| Primaerliteratur |
| Imperialismus | Kolonialzeit | [P|S|M] |
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1905, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin
1905 -
Deutsch-Ostafrika
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Deutsch-Ostafrika
Grösse:
mit den dazugehörigen Wasserflächen 995 000 qkm (= 2 Deutsches Reich).
Bevölkerung
ungefähr 7 Mill. Einwohner. Wesentlichster Bestandteil Bantuneger. Die
Bantu des südlichen Teils des Schutzgebietes sind den Sulus verwandt. In
den Steppen des Nordens bis in die Mitte des Schutzgebietes wohnen in
kleinen Freistaaten die von Norden eingedrungenen Masai (Hamiten mit der
Sprache der Nilotischen Völker); im Nordwesten, zwischen Victoria- und
Tanganjika-See, als herrschende Klasse inmitten von Bantu die hamitischen
Wahuma oder Watussi. Zu den Sulus des Südens gehören die unter Stammesfürsten
stehenden Wahehe (im Flussgebiet des Rufiji) und die Mafiti, beide Stämme
sind von Süden eingedrungen.
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Ein Mischvolk von
Arabern und Eingeborenen sind die Suaheli. Neben den Eingeborenen wohnen an der
Küste: Araber (Maskat- und Schihiriaraber), Beludschen, Inder, Parsi, Goanesen,
Syrer, Aegypter, Türken, Euroäer: 1437, darunter 1102 Deutsche.
Bodengestaltung:
Deutsch-Ostafrika ist ein Teil der sich von Abessinien bis Kapstadt
erstreckenden Hochebene; dasselbe, vom Indischen Ozean landeinwärts ansteigend,
gliedert sich durch mehrere vom S nach N verlaufende Längsspalten (Gräben) und
erhebt sich im Schutzgebiet zu einer Höhe von 1000 - 1500 m und darüber.
An der Nordgrenze der doppelgipfelige Kilimandscharo (westliche Spitze:
Kibo 6010 m, östliche Spitze: Mawensi 5355 m) bedeckt eine Fläche von 3770 qkm
oder 67 deutschen Quadratmeilen. Dem Kilimandscharo zunächt, zur Linken des
Pangani, das nach Westen steil abfallende Paregebirge, östlich davon nahe der Küste
das Usambaragebirge. Als Fortsetzung des Paregebirges erscheint auf dem rechten
Panganiufer die Terrasse von Useguha. Mit dem Gebirge von Nguru beginnt das
durch Ussagara und Uhehe bis zum Njassa in einem Bogen sich fortsetzende
Randgebirge. Auf der Grenze zwischen Ussagara und Uhehe die Ruhebo-Berge. In den
Njassabergen Gipfel von 3000 m, am Nordostende des Njassa das
Livingstonegebirge. Im Nordwesten des Schutzgebietes die Berge von Urundi und
Ruanda. In der Grabenspalte nördlich des Kiwu-Sees die Kirunga-Vulkane.
Bewässerung:
Die Hochebene im Innern ist vorwiegend wasserarm. In den Indischen Ocean (in der
Reihenfolge von Norden nach Süden) ergiessen sich folgende Flüsse: der Umba,
der Pangani (Quelle auf dem Kilimandscharo), der Wami und Kingani (münden
Zanzibar gegenüber), der Rufiji (mit dem Kilombero und Ruaha, am Ausfluss des
Rufiji die Insel Mafia), der Rowuma (Grenzfluss im Süden).
In den Tanganjika-See fliesst der Mlagarassi, in den Victoria-Njansa der Kagera,
der südlichste Quellfluss des Nils.
Zum Teil zum deutschen Schutzgebiet gehören die drei Süsswasserseen Afrika:
der Victoria-Njansa (1180 m über dem Meeresspiegel, 66 000 qkm gross = Königreich
Bayern), der Tanganjika (795 m über dem Meeresspiegel, 35 000 qkm gross =
Provinz Ostpreussen), der Njassa (500 m über dem Meeresspiegel, 27 000 qkm
gross = Provinz Westpreussen).
Westlich vom Kilimandscharo befinden sich der Guassonjiro-, der Ejassi- und der
Manjara-See. Der nordwestlich vom Njassa befindliche Rikwa-See liegt 810 m hoch
und bildet ein ablussloses Becken.
Klima:
Deutsch-Ostafrika gehört in seiner ganzen Ausdehnung der tropischen Zone an.
Vom Mai bis September weht der Südwestpassat, vom Dezember bis März der
Nordostpassat. Die Winde tragen die Feuchtigkeit über das Festland und
bestimmen die Regen- und Trockenzeit.
An der Küste erwartet man die kleine Regenzeit im November und die grosse in
den Monaten März und April. Der kühlste Monat ist (S. 16) der Juli, in dem die
Temperatur des Nachts auf 16o C. sinkt, während sie bei Tage 35o
C. und mehr beträgt.
Handel und
Verkehr: Ausgeführt werden unbearbeitetes Elfenbein, roher Kautschuk,
Sesam, Kopal, versteinertes und Baumharz, Kokosnüsse, Matten, einheimische Bauhölzer,
Hörner, Kopra, Kaffee, Flusspferdzähne. Gesamtwert der Ausfuhr 1902: 5.283.290
M., 1903: 6.738.906 M. einschliesslich der 1903 zum ersten Male statistisch
nachgewiesenen Ausfuhr über die Binnengrenze 7.054.207 M.
Eingeführt werden Baumwollwaren, geschälter Reis, Eisen und Eisenwaren, Wein,
Butter, Schmalz, Käse, Schinken, Speck, Fleisch, Bier, Erdöl, Steinöl, Gemüse
und Obst, Mehl, Tabak, geistige Getränke usw. Wert der Einfuhr 1902 8.858.463
M., 1903: 10.688.804 M. einschliesslich der Einfuhr über die Binnengrenze
11.188.052 M.
Die Usambarabahn ist auf der 84 km langen Strecke Tanga - Korogwe in regelmässigem
Betrieb. Die weiteren 45 km bis Mombo sind Anfang des Jahres 1905 fertiggestellt
worden - Der Bau der am 16. Juni 1904 vom Reichstage bewilligten Eisenbahn
Daressalam - Mrogoro ist Ende 1904 in Angriff genommen worden.
Regierungssitz:
Daressalam. Das Schutzgebiet zerfällt jetzt in 22 Verwaltungsbezirke. Davon
stehen 10 unter Zivilverwaltung: Tanga, Pangani, Bagamojo, Daressalam, Rufiji,
Kilwa, Lindi, Wilhelmstal, Morogoro, Langenburg, und 12 unter Militärverwaltung:
Moschi, Kilimatinde, Mpapua, Tabora, Muansa, Bukoba, Iringa, Udjidji, Usumbura,
Ssongea, Mahenge, Bismarckburg.
Stationen:
Schutztruppe: Daressalam, Bukoba, Muansa, Moschi, Aruscha, Udjidji, Tabora,
Kilimatinde, Iringa, Mpapua, Kondoa-Irangi, Lindi, Bismarckburg, Mahenge,
Usumbura, Schirati, Ssongea. - Polizeitruppe: Wilhelmstal, Tanga (Ausgangspunkt
der Eisenbahn nach Korogwe), Pangani, Sadani, Bagamojo, Daressalam,
Neu-Langenburg, Langenburg, Wiedhafen, Liwale, Kilwa, Tschole, Lindi, Mikindani,
Mohoro, Kilossa.
Schutztruppe:
1902: 2666 Mann, davon 2042 eigentliche Truppe, 624 Landespolizei; 1903: unverändert
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1905, S. 12ff. |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek
zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

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