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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1906, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin
1906 -
Rückblick auf
die Entwicklung Südwestafrikas im Jahre 1905
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Rückblick auf die
Entwicklung Südwestafrikas im Jahre 1905
(S. 13) Die
Aufstandsbewegung war Ende des Jahres 1905 noch keineswegs unterdrückt, wenn
auch beträchtlich eingedämmt.
Die seit Anfang Oktober 1904 aufständischen Witbois sammelten sich, gut
beritten, etwa 600 Gewehre stark, bei Rietmond und Kalkfontein. Sie erhielten
alsbald durch die Rote Nation und die Franzmann-Hottentoten von Gochas Verstärkung,
wie sich ihnen gleichfalls die Nordbethanier und wider Erwarten die Feldschuhträger
anschlossen. Die zunächst gelegenen Farmen wurden zerstört. Die Weissen
ermordet (insgesamt sind dem Aufstande im Süden etwa 60 Ansiedler zum Opfer
gefallen) und kleinere Stationen mit Erfolg überfallen. Die ersten Gefechte bei
Kub und Huachanas am Ende des Jahres 1904 hatten keine
Entscheidung gebracht. Erst als Major Meister die Verfolgung der bei Kub und
Naris geschlagenen Witbois übernommen hatte, kam es in den ersten Januartagen
des Jahres 1905 unweit Stampritfontein zu einem ernsten Gefechte, wo
unsere Schutztruppe in einem mehr als fünfzigstündigen Ringen unter den grössten
Anstrengungen und Entbehrungen bei Gross-Nabas focht und den Sieg erst
durch einen Sturmlauf auf die feindlichen Schanzen erzwang. Wegen des Wasser-
und Munitionsmangels war eine Verfolgung nicht möglich.
In denselben Tagen schlug Oberst Deimling die Simon Kopper-Leute südlich
Gochas und darauf die vor Major Meister zurückgegangenen Witbois. Aber infolge
von Verpflegungsschwierigkeiten und einer unter den Pferden, Eseln und
Maultieren auftretenden Sterbe konnten die Erfolge am Auob nicht recht
ausgenutzt werden. Besonders litten die Operationen gegen den Bandenführer
Morenga unter den Verpflegungsschwierigkeiten, so dass die Unternehmungen gegen
ihn eine Zeitlang ganz eingestellt werden mussten und erst im Herbst wieder
aufgenommen werden konnten. Bei Kosis traf Hauptmann Georg Kirchner auf Morenga,
wobei der Führer in einem sehr schweren Gefecht fiel. Am 19. März gelang des
Hauptmann Liebert, den Bestand Morengas an die englische Grenze zu drängen.
Von Hendrik hiess es in den ersten Monaten des Jahres, er habe sich nach dem
Gefacht von Gross-Nabas auf englisches Gebiet zurückgezogen. Er wurde aber später
am Nossob gemeldet. Gewisse Feststellungen waren erst im Juli möglich, wo man
den Witboiführer sicher am Isacheib ermittelte.
Ein erbitterter Kampf fand am 13. September bei Nabib, westlich Haruchas,
statt, wo nach sechsstündigem Aufstieg in einem steilen Gebirge und nach
heftigem, fünfstündigem Gefecht nach einem Kampfe Mann gegen Mann die
Hottentotten von Major Meister aus starken Stellungen geworfen wurden.
Der siegreiche Ausgang des Gefechtes in völlig unbekannter Gegend war nur durch
die von langer Hand vorbereiteten persönlichen Erkundungen des Majors Maercker
möglich. Im Oktober ist ein durch Verrat eines Eingeborenen-Polizisten
herbeigeführter Ueberfall bei Jerusalem und Schitdrift zu verzeichnen. In
denselben Tagen ging die Abteilung Lengerke gegen Hendrik Witboi bei Aminuis
vor.
Mehrere Wochen vernahm man von dem Witboiführer gar nichts, bis von
Generalleutnant von Trotha die Meldung einging, dass nach Mitteilung des
Bersabakapitäns Christian Goliath Hendrik Witboi beim (S. 14) Ueberfall eines
Verpflegungswagens bei Fahlgras am 29. Oktober durch einen Schuss in den
Oberschenkel schwer verwundet wurde, so dass er am 2. November die Wahl seines
Sohnes Isaak zum Kapitän veranlasste und am 3. November infolge der Verwundung
starb. Das war die letzte, aber, wie man zugeben wird, wichtige Nachricht des
Generalleutnants von Trotha, der am 19. November von Lüderitzbucht aus mit dem
Dampfer "Prinzregent" die Heimreise antrat. An seiner Stelle übernahm
Oberst Dame die Geschäfte des Kommandeurs der Schutztruppe.
Seine Majestät der Kaiser ehrte die tapferen Kämpfer in Südwestafrika, die,
nachdem man sie lange vernachlässigt hatte, auch im deutschen Volke endlich
Anerkennung fanden, indem er ihrem Führer, dem Generalleutnant v. Trotha
und dem Major Meister, wie dem Hauptmann Franke den Orden Pour
le Mérite verlieh.
Die nächsten Nachrichten vom Kriegsschauplatz kamen zumeist vom Gouverneur von
Lindequist aus, der am 27. November in Windhuk seinen Einzug hielt, und
beziehen sich meist auf die freiwillige Uebergabe kämpfender Hottentotten oder
Hereros. So stellten sich gegen Ende November Samuel Isaak, Witbois einstiger
Feldkapitän, mit 17 Grossleuten und ihrem Anhang, sowie Hans Hendrik, der
Feldschuhträger, freiweillig in Bersaba. Weiterhin wurden noch zahlreiche
Unterwerfungen mitgeteilt, so dass zu Anfang des Jahres 1906 ernst zu nehmende
Gegner nur noch Cornelius und Morenga waren (Cornelius ergab sich im März). Es
ist anzunehmen, dass das Jahr 1906 dem vielgeprüften Schutzgebiet endlich Ruhe
und Sicherheit bringen wird.
Das wäre nötig, damit aufs neue die wirtschaftliche Arbeit wieder aufgenommen
werden und begonnene Ansätze von neuen Einrichtungen ausgebaut und nutzbar
gemacht werden könnten. Da ist zuerst die Otawibahn zu erwähnen, die am
18. Mai 1905 Karibib erreichte, so dass also von Swakopmund bis Karibib zwei
Bahnlinien zur Verfügung stehen. Im September drang man bis Omaruru vor, bei
Jahresschluss hatte man das Gleis bis km 320 vorgestreckt und hoffte, bis Mitte
des Jahres 1907 die 570 km lange Strecke zu vollenden.
Nach kurz vor Weihnachten erfolgter Bewilligung des Reichstags wird seit
Jahresschluss an der Bahn von Lüderitzbucht nach Kubub gebaut. Man
hofft, die 167 km lange Strecke im laufenden Kalenderjahr zu vollenden. Diese südwestafrikanische
Südbahn, die in den hervorragenden Hafen von Lüderitzbucht grösseren
Schiffsverkehr leitet, wird vorerst hauptsächlich strategischen Aufgaben
dienen, später aber nach Weiterführung bis Keetmanshoop, vielleicht bis in
kapländische Gebiet wirtschaftlichen Wert gewinnen.
Die Tätigkeit der Farmer hat wegen der Unsicherheit im Lande noch geruht und
vor allem auch, weil der Reichstag noch immer versäumt hat, den geschädigten
Ansiedlern Ersatz ihres Schadens in vollem Masse zu gewähren. Erst wenn diese
Forderung der Gerechtigkeit und Menschlichkeit erfüllt werden wird, kann an
einen wirklich Aufbau des Schutzgebietes, wie ihn in seiner Begrüssungsansprache
zu Windhuk am 27. November Gouverneur von Lindequist als erstrebenswert
hinstellte, gedacht werden. Dann wird wohl einst Südwestafrika ein massives,
echt deutsches Land sein mit festem Fundament, zu dem die Deutschen ganz Südafrikas
als zu einer Hochburg des Deutschtums in diesem Erdteile emporblicken werden.
Dann wird sich einst die Zähigkeit belohnen, mit der die alten Ansiedler an der
neuen Heimat über See hängen, und mancher deutsche Sohn wird zwischen Kunene
und Orange eine neue Heimat finden.
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Vergleichende
Verlustzahlen der Kriege von 1864, 1866, 1870/71,
sowie des Krieges in Südwestafrika |
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Gefallen,
vermisst, an Wunden gestorben |
Verwundet,
ausschl. der an Wunden gestorbenen |
An
Krankheit gestorben |
Kopfstärke |
|
1864 |
Offiziere |
37 |
148 |
310 |
61.500 |
| Aerzte |
| Beamte |
| Unteroffiziere |
701 |
1.988 |
| Mannschaften |
|
|
1866 |
Offiziere |
184 |
606 |
6.427 |
326.000 |
| Aerzte |
| Beamte |
| Unteroffiziere |
4.450 |
11.453 |
| Mannschaften |
|
|
1870/71 |
Offiziere |
1.881 |
4.239 |
14.904 |
936.915 |
| Aerzte |
| Beamte |
| Unteroffiziere |
26.397 |
84.304 |
| Mannschaften |
|
|
Krieg
in Süd.-Westafrika bis 26, Jan. 1906 |
Offiziere |
65 |
73 |
23 |
14.537 |
| Aerzte |
| Beamte |
| Unteroffiziere |
577 |
646 |
615 |
| Mannschaften |
Koloniale Literatur
des Jahres 1905. (Hauptwerke) (S. 15)
Bülow, Fr. von. Im
Felde gegen die Hereros. Erlebnisse eines Mitkämpfers. G.a.v.Halem, Bremen,
1,50 M.
Erffa, Dr. jur.
Burkhart, Frh. v. Reise u. Kriegsbilder von Deutsch-Südwestafrika. Aus Briefen
des am 9. April 1904 bei Onganjira Gefallenen. Buchh. d. Waisenhauses, Halle
a.S. 1905. 2 M.
Falkenhausen, H.v.
geb. Nitze. Ansiedlerschicksale. Elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893-1904.
D. Reimer, Berlin 1905. 3 M.
François,
Generalmajor von. Der Hottentotten-Aufstand. Studie üb. d. Vorgänge im
Namalande v. Jan. 1904 bis Jan 1905 u. d. Aussichten d. Niederwerfung des
Aufstandes. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1905. 1,60 M.
Gümpell, J. Die
Wahrheit über Deutsch-Südwestafrika. G. Dufayel, Cassel 1905. 0,50 M.
Hanemann, Dr.
Wirtschaftl. u. polit. Verhältnisse in Deutsch-Südwestafrika. 2. Aufl. D.
Kol.-Verl., Berlin 1905. 1,50 M.
Hereroaufstand 1904
in Wort u. Bild, Der. Nach Illustr. v. G. Lange in Swakopmund. In Komm. Schaar
& Dathe, Trier. 8 M.
Hesse, Dr. jur. H.
Die Schutzverträge in Deutsch-Südwestafrika. Ein Beitrag zur rechtsgeschichtl.
u. polit. Entwicklung des Schutzgebietes. W. Süsserott, Berlin 1905. 3 M.
Kuhn, A. Zum
Eingeborenenproblem in Deutsch-Südwestafrika. Ein Ruf an Deutschlands Frauen.
D. Reimer, Berlin 1905
Kriegsleben in Südwestafrika.
Zsgest. nach Originalaufnahmen der Herren Oberlt. Stuhlmann, Oberlt. Frh. von
Fritsch u. Herrn Wulff-Gibeon. A. Burger, Schweidnitz. 10 M.
Planert, W. Handbuch
der Nama-Sprache in Deutsch-Südwestafrika. D. Reimer, Berlin 1905. 5 M.
Meyer,
Kammergerichtsrat Dr. F. Wirtschaft u. Recht der Hereros. Auf Grund eines
Vortrages. J. Springer, Berlin 1905. 2 M.
Rohrbach, Dr. P.
Deutsch-Südwestafrika ein Ansiedlungs-Gebiet? Buchverl. d. "Hilfe",
Berlin-Schöneberg. 0,50 M
Rust, Farmer C.
Krieg und Frieden im Hererolande. Aufzeichnungen aus dem Kriegsjahre 1904.
Hersg. v. Dr. E. Th. Förster. In Komm. L. A. Kittler, Leipzig 1905. 10 M.
Schwabe, Hptm.
Deutsch-Südwestafrika. Hist.-geogr., militär. u. wirtschaftl. Studie. Vortrag.
E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1905.
Salzmann, Oberlt. E.
v. Im Kampfe gegen die Hereros. D. Reimer, Berlin 1905. 5 M.
Sonnenberg, verw.
Fr. E. Wie es am Waterberg zuging. Ein Beitrag z. Geschichte d.
Hereroaufstandes. W. Süsserott, Berlin 1905. 2,50 M.
Wohltmann, Pr. Dr.
F. Unsere Lage und Aussichten in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Ein offenes
Wort. F. Cohen, Bonn 1905
. 0,60 M.
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1906, S. 13ff. |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek
zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

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