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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Deutsch-Ostafrika
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Deutsch-Ostafrika
Grösse : mit den dazugehörigen Wasserflächen 995.000
qkm (= 2 Deutsches Reich).
Bevölkerung : Europäer: 1904: 1437, darunter 1102
Deutsche. 1905: 1873, darunter 1324 Deutsche und 316 erwachsene Frauen. 1906:
2465, darunter 1499 Deutsche und 401 erwachsene Frauen. 1907: 2629 Weisse,
darunter 1656 Deutsche und 437 erwachsene Frauen. 1908: 2845 Weisse, darunter
2014 Deutsche und 507 erwachsene Frauen. Europäer: 1904: 1437, darunter
1102 Deutsche. 1905: 1873, darunter 1324 Deutsche und 316 erwachsene Frauen.
1906: 2465, darunter 1499 Deutsche und 401 erwachsene Frauen. 1907: 2629 Weisse,
darunter 1656 Deutsche und 437 erwachsene Frauen. Seit 1904 am Kilimandscharo
(Moschi) eine Einwanderung von Buren und europäischen Siedlern (Schwaben aus
Russland, Reichsdeutsche, Griechen, Italiener usw.). Die schwarze Bevölkerung
mindestens 7 Mill. Einwohner, vielleicht an zehn Millionen. Wesentlichster
Bestandteil Bantuneger. Die Bantu des südlichen Teils des Schutzgebietes sind
den Sulu verwandt. In den Steppen des Nordens bis in die Mitte des
Schutzgebietes wohnen in kleinen Freistaaten die von Norden eingedrungenen
Massai (Hamiten mit der Sprache der Nilotischen Völker); im Nordwesten,
zwischen Victoria- und Tanganjika-See, als herrschende Klasse inmitten von Bantu
die hamitischen Wahuma oder Watussi. Zu den Sulu des Südens gehören die unter
Stammesfürsten stehenden Wahehe (im Flussgebiet des Rufiji) und die Mafiti
(oder Wangoni), beide Stämme sind von Süden eingedrungen.
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Station
Usumbura, vom Tanganjikasee aus gesehen. |
Ein Mischvolk von Arabern und Eingeborenen sind die Suaheli, deren Idiom die
ostafrikanische Verkehrssprache ist. Neben den Eingeborenen wohnen an der Küste:
Araber (Maskat- und Schihiriaraber), Beludschen, Inder, Parsi, Goanesen, Syrer,
Aegypter, Türken.
Bodengestaltung : Deutsch-Ostafrika ist ein Teil der
sich von Abessinien bis zum Tafelberg erstreckenden Hochebene; vom Indischen
Ozean landeinwärts ansteigend, gliedert sie sich durch mehrere vom S. nach N.
verlaufende Längsspalten (Gräben) und erhebt sich im Schutzgebiet zu einer Höhe
von 1000 - 1500 m und darüber.
An der Nordgrenze der doppelgipfelige Kilimandscharo (westliche Spitze:
Kibo 6010 m, östliche Spitze: Mawensi 5355 m) bedeckt eine Fläche von 3770 qkm
oder 67 deutschen Quadratmeilen. Dem Kilimandscharo zunächt, zur Linken des
Pangani, das nach Westen steil abfallende Paregebirge, östlich davon nahe der Küste
das Usambaragebirge. Als Fortsetzung des Paregebirges erscheint auf dem rechten
Panganiufer die Terrasse von Useguha. Mit dem Gebirge von Nguru beginnt das
durch Usagara und Uhehe bis zum Njassa in einem Bogen sich fortsetzende
Randgebirge. Auf der Grenze zwischen Ussagara und Uhehe die Ruhebo-Berge. In den
Njassabergen Gipfel von 3000 m, am Nordostende des Njassa das
Livingstonegebirge. Im Nordwesten des Schutzgebietes die Berge von Urundi und
Ruanda. In der Grabenspalte nördlich des Kiwu-Sees die noch tätigen
Kirunga-Vulkane.
Bewässerung : Die Hochebene im Innern ist vorwiegend
wasserarm. In den Indischen Ozean (in der Reihenfolge von Norden nach Süden)
ergiessen sich folgende Flüsse: der Umba, der Pangani (Quelle auf dem
Kilimandscharo), der Wami und Kingani (münden Sansibar gegenüber), der Rufiji
(mit dem Kilombero oder Ulanga und Ruaha, am Ausfluss des Rufiji die Insel
Mafia), der Mbemkuru, der Lukuledi und der Rowuma (Grenzfluss im Süden). Alle
Ströme sind nur streckenweise schiffbar. Neuerliche Versuche auf dem Ulanga und
Rufiji.
In den Tanganjika-See fliesst der Mlagarassi, in den Victoria-Njansa der Kagera,
der südlichste Quellfluss des Nils, dem Njansa entströmt südwärts zum
Sambesi der Schire.
Zum Teil zum deutschen Schutzgebiet gehören die drei Süsswasserseen Afrika:
der inselreiche Victoria-Njansa (1135 m über dem Meeresspiegel, 66.000 qkm
gross = Königreich Bayern), der Tanganjika (780 m über dem Meeresspiegel,
35.000 qkm gross = Provinz Ostpreussen), der Njassa (478 m über dem
Meeresspiegel, 27.000 qkm gross = Provinz Westpreussen).
Westlich vom Kilimandscharo befinden sich der Natron-, der Ejassi- und der
Manjara-See. Der nordwestlich vom Njassa befindliche Rukwa-See liegt 800 m hoch
und bildet ein abflussloses Becken.
Klima : Deutsch-Ostafrika gehört in seiner ganzen
Ausdehnung der heissen Zone an vom 1.o südl. Breite bis zum 12.o.
Vom Mai bis September weht der Südwestpassat, vom Dezember bis März der
Nordostpassat. Die Winde tragen die Feuchtigkeit über das Festland und
bestimmen die Regen- und Trockenzeit. Meteorologische Hauptstation Daressalam,
daneben 54 Regenmessstationen.
An der Küste erwartet man die kleine Regenzeit im November und die grosse in
den Monaten März und April. Der kühlste Monat ist der Juli, in dem die
Temperatur des Nachts auf 16o C. sinkt, während sie bei Tage 35o
C. und mehr beträgt. In den oben genannten Hochländern kann der Europäer ohne
Schaden an seiner Gesundheit leben.
Pflanzenwelt : An der Küste, besonders an Flussmündungen,
Sumpfvegetation, Zone der Mangroven. Dahinter Pori, Buschsteppe mit häufigerem
Baumwuchs (Akazien, Affenbrotbäume, Euphorbien usw.). In den Gebirgen
ausgedehnte Wälder mit brauchbarem Nutzholz, z. B. der Schume-Wald im Bezirk
Wilhelmstal. Kulturpflanzen: Baumwolle, Faseragaven, Kaffee, Kautschuk,
Kokospalme, Reis, Bananen, Ananas, Gerberakazie, Erdnüsse, Sesam, Sorghum,
Mais.
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Bezirksamt
Mrogoro |
Tierwelt : Eine tropische Fauna mit Affen, grossen
Raubtierkatzen, Dickhäutern, Krokodilen. Jedenfalls mehr Verwandtschaft mit der
südafrikanischen als mit der westafrikanischen Tierwelt. Beide Faunen stossen
in der Nordwestecke der Kolonie zusammen. Einen gesonderten, in sich
geschlossenen Charakter hat die Fauna der grossen Binnenseen. In der Ausfuhr
spielen einige Jagdprodukte eine Rolle; ausserdem sammelt der Neger das Wachs
aus den Stöcken wilder Bienen; die Haustierzucht erzeugt hauptsächlich Felle
und Häute.
Mineralien : In Ussongo und Ikoma abbauwürdige und
abgebaute Goldvorkommen. Am Mlagarassi Soolquellen. Am Njassa vielleicht abbauwürdige
Kohlenlager. An mehreren Stellen Granaten und Glimmer.
Handel : Ausgeführt werden Kautschuk, Elfenbein,
Sesam, Kopal, Kokosnüsse, Matten, Baumwolle, Hanf, Hölzer, Häute und Felle,
Bienenwachs, Hörner, Kopra, Kaffee.
Eingeführt werden Baumwollwaren, Reis, Mehl, Eisen und Eisenwaren, Wein, Bier,
Butter, Zucker, Fleisch und allerlei Nahrungsmittel, Petroleum, Zement, Gemüse
und Obst, Tabak, geistige Getränke usw. Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabelle
auf Seite 5-8.
Verkehr. Eisenbahnen: Die Usambarabahn ist auf der 129
km langen Strecke Tanga-Mombo in regelmässigem Betrieb seit Anfang des Jahres
1905 und kommt immer mehr in Aufnahme, auch bei den Negern. Sie soll vorläufig
um 45 km bis zum Panganifluss weitergeführt werden. - Der Bau der am 16. Juni
1904 vom Reichstage bewilligten Eisenbahn Daressalam-Mrogoro (225 km) ist Ende
1904 in Angriff genommen worden und hat im Oktober 1907 Mrogoro erreicht.
Weiterbau um 700 km bis Tabora ist bewilligt und begonnen.
Schiffsverkehr: Die elf Häfen der Kolonie wurden 1907 von 475 Dampfern mit rund
1.400.000 Reg. Tons angelaufen, abgesehen von dem Küstenverkehr der
Gouvernements-Fahrzeuge. Ausserdem findet ein reger (S. 24) Verkehr von Seglern
(Dhaus) statt. Auf dem Victoria-See verkehren die deutsche Pinasse
"Ukerewe" neben verschiedenen englischen Dampfern und deutschen, sowie
britischen Dhaus auf dem Tanganjka-See "Hedwig v. Wissmann"; auf dem
Njassa "Hermann v. Wissmann".
Ueberfahrtspreis: Deutsche Ostafrika-Linie, Zwischenlinie Genua-Daressalam I.
675 M., II. 350 M. Hauptlinie Neapel-Daressalam I. 750 M., II. 525 M., III. 300
M.
Post und Telegraphie: Ende 1907: 35 Anstalten, darunter 25 mit
Telegraphenbetrieb und 5 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 2418 km
Landtelegraphenlinien und 136 km Seekabel. Verkehr 1907: 2.800.000
Briefsendungen, 74.000 Postanweisungen mit 24.000.000 M., 22.000 Pakete, 224.000
Zeitungsnummern, 180.000 Telegramme, 86.000 Gespräche. Postverbindungen: vier-
bis fünfmal monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Daressalam 19 bis 23 Tage.
Telegrammgebühr für das Wort nach Bismarckburg und Udjidji 3,15 M., nach den
übrigen Anstalten 2,75 M.
Verwaltung : Sitz des Gouverneurs ist Daressalam (z.
Zt. Freiherr v. Rechenberg.). Das Schutzgebiet zerfällt jetzt in 21
Verwaltungsbezirke. Davon stehen 16 unter Zivilverwaltung: Wilhelmstal, Tanga,
Pangani, Bagamojo, Mrogoro, Daressalam, Rufiji, Kilwa, Lindi, Ssonega,
Langenburg, Udjidji, Mpapua, Moschi, Muansa, Tabora, 2 unter Militärverwaltung:
Iringa, Mahenge und 3 unter Residenten: Bukoba, Ruanda, Urundi.
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Burenfarm
am Ostabhang des Meruberges |
Schutztruppe: 1907: Zusammen mit den vom Gouvernement
abkommandierten Polizei-Askari 2760 Mann, verteilt auf folgende Plätze:
Aruscha, Iraku, Iringa, Ubena, Lindi, Sassawara, Kilimatinde, Mkalama, Kwa
Mtoro, Daressalam, Udjidji, Bismarckburg, Rutschugi, Bukoba, Kifumbiro, Ussuvi,
Mbejera (Kihawa), Usambura, Tschiwitoke, Ischangi, Kissenji, Tabora, Mahenge,
Mponda, Kiberege, Kondoa-Irangi, Livale, Muansa, Ikoma; 15 Kompagnien und eine
Maschinengewehrabteilung
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 22ff. |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

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