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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Deutsch-Südwestafrika
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Deutsch-Südwestafrika
(S. 17)
Grösse : 835.100 qkm (= 1 ½ Deutsches Reich).
Die der Küste vorgelagerten Guanoinseln (zwischen 24o 37 und 28o
S), sowie das Gebiet der Walfischbai, von Swakopmund nur eine halbe Stunde
Weges, sind im Besitz Englands (Kapkolonie), das auch im Süden und Osten unser
Nachbar ist, während wir nördlich an portugiesisches Gebiet (Angola) grenzen.
Der schmale Landstreifen bis zum Sambesi heisst vulgär:
"Caprivi-Zipfel".
Bevölkerung : Am 1. Januar 1907 [1908!]: 8213 Weisse,
darunter 6215 Deutsche und 1446 Frauen; dagegen 1903 Zahl der weissen Bewohner
3815, der Deutschen 2173, der Frauen 670. Die eingeborene Bevölkerung, soweit
(S. 18) sie der Verwaltung unterworfen ist, setzt sich zusammen (nach Zählung
oder Schätzung) aus 16.000 Herero, 16.000 Bergdamara, 13.000 Hottentotten,
7.000 Buschleute, 2.000 Owambos. Ohne die Owambos kommt eine andere Schätzung
auf 50.000 Farbige. Dazu kommen 3.500 Mischlinge, wovon die Bastards von
Rehoboth 2.500 sind. Die Owambos (ungefähr 60.000), ein Bantustamm im Amboland,
zwischem dem 18. Grad südlicher Breite und dem Kunene, sind auf den Farmen,
beim Eisenbahnbau und dergleichen geschätzte Arbeiter.
Bodengestalt : In seiner ganzen Ausdehnung ist
Deutsch-Südwestafrika eine bis zu 1200 m, anfangs sanft, dann meist steil
ansteigende Terrassen-Landschaft, die sich ungefähr 300 km vom Meere binnenwärts
zu senken beginnt. Die Breite des wüsten Küstengürtels (Namib) beträgt
mehrere Tagesreisen, doch bilden die Täler der größeren Flüsse (Riviere,
nach dem Kapholländischen) Oasen. Im Innern befinden sich vereinzelt und
unregelmässig verteilt zahlreiche Gebirgszüge, Kuppen und Bergreihen, die um
mehrere 100 m über die durchschnittliche Landesoberfläche emporragen (Gneis
und Granit). Im Süden das 2000 m hohe Karasgebirge, zwischen Rehoboth und
Windhuk das Auasgebirge (2130 m hoch), weiter nördlich der Omatakoberg (2680 m
hoch). Nach Osten fällt die Hochebene zu der im Innern 500 m tiefer gelegenen
Kalaharisteppe ab, die man sich aber keineswags als unfruchtbar und wüst
vorstellen darf.
Bewässerung : Von den Flüssen führen nur der Orange
und Kunene, sowie der sich in den Ngamisee ergiessende Okawango das ganze Jahr
hindurch [Abb.: Haigamchab, am Eingang zum Garten des Ansiedlers Voss.]
fliessendes Wasser, sind aber nicht schiffbar. Auch der in den Oranjefluss mündende
Fischfluss versiegt nie ganz. Die übrigen sich in den Atlantischen Ozean ergießenden
Flüsse liegen während des größten Teils des Jahres trocken und bilden selbst
zur Regenzeit selten ununterbrochene Wasseradern (Swakop, Kuiseb). Quellen
befinden sich in größerer Zahl im Hererolande; hier ist auch die Regenmenge
bedeutender als in Gross-Namaland. Die Frage der Wassererschliessung, der
Staudämme usw. ist die wichtigste des Schutzgebietes. Quellenerschließung
durch Bohrkolonnen.
Klima : Das Klima ist im Sommer heiss, aber trocken und
gesund. Der Winter ist durchaus gemässigt. Nachtfröste sind im Innern nicht
selten. Der Küstenstrich ist gleichmäßig kühl und hat bis 50 km landeinwärts
nur Nebelniederschläge. Vorherrschende Winde aus südlicher Richtung, in der wärmeren
Jahreshälfte (Oktober-März) auch Winde aus nördlicher Richtung, welche die
Hauptregenzeit von Januar bis März verursachen. In Windhuk beträgt die
mittlere Jahrestemperatur 20o, im kühlsten Monat, Juli, 19o,
im wärmsten, Januar, 25o.
Pflanzenwelt : In dem wüsten Küstengürtel der Namib
fehlt fast jeder Pflanzenwuchs. Amboland: rein tropisch (Affenbrotbäume, Palmen
usw.). Damaraland: Steppe und Dornbusch mit oasenartigen Hainen von Ana- und
Dornbäumen. Namaland: Grassteppe, fast baumlos. Mit künstlicher Bewässerung
ist die Kultur von Getreide, Mais, Feigen, Datteln, Tabak usw. möglich. Im
Norden Baumwolle.
Tierwelt : Küstengewässer fischreich, auf den
vorgelagerten Inseln Wassvögel (Guanolager). Im nördlichen Teile eine rein
tropische Fauna (Grosswild, wie Elefanten und Giraffen, Raubtiere, Affen).
Damaraland ist mehr für Grossviehzucht, Namaland für Kleinvieh geeignet.
Ergebnisse der Viehzählung 1908: Rindvieh 73.000 (1903: 90.385), (S. 19)
Fleischschafe 193.000 (1903: 182.541), Wollschafe 12.000 (1903: 4.201),
Angoraziegen 4.000 (1903: 3.391), gewöhnliche Ziegen 156.000 (1903: 156.727),
Pferde 6.500 (1903: 5.265); alles ohne die im Besitz der Schutztruppe
befindlichen Tiere.
Mineralien : Bei Karibib guter Marmor. Im Otawi-Gebiet,
bei Gorob und an noch einigen Stellen die Ausbeute lohnender Kupferlager. Wert
der 1907 verschifften Mineralien 1.300.000 Mark. Bei Lüderitzbucht sind in den
Sanddünen der Namib seit Sommer 1908 zahlreiche Diamanten gefunden worden,
zumeist im Gewicht von weniger als ein Karat, aber auch bis zu drei Karat.
Handel : Eingeführt werden fast alle Gegenstände des
europäischen Marktes, insbesondere Getränke, Tabak, Kaffee, Zucker, Konserven,
Mehl, Reis, Bekleidungsstücke.
Ausgeführt werden Viehhäute, Rindvieh, Kleinvieh, Kupfer, Hörner,
Straussenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano (Cap Cross). Werte der Ein- und
Ausfuhr siehe Tabelle auf Seite 4[5-8].
Verkehrswesen. Schiffsverkehr: Die Reede von Swakopmund
wurde 1907 von 194 Dampfern mit 720.000 Reg. Tons, der Hafen von Lüderitzbucht
von 165 Dampfern mit rund 580.000 Reg. Tons angelaufen. Die überwiegende
Mehrheit waren Deutsche, während im Vorjahre noch nahezu ein Drittel unter
englischer Flagge fuhr. Im Jahre 1907/08 (April bis März) kamen in Swakopmund
an 2441 Personen (ohne Schutztruppe), fuhren ab 1592 Personen (ohne Militär);
in Lüderitzbucht im gleichen Zeitraum ankommend 1373, ausgehend 1489.
Ueberfahrtspreis: Woermannlinie Hamburg-Swakopmund I. Klasse 602,50 M., II.
Klasse 402,50 M., Zwischendeck 252,50 M. [Abb.: Koppelscher Eisenbahnbau:
Arbeiter an der Bauspitze beim Gleisverlegen.]
Landverkehr: Verkehrsmittel im Innern für Personen und Frachten ist der
Ochsenwagen; mit 10 bis 20 Ochsen bespannt, legt er täglich mit Lasten von 30
bis 50 Zentnern 18 bis 35 km zurück. Zwischen Swakopmund und Windhuk besteht
seit Juli 1902 eine 60 cm-spurige Feldbahn (382 km). Bahn Swakopmund-Otawi bis
Tsumeb (570 km), im September 1906 fertiggestellt; täglich ein Zug zwischen
Swakopmund und Karibib, dreimal wöchentlich zwischen Usakos und Tsumeb. Strecke
Lüderitzbucht-Keetmanshoop seit Juli 1908 in Betrieb. Neu bewilligt und im Bau
Zweigstrecke von Seeheim unweit Keetmanshoop südlich bis Kalkfontein (ca. 185
km). Neuerlich gelungene Transportversuche mit Kamelen und zweifelhaftere mit
Kraftwagen.
Post und Telegraphie: Ende 1907: 60 Anstalten, darunter 26 mit
Telegraphenbetrieb und 11 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 2.417 km
Landtelegraphenlinien und 246 km Seekabel. Verkehr 1907: 5.772.000
Briefsendungen, 156.000 Postanweisungen mit 32.900.000 M., 95.000 Pakete,
730.000 Zeitungsnummern, 327.000 Telegramme, 793.000 Gespräche.
Postverbindungen: fünfmal monatlich, Beförderungsdauer 20-26 Tage.
Telegrammgebühr für das Wort 2,75 M.
Verwaltung : An der Spitze der Gouverneur (zurzeit
v. Schuckmann), Sitz des Gouvernements: Windhuk. Das Schutzgebiet zerfällt in
zwölf Bezirke: Keetmanshoop, Lüderitzbucht, Gibeon, Rehoboth, Gobabis,
Windhuk, Swakopmund, Karibib, Okahandja, Omaruru, Grootfontein und Outjo. Die
Bergbehörde befindet sich in Windhuk. (Neue Bergverordnung seit 1. Januar 1906
in Kraft.) Bevor steht die Gründung von Handelskammern in Lüderitzbucht und
Swakopmund und einer Landwirtschaftskammer in Windhuk. Durch
Reichskanzlerverordnung vom 28. Januar 1909 ist für Deutsch-Südwestafrika die
Selbstverwaltung eingeführt worden durch Einrichtung von Gemeindeverbänden
(Windhuk, Swakopmund und Lüderitzbucht, Keetmanshoop, Karibib, Omaruru,
Okahandja, Tsumeb, Warmbad und Usakos), Bezirksverbände und des Landesrats
.
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 17ff. |
GM
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