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Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1907 - Kamerun 
Kamerun 

Grösse : 495.600 qkm (= Deutsches Reich). Die Grenze gegen die englische Nachbarkolonie wurde 1905, gegen Französisch-Kongo 1906 endgültig festgelegt.

Bevölkerung : Ungefähr 3.500.000 (?) Einwohner, darunter 1903: 710, 1904: 826, 1905: 896 Europäer, wovon 773 Deutsche und 102 erwachsene Frauen. Eingeborene Hauptstämme der bisher bekannt gewordenen Gebiete: Im Norden und Nordosten die unter Fullahherrschaft stehenden Graslandstämme von Adamaua, von denen die Bata, Tikar, Baia und Wute die bekanntesten sind. Näher der Küste folgen im Nordwesten und Westen bis zur Südgrenze hinunter die Bafut und Bali, Banjang, Bakundu und Ngolo, Bamboko, Bakwiri, Duala, Batanga und Mabea und schliesslich Bule (Fang). Die Gegend zwischen Küsten- und Graslandstämmen, also etwa der Mittellauf des Sanaga und Njong, wird von Bakokostämmen eingenommen, denen sich weiter östlich Jaúnde, Bane und Jengone anschliessen, die sämtlich mit den fast den ganzen Süden einnehmenden Bule verwandt sind. In den Flussgebieten des Dscha, Bumba und Ssanga sitzen Janguma, Njem, Ndsimu, Bomome und Maká. Zu erwähnen wären noch die Nguma am Lokundje, Stammesgenossen der Njem und Maká.

Bodengestalt : Das höchste Gebirge im Umkreis des Atlantischen Ozeans ist das Kamerungebirge (4070 m), das sich nach Nordosten in den Bakossi- usw. Bergen fortsetzt. Das Schutzgebiet steigt im übrigen in Terrassen mit vielen aufgesetzten Gebirgszügen im allgemeinen nach Osten und Nordosten an (Adamauagebirge bis 3000 m, Nguakeli im Süden ca. 1500 m). Eine etwa von Bali über die Mbammündung nach den Ssangazuflüssen gedachte Linie ergibt annähernd die Grenze des ununterbrochenen Küstenurwalds.

Flüsse (von Norden nach Süden) : Das Rio del Reygebiet mit mehreren Zuflüssen, ebenso wie das Kamerunflussgebiet, in das der Mungo, Dibambu und Wuri münden, sind ausgedehnt von Mangrovesümpfen bedeckt. Der sehr bedeutende, doch nicht schiffbare Sanaga mit dem Mbam; der Njong, dessen Oberlauf weithin schiffbar ist, mit dem Nkele; schliesslich die kleineren: Lokundje, Kribi und Campo. Adamaua wird von dem schiffbaren Benuë, dem grössten Nebenfluss des Niger, durchströmt, der eine internationale Verkehrsstrasse zum Meere bildet (Nigerschiffahrtsakte 1885). Der Dscha mit Bumba im Südosten, bezw. der Ssanga schliessen das Gebiet der Kongoschiffahrt an. Der in den Tschadsee mündende Schari und sein Nebenfluss der Logone sind weithin schiffbar.

Klima : Die mittlere Jahres-Temperatur beträgt an der Küste etwa 25° C.; der Februar mit 27° C. ist im Durchschnitt der wärmste, der Juli mit 23° C. der kühlste Monat. Die Regen- und Trockenzeiten liegen in den verschiedenen Gebietsabschnitten sehr verschieden und weichen auch in den einzelnen Jahren voneinander häufig nicht unbedeutend ab. Hauptregenzeit zumeist Mai bis Oktober. Jedenfalls gehört das Küstengebiet am Kamerunberg zu den regenreichsten Gegenden der Erde. Das Klima ist besonders in den Waldgebieten ungesund, in den hochgelegenen Gebieten des nördlichen Kamerun erheblich besser.

Pflanzenwelt : Küste und Kamerunberg dich bewaldet. Mangroven, Palmen, Pandanen, Wollbäume, Brotfruchtbäume, Mangos. Grasland bis zur Sumpfvegetation des Tschad-See-Gebietes.

Tierwelt : Reiche Insektenwelt. Die Flüsse, besonders der Sanaga, wimmeln von Alligatoren. Bunte Vogelwelt (vom Kolibri bis zum Nashornvogel). Unter den Säugern zahlreiche Arten von Affen (Schimpanse und Gorilla), Raubtieren, Dickhäutern und Zweihufern.

Mineralien : Seit Jahren sind Zinnlager bekannt. Bei Viktoria unbedeutende Petroleumquellen.

Handel und Verkehr : Die Ausfuhr besteht in Palmkernen, Palmöl, Kautschuk, Kakao. Elfenbein, Hölzern usw. Wert derselben 1902: 6.264.099 M., 1903: 7.564.512 M., 1904: 8.020.731 M., 1905: 9.315.187 M. 
Eingeführt werden Manufakturwaren, Nahrungsmittel, geistige Getränke, Materialwaren, Geld, Salz, Holz, Holzwaren, Eisen und Eisenwaren, Glaswaren, Tabak, Reis, Mehl, Pulver und Waffen usw. Wert der Einfuhr: 1902: 13.275.704 M., 1903: 9.637.939 M., 1904: 9.378.283 M., 1905: 13.467.113 M.

Verkehrswesen : Schiffsverkehr: Die Kameruner Häfen und Reeden wurden im Jahre 1905 von 391 Dampfern von 962.000 Registertons angelaufen. 229 davon waren deutsche. Ueberfahrtspreis: Woermannlinie Hamburg-Duala I. 600 M., II. 450 M.
Eisenbahnen : Kurze Schmalspurbahn Victoria-Soppo (43 km). Bahn von Duala nach den Manengubabergen seit 1906 im Bau.
Post und Telegraphie : Ende 1906: 28 Anstalten, darunter 12 mit Telegraphenbetrieb und 10 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 537 km Landtelegraphenlinien, 337 km Seekabel. Verkehr 1905: 392.200 Briefsendungen, (S. 11) 21.685 Postanweisungen mit 2.623.000 M., 13.360 Pakete, 79.343 Zeitungen, 14.116 Telegramme, 157.676 Gespräche. Postverbindungen: drei- bis viermal monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Duala 18-24 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 5,30 M.

Bezirksämter befinden sich in Victoria, Duala, Edea, Kribi, Yaunde, Bamenda, Fontemdorf, Banjo, Ebolowa und Lomie; andere Stationen: Buëa, Campo, Jabassi, Johann-Albrechtshöhe, Joko, Lolodorf, Ossidinge, Rio del Rey; Residenturen: Garua (mit Posten in Dikoa) und Kusseri; Sitz des Gouvernements ist Buëa. 

Andere Ortschaften, in denen Europäer ansässig : An der Küste. Bibundi, Debundja, Bimbia, Bell, Joss, Akwa, Deidodorf, Malimba, Kl.-Batanga, Londji, Plantation, Gr.-Batanga; am Mungo: Mundame; am Sanaga: Lobetal, Marienberg; am Njong: Widimenge, Dehane; am Lokundje: Bipindi usw.

Schutztruppe : 1 Kommandeur, 39 Offiziere, 11 Aerzte, 79 Unteroffiziere, 1150 Farbige (nach dem Stande von April 1905/06). Deutschen Militärpersonen unterstehende Polizeitruppen befinden sich auf den einzelnen Stationen


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Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1907, S. 10f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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