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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1906, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin
1906 -
Deutsche
Kolonialgesellschaft
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Deutsche
Kolonialgesellschaft
Präsident
: Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Braunschweig, Wiligrad.
Geschäftsführender Vizepräsident : Kaiserl. Botschafter a. D. Wirkl. Geheimer
Rat Dr. von Holleben, Mitgl. d. P. Herrenhauses, Berlin. Stellvertretende Präsidenten
: Graf von Arnim-Muskau, Mitglied d. Reichstages, Muskau und Berlin; Prinz von
Arenberg, Mitglied des Reichstages und des Preuss. Landtages, Berlin;
Kontra-Admiral z.D. Strauch, Friedenau; Regierungspräsident Dr. Stockmann,
Gumbinnen.
Schon lange vor der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches hatten weitblickende
deutsche Fürsten und patriotische Männer den Erwerb von Kolonien als ein Ziel
nationaler Politik ins Auge gefasst. Auch die Frankfurter Nationalversammlung
des Jahres 1848 hatte bereits die Frage der Erwerbung kolonialen Besitzes in den
Kreis ihrer Erörterungen gezogen und in dem von ihr ausgearbeiteten
Verfassungsentwurfe berücksichtigt. Aber die Kraft zur Verwirklichung dieses
Wunsches fand Deutschland erst, nachdem es die Einigung im Innern und eine gebührende
Macht gegen außen auf den französischen Schlachtfeldern sich erkämpft hatte.
Dem überlegenen Einfluß, den Kaiser Wilhelm I. und sein großer Kanzler auf
die Weltpolitik ausübten, verdanken wir es, da Deutschland im Jahre 1884 in
zwei Weltteilen von wertvollen Gebieten Besitz nahm.
Bereits vor dem Jahre 1884 bestanden in mehreren Städten Deutschlands private
Vereine und Gesellschaften, die koloniale Zwecke verfolgten, darunter
insbesondere der am 6. Dezember 1882 gegründete Deutsche Kolonialverein. Diese
Vereine waren nicht bloss bemüht, das Verständnis für die kolonialen Aufgaben
des deutschen Volkes zu fördern, sondern ihr Bestreben ging u.a. auch dahin,
die Auswanderungsfrage in nationalem Sinne zu beeinflussen, und der sich immer
bedrohlicher gestaltenden Erstarkung anderer Nationalitäten auf Kosten
deutschen Kapitals und deutscher Arbeit im Weltverkehr entgegenzuwirken.
Der Besitz eigener Kolonien legte den mit Kolonialpolitik sich beschäftigenden
Gesellschaften naturgemäß die Verpflichtung auf, ihre Bestrebungen auf die
deutschen Kolonien, auf deren Erforschung und wirtschaftliche Erschließung
auszudehnen. Am 28. März 1884 erfolgte die Gründung der Gesellschaft für
deutsche Kolonisation in Berlin.
Durch die von den Deutschen
Kolonialverein und der Gesellschaft für deutsche Kolonisation auf ihren
Hauptversammlungen am 19. Dezember 1887 gefassten Beschlüsse fand eine
Verschmelzung beider statt. Aus dieser Verschmelzung entstand die
Deutsche
Kolonialgesellschaft.
Erster
Präsident dieser Gesellschaft war der jetzige Kaiserliche Statthalter in
Elsass-Lothringen, Seine Durchlaucht Fürst von Hohenlohe-Langenburg, der jetzt
noch als Ehrenpräsident in enger Fühlung mit der Gesellschaft steht. Sein
Nachfolger in der Stelle des Präsidenten ist Seine Hoheit der Herzog Johann
Albrecht zu Mecklenburg seit 15. Januar 1895.
Gegenwärtig besteht die Deutsche Kolonialgesellschaft aus 259 Zweigvereinen
(Abteilungen), und zwar 336 in Deutschland, 23 ausserhalb Deutschlands
(Alexandrien, Antwerpen, Apia, Bismarckarchipel, Chicago, Daressalam, Edea,
Grootfontein-Otavi, Jaluit, Kaiser-Wilhelmsland, Karibib-Otjimbingue, London,
Muanza, Palermo, Paris, Ponape, Swakopmund, Tanga, Togo, Tokio, Tsingtau,
Windhuk und Zentralafrikanische Abteilung) und 170 Ortsgruppen. Sie zählt
33.000 Mitglieder.
Die Zwecke, welche die Deutsche Kolonialgesellschaft nach ihren Satzungen
verfolgt, sind folgende:
1. die
nationale Arbeit der deutschen Kolonisation zuzuwenden und die Erkenntnis der
Notwendigkeit derselben in weitere Kreise zu tragen;
2. die
praktische Lösung kolonialer Fragen zu fördern;
3.
deutsch-nationale Kolonisationsunternehmungen anzuregen und zu unterstützen
oder durch tatkräftiges Vorgehen selbst in Angriff zu nehmen;
4. auf
die geeignete Lösung der mit der deutschen Auswanderung zusammenhängenden
Fragen hinzuwirken;
5. den
wirtschaftlichen und geistigen Zusammenhalt der Deutschen im Auslande mit dem
Vaterlande zu erhalten und zu kräftigen;
6. für
alle auf diese Ziele gerichteten, in unserm Vaterland getrennt auftretenden
Bestrebungen einen Mittelpunkt zu bilden.
Entsprechend
den durch die dargestellte geschichtliche Entwickelung gegebenen
Zweckbestimmungen ist die Tätigkeit der Gesellschaft einesteils eine werbende,
insofern sie das Verständnis und Interesse für die kolonialen Aufgaben des
deutschen Volks anregen und fördern will, andernteils eine der praktischen
Arbeit zugewandte. Werbend wirkt die Gesellschaft
1. durch die von ihr herausgegebene, wöchentlich erscheinende "Deutsche
Kolonialzeitung", die allen Mitgliedern kostenfrei zugestellt wird.
Die Deutsche Kolonialzeitung, die für die große Menge der Gebildeten
geschrieben ist, bringt in möglichst engem Anschluß an die Tagesereignisse
kurze, aufklärende Artikel, die innerhalb von je 14 Tagen das gesamte Gebiet
der deutschen Kolonialbetätigung berücksichtigen, führt Land und Leute des überseeischen
Deutschland in Bildern vor, berichtet über die Arbeiten der Gesellschaft, nimmt
zu allen wichtigen kolonialen Fragen Stellung und ist bemüht, in die koloniale
Bewegung Deutschlands führend einzugreifen;
2. durch die von ihr in jährlich 12 Heften herausgegebenen "Zeitschrift für
Kolonialpolitik, Kolonialrecht und Kolonialwirtschaft, und die in jährlich 12
Heften erscheinende "Zeitschrift für Kolonialrecht", welche die
Mitglieder zum Selbstkostenpreis erhalten;
3. durch Einflussnahme auf die Tages- und Fachpresse vermittelst der von ihr
herausgegebenen kolonialen Korrespondenz "Mitteilungen der Deutschen
Kolonialgesellschaft";
4. durch Veranstaltung von Vorträgen über kolonialpolitische Themata in den
Zweigvereinen und in andern Orten, die zur Gründung von Abteilungen schreiten
wollen;
5. durch Zusendung von Werbestoff (Karten, kolonialen Abhandlungen,
Flugschriften) an die Abteilungen;
6. durch Anschaffung von Lichtbilderapparaten, Anlage von Lichtbildersammlungen,
Ausarbeitung von erläuternden Vorträgen dazu und deren Verleihung an die
Abteilungen und Bewilligung von Unterstützungen an letztere zu derartigen
Anschaffungen;
7. durch Versendung von Beitrittseinladungen mit postfreier Anmeldekarte;
8. durch Herausgabe und Unterstützung von Werken und Zeitschriften kolonialen
Inhalts;
9. durch Unterhaltung einer umfangreichen Bücherei, die bereits gegen 8000 Bände,
Broschüren und Karten besitzt, und deren Benutzung jedem Mitgliede gestattet
ist;
10. durch Förderung der Anlage von Kolonialheimen.
Praktisch ist die Gesellschaft bemüht, jedes gesunde national-deutsche
Unternehmen oder Interesse auf kolonialem Gebiet im weiteren Sinne, gleichviel
ob dasselbe sich auf deutsche Schutzgebiete oder außerdeutsche überseeische Länder
bezieht, nach Kräften zu fördern. Dementsprechend hat die Deutsche
Kolonialgesellschaft
1. auf alle die Entwicklung der deutschen Schutzgebiete und die Interessen der
Deutschen im Auslande berührenden Fragen eingewirkt und den Standpunkt der
kolonialfreundlichen Kreise an massgebender Stelle vertreten (Ausbau unserer
Flotte, Haushaltsetat für die Schutzgebiete, Antisklavereibestrebungen,
Emin-Pasche-Expedition, Abgrenzungsfragen der Schutzgebiete, Errichtung von
Berufskonsulaten, Ableistung der Dienstpflicht bei der Schutztruppe,
Eisenbahnbauten, Dampferverbindungen, Bekämpfung der Hungersnot in
Deutsch-Ostafrika, Bekämpfung der Viehseuchen, Auswanderungsgesetz, Samoafrage,
Erhaltung der Reichsangehörigkeit usw.);
2. Expeditionen zur Erforschung der deutschen Schutzgebiete und deren Hinterländer,
teilweise in Verbindung mit anderen Organen, ausgerüstet und entsandt;
3. die wirtschaftliche Erschließung der Schutzgebiete teils selbst in Angriff
genommen, teils dahin zielende Unternehmungen Jahre hindurch aus ihren Mitteln
und durch ihren Einfluss erheblich unterstützt;
4. das Studium der Eingeborenen-Sprachen angeregt und gefördert;
5. die tropenhygienische Forschung angeregt und durch Beschaffung von Material
und finanzielle Zuwendungen gefördert;
6. die deutschen Schulen in Tanga und auf Samoa durch namhafte Beiträge Jahre
hindurch unterstützt;
7. die Siedelung deutscher Landwirte in Südwestafrika ins Leben gerufen, den
Ansiedlern dort durch das von ihr greschaffene Syndikat zur Begründung
wirtschaftlicher Unternehmungen erhebliche Kapitalunterstützungen gewährt und
zum Zweck der Siedelung eine direkte Dampferverbindung zwischen Hamburg und Südwestafrika
begründet;
8. Im Laufe der Jahre Tausenden von Auswanderern auf Anträge unentgeltliche
Auskünfte über Einwanderungsgebiete erteilt, Frauen und Mädchen auf
Gesellschaftskosten nach Deutsch-Südwestafrika, Ostafrika und Kiautschou
entsandt, an der Geschäftsstelle für Stellenvermittlung für die aus den
Kolonien heimkehrenden Unteroffiziere und Mannschaften der deutschen
Schutztruppen teilgenommen, u.s.w. u.s.w.
Unter Hinweis auf die vorstehende uneigennützige, auf die Ausbreitung des
kolonialen Gedankens im deutschen Volk und die Nutzbarmachung des errungenen
Kolonialbesitzes und die Förderung unserer überseeischen und Handelsinteressen
überhaupt hinzielende Tätigkeit der Gesellschaft fordern wir Männer aller
politischen Parteien Deutschlands zum Beitritt auf.
Der
Jahresbeitrag beträgt für ordentliche Mitglieder in Deutschland, wie in den
deutschen Schutzgebieten und Österreich-Ungarn 6 Mark, für andere ordentliche
Mitglieder 8 Mark. Freiwillige Mehrzahlungen sind erwünscht. Die Abteilungen
erheben zur Deckung der örtlichen Unkosten für Versammlungen und Vorträge
einen Zuschlag von 2-4 Mark. In Berlin beträgt der Zuschlagsbeitrag 3 Mark.
Durch
einmalige Zahlung von 300 Mark wird die ständige Mitgliedschaft erworben. Sie
gibt das Recht zur Teilnahme an den Vorstandssitzungen mit beratender Stimme und
befreit von jährlichen Beiträgen, auch von den Zuschlägen der Abteilungen.
Sämtliche
Mitglieder erhalten die 52mal im Jahre erscheinende "Deutsche
Kolonialzeitung" unentgeltich.
Anmeldungen sind an die Deutsche Kolonialgesellschaft, Berlin W.,
Schellingstr.4, zu richten.
Deutsche Kolonialgesellschaft
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Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1906
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GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek
zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

Kartenabteilung
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