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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Jahrbuch herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1907 - Deutsch-Südwestafrika
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Deutsch-Südwestafrika
Grösse : 835 100 qkm (= 1 ½ Deutsches Reich).
Die der Küste vorgelagerten Guanoinseln (zwischen 24o 37 und 28o
S), sowie das Gebiet der Walfischbai, von Swakopmund nur eine halbe Stunde
Weges, sind im Besitz Englands.
Bevölkerung : Ungefähr 200 000 (?? zurzeit sind
Angaben darüber nicht zu machen). Zahlreichster Bestandteil der Eingeborenen
sind wohl noch immer die Hereros, ein Bantustamm. Die Bergdamara (nach Missionar
Viehe an Zahl 35.000), kommen südlich von der Etoschapfanne in ganz Deutsch-Südwestafrika
vor und leben in kleinen Abteilungen zwischen den Herero und Hottentotten. Die
Hottentotten oder Nama (von gelblicher Hautfarbe) finden sich in Gross-Namaland
und einem Teil des Kaokofeldes. Die Owambo (ungefähr 60.000), ein Bantustamm im
Ambolande, zwischen dem 18. Grad südl. Breite und dem Kunene. Die Buschmänner,
einige Tausend an Zahl, führen in der Kalahari und in dem Gebiet zwischen der
Etoschapfanne und Damaraland ein ungebundenes Leben. Die Bastards, stärkste
Niederlassung bei Rehoboth (sämtlich Christen), sind Mischlinge von Europäern
und Hottentotten (etwas über 2000 an Zahl). Die weisse Bevölkerung betrug im
Jahre 1906 6366 Personen, darunter 707 Frauen und 807 Kinder .
Bodengestalt : In seiner ganzen Ausdehnung ist
Deutsch-Südwestafrika eine bis zu 1200 m, anfangs sanft, dann meist steil
ansteigende Terrassen-Landschaft, die sich ungefähr 300 km vom Meere binnenwärts
zu senken beginnt. Die Breite des wüsten Küstengürtels (Namib) beträgt
mehrere Tagesreisen, doch bilden die Täler der größeren Flüsse Oasen. Im
Innern befinden sich vereinzelt und unregelmässig verteilt zahlreiche Gebirgszüge,
Kuppen und Bergreihen, die um mehrere 100 m über die durchschnittliche
Landesoberfläche emporragen (Gneis und Granit). Im Süden das 2000 m hohe
Karrasgebirge, zwischen Rehoboth und Windhuk das Auasgebirge (2481 m hoch),
weiter nördlich der Omatakoberg (2680 m hoch). Nach Osten fällt die Hochebene
zu der im Innern 500 m tiefer gelegenen Kalaharisteppe ab.
Bewässerung : Sämtliche vorhandene Flüsse können zu
Verkehrszwecken nicht genutzt werden. Nur der Orange und Kunene, sowie der (S.
14) sich in den Ngamisee ergiessende Okawango führen das ganze Jahr hindurch
fliessendes Wasser, sind aber nicht schiffbar; die übrigen sich in den
Atlantischen Ozean ergießenden Flüsse liegen während des größten Teils des
Jahres trocken und bilden selbst zur Regenzeit selten ununterbrochene
Wasseradern (Swakop, Kuisseb). Quellen befinden sich in größerer Zahl im
Hererolande; hier ist auch die Regenmenge bedeutender als in Gross-Namaland. Die
Frage der Wassererschliessung, der Staudämme usw. ist die wichtigste des
Schutzgebietes. Quellenerschließung durch Bohrkolonnen.
Klima : Das Klima ist im Sommer heiss, aber trocken und
gesund. Der Winter ist durchaus gemässigt. Nachtfröste sind im Innern nicht
selten. Der Küstenstrich ist gleichmäßig kühl und hat bis 50 km landeinwärts
nur Nebelniederschläge. Vorherrschende Winde aus südlicher Richtung, in der wärmeren
Jahreshälfte (Oktober-März) auch Winde aus nördlicher Richtung, welche die
Hauptregenzeit von Januar bis März verursachen. In Windhuk beträgt die
mittlere Jahrestemperatur 20o, im kühlsten Monat, Juli, 19o,
im wärmsten, Januar, 25o.
Pflanzenwelt : In dem wüsten Küstengürtel der Namib
fehlt fast jeder Pflanzenwuchs. Ovamboland: rein tropisch (Affenbrotbäume,
Palmen usw.). Damaraland: Steppe und Dornbusch mit oasenartigen Hainen von Ana-
und Dornbäumen. Namaland: Grassteppe, fast baumlos. Mit künstlicher Bewässerung
ist die Kultur von Getreide, Mais, Feigen, Datteln usw. möglich.
Tierwelt : Küstengewässer fischreich, auf den
vorgelagerten Inseln Wasservögel (Guanolager). Im nördlichen Teile eine rein
tropische Fauna (Grosswild, wie Elefanten und Giraffen, Raubtiere, Affen).
Damaraland ist mehr für Grossviehzucht, Namaland für Kleinvieh geeignet.
Mineralien : Bei Karibib guter Marmor. Im Otavi-Gebiet,
bei Gorob und an noch einigen Stellen die Ausbeute lohnender Kupferlager.
Vorkommen von Diamanten ist wahrscheinlich.
Handel und Verkehr : Ein Hafen für die Mitte des
Schutzgebietes fehlt. Swakopmund ist nur offene Reede. Die Landungsverhältnisse
sind aber jetzt erträglich. Neuerdings ist der prächtige Hafen von Lüderitzbucht
benutzt worden. Die englische Walfischbai versandet mehr und mehr.
Verkehrsmittel im Innern für Personen und Frachten ist der Ochsenwagen; mit 10
bis 20 Ochsen bespannt, legt er täglich mit Lasten von 30 bis 50 Zentnern 18
bis 35 km zurück. Zwischen Swakopmund und Windhuk besteht seit Juli 1902 eine
schmalspurige Feldbahn (382 km). Personenzüge verkehren in jeder Richtung
zweimal in der Woche, Güterzüge nach Bedarf. Bahn Swakopmund-Otavi bis Tsumeb
(570 km), im September 1906 fertiggestellt. Strecke Lüderitzbucht-Kubub (Aus)
167 km, seit Oktober 1906 beendet, soll zum mindesten bis Keetmanshoop weitergeführt
werden. Bewilligt 1908 Zweigstrecke von Seeheim unweit Keetmanshoop südlich bis
Kalkfontein (ca. 185 km). Neuerlich Transportversuche mit Kamelen und mit
Kraftwagen.
Eingeführt werden fast alle Gegenstände des europäischen Marktes,
insbesondere Getränke, Tabak, Kaffee, Konserven, Mehl, Reis, Bekleidungsstücke.
Einfuhr 1902: 8.567.550 M., 1903: 7.930.754 M., 1904: 10.056.946 M., 1905:
23.631.881 M.
Ausgeführt werden Viehhäute, Rindvieh, Kleinvieh, Kupfer, Viehhäute, Hörner,
Straussenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano (Cap Cross), rohe Felle. Ausfuhr 1902:
2.212.973 M., 1903: 3.443.511 M., 1904: 298.678 M., 1905: 215.893 M.
Ueberfahrtspreis : Woermannlinie Hamburg-Swakopmund I.
Klasse 602,50 M., II. Klasse 402,50 M., Zwischendeck 252,50 M.
Post und Telegraphie : Ende 1906: 44 Anstalten,
darunter 19 mit Telegraphenbetrieb und 5 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 1.692
km Landtelegraphenlinien und 246 km Seekabel. Verkehr 1905: 10.093.200
Briefsendungen, 136.712 Postanweisungen mit 34.031.300 M., 189.135 Pakete,
441.091 Zeitungen, 196.716 Telegramme, 330.838 Gespräche. Postverbindungen: fünfmal
monatlich, Beförderungsdauer 22-30 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 2,75 M.
Verwaltung : An der Spitze der Gouverneur (zurzeit
Herr v. Lindequist), Sitz des Gouvernements: Windhuk. Das Schutzgebiet zerfällt
in die sechs Bezirke: Keetmanshoop, Gibeon, Windhuk, Swakopmund, Karibib und
Outjo. Dazu kommen die Distrikte Gobabis, Omaruru, Okahandja, Bethanien,
Warmbad, Rehoboth und Grootfontein. Die Bergbehörde befindet sich in Windhuk.
(Neue Bergverordnung seit 1. Januar 1906 in Kraft
.)
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1907, S. 13f |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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