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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Kamerun
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Kamerun (S.
13)
Grösse : 495 600 qkm (= Deutsches Reich). Die Grenze
gegen die englische Nachbarkolonie ist noch nicht endgültig, die gegen Französisch-Kongo
wurde 1906 bis 1908 festgelegt.
Bevölkerung : Ungefähr 3 500 000 (?) Einwohner,
darunter 1903: 710, 1904: 826, 1905: 896, 1906: 1010, 1907: 1128 Europäer,
wovon 971 Deutsche und 141 Frauen. Eingeborene Hauptstämme der bisher bekannt
gewordenen Gebiete: Im Norden und Nordosten die unter Fullahherrschaft stehenden
Graslandstämme von Adamaua, von denen die Bata, Tikar, Beia und Wute die
bekanntesten sind. Näher der Küste folgen im Nordwesten und Westen bis zur Südgrenze
hinunter die Bafut und Bali, Banjang, Bakundu und Ngolo, (S. 14) Bamboko,
Bakwiri, Duala, Batanga und Mabea und schliesslich Bule (Fang). Die Gegend
zwischen Küsten- und Graslandstämmen, also etwa der Mittellauf des Sanaga und
Njong, wird von Bakokostämmen eingenommen, denen sich weiter östlich Jaúnde,
Bane und Jengone anschliessen, die sämtlich mit den fast den ganzen Süden
einnehmenden Bule verwandt sind. In den Flussgebieten des Dscha, Bumba und
Ssanga sitzen Janguma, Njem, Ndsimu, Bomome und Maká. Zu erwähnen wären noch
die Nguma am Lokundje, Stammesgenossen der Njem und Maká. Gezählt wurden
folgende Stämme und Bezirke: Duala 52.000, Victoria 7.200, Buean 10.000,
Ossidinge 24.000, Kribi 34.000 Männer; geschätzt: Jaunde 57.000, Kampo 10.000,
Rio-del-Rey 31.000, Johann Albrechtshöhe 60.000, Joko 9.000, Banjo-Stadt
10.000, Ebolowa 180.000, Lomie 60.000, Jabassi 18.000, Dume 30.000, Dschang
9.000.
Bodengestalt : Das höchste Gebirge im Umkreis des
Atlantischen Ozeans ist das Kamerungebirge (4070 m), das sich nach Nordosten in
den Bakossi- usw. Bergen fortsetzt. Das Schutzgebiet steigt im übrigen in
Terrassen mit vielen aufgesetzten Gebirgszügen im allgemeinen nach Osten und
Nordosten an (Adamauagebirge bis 3000 m, Nguakeli im Süden ca. 1500 m). Eine
etwa von Bali über die Mbammündung nach den Ssangazuflüssen gedachte Linie
ergibt annähernd die Grenze des ununterbrochenen Küstenurwalds.
Flüsse (von Norden nach Süden) : Das Rio-del-Reygebiet mit mehreren
Zuflüssen, ebenso wie das Kamerunflussgebiet, in das der Mungo, Dibambu und
Wuri münden, sind ausgedehnt von Mangrovesümpfen bedeckt.
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Abb.5:
Karawane aus dem Innern Kameruns |
Der sehr bedeutende, doch nicht schiffbare Sanaga mit dem
Mbam; der Njong, dessen Oberlauf nach neueren Untersuchungen schiffbar ist
(zwischen Widimenge und Abong-Mbang) mit dem Nkele; schliesslich die kleineren:
Lokundje, Kribi und Kampo. Adamaua wird von dem schiffbaren Benuë, dem grössten
Nebenfluss des Niger, durchströmt, der eine internationale Verkehrsstrasse zum
Meere bildet (Nigerschiffahrtsakte 1885). Der Dscha mit Bumba im Südosten,
bezw. der Ssanga schliessen das Gebiet der Kongoschiffahrt an. Der in den
Tschadsee mündende Schari und sein Nebenfluss, der Logone, sind weithin
schiffbar und z. B. von den Franzosen zur Verproviantierung ihrer dortigen
Posten benutzt worden.
Klima : Die mittlere Jahres-Temperatur beträgt an der Küste etwa 25°
C.; der Februar mit 27° C. ist im Durchschnitt der wärmste, der Juli mit 23°
C. der kühlste Monat. Die Regen- und Trockenzeiten liegen in den verschiedenen
Gebietsabschnitten sehr verschieden und weichen auch in den einzelnen Jahren
voneinander häufig nicht unbedeutend ab. Hauptregenzeit zumeist Mai bis
Oktober. Jedenfalls gehört das Küstengebiet am Kamerunberg zu den
regenreichsten Gegenden der Erde. 1906/07 in Duala innerhalb von 12 Monaten
3.800 mm Regen. Das Klima ist besonders in den Waldgebieten ungesund, in den
hochgelegenen Gebieten des nördlichen Kamerun erheblich besser. Das
Berichtsjahr war ungewöhnlich trocken.
Pflanzenwelt : Küste und Kamerunberg dich bewaldet.
Zumeist wertvolle Nutzholzbestände. Ferner: Mangroven, Palmen, Pandanen, Wollbäume,
Brotfruchtbäume, Mangos. Grasland bis zur Sumpfvegetation des
Tschad-See-Gebietes. Angebaut werden Kakao, Kautschuk und Oelpalmen. (S. 15)
Tierwelt : Reiche Insektenwelt. Die Flüsse, besonders
der Sanaga, wimmeln von Alligatoren. Bunte Vogelwelt (vom Kolibri bis zum
Nashornvogel). Unter den Säugern zahlreiche Arten von Affen (Schimpanse und
Gorilla), Raubtieren, Dickhäutern (Elefanten in Küstennähe) und Zweihufern.
Mineralien : Seit Jahren sind Zinnlager bekannt. Bei
Victoria unbedeutende Petroleumquellen. Im Ossidinge-Bezirk Soolquellen, die auf
Salz- und Kalilager schliessen lassen.
Handel und Verkehr : Die Ausfuhr besteht in Palmkernen, Palmöl,
Kautschuk, Kakao. Elfenbein, Hölzern, Vieh usw.
Eingeführt werden Manufakturwaren, Nahrungsmittel, geistige Getränke, Geld,
Salz, Holz, Holzwaren, Eisen und Eisenwaren, Glaswaren, Tabak, Reis, Mehl,
Pulver und Waffen u.s.w. Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabelle
auf Seite 5-8.
Verkehrswesen : Schiffsverkehr: Die Kameruner Häfen
und Reeden wurden im Jahre 1907 von 474 Dampfern von 1.270.000 Registertons
angelaufen. 281 davon waren deutsche. Ueberfahrtspreis: Woermannlinie
Hamburg-Duala I. 600 M., II. 450 M.
Eisenbahnen : Kurze Schmalspurbahn (Privatbesitz) Victoria-Sopo (43 km). Bahn
von Duala nach den Manengubabergen seit 1906 im Bau, Eröffnung einer
Teilstrecke voraussichtlich 1909. Bewilligt eine Linie Duala-Edea-Widimenge (293
km).
Post und Telegraphie : Ende 1907: 30 Anstalten, darunter 15 mit
Telegraphenbetrieb und 14 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; Verkehr 1907: 861.000
Briefsendungen, 28.700 Postanweisungen mit 3.785.000 Mark, [Abb.6: Sitzbänke
auf dem Palaverplatz im Ekoiland (Crossfluss-Gebiet).] 20.000 Pakete, 91.000
Zeitungsnummern, 89.000 Telegramme, 199.000 Gespräche. Postverbindungen: drei-
bis viermal monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Duala 19-24 Tage. Telegrammgebühr
für das Wort 5,30 M.
Verwaltung : Sitz des Gouverneurs (z. Zt. Dr. Seitz)
ist Buea. Das Schutzgebiet zerfällt jetzt in 18 Verwaltungsbezirke; von diesen
stehen 10 unter Zivilverwaltung: Rio-del-Rey, Ossidinge, Johann-Albrechtshöhe,
Victoria, Buea, Duala, Jabassi, Edea, Jaunde, Kribi, 6 unter Militärverwaltung:
Ebolowa, Lomie, Dume-Station, Dschang, Bamenda, Banjo und 2 Residenturen:
Adamaua (Garua) und Deutsche Tschadseeländer (Kusseri).
Schutztruppe : 1 Kommandeur, 39 Offiziere, 11 Aerzte,
79 Unteroffiziere, 1300 Farbige (nach dem Stande von April 1907). Deutschen
Militärpersonen unterstehende Polizeitruppen befinden sich auf den einzelnen
Stationen
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 13ff. |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

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