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Die Deutschen
Schutzgebiete im Stillen Ozean (S. 18)
I. Deutsch -
Neuguinea.
a) Der Bismarck-Archipel
Grösse: ungefähr
61 000 qkm (= 2/3 Bayern).
Bevölkerung:
wird veranschlagt auf ungefähr 200 000 Einwohner (Melanesier oder Papuas). Die
Hauptinseln des Bismarck-Archipels sind die durch den St. Georg-Kanal getrennten
Inseln Neu-Pommern mit der Gazelle-Halbinsel und Neu-Mecklenburg. Im Nordwesten
die Admiralitätsinseln. Im St. Georg-Kanal die Inselgruppe Neu-Lauenburg. Am
nordwestlichen Ende von Neu-Mecklenburg die Insel Neu-Hannover. Von den
Salomon-Inseln die nördlichen Buka und Bougainville, die besonders als
Anwerbegebiete für Arbeitskräfte eine Rolle spielen. Die europäische Bevölkerung
betrug am 1904: 318 Weisse. darunter 203 Deutsche. 1905: 335 Europäer, darunter
233 Deutsche.
Bodengestalt und
Bewässerung: Sämtliche Inseln sind gebirgig. Auf Neu-Mecklenburg Berge bis
zu einer Höhe von 1200 m. Neu-Pommern hat zahlreiche Küstenflüsse;
Holmesfluss auf der Gazelle-Halbinsel. Auf Bougainville das Kaisergebirge mit
dem Balbiberg (3067 m). (S. 19) Das Innere der Salomoninseln ist noch
unerforscht und von dichtem Tropenwald bedeckt.
Klima: Der
Archipel hat ein durch die Meeresumgebung gemildertes Tropen-Klima. Geringster
Regenfall meist Juli bis Oktober.
Ausfuhrartikel: Kopra,
Baumwolle, Kapok, Trepang, Perlmutter, Schildpatt, Kaffee. Der Wert der Ausfuhr
betrug 1903: 963.066 M., die Einfuhr 2.114.957 M. 1904: Ausfuhr 1.210.071 M.,
Einfuhr 1.759.156 M. Zum ersten Male eine Kaffeeausfuhr.
Der Handel wird
namentlich durch die Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südseeinseln
und das deutsche Handlungshaus Hernsheim & Co., sowie durch das Haus
Forsayth (Ralum) vermittelt.
Sitz des
Kaiserlichen Gouverneurs und Bezirksamt: Herbertshöhe. Stationen: Nusa, Käwieng,
Namatanai, Kieta. Farbige Polizeitruppe für ganz Neuguinea 282 Mann.
Weil die Europäer
bisher ihre Kinder nach Sydney oder Auckland in die Schule schicken müssen,
wird die Errichtung einer Regierungsschule gefordert. Schulen für die
Eingeborenen sind von den Missionaren begründet worden.
b) Kaiser-Wilhelmsland.
Grösse: ungefähr
179 000 qkm (= ½ Preussen).
Bevölkerung: wird
veranschlagt auf 100.000 Einwohner, davon (zu Beginn des Jahres 1904) 113 Europäer,
98 Deutsche. Melanesier oder Papuas mit zahlreichen von einander abweichenden,
aber verwandten Mundarten.
Bodengestalt und
Bewässerung: An der 800 km langen Küste zahlreiche Korallenriffe, kleinere
Inseln und Einbuchtungen. Von letzteren sind die bedeutendsten der Huongolf und
die Astrolabebai.
Das Innere ist noch
wenig erforscht. Zwischen Huongolf und Astrolabebai das Finisterregebirge (3475
m), dem ein rund 1000 m hohes Küstengebirge vorgelagert ist. Im Innern die noch
unbekannte Kraetkekette und weiter nördlich die Bismarckkette. Der im Jahre
1896 entsandten Expedition der Herren Dr. Lauterbach, Dr. Kersting und E.
Tappenbeck ist die Entdeckung des grösstenteils schiffbaren Ramuflusses zu
danken. Durch eine neuere Expedition wurde dessen Identität mit dem
Ottilienflusse festgestellt und derselbe durch den Dampfer "Johann
Albrecht" auf einer Strecke von 110 Seemeilen befahren.
Im Norden des
Schutzgebietes der Kaiserin Augusta-Fluss, für grössere Fahrzeuge schiffbar,
mit günstiger, nicht durch Riffe versperrter Mündung. In die Astrolabebai mündet
der Gogolfluss, in den Huongolf der Markhamfluss.
Klima: Ausgeprägtes
Trockenklima. An der Küste höchste Temperatur im Schatten 35o
C., niedrigste 20o C., mittlere Jahrestemperatur 26o C.
Vom April bis September Südostpassat, vom Oktober bis März Nordwestmonsun.
Scharfer Unterschied zwischen Regen- und Trockenzeit in den meisten Jahren nicht
vorhanden. Die Hauptregenzeit hängt davon ab, ob das betr. Gebiet mehr dem
Passat- oder dem Monsunwinde ausgesetzt ist. Daher tritt die Regenzeit auch bei
ganz nahe zu einander gelegenen Plätzen sehr verschieden ein.
Handel und
Verkehr: Ausgeführt werden hauptsächlich Tabak, Kopra, Nutzhölzer,
Baumwolle, Trepang, Perlmutter und Kapok. 1903: Ausfuhr 243.654 M., Einfuhr:
798.857 M., 1904: Ausfuhr 54.272 M., Einfuhr 566.503 M.
Bezirksamt:
Friedrich - Wilhelmshafen. Von Europäern bewohnte Hauptplätze: Berlinhafen,
Potsdamhafen, Friedrich - Wilhelmshafen, Stephansort, Finschhafen, Salamaua.
c) Die Karolinen,
Palau-Inseln und Marianen,
Diese früher in
spanischem Besitz gewesenen Inselgruppen sind im Juni 1899 durch Kauf in den
Besitz des Deutschen Reiches übergegangen.
Die Karolinen haben
einen Flächeninhalt von 1600 qkm (davon die Palau-Inseln 450 qkm). Bevölkerung:
Ostkarolinen 25.000 Eingeborene, 1904: 89 Weisse, davon 32 Deutsche. 1905: 92
Europäer, darunter 37 Deutsche. Westkarolinen 1905: 13.264 Eingeborene, (davon
die Palau-Inseln 3748), 1904: 36 Weisse, davon 11 Deutsche, 1905: 47 Europäer,
darunter 16 Deutsche. Die Marianen haben einen Flächeninhalt von 626 qkm. Bevölkerung:
1905: 2508 Eingeborene, 1904: 13 Weisse, davon 7 Deutsche, 1905: 22 Europäer,
davon 16 Deutsche, aber 31 Japaner, 5 weniger als im Vorjahre.
Die hauptsächlichen
Inseln der Karolinen sind: Kuseie, Ponape, Truk und Jap. Die wichtigste Insel
der Palaus ist Baobeltaob. Die hauptsächlichsten Marianen-Inseln sind: Seipan
und Tinian.
Sitze der
Bezirksregierungen sind: Ponape, Jap und Seipan.
Handel und
Verkehr: Ausgeführt werden: Kopra, Trepang, Schildpatt, Perlmutter.
Eingeführt werden:
Gewebe, Tabak, Lebensmittel usw. 1903: Ausfuhr aus den Ostkarolinen 180.740 M.,
1904: 200.395 M., Westkarolinen 359.059 M., 1904: 125.818 M., Marianen 1903:
230.576 M., 1904: 153.77 M.; Einfuhr nach den Ostkarolinen 1903: 338.749 M.,
1904: 381.000 M., Westkarolinen 442.110 M., 1904: 209.370 M., Marianen 1903:
71.989 M., 1904: 119.770 M.
II. Die Marshallinseln.
(S. 20)
Grösse: ungefähr
400 qkm, auf etwa 353 Inseln verteilt.
Bevölkerung:
ungefähr 15 000 E., reine Mikronesier mit ziemlich heller Hautfarbe, 1904: 81
Weisse, 61 Deutsche. 1905: 84 Weisse, 66 Deutsche, darunter 13 erwachsene
deutsche Frauen.
Die Inseln gehören
zu Mikronesien und zerfallen in zwei Gruppen: die Ratakgruppe im Osten und die Rälikgruppe
im Westen.
Klima: sehr
feuchtwarmes, gleichmässiges Tropenklima (27o C.).
Durchschnittlich
etwa 300 Regentage im Jahre und 4000 bis 5000 mm Regenmenge.
Handel und
Verkehr: Hauptsächlicher Ausfuhrgegenstand: Kopra, Trepang, Perlmuscheln.
1903: 522.210 M., 1904: 583.353 M. Der Wert der Einfuhr betrug 1903: 497.794,
1904: 444.198 M.
Jabor auf Jaluit,
Sitz des Kaiserl. Landeshauptmanns. Bezirksamt auf Nauru.
III. Die Samoainseln.
(Schifferinseln.)
Zum deutschen
Schutzgebiet Samoa gehören seit dem 14. November 1899 bzw. seit dem 1. März
1900 folgende Inseln: Sawaii (1691 qkm), Upolu (868 qkm, Sitz des Gouvernements)
Manono (8,5 qkm), Apolima (4,7 qkm), zusammen 2572 qkm (= Herzogtum
Sachsen-Meiningen). Die übrigen Inseln gehören den Vereinigten Staaten an.
Sawaii und Upolu sind gebirgig (1646 und 975 m Meereshöhe) und vulkanisch.
Bevölkerung:
1902: 32.612 Eingeborene, 1903: 381 Europäer, davon 192 Deutsche, ferner eine
Mischlings-Bevölkerung von etwa 600 Köpfen, 1904 keine nennenswerten Veränderungen.
Eine umfassende Statistik und Volkszählung soll 1907 vorgenommen werden.
Klima:
tropisch (Mai bis September Passat). Jährl. Durchschnittstemperatur 25,700
C., mild, gesund.
Handel und
Verkehr: Die Ausfuhr besteht hauptsächlich aus Kopra und Früchten und
neuerdings Kakao. Sie betrug 1903: 1.384.507 M., die Einfuhr: 2.681.405 M.,
1904: Ausfuhr 1.674.881 M., Einfuhr: 2.316.878 M.
Schiffsverkehr:
Der Schiffsverkehr betrug 1903 je 111 ein- und ausgelaufene Schiffe mit 46.514
bzw. 46.324 Tonnen. 1904: 94 Schiffe mit 44.425 Tonnen Eingang und 92 Schiffe
mit 44.287 Tonnen Ausgang. Die Verbindung mit Apia vermitteln vierwöchentlich
Dampfer der Union Steamship Co, die zwischen Sydney und Auckland verkehren.
Ferner berühren die dreiwöchentlich zwischen San Francisco und Sydney
verkehrenden Dampfer der Oceanic Steamship Co. Pango-Pango auf Tutuila, von wo
ein Lokaldampfer den Anschluss nach Apia vermittelt. Reise über Australien 60
Tage, über Amerika 30 Tage
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