschaft, die sich
ungefähr 300 km vom Meere binnenwärts zu senken beginnt. Die Breite des wüsten
Küstengürtels beträgt mehrere Tagesreisen, doch bilden die Täler der größeren
Flüsse Oasen. Als Hafenplätze werden benutzt Lüderitzbucht (Angra Pequena),
Sandwichhafen, die englische Walfischbai an der Mündung des Kuisseb, und
Swakopmund an der Mündung des Swakop, wo seit 1900 eine Mole erbaut worden
ist. Im Innern befinden sich vereinzelt und unregelmässig verteilt zahlreiche
Gebirgszüge, Kuppen und Bergreihen, die um mehrere 100 m über die
durchschnittliche Landesoberfläche emporragen (Gneis und Granit). Im Süden
das 2000 m hohe Karasgebirge, zwischen Rehoboth und Windhuk das Auasgebirge
(2481 m hoch), weiter nördlich der Omatakoberg (2680 m hoch). Nach Osten fällt
die Hochebene zu der im Innern 500 m tiefer gelegenen Kalaharisteppe ab.
Bewässerung: Sämtliche
vorhandene Flüsse können zu Verkehrszwecken nicht benutzt werden. Nur der
Orange und Kunene, sowie der sich in den Ngamisee ergiessende Okawango haben
das ganze Jahr hindurch fliessendes Wasser, sind aber nicht schiffbar; die übrigen
sich in den Atlantischen Ozean ergießenden Flüsse liegen während des größten
Teils des Jahres trocken und bilden selbst zur Regenzeit selten
ununterbrochene Wasseradern (Swakop, Kuiseb). Quellen befinden sich in größerer
Zahl im Hererolande; hier ist auch die Regenmenge bedeutender als in
Gross-Namaland.
Klima: Das
Klima ist im Sommer heiss, aber trocken und gesund. Der Winter ist durchaus
gemässigt. Nachtfröste sind im Innern nicht selten. Der Küstenstrich ist
gleichmäßig kühl und hat bis 50 km landeinwärts nur Nebelniederschläge.
Vorherrschende Winde aus südlicher Richtung, in der wärmeren Jahreshälfte
(Oktober-März) auch Winde aus nördlicher Richtung, welche die Hauptregenzeit
von Januar bis März verursachen.
Handel und
Verkehr: Verkehrsmittel im Innern für Personen und Frachten ist der
Ochsenwagen; mit 10 bis 20 Ochsen bespannt, legt derselbe täglich, beladen
mit 30 bis 50 Zentnern, 18 bis 35 km zurück. Zwischen Swakopmund und Windhuk
besteht seit Juli 1902 eine schmalspurige Feldbahn (382 km). Personenzüge
verkehren in jeder Richtung zweimal in der Woche, Güterzüge nach Bedarf.
Bahn Swakopmud-Otawi im Bau.
Eingeführt werden fast alle Gegenstände des europäischen Marktes,
insbesondere Getränke, Tabak, Kaffee, Konserven, Mehl, Reis, Bekleidungs- und
Schmucksachen. Einfuhr 1902: 8 567 550 M., 1903: 8 330 000 M. (zum Teil geschätzt).
Ausgeführt werden Rindvieh, Kleinvieh, Kupfer, Viehhäute, Hörner,
Straussenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano (Cap Cross), rohe Felle. Ausfuhr
1902: 2 212 973 M., 1903 3 540 000 M. (zum Teil geschätzt).
Die der Küste vorgelagerten Guanoinseln (zwischen 24o 37' und 28o
S), sowie das Gebiet der Walfischbai sind im Besitz Englands.
Verwaltung: An
der Spitze der Gouverneur, Sitz Windhuk. Das Schutzgebiet zerfällt in sechs
Bezirke: Keetmanshoop, Gibeon, Windhuk, Swakopmund, Gobabis und Outjo. Dazu
kommen die selbständigen Distrikte Karibib und Grootfontein. Diesen sind eine
Anzahl von Ortspolizeibehörden unterstellt. Die Bergbehörde befindet sich in
Windhuk.
Offiziersstationen:
Windhuk, Rehoboth, Gobabis, Keetmanshoop, Bethanien, Warmbad, Swakopmund,
Omaruru, Outjo, Zesfontein, Grootfontein, Maltahöhe und Nauchas.
Europäische
Schutztruppe: Diesselbe besteht 1903 aus einem stellvertretenden
Kommandeur, 50 Offizieren, Aerzten und Beamten, 772 Unteroffizieren und
Mannschaften. Die Garnisonen sind: Feldkompagnien: 1. Windhuk, 2. Omaruru, 3.
Keetmanshoop, 4. Outjo; Feldbatterie: Windhuk; Reserveabteilung: Windhuk. Zur
Unterstützung der Ortspolizeibehörde ist eine Polizeitruppe aus
abkommandierten deutschen Mannschaften der Schutztruppe und 300 farbigen
Polizisten errichtet worden.
Im Aufstandsjahr sind 11 068 Mann Verstärkungen nach Südwestafrika
geschickt worden; tot oder verwundet 1041 Mann
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1905, S. 11f |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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