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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1907 - Deutsch-Ostafrika
Deutsch-Ostafrika

Grösse : mit den dazugehörigen Wasserflächen 995.000 qkm (= 2 Deutsches Reich).

Bevölkerung ungefähr 7 Mill. Einwohner. Wesentlichster Bestandteil Bantuneger. Die Bantu des südlichen Teils des Schutzgebietes sind den Sulu verwandt. In den Steppen des Nordens bis in die Mitte des Schutzgebietes wohnen in kleinen Freistaaten die von Norden eingedrungenen Masai (Hamiten mit der Sprache der Nilotischen Völker); im Nordwesten, zwischen Victoria- und Tanganjika-See, als herrschende Klasse inmitten von Bantu die hamitischen Wahuma oder Watussi. Zu den Sulu des Südens gehören die unter Stammesfürsten stehenden Wahehe (im Flussgebiet des Rufiji) und die Mafiti, beide Stämme sind von Süden eingedrungen.
Ein Mischvolk von Arabern und Eingeborenen sind die Suaheli. Neben den Eingeborenen wohnen an der Küste: Araber (Maskat- und Schihiriaraber), Beludschen, Inder, Parsi, Goanesen, Syrer, Aegypter, Türken - Europäer: 1904: 1437, darunter 1102 Deutsche. 1905: 1873, darunter 1324 Deutsche und 316 erwachsene Frauen. 1906: 2465, darunter 1499 Deutsche und 401 erwachsene Frauen. Seit 1904 am Kilimandscharo (Moschi) eine Bureneinwanderung.

Bodengestaltung : Deutsch-Ostafrika ist ein Teil der sich von Abessinien bis Kapstadt erstreckenden Hochebene; vom Indischen Ozean landeinwärts ansteigend, gliedert sie sich durch mehrere vom S. nach N. verlaufende Längsspalten (Gräben) und erhebt sich im Schutzgebiet zu einer Höhe von 1000 - 1500 m und darüber.
An der Nordgrenze der doppelgipfelige Kilimandscharo (westliche Spitze: Kibo 6010 m, östliche Spitze: Mawensi 5355 m) bedeckt eine Fläche von 3770 qkm oder 67 deutschen Quadratmeilen. Dem Kilimandscharo zunächt, zur Linken des Pangani, das nach Westen steil abfallende Paregebirge, östlich davon nahe der Küste das Usambaragebirge. Als Fortsetzung des Paregebirges erscheint auf dem rechten Panganiufer die Terrasse von Useguha. Mit dem Gebirge von Nguru beginnt das durch Usagara und Uhehe bis zum Njassa in einem Bogen sich fortsetzende Randgebirge. Auf der Grenze zwischen Usagara und Uhehe die Ruhebo-Berge. In den Njassabergen Gipfel von 3000 m, am Nordostende des Njassa das Livingstonegebirge. Im Nordwesten des Schutzgebietes die Berge von Urundi und Ruanda. In der Grabenspalte nördlich des Kiwu-Sees die Kirunga-Vulkane. 

Bewässerung : Die Hochebene im Innern ist vorwiegend wasserarm. In den Indischen Ozean (in der Reihenfolge von Norden nach Süden) ergiessen sich folgende Flüsse: der Umba, der Pangani (Quelle auf dem Kilimandscharo), der Wami und Kingani (münden Sansibar gegenüber), der Rufiji (mit dem Kilombero und Ruaha, am Ausfluss des Rufiji die Insel Mafia), der Rowuma (Grenzfluss im Süden).
In den Tanganjika-See fliesst der Mlagarassi, in den Victoria-Njansa der Kagera, der südlichste Quellfluss des Nils.
Zum Teil zum deutschen Schutzgebiet gehören die drei Süsswasserseen Afrika: der Victoria-Njansa (1180 m über dem Meeresspiegel, 66.000 qkm gross = Königreich Bayern), der Tanganjika (795 m über dem Meeresspiegel, 35.000 qkm gross = Provinz Ostpreussen), der Njassa (500 m über dem Meeresspiegel, 27.000 qkm gross = Provinz Westpreussen).
Westlich vom Kilimandscharo befinden sich der Guassonjiro-, der Ejassi- und der Manjara-See. Der nordwestlich vom Njassa befindliche Rikwa-See liegt 810 m hoch und bildet ein abflussloses Becken.

Klima : Deutsch-Ostafrika gehört in seiner ganzen Ausdehnung der heissen Zone an. Vom Mai bis September weht der Südwestpassat, vom Dezember bis März der Nordostpassat. Die Winde tragen die Feuchtigkeit über das Festland und bestimmen die Regen- und Trockenzeit.
An der Küste erwartet man die kleine Regenzeit im November und die grosse in den Monaten März und April. Der kühlste Monat ist der Juli, in dem die Temperatur des Nachts auf 16o C. sinkt, während sie bei Tage 35o C. und mehr beträgt. In den Hochländern kann der Europäer ohne Schaden an seiner Gesundheit leben.

Pflanzenwelt : An der Küste, besonders an Flussmündungen, Sumpfvegetation, Zone der Mangroven. Dahinter Pori, Buschsteppe mit häufigerem Baumwuchs (Akazien, Affenbrotbäume, Euphorbien usw.). In den Gebirgen ausgedehnte Wälder mit brauchbarem Nutzholz. Kulturpflanzen: Baumwolle, Faseragaven, Kaffee, Kautschuk, Kokospalme, Reis, Bananen, Ananas.

Tierwelt : Eine tropische Fauna mit Affen, grossen Raubtierkatzen, Dickhäutern, Krokodilen. Jedenfalls mehr Verwandtschaft mit der südafrikanischen als mit der westafrikanischen Tierwelt. Einen gesonderten, in sich geschlossenen Charakter hat die Fauna der grossen Binnenseen. 

Mineralien : In Ussongo und Ikoma abbauwürdige und abgebaute Goldvorkommen. Am Mlagarassi Soolquellen. Am Niassa vielleicht abbauwürdige Kohlenlager. An mehreren Stellen Granaten und Glimmer.

Handel : Ausgeführt werden Kautschuk, Elfenbein, Sesam, Kopal, Kokosnüsse, Matten, Baumwolle, Hanf, Hölzer, Häute und Felle, Bienenwachs, Hörner, Kopra, Kaffee. Gesamtwert der Ausfuhr 1902: 5.283.290 M., 1903: 6.738.906 M. einschliesslich der 1903 zum ersten Mal statisitisch nachgewiesenen Ausfuhr über die Binnengrenze 7.054.207 M. 1904: 8.950.565 M.; davon über die Küstengrenze 7.666.285 M., über die Binnengrenze 1.284.280 M., 1905: 9.949.661 M., wovon für (S. 18) 2.227.595 M. (22 v. H.) über die Binnengrenze. Da unser Schutzgebiet keine leistungsfähige Eisenbahn aufweist, zieht sich also fast ein Viertel unserer Ausfuhr nach der englischen Ugandabahn.
Eingeführt werden Baumwollwaren, Reis, Mehl, Eisen und Eisenwaren, Wein, Bier, Butter, Zucker, Fleisch und allerlei Nahrungsmittel, Petroleum, Zement, Gemüse und Obst, Tabak, geistige Getränke usw. Wert der Einfuhr 1902: 8.858.463 M., 1903: 10.688.804 M. einschliesslich der Einfuhr über die Binnengrenze 11.188.052 M.; 1904: 14.338.880 M., davon über die Küstengrenze 12.890.581 M., über die Binnengrenze 1.448.307 M.; 1905: 17.655.350 M., wovon für 1.951.793 M. (11 v. H.) über die Binnengrenze.
Die Usambarabahn ist auf der 129 km langen Strecke Tanga-Mombo in regelmässigem Betrieb seit Anfang des Jahres 1905 und kommt immer mehr in Aufnahme, auch bei den Negern. - Der Bau der am 16. Juni 1904 vom Reichstage bewilligten Eisenbahn Daressalam-Mrogoro (225 km) ist Ende 1904 in Angriff genommen worden und schreitet stetig vorwärts. Ende 1906 bis Kilometer 30 dem Verkehr übergegeben. - Die Südbahn Kilwa-Wiedhafen ist z. T. trassiert und erkundet.
Auf dem Victoria-See verkehren die deutsche Pinasse "Ukerewe" neben verschiedenen englischen Dampfern; auf dem Tanganjka-See "Hedwig v. Wissmann"; auf dem Njassa "Hermann v. Wissmann".
Ueberfahrtspreis: Deutsche Ostafrika-Linie, Zwischenlinie Genua-Daressalam I. 675 M., II. 350 M. Hauptlinie Neapel-Daressalam I. 750 M., II. 525 M., III. 300 M.

Post und Telegraphie : Ende 1906: 34 Anstalten, darunter 23 mit Telegraphenbetrieb und 4 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 1994 km Landtelegraphenlinien und 136 km Seekabel. Verkehr 1905: 2.013.600 Briefsendungen, 52.442 Postanweisungen mit 14.261.300 M., 12.460 Pakete, 195.171 Zeitungen, 137.535 Telegramme, 55.841 Gespräche. Postverbindungen: dreimal monatlich, Beförderungsdauer Berlin - Daressalam 19 bis 25 Tage. Telegrammgebühr für das Wort nach Bismarckburg und Udjidji 3,15 M., nach den übrigen Anstalten 2,75 M.

Verwaltung : Sitz des Gouverneurs ist Daressalam. Das Schutzgebiet zerfällt jetzt in 22 Verwaltungsbezirke. Davon stehen 12 unter Zivilverwaltung: Tanga, Pangani, Bagamojo, Daressalam, Rufiji, Kilwa, Lindi, Wilhelmstal, Morogoro, Langenburg, Ssongea, Mohorro und 12 [sic!] unter Militärverwaltung:  Kilimatinde, Mpapua, Iringa, Udjidji, Usumbura, Bismarckburg, Tabora, Muansa, Bukoba, Mahenge.

Stationen : Schutztruppe : Daressalam, Bukoba, Muansa, Moschi, Aruscha, Udjidji, Tabora, Kilimatinde, Iringa, Mpapua, Kondoa-Irangi, Lindi, Bismarckburg, Mahenge, Usumbura, Schirati, Ssongea. - Polizeitruppe: Wilhelmstal, Tanga, Pangani, Sadani, Bagamojo, Daressalam (Gouvernementssitz), Neu-Langenburg, Langenburg, Wiedhafen, Liwale, Kilwa, Tschole, Lindi, Mikindani-Mohoro, Kilossa.

Schutztruppe


: 1906: 2010 Mann.

 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1907, S. 17f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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