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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913 - Rückblick
auf die Entwicklung Kameruns im Jahre 1912
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Rückblick auf die
Entwicklung Kameruns im Jahre 1912
(S. 20) Für den zurücktretenden Gouverneur Gleim ist am 30. Januar der Geheime
Ober-Regierungsrat Ebermaier, der in dem Schutzgebiet bereits früher als
Referent des Gouvernements tätig gewesen war, zum Gouverneur ernannt worden. Er
traf eine wesentlich vergrößerte Kolonie an, da durch das deutsch-französische
Abkommen die (S. 21) Fläche Kameruns um rund eine Viertelmillion
Quadratkilometer und seine Eingeborenenzahl um vielleicht zwei Millionen
Menschen vermehrt worden ist. Freilich wird es noch geraume Zeit dauern, ehe der
Gebietszuwachs ganz in unsere Verwaltung übergegangen ist. Bis zum 1. Juli 1913
soll die gesamte Übergabe, die seit dem 1. Oktober 1912 schrittweise vor sich
geht, erfolgt sein. Beim Reichstage befindet sich im Anfang des Jahres 1913 eine
Vorlage, die die finanzielle Seite der Gebietsübernahme regelt. Beherzigenswert
erscheint uns der Wunsch der Hamburger Handelskammer, in Neukamerun nicht die
kommerzielle Erschließung zu vernachlässigen. Ende 1912 sind die verschiedenen
Grenzexpeditionen ausgereist, vier an der Zahl, die von der Mondabucht,
vom Westen aus, und zwei an der Ostgrenze im Zusammenarbeiten mit den
Franzosen endgültig die Scheidelinien zwischen den beiden Kolonien festlegen
sollen.
Nach dem amtlichen Jahresbericht
sind unruhige Eingeborene in einer so ausgedehnten Kolonie an vielen Stellen
vorhanden, wenn auch zum Glück das Schutzgebiet im Berichtsjahr von ernsteren
Aufständen verschont blieb. Im ganzen war das Verhalten der Eingeborenen ein
gutes; sie haben die Arbeiten im Wegebau willig geleistet und von einigen
unbedeutenden Ausnahmefällen abgesehen ihre Steuern glatt bezahlt. Dagegen
macht sich eine stärkere Abneigung der Farbigen bemerkbar gegen jede Verwendung
außerhalb ihres Bezirks, namentlich gegen die Heranziehung zu Bahnarbeiten. Die
arbeitsfähigen Männer pflegen dann ihren Wohnsitz zu verlassen, um vorübergehend
bei Missionen oder Faktoreien Arbeit zu suchen, oder ziehen sich gar für die
Dauer ihrer Anwerbung in den Urwald zurück. Der Gouverneur plant, ein Prämiensystem
für schwerere Arbeiten einzuführen und die Unterbringung, Verpflegung und
Behandlung der Arbeiter noch besser zu überwachen.
Von Wichtigkeit bei dieser Arbeit ist auch die Unterstützung der Mission. Die
Baseler zählt 15 Hauptstationen mit rund 12.000 Gemeindemitgliedern und 13.600
Schülern. In einem Teil ihrer Dorfschulen wird der Unterricht in deutscher
Sprache erteilt. Beachtung verdienen die Schreinerei und die Schlosserwerkstatt,
die die Mission zu Lehrzwecken in Duala unterhält. Die Baptistenmission hat
rund 3.000 Gemeindemitglieder und 2.300 Schüler; die Katholische Mission über
10.000 Schüler und Schülerinnen und unterhält gleichfalls Lehrwerkstätten für
Tischler, Maurer, Säger, Ziegelbrenner, Schneider, Schuster und Sattler.
In Kamerun spielen
Eingeborenenkulturen nicht die Rolle wie in Togo. Die Regierung wendet aber viel
Mühe daran, die Farbigen zur Produktionstätigkeit zu erziehen. Sie zeigen auch
Neigung zum planmäßigen Anbau der üblichen Nahrungsmittel usw., wenn das
Absatzgebiet gesichert erscheint, beispielsweise in der Nähe von Stationen und
Posten. Die technische Bodenbearbeitung durch die Farbigen ist natürlich noch
primitiv; der Pflug ist unbekannt, die Eisenhacke herrscht fast überall noch
vor. Am ehesten sind die Farbigen zur Kultivierung von Ölpalmen bereit und
infolgedessen hat das Gouvernement für diese Kultur eine besondere Inspektion
eingerichtet, deren einer Beamter im Bereich der Nordbahn, der andere an der
Mittelbahn arbeitet. Das wertvollste Ausfuhrerzeugnis ist immer noch der
Kautschuk. Die gesamten ausgeführten 2.700 Tonnen entstammten den Wäldern im Süden
und Südosten. Im Nordwesten, besonders in Bamum, sind die früher so reichlich
fließenden Quellen fast erschöpft. Plantagenkautschuk ist an der Ausfuhrmenge
in Kamerun bisher nur zu einem geringen Prozentsatz beteiligt.
Bei den europäischen
Unternehmungen marschiert der aufgewendeten Arbeit nach Kakao an der Spitze.
10.700 ha, wovon über 7.000 ha ertragsfähig, wiesen über 6,5 Millionen Bäume
auf, so da der Jahresbericht mit Recht sagen kann, da der Kakaokultur in Kamerun
noch eine große Zukunft bevorsteht.
Die gleiche Voraussage dürfte sich für die Ölpalmpflanzungen und vielleicht
auch für Tabak rechtfertigen. Die ersteren können namentlich seit Einführung
von Aufbereitungsmaschinen mit einer lohnenden Ausnutzung ihrer Erzeugnisse und
gesteigerten Gewinnen rechnen. Was die Aussichten für Tabak betrifft, so mag
als gutes Zeichen gelten, da einem Kameruner Pflanzer der von Herrn E.A.
Oldemeyer-Bremen unter Mitwirkung der Deutschen Kolonialgesellschaft
gestiftete Preis für das Mindestquantum von einhundert Zentnern in deutschen
Kolonien gezogenen Tabaks zufiel. Im Berichtsjahre ist eine zweite große
Pflanzung entstanden, weitere Unternehmungen sind in Vorbereitung.
Von amtlicher Seite wird darauf hingewiesen, daß die Bedeutung des Kameruner
Handels heute nicht mehr ausschließlich beurteilt werden darf nach den Einfuhr-
und Ausfuhrzahlen, weil sich allmählich der Binnenhandel zu einem selbständigen
Faktor von großer Bedeutung für das Wirtschaftsleben im Schutzgebiet
entwickelt hat. Zum Teil haben wir das oben schon angedeutet, als wir
berichteten, da die Farbigen in großer Ausdehnung Lebensmittel für die
Stationen, Faktoreien und Bahnbeamten erzeugen. Zu diesem Eigenhandel der
Farbigen kommt der Warenaustausch, der auf der Tätigkeit der Haussa beruht.
Der Außenhandel findet seine Organisation in zwei Handelskammern, der in Duala
für Mittelkamerun und in Kribi für Südkamerun. Die Verwaltungsbehörden
stehen mit den beiden Organen der Selbstverwaltung in enger Fühlung. Um welche
Handelsumsätze es sich in der Kolonie heute bereits handelt, dafür mag als
Beweis dienen, daß der Gesamtumsatz der Niederlassung der
Deutsch-Westafrikanischen Bank in Duala im Geschäftsjahr 1911 rund 50 Millionen
Mark gegen 38 Millionen im Vorjahre betrug. Der Umsatz des Gouvernements bei
dieser Bank betrug 1911 über zwölf Millionen Mark.
Leider ist Kamerun noch sehr rückständig in Bezug auf die Eisenbahnen. Die 160
km lange Nordbahn kann von ihrem Endpunkte aus nicht weiter gebaut werden. Dem
Bau der Mittelbahn, die heute kaum Edea erreicht hat, begegnen in dem außerordentlich
schwierigen Gelände so starke Hindernisse, da sie nur sehr schrittweise
voranschreitet. Sie hat zwischen Duala und Edea den breiten Sannagastrom mit
einer gewaltigen Brücke überwinden müssen, deren Spannweite noch größer
ist, als die über den Sambesi oberhalb der Viktoriafälle. Von der Regierung dürfen
wir erwarten, da sie demnächst sich schlüssig wird über die Erschließung des
Nordens der Kolonie durch Eisenbahnwege und über die Verkehrsstraßen in das
neuerworbene Gebiet. Gouverneur Ebermaier befindet sich zur Zeit auf einer großen
Reise in den Norden des Schutzgebiets, die gewiß dazu beitragen wird, Klarheit
in die Kameruner Eisenbahnzukunft zu bringen. Aus diesem Grunde muß für dieses
Schutzgebiet bis auf weiteres die Frage der Schienenwege als die wichtigste
bezeichnet werden. Wenn an einzelnen Stellen Privatleute sich des Kraftwagens
bedienen, so kann unter den heutigen Verhältnissen das nur ein Ausweg und ein
kleines Hilfsmittel sein, aber nicht die Lösung der Verkehrsfrage darstellen.
(S. 22) In der Schutztruppe, die auf den Außenposten auch manche kulturelle
Arbeit leistet, sind wesentliche Veränderungen bezüglich der Stärke, der
Gliederung und der Verteilung im Jahre 1912 nicht eingetreten. Wie bisher verfügen
die 5 Militärverwaltungsbezirke (Bamenda, Banjo, Dschang, Dume und Ebolowa),
sowie die beiden militärischen Residenturen Kusseri und Garua über je eine
Kompagnie, die 2., 4., 8., 9., 5. bezw. 3. und 7., während der Posten Bafia nur
von einer 41 Köpfe zählenden Abteilung besetzt ist. Außer der 6. in Soppo
befindlichen Kompagnie, steht zur Verwendung als Expeditions-Kompagnie, vor
allem in den südlicheren Teilen des Schutzgebiets, die 10. Kompagnie zur Verfügung,
deren Standort Jaunde ist. In Duala garnisonieren das Artillerie-Detachement und
die Stammkompagnie. Dieser ist ein ständiges, militärisch organisiertes Trägerkorps
zugeteilt, dessen Aufstellung im Interesse der beschleunigten Marschbereitschaft
und vermehrten Schlagfertigkeit der Truppe notwendig war.
Im Hinblick auf die immer mehr zugunsten der Inländer sich verschiebende
Zusammensetzung der Schutztruppe und in der Erkenntnis, da bei einem Aufstand
die Gefahr weniger in den bei der Fahne befindlichen, als in den mit unseren
Gewohnheiten und unserer Fechtweise vertrauten, ehemaligen Soldaten liegt, wird
weiter versucht, die Mannschaften möglichst lange bei der Truppe zu halten. Das
seit etwa 2 Jahren eingeführte System der Dienstprämien und Invalidenpensionen
hat allerdings den Erwartungen nicht entsprochen; es wird daher erwogen, an
Stelle der Dienstprämien mit den Dienstjahren steigende Löhne einzuführen,
ein System, das den Eingeborenen die Vorteile des Wehrdienens sinnfälliger vor
Augen führen soll.
Koloniale Literatur und Karten : Kamerun
Eine Reise durch die deutschen Kolonien. Herausgegeben von der illustrierten
Zeitschrift "Kolonie und Heimat", Band II : Kamerun. Mit 2 Karten und
209 Abbildungen, darunter 14 ganzseitigen Bildern. 1910. In Leinwand gebunden
mit farbiger Deckelzeichnung. 5,-
Der Handel in Suedkamerun in den Jahren 1908 bis 1911. Bericht der Handelskammer
fuer Suedkamerun. 282 S., 1912, 3,-
H. Harms, Einige Nutzhölzer Kameruns (Leguminose) mit Abb. 1911, 3,60
Dr. Jentsch, Der Urwald Kameruns. Folgerungen aus den auf der Expedition
1908-1909 gewonnenen Erfahrungen in bezug auf den Zustand und die Nutzbarmachung
des Waldes. 199 S. mit vielen Abbild. 1911, 3,50
Die Landesgesetzgebung fuer das Schutzgebiet Kamerun. Auf Grund amtl. Quellen
hrsg. von Ruppel, 1912, 1263 S., 31,-
A. Mansfeld, Urwald-Dokumente. Vier Jahre unter den Crossfluss-Negern Kameruns.
Ein starker Band mit 32 Lichtdrucktafeln, 160 Abbild. und 2 Karten. Elegant
gebdn. 12,-
H. Nekes, Lehrbuch der Jaunde-Sprache. 303 S., 1911, 10,-
Neukamerun. Das von Frankreich an Deutschland im Abkommen vom 4. XI. 1911
abgetretene Gebiet. Beschrieben auf Grund der bisher vorliegenden Mitteilungen
von Dr. K. Ritter. Amtl. Veröffentl. des Reichskolonialamts. Mit 2 Karten, 9,-,
gebdn. 11,-
Jesko von Puttkamer, Gouverneursjahre in Kamerun. Mit vielen Abbildungen und 1
Karte, M. 6,50, gebdn. M. 7,50
Ltnt K. Struempell, Die Geschichte Adamauas nach mündlichen Überlieferungen.
Mit 15 Abbild., 107 S., 1912, M.: 3,-
Ernst Vollbehr, Mit Pinsel und Palette durch Kamerun. 1912, 188 S., 4,-
Dr. Zadow, Der Marokko-Kongovertrag vom 4. XI. 1911 und das Reichsstaatsrecht.
(K.R. VI 12), M. 1,-
E. Zimmermann, Neu-Kamerun. Reiseerlebnisse und wirtschaftspolitische
Untersuchungen. 1912. M. 3,-, gebdn. M. 4,-
Grosser Deutscher Kolonial-Atlas. Bearneitet von Paul Sprigade und Max Moisel.
Herausgegeben vom Reichs-Kolonialamt. Kamerun : 1:1.000.000. Bearb. v. Max
Moisel, Blatt 8a (Mbaiki) - 8d (Bonga), je Mk. 1,-, in Taschenformat aufgezogen
1,80
Karte von Kamerun in 31 Blatt und drei Ansatzstücken im Massstabe von
1:300.000, bearbeitet von Max Moisel. Im Auftrage und mit Unterstützung des
(S.23) Reichs-Kolonialamts, Bl. B 4 (Kusseri), Bl. C 4 (Mama), Bl. D 2
(Schubschi-Geb.), Bl. D 3 (Garua), Bl. D 4 (Rei-Buba), Bl. D 5 (Kagopal), Bl. E
3 (Ngaumdere), Bl. E 4 (Mbere), Bl. E 5 (Kurungaru), Bl. F 1 (Ossidinge), Bl. F
3 (Joko), Bl. F 4 (Betare), Bl. F 5 (Bosum), Bl. G 1 (Buea), Bl. G 5
(Makandschia), Bl. H 5 (Lopi), Bl. I 1 (Muni), Bl. I 2 (Ojem), Bl. I 3 (Mwim),
Bl. I 4 (Ssembe), Bl. I 5 (Ikelembe), Bl. K 5 (Bonga). Preis des Blattes Mk.
2,-, in Taschenformat aufgezogen 3,60. Übersichtsblatt kostenlos.
Das Hinterland der Kameruner Nordbahn. Auf Grundlage neuer Aufnahmen von Oberl.
Adametz etc. bearb. v. M. Moisel, 1:200.000
Der Nordrand des Kamerun-Plateaus. Nach älteren berichtigten und noch unveröffentlichten
Aufnahmen des Hauptm. Struempell bearbeitet von M. Moisel, 1:1.000.000.
Die Regenmess-Stationen in Kamerun. 1:5.000.000, Red. v. M. Moisel, Nebenkarte :
Die Regenmess-Stationen am Kamerun-Gebirge, 1:500.000. Barombi ba Kotto
(Rickards See). Elefanten-See, Soden-See bei Lisoni.
Grosser und Kleiner Epocha-See, Bambulue-See. Mauwe-See. Der grosse Ndue-See.
1:15.000, Von Prof.Dr. Kurt Hassert.
Vegetations-Karte der von dem Botaniker Ledermann durchreisten Gebiete Kameruns.
Nach der v. M. Moisel bearbeiteten Karte des "Grossen Deutschen
Kolonialatlasses
", 1:1.000.000
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1913, auf Veranlassung
der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade
und M. Moisel. Berlin 1913, S. 20ff. |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek
zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

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