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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1906, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin
1906 -
Rückblick auf
die Entwicklung Togos im Jahre 1905
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Rückblick auf die
Entwicklung Togos im Jahre 1905
(S. 8) Im Mai wurde
der Kaiserliche Regierungsrat und Kanzler bei dem Gouvernement von Togo, Julius
Graf v. Zech auf Neuhofen, zum Gouverneur von Togo ernannt; eine Ernennung, die
im Schutzgebiete lebhaften Beifall fand.
Unser Verhältnis zu den kulturell sehr hochstehenden Eingeborenen des
Schutzgebietes Togo war auch im Jahre 1905 ein gutes. So wurde denn der Landfriede
nicht gestört, wenn man nicht kleine Fälle von Unbotmässigkeiten zählen
will, wie z.B. dass im Hinterland zwei Landschaften auf eigene Hand miteinander
Krieg führten und mit Gewalt zur Ruhe gezwungen werden mussten.
Ganz unvermutet trat in der ersten Hälfte des Jahres in Anecho eine epidemische
Krankheit auf, die von den Aerzten als Gelbfieber angesprochen wurde und aus den
Plätzen des benachbarten Dahomey eingeschleppt worden war. Durch die völlige
Absperrung Anechos wurde die Ausbreitung der Seuche auf andere Teile des
Schutzgebietes verhindert, und zu Anfang Juni konnte die Krankheit als erloschen
bezeichnet werden. An der Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse Lomes wurde
weiter gearbeitet, und es trat eine Gesundheitskommission zusammen, die über
entsprechende Massnahmen zur Sanierung des an 6000 Einwohner zählenden Platzes
beraten soll. Insgesamt war der Gesundheitszustand des weissen Bewohners der
Schutzgebiete gut, besonders nahmen und nehmen Erkrankungen an Malaria immer
mehr ab. Ebenso befriedigend kann auch die Schlafkrankheit nach dem Tode der
isolierten Kranken als erloschen angesehen werden. Gegen Pockenerkrankungen
unter den Eingeborenen wurden im Berichtsjahr Schutzimpfungen im grösseren
Umfange vorgenommen.
Das Jahr 1905 war wie die beiden vorhergehenden ausserordentlich trocken,
insbesondere fiel die sogenannte kleine Regenzeit völlig aus. Das blieb natürlich
nicht ohne Einfluss auf die wirtschaftlichen Verhältnisse. Demgemäss hat die
Baumwollernte des Berichtsjahres nicht ganz den erhofften Ertrag gebracht.
Gleichwohl ist ein Steigen der Ausfuhr zu verzeichnen gewesen. Nicht minder beim
Kautschuk, beim Kakao und beim Mais, dessen Kultur bei gerimgem Aufwand von Mühe
und Arbeit doch reiche Erträge bringt. An der Zunahme des gesamten
Wirtschaftsleben sind die europäischen Firmen ebenso wie die Eingeborenen
beteiligt. Das letztere ist wichtig, weil die farbige Bevölkerung im
Schutzgebiet das eigentliche Produktionselement bildet. Aber die von den
Eingeborenen angewandten landwirtschaftlichen Werkzeuge sind unvollkommen und
ihre Wirtschaftsmethode im allgemeinen unrentabel; der Pflug ist ihnen so wenig
bekannt, wie die Anwendung natürlicher Düngemittel.
Hier kann nur durch praktische Schulung und Belehrung Wandel geschaffen werden,
deshalb denkt das Gouvernement an die Schaffung einer landwirtschaftlichen
Schule, wo der junge Bevölkerungsnachwuchs zur Anwendung vernünftiger
Methoden beim Anbau von Oelpalmen, Baumwolle, Mais, Erdnüssen, Bohnen, Reis,
Sorgum, Panisetum-Hirse, Yams, Kassada und dergleichen, zum Gebrauch des
Pfluges, der Düngemittel und rationeller Fruchtfolgen angehalten werden soll.
Eine Kommission, bestehend aus einem Regierungsvertreter, einem Vertreter der
Deutschen Togogesellschaft und einem Missionar, ist zusammengetreten, um zu
untersuchen, ob in den Gebieten, in denen die Deutsche Togogesellschaft Ländereien
besitzt, den Eingeborenen genügend Land für ihren Lebensunterhalt verblieben
ist. Die Kommission hat bei den Ländereien der genannten Gesellschaft am Agu
einen befriedigenden Ausgleich herbeigeführt.
Die Faktoreien fahren fort, ihre Zweiggeschäfte weiter ins Innenland zu
vorzuschieben. Palime, das als Endpunkt der im Bau begriffenen Bahn in Aussicht
genommen ist, entwickelt sich mehr und mehr zu einem wichtigen Handelsplatz.
Auch in Atakpame, Kete-Kratji und in den grösseren Plätzen am Mono kommt der
Handel immer mehr in die Hände der europäischen Firmen. Weiter nach Norden ist
wie bisher der mohammedanische Händler der Vermittler zwischen den Faktoreien
und den Käufern. Im Innern des Schutzgebietes wird als kleine Scheidemünze
vielfach immer noch die Kaurimuschel verwendet. Da also ein Bedürfnis nach
kleinen Scheidemünzen besteht, werden jetzt deutsche Einpfennigstücke in grösserem
Masse eingeführt, die hoffentlich bald die Kaurimuschel verdrängen werden.
Die im Schutzgebiet kursierende englische Münze wird zwar von den öffentlichen
Kassen in Zahlung genommen, aber nicht mehr im Schutzgebiet in den Verkehr
gegeben, sondern an die in der englischen Goldküstenkolonie befindliche Bank
abgeführt.
Vorzüglich bewährt hat sich die Landungsbrücke, und der Verkehr darüber
hat sich recht günstig entwickelt. So wurden an 172 Betriebstagen (zum Teil die
letzten Monate des Jahres 1904 mitgerechnet) 8300 t und 6600 cbm befördert,
wobei nur ein ganz geringer Bruchteil verloren ging, und Beschädigungen der
Ware durch Seewasser nicht festgestellt werden konnten, während bei dem Verkehr
durch die Brandung durchschnittlich zum mindesten 5 v. H. der Waren verloren
gehen und ein sehr grosser Prozentsatz durch Seewasser beschädigt wird.
Die Küstenbahn, auf der sich schon während des Baues ein lebhafter
Personenverkehr entwickelte, ist am 18. Juli dem öffentlichen Verkehr übergeben
worden.
(S. 9) Am 27. August fand auch die Eröffnung der ersten 28 Kilometer der
Innenlandbahn statt bis zur Station Noëpe. Man hofft bis zu Anfang des Jahres
1907 die Gesamtstrecke fertigzustellen.
Mit dem Bau von Schienenwegen geht die Anlage von Strassen und Wegen Hand
in Hand, so wurden grössere Arbeiten auf der Strecke Lome-Atakpame vorgenommen.
Es wurde ferner eine Drahtseilbrücke von 24 m Fahrbahnbreite über den Schio
aufgestellt und im Anschluss daran ein über einen Kilometer langer, zwei Meter
hoher Damm über das Niederungsgebiet des erwähnten Flusses gebaut. Ebenso
wurde mit dem Bau einer Drahtseilbrücke von 30 m Spannweite über den Hahofluss
begonnen, und die 200 m lange Brücke über die Lagune von Sebe wurde vollständig
umgebaut. Um den Baumwollbau in der Gegend von Ho ertragbringend zu machen,
wurde in der Länge von rund 60 km ein Weg von Ho über Batoë-Batome nach
Assahun angelegt, der Ende September vorigen Jahres dem Verkehr übergeben
werden konnte. Die Wasserläufe wurden vorläufig mit Holz überbrückt, wo später
erst festere Anlagen eingerichtet werden sollen. Assahun wird später
Haltestelle der Lome-Palime-Bahn. Im September hat schon ein mit Baumwolle
beladener Wagen auf dem Wege über Assahun bis Noëpe, bis wohin bekanntlich
seit August die Eisenbahn schon reicht, die Reise in drei Tagen zurückgelegt.
Gewisse Hoffnungen darf man an Mineralvorkommen des Schutzgebietes knüpfen.
Der Bezirksgeologe Dr. Koert hat im Berichtsjahr im Auftrage des Gouvernements
geologische Forschungsreisen unternommen. Sie galten in der Hauptsache dem schon
von Hupfeld beschriebenen Eisenerzalger Banyeli, das nach vorsichtiger
Schätzung des Bezirksgeologen im Wege des Tagebaues etwa 20 Millionen Tonnen
Eisenerz liefern kann. Ausserdem steht westlich von Banyeli noch brauchbares
Erz. Die Reise lieferte ferner noch folgende Anzeichen für das Vorkommen
nutzbarer Lagerstätten: erstens im Lamatischi-Gebirge grosse Blöcke eines
titanhaltigen Magnet-Eisensteins, zweitens Graphit-Einlagerungen am Durchbruch
des Kerangflusses durch das Ssolo-Gebirge und drittens unweit Sokode ein
Quarzgang mit eingesprengtem Bleiglanz, Schwefelkies und Kupferkies.
Wegen zu schwacher Beteiligung hat sich die Handelskammer von Togo aufgelöst.
Dafür bildete sich eine Vereinigung der Lome-Kaufleute.
In der letzten Augustwoche wurde das Schutzgebiet einige Tage lang von sieben
Reichstagsabgeordneten besucht, die von dem wirtschaftlichen Werte des
Togolandes und von der Wirksamkeit der deutschen Kolonisation den allerbesten
Eindruck erhielten und dies in ihren Berichten über die Reise des mehrfachen
ausgesprochen haben. Es waren die Herren : Dr. Arendt, v. Böhlendorff-Kölpin,
Dr. Goller, Hagemann, Freiherr v. Richthofen-Damsdorf, Dr. Semler, Chr. Storz.
Die Einladungen zu der Erkundungsreise waren von Seiner Hoheit dem Herzog Johann
Albrecht zu Mecklenburg ausgegangen und entsprachen lange erwogenen Plänen.
Mit der "Eleonore Wörmann" fuhren die Herren am 9. August von Hamburg
ab und betraten nach kurzem Aufenthalt in Southampton, Teneriffa und Las Palmas
in Monrovia zuerst afrikanischen Boden. Dann wurden Axim, Sekondi, Cape Coast
Castle, Akkra angelaufen und in Lome längerer Aufenthalt genommen. Die
Abgeordneten nahmen an der Einweihung der Teilstrecke der Innenlandbahn teil,
besuchten vermittels der Küstenbahn Anecho und die Plantage Kpeme und sahen
sich sehr eingehend in Lome um, dann ging es nach Kamerun, und zwar bis nach
Edea hinauf.
Nach eingehender Besichtigung aller Unternehmungen und Einrichtungen wurde über
Lagos die Rückreise angetreten. Die Herren trafen am 30. September wieder in
Hamburg ein und konnten so am 5. Oktober zum Deutschen Kolonialkongress 1905
anwesend sein.
Koloniale Literatur
des Jahres 1905. (Hauptwerke)
Ew'egbe-'gbalé-hehlé
na Gomedzelawo. Fibel. Ausg. f. Deutsch-Togo. Verl. d. Nordd. Miss-Gesell.,
Bremen 1905.
Storz, Chr.,
Reisebriefe aus Westafrika u. Beiträge zur Entwicklung der deutschen Kolonien
in Togo und Kamerun. Herausgeg. v. J. Hess, Stuttgart 1906. 0,50 M.
Togo und Kamerun.
Eindrücke und Momentaufnahmen. Von einem deutschen Abgeordneten, m.K. W.
Weicher, Leipzig 1905
. 2,80.
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1906, S. 8f |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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