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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913 - Rückblick auf die Entwicklung der Südsee-Schutzgebiete im Jahre 1912
Rückblick auf die Entwicklung der Südsee-Schutzgebiete im Jahre 1912

A.) Samoa

(S. 35) Samoa hat im Jahre 1912 einen neuen Herrn bekommen; als Nachfolger des zum Staatssekretär berufenen Herrn Dr. Solf wurde Herr Dr. Schulze, der bisherige Stellvertreter, zum Gouverneur ernannt. Er weilte von Ende 1912 bis zum März 1913 auf Heimaturlaub in Deutschland und wurde währenddem durch Bezirksamtmann Schlettwein vertreten. 
Die Gärungen unter den Eingeborenen, die noch vor einigen Jahren sich unliebsam bemerkbar machten, sind zum Glück nicht wieder aufgetreten, nicht einmal als am 6. Februar 1912 der sogenannte Alii Sili Mataafa starb. Es besteht nicht die Absicht, die Stelle eines anerkannten höchsten Häuptlings wiederum zu schaffen, doch wird es Aufgabe des Gouvernements sein, eine neue Grundlage für die Organisation der Eingeborenenverhältnisse zu finden und dabei die unleugbar vorhandene administrative Begabung der Samoaner dem allgemeinen Interesse dienstbar zu machen.
Einen altgewohnten, keineswegs hygienischen Brauch hat die Regierung glücklicherweise abschaffen können, nämlich die Gewohnheit, die Toten auf den Wohngrundstücken zu beerdigen. Es sind Maßnahmen zur Errichtung gemeinsamer Friedhöfe eingeleitet worden. Die Eingeborenen haben im allgemeinen diesen Maßnahmen volles Verständnis entgegengebracht.
Die Zählung der Samoaner ergab nur unwesentliche Veränderungen. Dagegen hat sich die Ziffer der Weißen, wenn auch nicht beträchtlich vermehrt. Ihre Unternehmungen scheinen zur Zeit an einer schweren Krise zu stehen, insofern als die chinesische Regierung der weiteren Zufuhr von Kulis Schwierigkeiten bereitet. Doch wurden diese Schwierigkeiten Anfang des Jahres 1913 noch einmal behoben. Die Kakaopflanzungen und die in den letzten Jahren angelegten Kautschukplantagen würden dann möglicherweise in Bedrängnis kommen. Die Kopraausfuhr der Kolonie hat gegen 1910 eine starke Steigerung aufzuweisen. Von den ausgeführten 10.327 Tonnen entfielen rund 3000 auf Pflanzungen von Weißen, der größere Rest auf die Kulturen der Samoaner. 
Unter den jüngeren Palmenbeständen wütet leider der Nashornkäfer, doch sind beträchtliche Verluste zum Glück bisher nicht vorgekommen.
Das Schutzgebiet Samoa hat seinen Etat auch im letzten Jahre wiederum ohne einen Zuschuß des Mutterlandes halten können.

B. Deutsch-Neuguinea

In Deutsch-Neuguinea hat sich die Angliederung der Inselgebiete nach und nach (S. 36) enger gestaltet, so daß beispielsweise der Jahresbericht keinen besonderen Abschnitt mehr über Mikronesien enthält. Unruhen oder Widerstände von Eingeborenen, Ausschreitungen gegen Weiße sind nicht zu verzeichnen gewesen. Nur in Kaiser Wilhelmsland sind Paradiesvogeljäger, die sich unüberlegterweise in Gefahr begeben hatten, Eingeborenen zum Opfer gefallen. Auch die Stammesfehden der Farbigen untereinander sind keineswegs ganz ausgerottet. Erfreulich ist, da man auf Neupommern mit den überaus scheuen, mißtrauischen und zerstreut in ihren Bergen wohnenden Bainingern Fühlung bekommen hat.
Bezüglich der Marianen wird von amtlicher Seite geklagt, da dort eine Stockung des Wirtschaftslebens herrscht, weil es an einem wirklich leistungsfähigen Vermittler für die Ein- und Ausfuhr fehlt. Der ganze Handel liegt in japanischen Händen, wogegen die Regierung bemüht ist, ein kapitalkräftiges deutsches Unternehmen ins Leben zu rufen, was im deutschen Interesse zu begrüßen wäre.
Unsere Kenntnis des ausgedehnten Südsee-Schutzgebietes ist namentlich gering in Neuguinea. Daher verdient besondere Erwähnung die seit Mitte Februar im Stromgebiet des Kaiserin Augustaflusses tätige, auch von der Deutschen Kolonialgesellschaft mit einer namhaften Summe unterstützte Expedition unter Leitung des Bergassessors Stolle. Sie hat außerordentlich viel geleistet, ihr Dampfer "Kolonialgesellschaft" ist flußaufwärts sehr 
weit vorgedrungen, einer der Teilnehmer der Expedition ist von dem Augustafluß aus südwärts bis an das Mittelgebirge von Neuguinea vorgestoßen. Die Berichte sind in der Deutschen Kolonialzeitung zum Teil mit Abbildungen und Kartenmaterial veröffentlicht worden.
Da, wie oben erwähnt, auf den Marianeninseln die Japaner wirtschaftlich vorherrschen, sei mitgeteilt, da in ganz Deutsch-Neuguinea 131 von ihnen tätig sind, davon zwei Drittel im Inselgebiet und nur 41 in dem sogenannten alten Schutzgebiet. Chinesen finden wir hauptsächlich in den Phosphatbetrieben von Nauru und Angaur, wo sie sich teilweise auch schon als Händler eingenistet haben. An anderen Stellen ist der Zopfträger Handwerker, Unternehmer, Pflanzer, Händler oder Koch. Die Statistik ergibt eine stetige Zunahme der chinesischen Zuwanderung, was keineswegs als erfreulich bezeichnet werden kann.
Die vierklassige Europäerschule in NAMANULA unweit Rabaul wurde von 15 Schulkindern besucht, die wöchentlich 30 Unterrichtsstunden genießen. Die Eingeborenenschulen haben gleichfalls starken Zulauf. Musterhaft zu nennen ist die Regierungsschule in Saipan, eine allgemeine Volksschule mit 4 Stufen, zu deren Besuch alle Kinder von 7-13 Jahren verpflichtet sind. An diese Volksschule schließt sich seit 1910 eine Fortbildungsschule an, an der neben einem deutschen Lehrer auch 4 Eingeborene als Hilfslehrer wirken. Außerordentlich ausgedehnt sind die Schulunternehmungen der Missionsgesellschaften beider Bekenntnisse.
In Deutsch-Neuguinea sind heute etwa 200.000 ha Pflanzungsland im Privatbesitz, wovon schätzungsweise 30.000 ha bebaut, dagegen kaum 10.000 ha ertragsfähig sind. In der Hauptsache werden immer noch Kokospalmenpflanzungen angelegt, wozu der günstige Stand der Koprapreise verlockt. Im Inselgebiet gab es, abgesehen von den Marshallinseln, bisher nur die Anfänge einer europäischen Pflanzungskultur. Seit dem 1. Januar 1912 ist indessen auch in Jap die Westkarolinen-Gesellschaft in Tätigkeit getreten, und für die Ostkarolinen ist jetzt ein gleiches Unternehmen im Entstehen begriffen. Die Pflanzungen beschäftigen 132 weiße Beamte und gegen 14.000 farbige Arbeiter.
Bei der ausgeführten Kopra im Werte von über 6,5 Millionen Mark überwiegt die in Eingeborenenpflanzungen gewonnene Kopra. Das Produkt ist nicht von der gleichen Güte wie die in europäischen Pflanzungen gewonnene, doch werden von Seiten der Regierung allerlei Schritte unternommen, um die Farbigen zur größeren Sorgfalt in der Aufbereitung anzuhalten. Die Ausfuhr von Phosphaten weist einen Rückgang auf; er hängt zusammen mit den sehr ungünstigen Schiffahrtsverhältnissen, sowie mit den großen Niederschlägen, die ein Trocknen der Phosphate erschwerten. Über die Arbeiterverhältnisse klagen weder die Gesellschaft in Angaur noch die in Nauru.
Weiter an Bedeutung zugenommen hat die Paradiesvogeljagd. Die hohen Preise der Bälge und die vielfach fast mühelosen Gewinne waren ein starkes Lockmittel, sich diesem Erwerb zuzuwenden. Im Zusammenhang damit treten auch unerfreuliche Erscheinungen zu Tage, wenngleich andererseits auch zu betonen ist, da die Erträge der Jagd für eine Reihe kleiner Pflanzer die finanzielle Grundlage für Plantagenunternehmungen gebildet haben. Die Jagd üben farbige Jäger aus im Dienste von Europäern. (S. 37) Es wird mitgeteilt, da im Hinblick auf die allzu starke Ausdehnung der Jagd Beschränkungen geplant sind. Im Jahre 1911 sind auf Neuguinea 8779 Paradiesvogelbälge ausgeführt gegen 5706 im Jahre 1910. Selbst wenn die Kolonie bei ihrer Ausdehnung zahlreiche Exemplare dieser prächtigen Vögel aufweist, ist doch eine Schädigung der Bestände zu befürchten, falls weiter so unter ihnen gewütet wird. 
Daher dürfte in absehbarer Zeit der Abschuß von Paradiesvögeln ganz untersagt werden.
Die übrigen tierischen Produkte, wie Haifischflossen, Trepang, Schildpatt,  Perlmutterschalen usw. spielen den Paradiesvögeln gegenüber leider in der 
Ausfuhrstatistik nur eine untergeordnete Rolle. Hoffentlich nehmen die Kulturen von Kakao, Tabak, Kautschuk usw. mehr zu, damit das Wirtschaftsleben des Schutzgebietes ein solideres Rückgrat bekommt.
Es ist vom Mutterlande recht weit entfernt, was naturgemäß manche Nachteile zur Folge hat. Auch an telegraphischen Verbindungen mangelt es, heute besteht eine solche durch Funkspruch nur zwischen dem an das Weltkabelnetz angeschlossenen Jap und Angaur. Doch sind Telefunkenverbindungen geplant mit Rabaul, Nauru und Apia, die hoffentlich bald zur Wirklichkeit werden. In allen Zweigen des postalischen Dienstes sind Zunahmen des Verkehrs festgestellt worden, ein Beweis, da auch unsere Tochterländer in der fernen Südsee vorwärts kommen.

 

Koloniale Literatur und Karten : Die Deutschen Schutzgebiete im Stillen Ozean

Eine Reise durch die Deutschen Kolonien. Herausgeg. von der ill. Zeitschrift "Kolonie und Heimat". V.Band : Südsee. Mit 4 Karten und über 200 Abbildungen. 1911. 5,-

H. Neffgen, Die Südsee und Südseesprachen, mit spezieller Betrachtung d. Samoanischen. 1912, 19 S. 1,20

R. Neuhauss, Deutsch-Neuguinea. Bd.I mit 384 Zinkaetzungen und 1 Karte. Bd.II Voelker-Atlas, mit 764 Zinkätzungen und 1 Karte. Herausgegeben mit Unterstuetzung der Rudolf-Virchow-Stiftung in Berlin. Bd.I,II vornehm gebdn. 80,- Bd.III Beitrag der Missionare Keysser, Stolz, Zahn, Lehner, Bamler. Geb. 20,-.

Samoa, Das deutsche Schutzgebiet. Allgemeine Auskunft und Adressbuch herausgegeben m. Unterst. des Kaiserl. Gouvernements zu Apia. 1911. 2,-

K. Sapper, Beiträge zu einer Landeskunde von Neumecklenburg und seinen Nachbarinseln. Wissensch. Erg. einer amtl. Forschungsreise nach dem Bismarck-Archipel i. J. 1908. 1910, 3,50

R. Schlechter, Die Guttapercha- und Kautschuk-Expedition des Kol.Wirtsch. Kommittees nach Kaiser-Wilhelmsland 1907-1909. Mit 7 Tafeln und 3 Karten. 1911. 1,-

W. Spemann, Die landwirtschaftlichen Verhaeltnisse auf Samoa. Illustr. 1911. -.50

Südsee-Handbuch. Mit 60 Küstenansichten und 1 Übersichtskarte. Herausgegeben vom Reichs-Marineamt. 1912. 254 S., 3,-

H. Vogel, Eine Forschungsreise im Bismarck-Archipel. Mit einer Einführung von Prof.Dr. Thilenius. Mit vielen Abbildungen. Gebdn. 16,-

E. Werner, Kaiser-Wilhelmsland. Beobachtungen und Erlebnisse in den Urwäldern Neuguineas. Mit vielen Abbildungen und 1 Karte. 7,- gebdn. 8,30

Wandkarten der Deutschen Kolonien. Deutsche Besitzungen im Stillen Ozean. Bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. 4 Bl., Übersichtskarte der deutschen Besitzungen im Stillen Ozean und von Kiautschou. 1:15.000.000 ; Marianen, Karolinen und Marshall-Inseln, 1:3.000.000 ; Ponape 1:250.000 ; Jaluitinseln 1:1.000.000 ; Japinseln 1:250.000 ; Kiautschou 1:300.000 ; Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelmsland) und Bismarckarchipel 1:2.000.000 ; 
der nordoestl. Teil der Gazellenhalbinsel 1:300.000 ; Samoa-Inseln 1:600.000. Mk. 12,-

Kaiser-Wilhelms-Land. Reise von Finschhafen nach dem Markhamfluss. Nach dem Routentagebuch von Missionar G. Pilhofer, 1:400.000

Die Südostecke von Kaiser-Wilhelmsland. Nach den astronomischen Ortsbestimmungen und Vermessungen der deutsch-englischen Grenzexpedition 1908-1909, 1:300.000 u.a. bearbeitet von M. Moisel

Sprachenkarte von Neu-Mecklenburg und den Nachbargebieten. Entworfen von Dr. Georg Friderici


, 1910, 1:1.000.000.

 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1913, auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913, S. 35ff.

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