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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Rückblick auf die Entwickelung des Schutzgebietes Deutsch-Südwestafrika im Jahre 1908
Rückblick auf die Entwickelung des Schutzgebietes Deutsch-Südwestafrika im Jahre 1908.

Vom 1. Januar 1907 bis zum 1. Januar 1908 ist die weisse Zivilbevölkerung der Kolonie von 7110 auf 8213 Köpfe gestiegen. Der Zuwachs wäre noch grösser, wenn nicht rund 3000 Menschen ausgewandert wären. Doch muss diese Abwanderung von Ausländern und Unbeschäftigten aus der Kapkolonie, die der Aufstand ins Land geführt hatte, für die Kolonie als ein grosses Glück empfunden werden.
Dass es vorwärts geht in Deutsch-Südwestafrika, ergibt die Statistik über die bisher verkauften Farmen. Am 1. April 1908 waren es 682 gegen 480 im Jahre zuvor. Das im Regierungsjahr 1907 vom Gouvernement verkaufte Farmland war fast 1 ¼ Millionen Hektar gross. Demgemäss ist die Anzahl des Viehs recht beträchtlich in die Höhe gegangen. Gegen 53.000 Rinder im Jahre 1907 wurden in 1908 73.000 gezählt. Fleischschafe gingen von 98.000 auf 193.000 empor, Wollschafe von 3.500 auf 12.000, wobei zu bemerken ist, dass gerade im Verlaufe des Jahres 1908 starke Zufuhr von Tieren aller Rassen stattgefunden hat. Die Zahl der Ziegen und Angoraziegen wuchs von 103.000 auf 160.000, die der Pferde von 3.000 auf über 6.500. Desgleichen werden Zunahmen beobachtet bei Eseln, Kamelen, Straussen und Schweinen.
Aber das Land ist noch im Aufbau und in der Neueinrichtung. Demgemäss sind die Einfuhren bei weitem grösser als die Ausfuhren, und in den Exporttabellen tritt als ins Gewicht fallender Posten eigentlich nur der der Kupfererze auf. Wo Rind- und Kleinvieh ausgeführt wurde, da geschah das zur Verpflegung von Walfisch-Bai.

Abb.7: Südwestafrikanische Wege nach dem ersten schweren Regen


Obwohl schon am 1. April 1907 der Friedenszustand für die Kolonie erklärt worden ist, hat es an Ueberfällen von seiten der Farbigen nicht gefehlt. In dem weiten Raum dieses ariden Steppenlandes, in den Schluchten und Höhlen seiner zerklüfteten Berge finden flüchtige Eingeborene noch immer eine Zuflucht, in die zu dringen der Weisse gar nicht imstande ist. Zwar wurde im Laufe des Berichtsjahres einer unserer erbittertsten Gegner, der Halbblut Morenga, unschädlich gemacht, aber noch sind jenseits des Oranje und jenseits der mit dem Lineal gezogenen Linie, die auf der Karte dem 20. Meridian folgt, Simon Kopper und ähnliche Rädelsführer mit ihrer Bande unterwegs, und es wird noch manche Mühe kosten, diese unschädlich zu machen. Bei einer solchen siegreich beendigten Expedition fiel am 16. März d. Js. Hauptmann v. Erkert.
Die im Norden der Kolonie sitzenden Owambo verhielten sich im Berichtsjahr durchaus friedlich. Ihr Land blieb nach wie vor dem allgemeinen Zutritt verschlossen. Nur einigen als besonders zuverlässig bekannten Frachtfahrern wurde die Erlaubnis zum Betreten des Landes erteilt, um den dort wohnenden Missionaren Fracht zu bringen. Der Zuzug der Owambo nach dem Süden entsprach den bisherigen Verhältnissen, vergrösserte sich aber zum Ende des Berichtsjahres erheblich, so dass nach Weihnachten die Minen von Tsumeb und Gochab ausreichend Zulauf von Owamboarbeitern hatten. Auf Veranlassung des Gouverneurs von Schuckmann ist das Owambo-Gebiet von Hauptmann Francke besucht worden, der mit den einzelnen Häuptlingen Schutzverträge geschlossen hat. (1)
Südwestafrika haben wir in erster Linie immer als ein Land angesehen, dessen wirtschaftliche Basis eine extensive Viehwirtschaft ist. Diese Anschauung scheint wankend gemacht worden zu sein durch die Diamantenfunde im Hinterlande von Lüderitzbucht, von denen im Sommer des Berichtsjahres zu melden war. Auf Pfaden, über die in der Zeit des Aufstandes Tausende von Menschfüssen sorglos und empfindungslos (S. 21) gewandelt waren, fanden sich urplötzlich die kostbaren Steine, die vielleicht dem Schutzgebiet und seinen Finanzen Millionen einbringen werden, da die zentrale Kolonialregierung es verstanden hat, das fiskalische Interesse durch rechtzeitiges Eingreifen zu wahren. Es sind nicht die schlechtesten Freunde der Kolonie, die der Meinung sind, dass die alte Grundanschauung, als beruhe die wirtschaftliche Grundlage von Deutsch-Südwestafrika für alle Zeiten auf der seinem natürlichen Charakter angepassten extensiven Viehzucht, von Dauer und Geltung sein wird, wenn vielleicht schon alle Diamanten und glitzernden Steine, die im Sande der Namib heute das Auge blenden und schnellen Gewinn bringen, längst dem Gedächtnis entschwunden sind.

 

Kolonial Literatur und Karten 1908/09: Deutsch-Südwestafrika.

Alverdes, H. Mein Tagebuch aus Südwest. Erinnerungen aus dem Feldzuge gegen die Hottentotten. 3 Mark.

Bayer, Hauptmann M. Mit dem Hauptquartier in Südwestafrika, mit Skizzen. 5 Mark.

Bonn, M. J. Die Eingeborenenpolitik im britischen Südafrika. 1908. 2 Mark.

Denkschrift über die im südafrikanischen Schutzgebiet tätigen Land- und Minen-Gesellschaften. 1905. 1 Mark.

Dernburg, B. Südwestafrik. Eindrücke. Industrielle Fortschritte in den Kolonien. 88 S. 1909. 0,75 Mark.

Deutsch-Südwestafrika. Amtlicher Ratgeber für Auswanderer. 2. verb. Aufl. Mit vielen Bildern und 1 Karte. 1908. 1 Mark.

Abb.8: Farm Haris unweit Windhuk.

Dincklage-Campe v. Deutsche Reiter in Südwest. Selbst-Erlebnisse aus den Kämpfen in Südwestafrika. Nach persönl. Berichten der Mitkämpfer. Mit 494 Illustr., Portr., Kart. usw. 1908. Gebdn. 15 Mark.

Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika. Auf Grund amtlichen Materials bearbeitet von der Kriegsgeschichtl. Abt. I des Grossen Generalstabes. Mit 71 Abbild. und 51 Skizzen. I. Bd. Feldzug gegen die Hereros. Gebdn. 2,25 Mark. II. Bd. Der Hottentottenkrieg. Gebdn. 2,25 Mark.

Karow, M. Wo sonst der Fuss des Kriegers trat. Farmerleben in Südwest nach dem Kriege. Mit vielen Abbild. und 1 Karte. 1908. Gebd. 5 Mark.

Rickmann, Kais. Veterinärrat W. Tierzucht und Tierkrankheiten in Deutsch-Südwestafrika. 9 Mark.

Schlettwein, Carl. Der Farmer in Deutsch-Südwestafrika. Eine Darstellung sämtlicher für den afrikanischen Farmer in Betracht kommenden Erwerbszweige und ein Leitfaden für Anfänger. Mit vielen Abbild. Gebdn. 6 Mark.

Streit, R. P. O. M. J. Ein Opfer der Hottentotten. Gesch. Erzählung. 120 S. mit 7 Vollbildern. Gebdn. 1 Mark.

Taschenbuch für Deutsch-Südwestafrika. 1908. Herausgegeben von Dr. Ph. Kuhn und Hauptmann K. Schwabe. Gebdn. 3,50 Mark.

Verzeichnis von Büchern und Karten über Deutsch-Südwestafrika und die andern deutschen Kolonien. 31 S. 1908. Auf Wunsch kostenlos von Dietrich Reimer (E. Vohsen) Sort.-Abtlg., Berlin SW. 48.

Wegner-Norden. Beiträge zur Kenntnis südafrikanischer Landwirtschaft. 1909. 1,20 Mark.

Karten.

Karte des Gebiets zwischen Okawango und Sambesi (Caprivi-Zipfel) nach den Aufnahmen von Franz Seiner. Bearbeitet von Paul Sprigade. 1 : 500.000. Mitt. v. Deutsch. Schutzgeb. 1909, Karte 7. 57x93 cm. 3 Mark, in Taschenformat aufgezogen 4,25 Mark.

Besitzstands-Karte von Deutsch-Südwestafrika. Stand am 1. Okt. 1908. Bearbeitet im Bureau der Landesvermessung. 1 : 800.000.

Weitere Literatur- und Kartennachweise sind in Dietrich Reimer's Mitteilungen für Ansiedler, Farmer, Tropenpflanzer, Beamte, Forschungsreisende und Kaufleute enthalten. Jährlich 4 illustr. Hefte. Preis des Heftes 30 Pfg. Ein Jahrgang mit Porto 1,60. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Sort.-Abt., Berlin SW. 48.

 

(1) Gegen Ende des Berichtsjahres brach im Ambolande eine schwere Hungersnot aus, der das Windhuker Gouvernement durch Lieferung von Lebensmitteln zu steuern suchte


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Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 20f

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