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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1905, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin
1905 -
Rückblick auf die
Entwicklung der Deutschen Schutzgebiete im Stillen Ozean im Jahre 1904
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Rückblick auf die
Entwicklung der Deutschen Schutzgebiete im Stillen Ozean im Jahre 1904
(S. 20) Hier soll ein Rückblick auf die deutschen Schutzgebiete im Stillen
Ozean und die Ereignisse des Jahres 1904 getan werden. Eingerechnet wird das
alte Schutzgebiet von Deutsch-Neuguinea, die Karolinen, Palau und Marianen, dazu
auch die Marshall-Inseln und Samoa.
Aus dem alten Schutzgebiet Neuguinea ist wenig zu berichten. Im
Bismarck-Archipel waren im November 1903 einige weisse Händler ermordet worden.
Es gelang im März 1904, der Haupträdelsführer habhaft zu werden und sie zu
bestrafen. Von grösserem Umfange war die am 13. August geschehene Ermordung
katholischer Missionare auf den Missionsstationen St. Paul, Nacharunep und der
Trappistenniederlassung in den Bainingbergen auf der Nordwestecke der
Gazelle-Halbinsel, der nördlichsten Spitze der Insel Neu-Pommern. Ermordet
wurden die Patres Rascher und Rutten, die Brüder Bley, Plaschaert und
Schellekens, sowie die Schwestern Holler, Balkar, Utsch, Schmitt und Rath. So
beklagenswert dieses Ereignis ist, so ist doch seine Bedeutung eine lokale, und
die Sicherheit war in den übrigen Teilen der Gazelle-Halbinsel nicht gefährdet.
Es ist der Polizeitruppe zudem gelungen, die verfolgten Mörder in den Bergen zu
erreichen. Die Schuldigen wurden erschossen.
Wenn wir auch hier zuerst die Entwicklung des Verkehrs ins Auge fassen, so
ist in erster Linie zu bemerken, dass die Reichspostdampfer-Zweiglinie des
Norddeutschen-Lloyd wie bisher alle 6 Wochen von Singapore und Batavia,
Makassar, Tamara, Friedrich-Wilhelmshafen, Herbertshöhe, Matupi, Brisbane nach
Sydney und zurück über dieselben Häfen läuft, künftig in Hongkong und
Sydney Anschluss an die europäische Postdampferlinie finden wird. Sie wird alle
6 Wochen verkehren und weiter nach Kobe und Jokohama laufen. Im Jahre 1904 ist
der Ausbau des Simpsonhafens durch den Norddeutschen Lloyd weiter gefördert
worden und die Fertigstellung der grossen Anlage ist in etwa Jahresfrist zu
erwarten. Im Wegebau sind im verflossenen Jahre ziemliche Fortschritte gemacht
worden. Insbesondere sei die grosse, sich an der Ostküste Neu-Mecklenburgs
entlang ziehende Strasse erwähnt.
Was die wirtschaftliche Entwicklung anbelangt, so muss wiederum ein
bedauerlicher Rückgang in der Gewinnung von Trepang und Schildpatt verzeichnet
werden. Alles eine Folge der Raubfischerei. Dagegen hat sich trotz des Sinkens
des Marktwertes von Perlmutter die Muschelfischerei gehoben. Unter dem Preisrückgang
leidet auch die Kopraerzeugung. Einen kleinen Aufschwung hat der Baumwollbau
genommen. Erfreuliche Erfolge hat man mit Kakao erzielt. Im ganzen hat der
Aussenhandel eine Zunahme erfahren.
Am 1. Oktober 1904 ist ein neuer Zolltarif in Kraft getreten, im Anschluss an
den strengere Verordnungen betreffs der Opiumeinfuhr erlassen wurden.
Zu erwähnen wäre noch eine Verordnung des Gouverneurs vom 15. Februar 1904,
die die Einwanderung und Einführung von Chinesen in das Schutzgebiet regelt und
einige polizeiliche Bestimmungen aufstellt.
Von den Karolinen ist nicht viel zu melden. In Ponape hat zu Anfang Januar
und zu Ende Februar bis Ende März S.M.S. "Kondor" gelegen und hat
fast sämtlichen Inseln die Flagge gezeigt und Vermessungen vorgenommen. Das
Kriegsschiff hat eine Zweifestmacherboje im Langarhafen gelegt, an denen jetzt
die grössten Schiffe vollständig festmachen können. In erster Linie hat man
dabei an Schiffe gedacht, die Kohlen in Langar nehmen. Die Pflanzungstätigkeit
der Eingeborenen lässt allenthalben zu wünschen übrig. Die Pflanzungen der
Europäer haben sich im letzten Jahre wiederum ausgedehnt.
Das Gesagte gilt im ganzen und grossen auch für die Westkarolinen und
Marianen. Auf den Marshallinseln, wo im Berichtsjahre alles ruhig war, steht,
wie das Jahr 1903 eine erhöhte Kopraproduktion gegen das Vorjahr zeigte, für
1904 eine reichere Kokosernte zu erwarten. Die Errichtung einer Schule, die
besonders lebhaft auf der letzten Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft gewünscht
worden war, auf Seipan, ist der Verwirklichung nahe, und der Lehrer dürfte
inzwischen dort eingetroffen sein. Ueber die Karolinen als Siedlungsgebiet
sollte man sich nicht zu lebhaften Hoffnungen hingeben.
(S. 21) Samoa: Im Vordergrunde des Interesses stand in Samoa die
Arbeiterfrage (Chinesenfrage); gewiss ein Zeichen der friedlichen Arbeit, die
die Fruchtbarkeit der Insel nutzbar machen will. Als Charakteristikum des
verflossenen Jahres zu bezeichnen ist, dass die Beschaffung von Kulis vom
Gouvernement in die Hand genommen worden ist, wodurch unter anderem die Kosten
sehr herabgesetzt sind. Zu Ende des Jahre 1905 dürften 700-800 Chinesen auf
Deutsch-Samoa arbeiten. Ein Komitee wurde ernannt, um eine Verordnung
vorzubereiten, die die gegenseitigen Rechte und Pflichten zwischen Pflanzern und
Arbeitern festlegt.
Nachrichten über Unruhen unter den Eingeborenen, die gewissermassen unter
dem Eindruck der südwestafrikanischen Meldungen umgingen, haben sich in keiner
Weise bewahrheitet. Man darf eine friedliche Entwicklung erwarten und annehmen,
dass die Einnahme aus der Kopfsteuer, die von 1902 zu 1903 von 47 000 M. auf 70
000 M. gestiegen war, im Jahre 1904 wieder eine Zunahme erfahren habe.
Jedenfalls waren am 1. Juli in Upolu gegen 40 000 M. und in Sawaii gegen 30 000
M. eingelaufen, ohne dass die Vereinnahmung der Steuern zum Abschluss gelangt
war. Die Kopfsteuer beträgt für Familienhäupter 12 M., für junge Leute 4 M.
Die Handelsbilanz Samoas wird durch den Preis für Kopra sehr beeinflusst, so
dass im Jahre 1903 zum Beispiel, trotzdem die Ausfuhrmenge um 10 pCt. zunahm,
der Wert um 300 000 M. geringer war als im Vorjahre. Eine Einbusse hat das
Schutzgebiet dadurch erlitten, dass die amerikanische Verwaltung in Tutuila die
von den Eingeborenen eingelieferte Kopra direkt nach San Francisco weiter
verkauft hat, während sie sonst von Kaufleuten aus Deutsch-Samoa übernommen
wurde. Zu verzeichnen ist eine Steigerung der Ausfuhr von Ananas. Die Abnahme
der Kakaoausfuhr wird dadurch erklärt, dass ein erheblicher Teil der Ernte auf
neu anzulegenden Pflanzungen als Saat verwendet worden ist. Die Zunahme in der
Einfuhr erstreckt sich zumeist auf die Posten Baumaterialien, Eisenwaren,
Proviant und wertvolle Maschinen für den Wegebau und den landwirtschaftlichen
Betrieb. In der Hauptsache, freilich erstreckt sich der Einfuhrhandel wie in den
Vorjahren auf die Bedarfsartikel der Eingeborenen. Bedauerlich ist, dass die von
den Samoanern verlangten billigen Manufakturwaren nach wie vor hauptsächlich
aus England kommen.
Die seit fünf Jahren ihrer Lösung harrende Entschädigungsfrage hat auch im
Jahre 1904 wieder die Geister beschäftigt. Zuerst hat die Hauptversammlung der
Deutschen Kolonialgesellschaft in Stettin die Reichsregierung zur beschleunigten
Behandlung dieser Frage aufgefordert. Sodann haben die geschädigten Ansiedler
dem Gouverneur eine dahingehende Eingabe unterbreitet, zuletzt haben sie um die
Weihnachtszeit in Apia in einer Versammlung eine eindringliche Petition
beschlossen, die dem Deutschen Reichstag übergeben worden ist.
Während der fünf Jahre der deutschen Herrschaft sind die folgenden
Postverbindungen in und nach Samoa neu eingerichtet oder verbessert worden. Wir
zählen sie auf, weil sie zeigen, wie mühsam die Verbindung mit unserer
entferntest liegenden Kolonie ist. Eine Verbindung, die bekanntlich durch den zu
bauenden Panamakanal eine beträchtliche Verkürzung erfahren wird. 1.
Verbindung Apias mit Sawaii und im Anschluss daran die Einführung von
Postanstalten in Mulifanua, Salelavalu und Fagamalo. 2. Postanweisungsverkehr
zwischen Samoa und den Vereinigten Staaten seit Oktober 1900. 3.
Postanweisungsverkehr zwischen Samoa und Australien nebst Neu-Seeland seit 1.
November 1900 bzw. 1. Januar 1901. 4. Paketverkehr mit der Union über
Aden-Basel-Havre, seit 1902. (Eine bessere Verbindung war nicht zu erreichen!)
5. Paketverkehr mit Auckland auf Neu-Seeland und damit auch mit dorthin im
Paketverkehr angeschlossenen Plätzen; nicht aber mit den Vereinigten Staaten,
seit September 1902. 6. Postnachnahmeverkehr mit Deutschland, Erhöhung des
Postanweisungs-Meistbetrags von 400 Mark auf 800 Mark, seit April 1902. 7.
Ausdehnung des bisher einzimmerigen Postbureaus in Apia auf 4 Räume, seit 1.
Juli 1903. 8. An Stelle eines im Nebenamt tätigen Gouvernementsbeamten amtieren
jetzt zwei berufsmässige Postbeamte. - So haben denn auch die Ausgaben der
Reichspostverwaltung für die "Perle der Südsee" die Einnahmen im
Rechnungsjahre April 1902 bis März 1903 um rund 15 000 Mark überschritten.
Koloniale Literatur des Jahres 1904
(Hauptwerke)
Fritz, G., Chamorro-Wörterbuch. Berlin 1904. G. Reimer. 3M.
Neffgen, H., Deutsch-Samoanisches Konversationsbuch. Leipzig 1904. O. Ficker.
2.50 M.
Ribbe, Karl, Zwei Jahre unter den Kannibalen der Salomo-Inseln.
Leipzig-Blasewitz 1903. Elbgau-Buchdr. H. Beyer. Geb. 12 M.
Schnee, Dr. Heinrich, Bilder aus der Südsee. Berlin 1904. Dietrich Reimer
(Ernst Vohsen). Geb. 12 M.
Wohltmann, Geh. Reg.-R. Prof. Dr. F., Pflanzung und Siedelung auf Samoa.
Berlin 1904. E. S. Mittler & Sohn.
5 M.
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1905, S. 20f |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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