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Imperialismus | Kolonialzeit

[P|S|M]

Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1905, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1905 - Deutsch - Neuguinea.

I. Deutsch - Neuguinea.

a) Kaiser-Wilhelmsland.

Grösse: ungefähr 179 000 qkm (= ½ Preussen).

Bevölkerung: wird veranschlagt auf 100 000 Einwohner, davon (zu Beginn des Jahres 1904) 113 Europäer, 98 Deutsche. Melanesier oder Papuas mit zahlreichen von einander abweichenden, aber verwandten Mundarten.

Bodengestalt und Bewässerung: An der 800 km langen Küste zahlreiche Korallenriffe, kleinere Inseln und Einbuchtungen. Von letzteren sind die bedeutendsten der Huongolf und die Astrolabebai.

 

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Das Innere ist noch wenig erforscht. Zwischen Huongolf und Astrolabebai das Finisterregebirge (3475 m), dem ein rund 1000 m hohes Küstengebirge vorgelagert ist. Im Innern die noch unbekannte Kraetkekette und weiter nördlich die Bismarckkette. Der im Jahre 1896 entsandten Expedition der Herren Dr. Lauterbach, Dr. Kersting und E. Tappenbeck ist die Entdeckung des grösstenteils schiffbaren Ramuflusses zu danken. Durch eine neuere Expedition wurde dessen Identität mit dem Ottilienflusse festgestellt und derselbe durch den Dampfer Johann Albrecht auf einer Strecke von 110 Seemeilen befahren.

Im Norden des Schutzgebietes der Kaiserin Augusta-Fluss, für grössere Fahrzeuge schiffbar, mit günstiger, nicht durch Riffe versperrter Mündung. In die Astrolabebai mündet der Gogolfluss, in den Huongolf der Markhamfluss.

Klima: Ausgeprägtes Trockenklima. An der Küste höchste Temperatur im Schatten 35o C., niedrigste 20o C., mittlere Jahrestemperatur 26o C. Vom April bis September Südostpassat, vom Oktober bis März Nordwestmonsun. Scharfer Unterschied zwischen Regen- und Trockenzeit in den meisten Jahren nicht vorhanden.

Handel und Verkehr: Ausgeführt werden hauptsächlich Tabak, Kopra, Nutzhölzer, Baumwolle, Trepang, Perlmutter und Kapok. 1903: Ausfuhr 243 654 M., Einfuhr: 798 857 M.

Bezirksamt: Friedrich - Wilhelmshafen. Von Europäern bewohnte Hauptplätze: Berlinhafen, Potsdamhafen, Friedrich - Wilhelmshafen, Stephansort, Finschhafen, Salamaua. Farbige Polizeitruppe: 100 Mann.

Schulen für die Eingeborenen sind von den Missionaren begründet worden.

b) Der Bismarck-Archipel (S. 19)

Grösse: ungefähr 61 000 qkm (= 2/3 Bayern).

Bevölkerung: wird veranschlagt auf ungefähr 200 000 Einwohner (Melanesier oder Papuas). Die Hauptinseln des Bismarck-Archipels sind die durch den St. Georg-Kanal getrennten Inseln Neu-Pommern mit der Gazelle-Halbinsel und Neu-Mecklenburg. Im Nordwesten die Admiralitätsinseln. Im St. Georg-Kanal die Inselgruppe Neu-Lauenburg. Am nordwestlichen Ende von Neu-Mecklenburg die Insel Neu-Hannover. Von den Salomon-Inseln die nördlichen Buka und Bougainville, die besonders als Anwerbegebiete für Arbeitskräfte eine Rolle spielen. Die europäische Bevölkerung betrug am 1. Januar 1903 277 Köpfe, darunter 182 Deutsche, am 1. Januar 1904: 320 Weisse, darunter 203 Deutsche.

Bodengestalt und Bewässerung: Sämtliche Inseln sind gebirgig. Auf Neu-Mecklenburg Berge bis zu einer Höhe von 1200 m. Neu-Pommern hat zahlreiche Küstenflüsse; Holmesfluss auf der Gazelle-Halbinsel. Auf Bougainville das Kaisergebirge mit dem Balbiberg (3067 m). Das Innere der Salomoninseln ist noch unerforscht (dichter Tropenwald.)

Klima: Der Archipel hat ein durch die Meeresumgebung gemildertes Tropen-Klima. Geringster Regenfall meist Juli bis Oktober.

Verkehrsmünze: Diwarra (Muschelgeld bei den Eingeborenen).

Ausfuhrartikel: Kopra, Baumwolle, Kapok, Trepang, Perlmutter, Schildpatt, Kaffee. Der Wert der Ausfuhr betrug 1902/1903: 918 914 M., derjenige der Einfuhr 1 714 900 M. 1903: Ausfuhr 963 066 M., Einfuhr 2 114 957 M.

Der Handel wird namentlich durch die Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südseeinseln und das deutsche Handlungshaus Hernsheim & Co., sowie durch das Haus Forsayth (Ralum) vermittelt. 

Sitz des Kaiserlichen Gouverneurs und Bezirksamt: Herbertshöhe. Stationen: Nusa, Käwieng, Namatanai.

c) Die Karolinen, Palau-Inseln und Marianen,

früher spanisch, sind im Juni 1899 durch Kauf in den Besitz des Deutschen Reiches übergegangen.

Die Karolinen haben einen Flächeninhalt von 1600 qkm (davon die Palau-Inseln 450 qkm). Bevölkerung: Ostkarolinen 25 000 Eingeborene, 1904: 89 Weisse, davon 32 Deutsche. Westkarolinen 13 264 Eingeborene (davon die Palau-Inseln 3748), 56 Weisse, davon 11 Deutsche. Die Marianen haben einen Flächeninhalt von 626 qkm. Bevölkerung: 2646 Eingeborene, 13 Weisse, davon 7 Deutsche, aber 45 Japaner, 21 mehr als im Vorjahre.

Die hauptsächlichen Inseln der Karolinen sind: Kuseie, Ponape, Truk und Jap. Die wichtigste Insel der Palaus ist Baobeltaob. Die hauptsächlichsten Marianen-Inseln sind: Seipan und Tinian.

Sitze der Bezirksregierungen sind: Ponape, Jap und Seipan.

Handel und Verkehr: Ausgeführt werden: Kopra, Trepang, Schildpatt, Perlmutter.

Eingeführt werden: Gewebe, Tabak, Lebensmittel usw. 1903: Ausfuhr aus den Ostkarolinen 180 740 M., Westkarolinen 359 059 M., Marianen 230 576 M.; Einfuhr nach den Ostkarolinen 338 749 M., Westkarolinen 442 110 M., Marianen 71 989 M.

II. Die Marshallinseln.

Grösse: ungefähr 400 qkm, auf etwa 353 Inseln verteilt.

Bevölkerung: ungefähr 15 000 E., reine Mikronesier mit dunkler Hautfarbe. Am 1. Januar 1903: 77 Weisse, davon 51 Deutsch. 1904: 81 Weisse, 61 Deutsche.

Die Inseln gehören zu Mikronesien und zerfallen in zwei Gruppen: die Ratakgruppe im Osten und die Rälikgruppe im Westen.

Klima: sehr feuchtwarmes, gleichmässiges Tropenklima (27o C.).

Durchschnittlich etwa 300 Regentage im Jahre und 4000 bis 5000 mm Regenmenge.

Handel und Verkehr: Hauptsächlicher Ausfuhrgegenstand: Kopra, 1902: 500 600 M., 1903: 521 598 M. Der Wert der Einfuhr betrug 1902: 487 679 M., 1903: 497 794.

Jabor auf Jaluit, Sitz des Kaiserl. Landeshauptmanns. Bezirksamt auf Nauru.

III. Die Samoainseln. (Schifferinseln.)

Zum deutschen Schutzgebiet Samoa gehören seit dem 14. Nov. 1899 folgende Inseln: Sawaii (1691 qkm), Upolu (868 qkm, Sitz des Gouvernements) Manono (8,5 qkm), Apolima (4,7 qkm), zusammen 2572 qkm (= Herzogtum Sachsen Meiningen). Die übrigen Inseln gehören den Vereinigten Staaten an. Sawaii und Upolu sind gebirgig (1646 und 975 m Meereshöhe) und vulkanisch.

Bevölkerung: 1902: 32 612 Eingeborene, 1903: 381 Europäer, davon 192 Deutsche, ferner eine Mischlings-Bevölkerung von etwa 600 Köpfen, 1904 keine nennenswerten Veränderungen.

Klima: tropisch (Mai bis September Passat). Jährl. Durchschnittstemperatur 25,700 C., mild, gesund.

Handel und Verkehr: Die Ausfuhr besteht hauptsächlich aus Kopra und Früchten und neuerdings Kakao. Sie betrug 1902: 1 691 851 M., die Einfuhr: 2 603 111 M., 1903: Ausfuhr 1 384 507 M., Einfuhr: 2 681 405 M.

Schiffsverkehr: Der Schiffsverkehr betrug 1903 je 111 ein- und ausgelaufene Schiffe mit 46 514 bzw. 46 324 Tonnen. Die Verbindung mit Apia vermitteln vierwöchentlich Dampfer der Union Steamship Co, die zwischen Sydney und Auckland verkehren. Ferner berühren die dreiwöchentlich zwischen San Francisco und Sydney verkehrenden Dampfer der Oceanic Steamship Co. Pango-Pango auf Tutuila, von wo ein Lokaldampfer den Anschluss nach Apia vermittelt. Reise über Australien 60 Tage, über Amerika 40 Tage


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Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1905, S. 18f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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