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Imperialismus | Kolonialzeit

[P|S|M]

Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Rückblick auf die Entwickelung des Schutzgebietes Kamerun im Jahre 1908
Rückblick auf die Entwickelung des Schutzgebietes Kamerun im Jahre 1908.

(S. 15 unten) In Kamerun, diesem weiten Gebiete, das nahezu so gross ist wie das Mutterland, sind Gefechte und Zusammenstösse mit den wilden, z. T. noch vollständig unzivilisierten Eingeborenenstämmen an der Tagesordnung. In einem solchen Kampfe ist am 5. März d. J. in einem Hinterhalt einer der ältesten Kameruner Schutztruppenoffiziere, Hauptmann Glauning, gefallen. Längs der deutsch-englischen Grenze haben sich im Berichtsjahr die meisten kriegerischen Unternehmungen abgespielt. Dagegen ist das Verhältnis zu den Eingeborenen sowohl im Norden des Schutzgebietes, wo unsere Herrschaft in Form der Residenturen in die Erscheinung tritt, wie auch an der Küste zufriedenstellend gewesen. (S. 16) Die stärkeren Anforderungen an farbige Arbeiter, verstärkt noch durch die beim Bau der Manenguba-Eisenbahn durchschnittlich notwendigen 2000 Mann, konnten im allgemeinen mit grossen Schwierigkeiten erfüllt werden.
Die Weiterentwickelung des Schutzgebietes kommt zum Ausdruck in der aussergewöhnlich starken Zunahme der weissen Bevölkerung von 1010 auf 1128 und vor allem in dem schnellen Emporgehen der Ausfuhrwerte. Die Gesamtausfuhr ist von 9.9 Millionen Mark im Jahre 1906 auf 15.9 Millionen Mark im 1907 emporgegangen, also um 43 pCt. Ebenso ist die Einfuhr in dem gleichen Zeitraum von 13.3 Millionen Mark auf 17.3 Millionen Mark gestiegen, eine Zunahme von 30 pCt. Die Kautschuk-Ausfuhr ist von 4.7 Millionen Mark auf 7.6 Millionen Mark, also um nahezu 3 Millionen Mark emporgegangen. Palmkerne und Palmöl ergeben zusammen fast 4.2 Millionen Mark gegen 3 Millionen im Vorjahre. Die Kakao-Ausfuhr hat sich mehr als verdoppelt, von 1.2 Millionen Mark auf 2.7 Millionen Mark. Auch der Export von Elfenbein ist hinaufgegangen, trotzdem im Jahre 1907 ein Verbot ergangen war, Elefantenzähne unter 2 kg zu exportieren. Aussichtsvoll ist noch die Ausfuhr von Holz aus dem mächtigen Bestande in der Nähe der Flüsse und der Küste.
Seit mehr als Jahresfrist ist die Eisenbahn von Duala (Hickory) im Bau, die vorläufig auf 160 km Länge bis zu den Manenguba-Bergen bewilligt ist, aber dereinst die bis zum Tschad-See reichende Transversal-Bahn und das Verkehrsrückrat der Kolonie darstellen soll. Im Berichtsjahre ist dem Wunschen, auf für den Süden des Schutzgebietes einen [Abb.6: Tracht der Mboandem-Frauen (besondere Weiberkaste im Keaka-Land).] Schienenstrang zu schaffen, durch Bewilligung der Strecke Duala-Widimenge (Njong-Fluss) seitens des Reichstages Erfüllung geworden. Dieser Linienführung wurde vor andern, von einem der südlichen Häfen ausgehenden Projekten der Vorzug gegeben. Allerdings bemerkt die amtliche Denkschrift, dass auch eine Verbindung der Batanga-Küste mit ihrem Hinterlande erwünscht sei. Wie immer, geht in Kamerun neben dem Eisenbahnbau die Anlegung von Wegen einher, und in einzelnen Gebieten sind die Stationschefs geradezu Meister in der Kunst, durch Vermittelung der Häuptlinge die Eingeborenen zur freiwilligen Arbeit an solchem Werke heranzuziehen. Als Muster werden in diesem amtlichen Berichte die Jaunde hingestellt, die Steuerarbeiter zu den Wegebauten stellten, obwohl das Volk in dem halben Jahr vom 1. April bis 30. September 1908 rund 180.000 Mark Bargeld Steuern aufgebracht hat.
In diesem Zusammenhange seien die Schulberichte aus der Kolonie erwähnt. - Aus Duala wird berichtet, dass die aus der ersten Klasse entlassenen Schüler fast alle sogleich Stellungen beim Gouvernement gefunden haben; das gleiche wird von den 26 Entlassenen der Anstalt in Victoria mitgeteilt. Die Handwerkerschule in Buëa konnte an alle Innenstationen ausgelernte Tischer abgeben, Bautischler wie Möbeltischler. Die Besucher der Deutschen Armee-, Marine- und Kolonialausstellung werden sich der aus Kameruner Holz verfertigten Zimmereinrichtung erinnern.
Ein Ereignis verdient noch Erwähnung, nämlich das Vordringen des Bargeld-Verkehrs in das Hinterland. Als es zuerst durch eine Regierungsverordnung eingeführt wurde, begegnete es manchem Widerspruch, (S. 17) aber heute nimmt man auch unter den Farbigen des Hinterlandes unsere Fünf- und Zweimarkstücke gern an, und sogar das Nickelgeld wird von den Eingeborenen immer mehr begehrt, während früher die Firmen an der Küste das 50 Pfg.-Stück als die kleinste Münste angesehen haben wollten.
Selbst die kleinsten Stationen und Posten der Kolonie haben sich einen Versuchsgarten angelegt und vergessen also nicht, dass unsere Ziele gerade in dieser wertvollsten unserer tropischen Kolonien vor allem wirtschaftlicher Art sind.

 

Koloniale Literatur und Karten 1908/09: Kamerun.

Edlinger, W. Beiträge zur Geologie und Petrographie Deutsch-Adamauas. Mit 2 Tafeln. 2,25 Mark.

Hagen, G. v. Kurzes Handbuch des Neger-Englisch an der Westküste Afrikas u. bes. Berücks. v. Kamerun. 1,20 Mark.

Mansfeld, A. Urwald-Dokumente. Vier Jahre unter den Crossfluss-Negern Kameruns. Ein starker Band mit 32 Lichtdrucktafeln, 160 Abbild. und 2 Karten. Eleg. gebdn. 12 Mark.

Marquardsen, H. Der Niger-Benue. Eine historisch-geographische Beschreibung der natürlichen Verbindung Nordkameruns mit der Küste (mit Karte). W. Süsserott 1909.

Sembritziki, E. Kamerun. Mit Abbild. 5 Mark.

Westermann, D. Handbuch der Ful-Sprache. Gebdn. 8 Mark.

Zimmermann, O. Durch Busch und Steppe vom Kampo bis zum Schari 1892-1902. Ein Beitrag zur Geschichte der Schutztruppe von Kamerun (mit Karte). 5 Mark.

[Abb.7: Weg nach Lolodorf in Kamerun]

Karten.

Abkommen, betreffend die Abgrenzung zwischen Kamerun und Französisch-Kongo vom 18. April 1908. 1 : 2.000.000. Von Max Moisel. Deutsches Kolonialblatt 1908, No. 9. Preis 0,50 Mark.

Karte des südwestlichen Teils von Kamerun (enthaltend das Basler Missionsgebiet) auf Grund von Originalaufnahmen von Missionaren der Basler Mission sowie von Offizieren und Beamten unter Anlehnung an M. Moisel, gezeichnet von H. Dorsch, Missionar. 1 : 350.000. Basler Missionshandlung in Basel 1908. 6,40 Mark, auf Leinwand in Taschenformat 12 Mark. 

Map of Cameroons. 1 : 2.000.000. Topogr. Sect. General Staff. War Office. 1908. 2,50 Mark, auf Leinwand in Taschenformat 3,50 Mark.

Weitere Literatur und Kartennachweise sind in Dietrich Reimer's Mitteilungen für Ansiedler, Farmer, Tropenpflanzer, Beamte, Forschungsreisende und Kaufleute enthalten. Jährlich 4 illustr. Hefte à 30 Pfg. Ein Jahrgang mit Porto 1,60 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) Sort.-Abt., Berlin


SW. 48.

 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 15ff.

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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