Startseite Grundlagen Antike Mittelalter Frühe_Neuzeit 18/19Jh/International18/19Jh/Deutschland20Jh/International20Jh/Deutschland Länderverzeichnis Neue_EinträgeForum1GästebuchSuche Impressum
 
Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

[P|S|M]

Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913 - Rückblick auf die Entwicklung Togos im Jahre 1912
Rückblick auf die Entwicklung Togos im Jahre 1912 (S. 16)

Seit dem 15. April 1912 hat das Schutzgebiet einen neuen Gouverneur in der Person Seiner Hoheit des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Am 28. August hat er in Lome die Geschäfte übernommen und inzwischen mehrere Inspektionsreisen in seiner Kolonie ausgeführt.
Unser kleinstes Schutzgebiet steht wie immer finanziell günstig da, da auch im Jahre 1912 das Reich zu seinem Etat keinen Zuschuß zu leisten hatte. Die Beziehungen zu den Eingeborenen waren wie immer gut, von kleineren Unbotmäßigkeiten einzelner Bezirke ausgenommen. Übrigens sind Schwarze, die sich bei einer solchen Gelegenheit aufsässig benommen haben, auf französisches Gebiet geflüchtet, so daß sie nicht festgenommen werden konnten.
Die weiße Bevölkerung hat gegen das Vorjahr abgenommen. Das hat indessen nichts Besonderes auf sich; die Abnahme um 18 Europäer erklärt sich in dem Aufhören des Eisenbahnbaus, wodurch eine Anzahl von Ingenieuren und Eisenbahnbeamten in der Kolonie entbehrlich wurden. Wenn auch in der Berufsklasse der Kaufleute ein ganz geringer Rückgang zu verzeichnen ist, so ist das darauf zurückzuführen, daß allmählich in größerem Umfange als bisher Farbige in selbständigen Stellungen verwendet werden. Leider wandern von den Farbigen noch immer eine größere Anzahl nach den Nachbarkolonien aus, um dort als Handlungsgehilfen, Handwerker, Köche usw. Brot zu suchen. Sie eignen sich bei uns eine gewisse Schulbildung an und sind dann in Kolonien anderer Völker sehr gesucht, zumal dort auch höhere Löhne gewährt werden.
(S. 17) Die Regierung unterhält in Lome, Sebe, Sokode, Schulen, die mehrere hundert Schüler aufweisen. Noch größer ist die Anzahl der Unterrichtsanstalten der Missionen : die Norddeutsche Missionsgesellschaft hat 163 mit rund 6000 Schülern, die Katholische Mission 196 Schulen mit 7800 Schülern. An die Elementarschulen schließen sich die Fortbildungsschulen und Handwerkerschulen an mit Schmiederei, Schlosserei, Buchbinderei, Schreinerei usw. Die Kolonie zählt heute an farbigen Handwerkern 568 Tischler und Zimmerleute, 133 Maurer, 302 Schlosser und Schmiede, 333 Schneider, 10 Schuster und vier schwarze Photographen.
In diesem Zusammenhange sei die Ackerbauschule in Nuätjä erwähnt; sie hat wiederum eine Anzahl von Farbigen, in der Pflugkultur und im Anbau von bestimmten Kulturpflanzen unterrichtet, die nach Erledigung der Schule mit gewissen Unterstützungen angesiedelt wurden. Die Eingeborenenkulturen sind eben noch immer in Togo das Rückgrat der Wirtschaft des Schutzgebiets. Bei der Baumwolle ist der Produktionsrückgang des letzten Jahres wieder eingeholt worden, obwohl die Niederschlagsverhältnisse nicht allenthalben günstig waren. Die Bremer Baumwollbörse hat das Togoerzeugnis günstig beurteilt. Im Kalenderjahr 1911 sind 517,5 Tonnen im Werte von über einer halben Million Mark gegen 464 Tonnen im Werte von 456,000 Mk. im Vorjahre exportiert worden.
An Oelpalmerzeugnissen hat das Schutzgebiet wiederum an Menge und an Wert mehr auf den Weltmarkt geworfen, als im Jahre zuvor und dafür 5,612,000 Mk vereinnahmt. Die Mehrausfuhr ist in erster Linie bedingt durch die günstigen Regenverhältnisse des letzten Jahres, daneben aber auch durch die stetige Ausdehnung des Einflußgebietes der Inlandbahn, die die Absatzmöglichkeiten einzelner Bezirke ausgedehnt hat. Im Misahoehebezirk ist ein Werk zur Aufbereitung von Ölpalmenerzeugnissen in Betrieb genommen worden, und in Lome wird ein solches gebaut. Die Maisernten sind wiederum zurückgegangen, aus sehr eigenartigen Ursachen. Gerade zu Beginn der Hauptpflanzzeit traten in den küstennahen Maisbezirken unter den Eingeborenen Pockenerkrankungen auf, die bei den Leuten eine an Hoffnungslosigkeit grenzende Mutlosigkeit hervorriefen. Als dann die Seuche später etwas abflaute, blieben dann in der sogenannten kleinen Regenzeit die Niederschläge fast ganz aus, so daß die Neger ihre Felder nicht bestellen konnten. Der amtliche Jahresbericht glaubt annehmen zu sollen, daß die Maisausfuhr für die nächsten Jahre wieder zunehmen wird.
Die Ausfuhr von Kautschuk aus Togo hat der Menge nach zugenommen, wegen der ungünstigen Weltmarktpreise dem Wert nach aber abgenommen. Eine Verbesserung ist bezüglich des Kakao festzustellen, der fast ausschließlich in Eingeborenenkulturen im Misahoehebezirk gewonnen wird, die dort selbständig ohne Unterstützung der Regierung, angeregt allein durch die Erfolge an der Goldküste im Laufe der letzten 10 Jahre entstanden sind. In der Nähe der Küste widmen sich die Farbigen mehr und mehr der Pflege der Kokospalme. Von der im Jahre 1911 ausgeführten Kopra im Werte von 64,000 Mk entstammen indessen zwei Drittel der Pflanzung Kpeme und nur ein Drittel Eingeborenenpflanzungen. Außerdem wird eine große Anzahl von Nüssen im Schutzgebiet als Nahrungsmittel seitens der Farbigen verbraucht. Durch Anlage von Kokospalmempflanzungen haben eine Anzahl wohlhabender Eingeborener den Grundstock zu einem gediegenen Wohlstand gelegt.
Erwähnenswert ist der die Hinterlandbezirke des Schutzgebiets berührende Binnenlandhandel, der ausschließlich in den Händen von Eingeborenen liegt und sich in den sogenannten Sudan- und Küstenhandel teilt. Der erstere, zumeist durch Haussa und ähnliche Sudanvölker betrieben, ist nur Durchgangshandel und bezweckt die Versorgung des Sudans mit Kola aus den Kolazentralpunkten der Goldküste. Der Absatz der eigenen Produkte des Sudans - Vieh, Schibutter, Landestücher usw. - verschafft den Händlern nur das Geld zum Aufkauf der Kola. Der Sudanhandel ist der weitaus bedeutendere, durchquert das Schutzgebiet von Nordost nach Südwest, hat aber für dieses und insbesondere auch für den europäischen Handel wenig unmittelbaren Wert, da er eben das deutsche Gebiet nur als Durchgangsland benutzt. Er ist wegegebührenpflichtig und brachte im Jahre 1911 93.358 Mk an Wegegebühren. Der Küstenhandel vermittelt den Warenaustausch zwischen der Küste und Hinterland. Dieser Handel versorgt außer den Bezirken Sokode und Mangu Teile des französischen Gebietes bei Djougu und das französische Hinterland des Bezirks Mangu. Er wird besorgt von Eingeborenen aus diesen Landesteilen und von fremden Händlern, die meist Haussa sind. Zur Küste werden Erzeugnisse des Hinterlandes gebracht, Tabak, Schibutter, Vieh usw. Von der (S. 18) Küste kommen europäische Einfuhrwaren, wie Salz, Stoffe, Messingstangen. Dieser Handel ist im steten Steigen begriffen. Als Umschlagplätze kommen nach Eröffnung der Inland- und Hinterlandbahn immer mehr die Orte Palime und Atakpama in Betracht. Es wäre erwünscht, diese Strecke nordwärts weiterzuführen.
Der neue Gouverneur hat sein Schutzgebiet in den ersten Monaten seiner Tätigkeit nach vielen Richtungen bereist. Er befand sich am Jahresschluß auf einer längeren Expedition nach dem Norden der Kolonie. Wenn ihr für die nächsten Jahre etwas zu wünschen ist, so wäre das der Ausbau ihres Eisenbahnnetzes. Die Regierung steht mit den Firmen in dieser Hinsicht in enger Fühlungsnahme, so daß es nicht zweifelhaft ist, da auch hier das Richtige geschehen wird. Die bisherigen Schienenwege des Schutzgebietes sind durchaus rentabel gewesen und haben nach vielen Richtungen hin wirtschaftlich belebend gewirkt.

 

Koloniale Literatur und Karten : Togo

zusammengestellt von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) Buchhandlung, Berlin SW 48, Wilhelmstrasse 29

Eine Reise durch die deutschen Kolonien. Herausgegeben von der illustrierten Zeitschrift "Kolonie und Heimat". III. Band : Togo. Mit 2 Karten und 156 Abbildungen auf Kunstdruckpapier, darunter 6 ganzseitigen Bildern, in mehrfarbigem Einband, 4,-

R. Fisch, Nord-Togo und seine westliche Nachbarschaft. Mit 68 Abb. u. 1 Karte, 189 S., 1911, 1,60

R. Fisch, Grammatik der Dagomba-Sprache, gespr. in Nord-Togo und dem noerdl. Bez. der Goldküste (Dagbane). 78 S., 1912, M. 2,-

Oberförster Metzger, Die Forstwirtschaft im Schutzgebiet Togo. 1911, 3,60

A. Mischlich, Lehrbuch der Hausa-Sprache. 235 S., 1911, 8,-

G.H. Pape, Anleitung fuer die Baumwoll-Kultur in Togo. Mit 9 Skizzen, 1911, 2,25

Martin Schlunk, Die norddeutsche Mission in Togo. Band I : Meine Reise durchs Eweland 1910, 176 S., 1,-

D.J. Spieth, Die Rechtsanschauungen der Eweer in Süd-Togo. (K.R. VI 12) M. 1,-

D.J. Spieth, Die Religion der Eweer in Süd-Togo. 1911, 10,-, Gebdn. 11,-

D. Wassermann, Handbuch der Ful-Sprache. Wörterbuch, Grammatik, Übungen 
und Text, 1909, Gebdn. 8,-

D. Westermann, Gbesela or English-Ewe Dictionary. 111 Seiten, flexibel geb. 2,-

Wandkarte von Togo, 1:500.000. Bearbeitet von P. Sprigade. Format ca. 65x125 cm, Preis 6,-, aufgezogen auf Leinwand mit Stäben 9,- Die neue Abgrenzung zwischen Togo und den franz. Besitzungen in Dahomey u. im Sudan. 1 : 2.500.000.

Weitere Literatur- und Kartennachweise sind in Dietrich Reimer's Mitteilungen fuer Ansiedler, Farmer, Tropenpflanzer, Beamte, Forschungsreisende und Kaufleute enthalten. Jährlich 4 illustr. Hefte a 30 Pfg. Ein Jahrgang mit Porto 1,60 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt von Dietrich Reimer (Erich Vohsen), Sort.-Abt., Berlin


SW 48.

 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1913, auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913, S. 16f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz 

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Kartenabteilung

Document in English Language