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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Jahrbuch herausgegeben von der Deutschen
Kolonialgesellschaft. Berlin 1908 - Deutsch-Ostafrika
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Deutsch-Ostafrika
Grösse: mit
den dazugehörigen Wasserflächen 995.000 qkm (= 2 Deutsches Reich).
Bevölkerung
mindestens 7 Mill. Einwohner, vielleicht an zehn Millionen. Wesentlichster
Bestandteil Bantuneger. Die Bantu des südlichen Teils des Schutzgebietes sind
den Sulu verwandt. In den Steppen des Nordens bis in die Mitte des
Schutzgebietes wohnen in kleinen Freistaaten die von Norden eingedrungenen Masai
(Hamiten mit der Sprache der Nilotischen Völker); im Nordwesten, zwischen
Victoria- und Tanganjika-See, als herrschende Klasse inmitten von Bantu die
hamitischen Wahuma oder Watussi. Zu den Sulu des Südens gehören die unter
Stammesfürsten stehenden Wahehe (im Flussgebiet des Rufiji) und die Mafiti,
beide Stämme sind von Süden eingedrungen.
Ein Mischvolk von Arabern und Eingeborenen sind die Suaheli, deren Idiom die
ostafrikanische Verkehrssprache ist. Neben den Eingeborenen wohnen an der Küste:
Araber (Maskat- und Schihiriaraber), Beludschen, Inder, Parsi, Goanesen, Syrer,
Aegypter, Türken - Europäer: 1904: 1437, darunter 1102 Deutsche. 1905: 1873,
darunter 1324 Deutsche und 316 erwachsene Frauen. 1906: 2465, darunter 1499
Deutsche und 401 erwachsene Frauen. 1907: 2629 Weisse, darunter 1656 Deutsche
und 437 erwachsene Frauen. Seit 1904 am Kilimandscharo (Moschi) eine
Einwanderung von Buren und europäischen Siedlern (Schwaben aus Russland,
Reichsdeutsche, Griechen, Italiener usw.).
Bodengestaltung :
Deutsch-Ostafrika ist ein Teil der sich von Abessinien bis Kapstadt
erstreckenden Hochebene; vom Indischen Ozean landeinwärts ansteigend, gliedert
sie sich durch mehrere vom S. nach N. verlaufende Längsspalten (Gräben) und
erhebt sich im Schutzgebiet zu einer Höhe von 1000 - 1500 m und darüber.
An der Nordgrenze der doppelgipfelige Kilimandscharo (westliche Spitze:
Kibo 6010 m, östliche Spitze: Mawensi 5355 m) bedeckt eine Fläche von 3770 qkm
oder 67 deutschen Quadratmeilen. Dem Kilimandscharo zunächt, zur Linken des
Pangani, das nach Westen steil abfallende Paregebirge, östlich davon nahe der Küste
das Usambaragebirge. Als Fortsetzung des Paregebirges erscheint auf dem rechten
Panganiufer die Terrasse von Useguha. Mit dem Gebirge von Nguru beginnt das
durch Usagara und Uhehe bis zum Njassa in einem Bogen sich fortsetzende
Randgebirge. Auf der Grenze zwischen Usagara und Uhehe die Ruhebo-Berge. In den
Njassabergen Gipfel von 3000 m, am Nordostende des Njassa das
Livingstonegebirge. Im Nordwesten des Schutzgebietes die Berge von Urundi und
Ruanda. In der Grabenspalte nördlich des Kiwu-Sees die Kirunga-Vulkane. (S. 17)
Bewässerung :
Die Hochebene im Innern ist vorwiegend wasserarm. In den Indischen Ozean (in der
Reihenfolge von Norden nach Süden) ergiessen sich folgende Flüsse: der Umba,
der Pangani (Quelle auf dem Kilimandscharo), der Wami und Kingani (münden
Zanzibar gegenüber), der Rufiji (mit dem Kilombero und Ruaha, am Ausfluss des
Rufiji die Insel Mafia), der Rowuma (Grenzfluss im Süden).
In den Tanganjika-See fliesst der Mlagarassi, in den Victoria-Njansa der Kagera,
der südlichste Quellfluss des Nils.
Zum Teil zum deutschen Schutzgebiet gehören die drei Süsswasserseen Afrika:
der Victoria-Njansa (1180 m über dem Meeresspiegel, 66.000 qkm gross = Königreich
Bayern), der Tanganjika (795 m über dem Meeresspiegel, 35.000 qkm gross =
Provinz Ostpreussen), der Njassa (500 m über dem Meeresspiegel, 27.000 qkm
gross = Provinz Westpreussen).
Westlich vom Kilimandscharo befinden sich der Guassonjiro-, der Ejassi- und der
Manjara-See. Der nordwestlich vom Njassa befindliche Rikwa-See liegt 810 m hoch
und bildet ein abflussloses Becken.
Klima :
Deutsch-Ostafrika gehört in seiner ganzen Ausdehnung der heissen Zone an. Vom
Mai bis September weht der Südwestpassat, vom Dezember bis März der
Nordostpassat. Die Winde tragen die Feuchtigkeit über das Festland und
bestimmen die Regen- und Trockenzeit. Meteorologische Hauptstation Daressalam,
daneben 54 Regenmessstationen.
An der Küste erwartet man die kleine Regenzeit im November und die grosse in
den Monaten März und April. Der kühlste Monat ist der Juli, in dem die
Temperatur des Nachts auf 16o C. sinkt, während sie bei Tage 35o
C. und mehr beträgt. In den Hochländern kann der Europäer ohne Schaden an
seiner Gesundheit leben.
Pflanzenwelt :
An der Küste, besonders an Flussmündungen, Sumpfvegetation, Zone der
Mangroven. Dahinter Pori, Buschsteppe mit häufigerem Baumwuchs (Akazien,
Affenbrotbäume, Euphorbien usw.). In den Gebirgen ausgedehnte Wälder mit
brauchbarem Nutzholz. Kulturpflanzen: Baumwolle, Faseragaven, Kaffee, Kautschuk,
Kokospalme, Reis, Bananen, Ananas.
Tierwelt :
Eine tropische Fauna mit Affen, grossen Raubtierkatzen, Dickhäutern,
Krokodilen. Jedenfalls mehr Verwandtschaft mit der südafrikanischen als mit der
westafrikanischen Tierwelt. Einen gesonderten, in sich geschlossenen Charakter
hat die Fauna der grossen Binnenseen. In der Ausfuhr spielen einige Jagdprodukte
eine Rolle, die Haustierzucht erzeugt hauptsächlich Felle und Häute.
Mineralien :
In Ussongo und Ikoma abbauwürdige und abgebaute Goldvorkommen. Am Mlagarassi
Soolquellen. Am Niassa vielleicht abbauwürdige Kohlenlager. An mehreren Stellen
Granaten und Glimmer.
Handel :
Ausgeführt werden Kautschuk, Elfenbein, Sesam, Kopal, Kokosnüsse, Matten,
Baumwolle, Hanf, Hölzer, Häute und Felle, Bienenwachs, Hörner, Kopra, Kaffee.
Eingeführt werden Baumwollwaren, Reis, Mehl, Eisen und Eisenwaren, Wein, Bier,
Butter, Zucker, Fleisch und allerlei Nahrungsmittel, Petroleum, Zement, Gemüse
und Obst, Tabak, geistige Getränke usw. Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabelle
auf Seite 4.
Verkehr.
Eisenbahnen: Die Usambarabahn ist auf der 129 km langen Strecke Tanga-Mombo in
regelmässigem Betrieb seit Anfang des Jahres 1905 und kommt immer mehr in
Aufnahme, auch bei den Negern. Sie soll vorläufig um 45 km bis zum Panganifluss
weitergeführt werden. - Der Bau der am 16. Juni 1904 vom Reichstage bewilligten
Eisenbahn Daressalam-Mrogoro (225 km) ist Ende 1904 in Angriff genommen worden
und hat im Oktober 1907 Mrogoro erreicht. Weiterbau um 700 km bis Tabora ist
bewilligt.
Schiffsverkehr: Die 11 Häfen der Kolonie wurden 1906 von 562 Dampfern mit rund
1.300.000 Reg. Tons angelaufen, abgesehen von dem Küstenverkehr der
Gouvernements-Fahrzeuge. Ausserdem findet ein reger Verkehr von Seglern (Dhaus)
statt. Auf dem Victoria-See verkehren die deutsche Pinasse "Ukerewe"
neben verschiedenen englischen Dampfern; auf dem Tanganjka-See "Hedwig v.
Wissmann"; auf dem Njassa "Hermann v. Wissmann".
Ueberfahrtspreis: Deutsche Ostafrika-Linie, Zwischenlinie Genua-Daressalam I.
675 M., II. 350 M. Hauptlinie Neapel-Daressalam I. 750 M., II. 525 M., III. 300
M.
Post und Telegraphie: Ende 1907: 35 Anstalten, darunter 25 mit
Telegraphenbetrieb und 5 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 2418 km
Landtelegraphenlinien und 136 km Seekabel. Verkehr 1906: 2.249.400
Briefsendungen, 65.952 Postanweisungen mit 18.900.000 M., 17.948 Pakete, 257.498
Zeitungsnummern, 150.108 Telegramme, 76.774 Gespräche. Postverbindungen: vier-
bis fünfmal monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Daressalam 19 bis 23 Tage.
Telegrammgebühr für das Wort nach Bismarckburg und Udjidji 3,15 M., nach den
übrigen Anstalten 2,75 M.
Verwaltung : Sitz
des Gouverneurs ist Daressalam. Das Schutzgebiet zerfällt jetzt in 22
Verwaltungsbezirke. Davon stehen 12 unter Zivilverwaltung: Tanga, Pangani,
Bagamojo, Daressalam, Rufiji, Kilwa, Lindi, Wilhelmstal, Morogoro, Langenburg,
Ssongea, Moschi und 10 unter Militärverwaltung: Kilimatinde, Mpapua,
Iringa, Udjidji, Usumbura, Bismarckburg, Tabora, Muansa, Bukoba, Mahenge.
Schutztruppe:
1907: 2510 Mann, verteilt auf folgende Plätze: Aruscha, Iringa, Lindi, Iraku,
Ubena, Sasawara, Kilimatinde, Mkalama, Kwa Mtoro, Daressalam, Udjidji,
Bismarckburg, Rutschugi, Bukoba, Ussuvi, (S. 18) Kifumbiro, Mbejera, Usambara,
Tabora, Mahenge, Kondoa-Irangi, Liwalo, Muansa; 15 Kompagnien und eine
Maschinengewehrabteilung
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben auf Veranlassung der
Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel,
Jahrbuch und Bemerkungen von Hubert Henoch. Berlin 1908, S. 16ff. |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

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