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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1906, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin
1906 -
Deutsch-Südwestafrika
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Deutsch-Südwestafrika
(S. 12)
Grösse : 835
100 qkm (= 1 ½ Deutsches Reich).
Bevölkerung
: Ungefähr 200 000 (?? zurzeit sind Angaben darüber nicht zu machen).
Zahlreichster Bestandteil der Eingeborenen sind die Hereros, ein Bantustamm,
nach Schinz 86 000 Seelen. Sie bewohnen das innere Hochland nördlich vom
Swakop, nordwärts bis jenseits Waterberg, ostwärts bis zum 18. Grad östlicher
Länge von Greenwich, 80 000 - 90 000 qkm. Die Bergdamara (nach Missionar Viehe
an Zahl 35 000), durchaus verschieden von den Hottentotten, kommen südlich von
der Etoschapfanne in ganz Deutsch-Südwestafrika vor und leben in kleinen
Abteilungen zwischen den Herero und Hottentotten. Die
Hottentotten (ungefähr 10 000) oder Nama (von gelblicher Hautfarbe) finden sich
in Gross-Namaland und einem Teil des Kaokofeldes. Die Owambo (ungefähr 60.000),
ein Bantustamm im Ambolande, zwischen dem 18. Grad südl. Breite und dem Kunene.
Die Buschmänner, einige Tausend an Zahl, führen in der Kalahari und in dem
Gebiet zwischen der Etoschapfanne und Damaraland ein ungebundenes Leben. Die
Bastards, stärkste Niederlassung bei Rehoboth (sämtlich Christen), sind
Mischlinge von Europäern und Hottentotten (nach Wagner 2000 an Zahl). Die
weisse Bevölkerung betrug am 1. Januar 1903 4682 Personen, davon 2998 Deutsche.
Infolge des Aufstandes ist die Aufstellung einer Statistik für 1905 unmöglich
geworden.
Bodengestalt : In
seiner ganzen Ausdehnung ist Deutsch-Südwestafrika eine bis zu 1200 m, anfangs
sanft, dann meist steil ansteigende Terrassen-Landschaft, die sich ungefähr 300
km vom Meere binnenwärts zu senken beginnt. Die Breite des wüsten Küstengürtels
beträgt mehrere Tagesreisen, doch bilden die Täler der größeren Flüsse
Oasen. Im Innern befinden sich vereinzelt und unregelmässig verteilt zahlreiche
Gebirgszüge, Kuppen und Bergreihen, die um mehrere 100 m über die
durchschnittliche Landesoberfläche emporragen (Gneis und Granit). Im Süden das
2000 m hohe Karasgebirge, zwischen Rehoboth und Windhuk das Auasgebirge (2481 m
hoch), weiter nördlich der Omatakoberg (2680 m hoch). Nach Osten fällt die
Hochebene zu der im Innern 500 m tiefer gelegenen Kalaharisteppe ab.
Bewässerung : Sämtliche
vorhandene Flüsse können zu Verkehrszwecken nicht benutzt werden. Nur der
Orange und Kunene, sowie der sich in den Ngamisee ergiessende Okawango haben das
ganze Jahr hindurch fliessendes Wasser, sind aber nicht schiffbar; die übrigen
sich in den Atlantischen Ozean ergießenden Flüsse liegen während des größten
Teils des Jahres trocken und bilden selbst zur Regenzeit selten ununterbrochene
Wasseradern (Swakop, Kuiseb). Quellen befinden sich in größerer Zahl im
Hererolande; hier ist auch die Regenmenge bedeutender als in Gross-Namaland. Die
Frage der Wassererschliessung, der Staudämme usw. ist die wichtigste des
Schutzgebietes.
Klima : Das
Klima ist im Sommer heiss, aber trocken und gesund. Der Winter ist durchaus gemässigt.
Nachtfröste sind im Innern nicht selten. Der Küstenstrich ist gleichmäßig kühl
und hat bis 50 km landeinwärts nur Nebelniederschläge. Vorherrschende Winde
aus südlicher Richtung, in der wärmeren Jahreshälfte (Oktober-März) auch
Winde aus nördlicher Richtung, welche die Hauptregenzeit von Januar bis März
(S. 13) verursachen. In Windhuk beträgt die mittlere Jahrestemperatur 20o,
im kühlsten Monat, Juli, 19o, im wärmsten, Januar, 25o.
Handel und
Verkehr : Ein Hafen für die Mitte des Schutzgebietes fehlt. Swakopmund ist
nur eine offene Rede. Die 1900 erbaute Landungsmole hat sich nicht bewährt.
Neuerdings ist auf den prächtigen Hafen von Lüderitzbucht hingewiesen und
dieser benutzt worden. Verkehrsmittel im Innern für Personen und Frachten ist
der Ochsenwagen; mit 10 bis 20 Ochsen bespannt, legt derselbe täglich, beladen
mit 30 bis 50 Zentnern, 18 bis 35 km zurück. Zwischen Swakopmund und Windhuk
besteht seit Juli 1902 eine schmalspurige Feldbahn (382 km). Personenzüge
verkehren in jeder Richtung zweimal in der Woche, Güterzüge nach Bedarf. Bahn
Swakopmud-Otawi (geplant bis Tsumeb, 570 km) im Bau und Ende 1905 bis 320 km über
Omaruru hinaus in Betrieb.
Eingeführt werden fast alle Gegenstände des europäischen Marktes,
insbesondere Getränke, Tabak, Kaffee, Konserven, Mehl, Reis, Bekleidungs- und
Schmucksachen. Einfuhr 1902: 8 567 550 M., 1903: 7 930 754 M. Für 1904 und 1905
fehlen des Aufstandes wegen die Daten.
Ausgeführt werden Rindvieh, Kleinvieh, Kupfer, Viehhäute, Hörner,
Straussenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano (Cap Cross), rohe Felle. Ausfuhr 1902:
2 212 973 M., 1903 3 443 511 M. Für 1904 und 1905 fehlen des Aufstandes wegen
die Daten.
Die der Küste vorgelagerten Guanoinseln (zwischen 24o 37' und 28o
S), sowie das Gebiet der Walfischbai sind im Besitz Englands.
Verwaltung : An
der Spitze der Gouverneur, Sitz Windhuk. Das Schutzgebiet zerfällt in sechs
Bezirke: Keetmanshoop, Gibeon, Windhuk, Swakopmund, Gobabis und Outjo. Dazu
kommen die selbständigen Distrikte Karibib und Grootfontein. Diesen sind eine
Anzahl von Ortspolizeibehörden unterstellt. Die Bergbehörde befindet sich in
Windhuk. Neue Bergverordnung seit 1. Januar 1906 in Kraft.
Offiziersstationen
: (vor dem Aufstande) Windhuk, Rehoboth, Gobabis, Keetmanshoop, Bethanien,
Warmbad, Swakopmund, Omaruru, Outjo, Zesfontein, Grootfontein, Maltahöhe und
Nauchas.
Europäische
Schutztruppe : Seit Beginn des Aufstandes sind 14.537 Mann nach Südwestafrika
geschickt worden; tot 1280 Mann
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1906, S. 12f |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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