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Imperialismus | Kolonialzeit

[P|S|M]

Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1905, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1905 - Kamerun

Kamerun 

Grösse: 496600 qkm (= Deutsches Reich).

Bevölkerung: Ungefähr 3500000 (?) Einwohner, darunter 1902: 670 1903: 710 Europäer, wovon 561 bezw. 612 Deutsche. Eingeborene Hauptstämme der bisher bekannt gewordenen Gebiete: Im Norden und Nordosten die unter Fullahherrschaft stehenden Graslandstämme von Adamaua, von denen die Bata, Tikar, Baia und Wute die bekanntesten sind. Näher der Küste folgen im Nordwesten und Westen bis zur Südgrenze hinunter die Bafut und Bali, Banjang, Bakundu und Ngolo, Bamboko, Bakwiri, Duala, Batanga und Mabea und schliesslich Bule (Fang).

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Die Gegend zwischen Küsten- und Graslandstämmen, also etwa der Mittellauf des Sanaga und Njong, wird von Babimbi- und Bakokostämmen eingenommen, denen sich weiter östlich Jaúnde, Bane und Jengone anschliessen, die sämtlich mit den fast den ganzen Süden einnehmenden Bule verwandt sind. In den Flussgebieten des Dscha, Bumba und Ssanga sitzen Janguma, Njem, Ndsimu, Bomome und Maká. Zu erwähnen wären noch die Ngumba am Lokundje, Stammesgenossen der Njem und Maká.

Bodengestalt: Das höchste Gebirge im Umkreis des Atlantischen Ozeans ist das Kamerungebirge (4070 m), das sich nach Nordosten in den Bakossi- usw. Bergen fortsetzt. Das Gebiet steigt im übrigen in Terrassen mit vielen aufgesetzten Gebirgszügen im allgemeinen nach Osten und Nordosten an (Adamauagebirge bis 3000 m, Nguakeli im Süden ca. 1500 m). Eine etwa von Bali über die Mbammündung nach den Ssangazuflüssen gedachte Linie ergibt annähernd die Grenze des ununterbrochenen Küstenurwalds.

Flüsse (von Norden nach Süden): Das Rio del Reygebiet mit mehreren Zuflüssen, ebenso wie das Kamerunflussgebiet, in das der Mungo, Dibambu und Wuri münden, sind ausgedehnt von Mangrovesümpfen bedeckt. Der sehr bedeutende, doch nicht schiffbare Sanaga mit dem Mbam; der Njong, dessen Oberlauf weithin schiffbar ist, mit dem Nkele; schliesslich die kleineren: Lokundje, Kribi und Kampo. Adamaua wird von dem schiffbaren Benue, dem grössten Nebenfluss des Niger, durchströmt, der eine internationale Verkehrsstrasse zum Meere bildet (Nigerschiffahrtsakte 1885). Der Dscha mit Bumba im Südosten, bezw. der Ssanga schliessen das Gebiet der Kongoschiffahrt an.

Klima: Das Jahr hat vier Temperaturabschnitte; der Februar rnit 27.10° C. ist im Durchschnitt der wärmste, der Juli mit 23.48° C. der kühlste Monat. Die Regen- und Trockenzeiten liegen in den verschiedenen Gebietsabschnitten sehr verschieden und weichen auch in den einzelnen Jahren von einander häufig nicht unbedeutend ab. Jedenfalls gehört das Küstengebiet am Kamerunberg zu den regenreichsten Gegenden der Erde. Das Klima ist speziell in den Waldgebieten äusserst ungesund.

Handel und Verkehr: Die Ausfuhr besteht in Palmkernen, Palmöl, Rohgummi, Elfenbein, Kakao, Nutzholz, Kolanüssen, Kopal, Rinde etc. Wert derselben 1902: 6 264 099 M., 1903: 7 139 000 M.
Eingeführt werden Manufakturwaren, geistige Getränke, Materialwaren, Geld, Salz, : Holz, Holzwaren, Eisen und Eisenwaren, Tabak, Reis, Pulver u.s.w. Wert der Einfuhr 1902: 13 275 704 M., 1903: 13 866 000 M.
In den letzten Jahren hat der sehr aussichtsreiche Pflanzungsbetrieb, besonders von Kakao, um den Kamerunberg herum einen ausserordentlichen Aufschwung genommen, und die bisher erzielten Erfolge berechtigen zu den höchsten Erwartungen.

Bezirksämter befinden sich in Victoria, Duala, Edea und Kribi andere Verwaltungsbezirke: Bamenda, Banjo, Buëa, Kampo, Ebolwoa, Fontem, Garua, Jabassi, Johann-Albrechtshöhe, Joko, Kusseri, Lolodorf, Ossidinge, Rio del Rey, Ssanga-Ngoko, Jaúnde. Sitz des Gouvernements ist Buëa. 

Andere Ortschaften, in denen Europäer ansässig: An der Küste. Bibundi, Debundja, Bimbia, Bell, Joss, Akwa, Deidodorf, Malimba, Kl.-Batanga, Londji, Plantation, Gr.-Batanga; am Mungo: Mundame; am Sanaga: Lobetal, Marienberg; am Njong: Dehane; am Lokundje: Bipindi etc.

Schutztruppe: 1 Kommandeur, 30 Offiziere, 9 Aerzte, 130 Unteroffiziere, ungefähr 900 Farbige. Deutschen Militärpersonen unterstehende Polizeitruppen befinden sich auf den einzelnen Stationen.



  

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1905, S. 9

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