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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913 - Rückblick auf die Entwicklung Deutsch-Südwestafrikas im Jahre 1912 
Rückblick auf die Entwicklung Deutsch-Südwestafrikas im Jahre 1912 

(S. 24 unten) Die Schwarzen in unserer Siedlungskolonie sind im letzten Jahre ruhig und freundlich geblieben, von einigen Ausschreitungen abgesehen. Eine Zeitlang ging das Gerücht, der alte Fuchs Simon Copper sei an der Ostgrenze wieder aufgetaucht, und es gelang auch, einige Räuber gefangen zu nehmen, die ihre Strafe erhielten; doch handelte es sich nicht um eine Erhebung mit politischer Färbung.
Gleichwohl dürfen wir uns nicht einlullen lassen, und deshalb ist eine der wichtigsten Forderungen für diese Kolonie die Erhaltung des derzeitigen Standes der (S. 25) Schutztruppe. Sie beträgt heute für ein Gebiet von der anderthalbfachen Größe Deutschlands, in dem unter 150.000 Eingeborenen rund 13.000 Weiße wohnen, noch nicht einmal 2.000 Mann, die zum Teil mit Polizeigeschäften und ähnlichen Nebendiensten belastet sind. Die vergrößerten Eisenbahnanlagen haben die Folge, daß stärkere Detachements zur Bewachung bereit gehalten werden müssen, wenn sie auch andererseits die Beweglichkeit der Truppe in einem gewissen Sinne gewährleistet.
Die Schutztruppler sind immer ein tüchtiger Nachwuchs für die weiße Landesbevölkerung. Von den im letzten Jahre zur Entlassung gekommenen Unteroffizieren und Mannschaften blieben etwa 60 im Lande. Einige traten zur Landespolizei über, der Rest fand Beschäftigung als Handwerker, Farmverwalter und Farmer. Immer mehr nimmt die Zahl derjenigen jungen Deutschen zu, die in der südwestafrikanischen Schutztruppe ihr Freiwilligenjahr abdienen, weil sie die Absicht haben, später in der Kolonie zu verbleiben.
An der oben genannten Zahl der weißen Bewohner, genau 12.645, hat der Anteil der Deutschen wesentlich zugenommen, während der Anteil der Ausländer zurückgegangen ist. Erfreulicherweise ist auch die Anzahl der weißen Frauen gewachsen. Leider ist unter den Farmern der Anteil der Deutschen gesunken.

Die Zahl der Farmen der Kolonie hat sich vermehrt von 1144 auf 1245, und in der ganzen Kolonie sind heute 13 Millionen ha zu Farmen verwandt, die an Vieh ernähren : 172.000 Rinder, 60.000 Wollschafe, 435.000 Fleischschafe, noch etwas mehr Ziegen, 13.000 Pferde, daneben Esel, Maulesel und Schweine, auch rund 1.300 Strauße. Gerade auf diesem Zweig der Farmwirtschaft beginnt man allmählich mehr Wert zu legen. In Otjitueso ist eine Zuchtstraußenfarm bezogen worden, in die durch Vermittlung des Kaiserlich Deutschen Generalkonsulats in Kapstadt 24 erwachsene Strauße aus Südafrika überführt wurden. Das Brutgeschäft der großen Vögel nahm kurz darauf seinen Anfang und die erzielten Küken zeigten ein gutes Gedeihen. Auch die Privatleute erkennen mehr und mehr an, da eine erträgliche Straußenzucht nicht mit minderwertigem Zuchtmaterial begonnen werden darf. Die Kapkolonie gewinnt ungeheuer viel aus der Zucht der Tiere und dem Verkauf ihrer wertvollen Federn.
Da im Mutterlande und in den Nachbarkolonien Seuchen herrschten, so konnten Rinder und andere Zuchttiere nicht eingeführt werden, und infolgedessen stiegen die Preise. Die Zucht von Wollschafen gewann neue Anhänger und viele der alten Züchter vergrößerten ihre Bestände durch Zukäufe. Der Zahl der Farmbesitzer des Landes hat sich seine Majestät der Kaiser zugesellt, der im mittleren Teil des Schutzgebietes zwei größere Farmen hat erwerben lassen. Gewiß wird das für die Ansiedler in unserem Tochterlande ein Ansporn sein.
Neuerdings wird auch, wo es möglich ist, dem Ackerbau mehr Beachtung geschenkt. Vorläufig werden allerdings nur Mais und Kartoffeln gebaut, wo Regen fällt. Im übrigen ist Ackerbau nur möglich bei künstlicher Bewässerung. Indessen haben auch bereits neuerdings verschiedene Farmerversuche mit dem sogenannten Trockenfarmsystem begonnen, das sich in der Kapkolonie und in Nordamerika durchweg bewährt hat.
(S. 26) Auch der Obstbau verspricht rentabel zu werden, besonders die Kultur von Wein. Die forstwirtschaftlichen Unternehmungen und Versuche werden fortgesetzt. Neben den Regierungsgärten in Windhuk, die den Hauptbedarf des Landes an Kasuarinen, Eukalypten, Prosopis, Pfefferbäumen usw. und besonders Weinreben decken, dienen noch weitere fünf Forstgärten in den verschiedenen Landesteilen dem gleichen Zweck. Der Forstgarten in Ukuib hatte am Ende des Jahres auf einer Fläche von 27,19 ha einen Bestand von 7.387 Dattelpalmen, außerdem werden dort forstmäßige Anbauversuche mit den wertvollsten einheimischen Holzarten in Angriff genommen. Die gesamten Forstgärten gaben über 58.975 junger Bäumchen an Private gegen geringes Entgelt ab; ein Teil hiervon ist auch zur Bepflanzung amtlicher Grundstücke verwandt worden.
Der Gemüsebau, der nur mit Bewässerung möglich ist, aber sonst wenig Schwierigkeiten bereitet, wurde, soweit möglich, gefördert, und, wenn er auch in steter Ausdehnung begriffen ist, konnte die Produktion der wachsenden Nachfrage doch nicht annähernd genügen; die Preise hielten sich für frisches Gemüse wie bisher auf bedeutender Höhe.
Der Tabakbau ist in ständiger Ausdehnung begriffen. Er ist nach den bisherigen Erfahrungen, was den mittleren und südlichen Teil des Schutzgebietes betrifft, zwar nur mit Hilfe von künstlicher Bewässerung möglich und somit an bestimmte geeignete Plätze gebunden. Im Norden dürfte der Anbau auf Regen jedoch gleiche Erfolge versprechen. Die Pflege dieses Betriebszweiges ist noch jung. Das Hauptproduktionsgebiet bilden vorläufig 
die Kleinsiedlungen in Osona, wo bereits vereinzelt ein recht brauchbarer Pfeifentabak gewonnen und auf den Markt gebracht wird. Das Interesse der Pflanzung ist durch die Regierung in den letzten Jahren auch auf den Anbau von türkischem Zigarettentabak hingelenkt worden, der recht aussichtsvoll zu sein scheint. Um sichere Grundlagen für geeignete Sortenauswahl, Methoden des Anbaues und der Fermentation des Rohproduktes zu gewinnen, ist die Gründung einer amtlichen Tabakversuchsstation in Okahandja in Angriff genommen, von welcher künftig eine wesentliche Förderung dieses Betriebszweiges zu erwarten ist.
Das Gesamturteil des amtlichen Jahresberichtes über den wichtigsten Zweig der Wirtschaft Deutsch-Südwestafrikas lautet : "Die Farmwirtschaft in Deutsch-Südwestafrika, die im Jahre 1911 durch Trockenheit ungünstig beeinflußt war, hat sich im Laufe des Jahres 1912 von dieser Schädigung erholt. Die Vermehrung der Farmen durch Verkauf und Verpachtung von Regierungsland sowie Land der Gesellschaften, die beträchtliche Zunahme des Besitzes an Rindvieh und Schafen, besonders Wollschafen, die fortschreitende Ausdehnung des Anbaues von Feldfrüchten, Tabak, Obst und Wein, vielfach mit Hilfe künstlicher Bewässerung, lassen auf eine befriedigende Lage der Farmwirtschaft im Berichtsjahre schließen.Besonders hervorzuheben sind noch die Fortschritte in der Straußenzucht; dagegen ist die Rassenverbesserung des Rindviehs insofern ins Stocken geraten, als Zuchtvieh aus Deutschland und Britisch-Südafrika wegen Seuchengefahr nicht eingeführt werden konnte. Die Viehseuchen im Schutzgebiete wurden energisch bekämpft."
Der Bergbau hat im Jahre 1912 die Stagnation des Jahres 1911 überwunden. Die Werte der ausgeführten Diamanten wie auch des Kupfers sind wieder größer geworden, und die trüben Wolken, die unsere Zukunft zu bedrohen schienen, hemmen nicht mehr die Stimmung der Lüderitzbuchter. Nachdem nun auch die Diamantensteuer nach dem Nettowert berechnet werden soll, dürften auch die kleineren Betriebe, die ihre Förderung eingestellt hatten, ihre Arbeit wieder aufnehmen. Freilich darf man sich dem nicht verschließen, da eine vollkommene Ausbeutung der Felder nur unter Anwendung von maschinellen Einrichtungen möglich ist. Es sind aber verschiedene Handmaschinen für kleinere Betriebe gebaut worden.
Über die Ursprungsstätte der glitzernden Edelsteine unseres Schutzgebietes hat auch das letzte Jahr keinen Aufschluß gebracht. Man nimmt heute an, daß sie aus dem Gestein erodiert sind. Die Lebensdauer der deutsch-südwestafrikanischen Diamanten schätzt man auf zwölf bis zwanzig Jahre. 
Das Verkehrsnetz der Kolonie hat dadurch, daß am 18. Februar 1912 die Nord- und Südstrecke der Eisenbahn Windhuk-Keetmanshoop zusammenstießen, einstweilen einen Abschluß gefunden. Heute ist es möglich, auf Schienen von Grootfontein über Karibib-Windhuk-Keetmanshoop nach Lüderitzbucht zu fahren. Leider klagen die Ansiedler über zu hohe Frachten. Da Staatssekretär Solf seine Unterstützung zugesagt hat, so darf wohl darauf gerechnet werden, daß hier bald Abhilfe eintritt.
Das Eisenbahnnetz von Deutsch-Südwestafrika wird von manchen Seiten freilich als noch nicht ausreichend gehalten. Die Hamburger Handelskammer beispielsweise fordert einen Schienenweg ins Amboland und eine Stichbahn in den Bezirk Gobabis. Vielleicht wird sich die letztgenannte Strecke einst über die Grenze ostwärts weiterführen lassen, damit sie bald unser Schutzgebiet an die schon früher kolonisierten südafrikanischen Gebiete anschließen kann, mit denen sie in wirtschaftlicher Hinsicht viel Gemeinsames haben.

 

Koloniale Literatur und Karten : Deutsch-Südwestafrika (S.26)

Deutsch-Südwestafrika. Amtlicher Ratgeber fuer Auswanderer. 4. veränderte Ausgabe 1912. Mit 44 Bildern und 2 farbigen Karten, M. 1,-

Die neue Ausgabe des "Amtlicher Ratgebers" ist wiederum im Reichs-Kolonialamt und im Kaiserlichen Gouvernement in Windhuk bearbeitet und enthält alle seit Erscheinen der dritten Auflage im Jahre 1910 eingetretenen Veränderungen. (S. 27) Die textlichen Erweiterungen beziehen sich vornehmlich auf die Kapitel II und III "Die Ansiedlung" und "Schutzgebietverwaltung". Die "Anlagen" haben eine bedeutende Vermehrung erfahren, wobei besonders auf die neuen gesetzlichen Verordnungen und die Eisenbahnfahrpläne, Frachtsätze usw. hingewiesen sei. Der "amtliche Ratgeber" stellt das einzige offizielle Orientierungsbuch über die Verhältnisse in der Kolonie dar, es wird nicht nur von all den Personen erworben werden, die nach Deutsch-Südwestafrika auszuwandern beabsichtigen, sondern jeder Kolonial-Interessent, die kolonialen Erwerbsgesellschaften, Banken, Grossindustriellen und Kaufleute, die nach Dueutsch-Südwestafrika geschäftliche Verbindungen unterhalten, müssen das Buch besitzen.

Deutsch Südwest-Afrika. Kriegs- und Friedensbilder. 100 Original-Aufnahmen von Fr. Lange. Windhuk. 25,-, herabgesetzter Preis solange der Vorrat reicht nur 6,-

Deutsch-Südwestafrikanisches Adressbuch. 1912. Herausgegeben vom Adressen-Bureau A. Schulze, Swakopmund. 1912. 8,-

E. Eissinger, Im Damaraland und Kaokofeld. Erinnerungen an Südwestafrika. 1912. gebdn. M. 1,80

Helene von Falkenhausen, geb. Nitza, Ansiedler-Schicksale. 11 Jahre in Deutsch-Südwestafrika. 1893-1904. 260 S. Elegant gebdn. 8,-

Dr. A. Golf, Ackerbau in Deutsch-Südwestafrika. Das Trockenfarmen u. seine Anwendung in D.-S.-W.-A. 64 S. mit Illustrat. 1911. 1,60

C. Meinhof, Grundriss einer Lautlehre der Bantusprachen nebst Anleitung zur Aufnahme von Bantusprachen. Anhang : Verzeichnis von Bantuwortstaemmen. 2. Aufl. 340 S. m. 2 Abb. u. 1 farb. Karte. Gebunden 14,-

C. Meinhof, Die Sprache der Herero in Deutsch-Südwestafrika. 114 S. 1909. Gebdn. 4,-

C. Meinhof, Grundzuege einer vergleichenden Grammatik der Bantusprachen. 1909, Gebdn. 8,-

R. Peters, Das Bergwesen in Deutsch-Südwestafrika. 1912, 464 S. 10,-

L. Sander, Geschichte der Deutschen Kolonial-Gesellschaft für Südwestafrika von ihrer Gründung bis zum Jahre 1910. 2 Bde. 1912. 315 u. 477 S. 30,-

Taschenbuch fuer Südwestafrika 1913. Herausgegeben von Major K. Schwabe, Dr. Ph. Kuhn und Dr. G. Fock. 6. Jahrg. 1913, 2 Teile. 5,- In verständnisvoller Wuerdigung schreibt das "Hamburger Fremdenblatt" : "Es ist ein richtiger Ratgeber fuer Südwestafrika, für Farmer, Ansiedler, Militärs und Händler, ein Ratgeber, der nicht nur demjenigen wertvoll ist, der in Südwestafrika deutsche Art bewaehren will, sondern der auch den heimischen Kulturfreunden als gutes Nachschlagebuch dienen kann."

H. Toenjes, Ovamboland. Kand und Leute, mit besonderer Beruecksichtigung seines grössten Stammes Oukuanjama. 316 S., ill., 1911. 5,-

Deutsch-Südwestafrika 1:2.000.000, edited by Paul Sprigade and Max Moisel. 2., verbesserte u. vermehrte Auflage 1912. Mit Ortsverzeichnis Mk. 5,-, im Taschenformat aufgezogen Mk. 6,50 

Besitzstandkarte von Deutsch-Südwestafrika in 3 Blättern. Stand vom 1. Okt. 1911. Bearbeitet im Bureau d. Kais. Landvermessung, 1:800.000. 30,- Karte des Deutsch-Portugiesischen Grenzgebietes in Südwestafrika. 
Bearbeitet unter Leitung von Pau;l Sprigade. 1:500.000. Blatt 1. M. 3,-

Übersichtskarte des meteorologischen Beobachtungswesens von Deutsch-Südwestafrika im Beobachtungsjahre 1910/11. 1:2.000.000.

Die Kalahari mit ihren Völkern und Handelsrouten. Entworfen von Dr. Rud. Poech. 1:2.000.000

Das Kaokofeld (Deutsch Südwestafrika) nach vorhandenem Material u. eigenen Aufnahmen von Dipl.-Ing. J. Kuntz konstruiert. 1:800.000, M. 2,-

Geologische Übersichtskarte des Kaokofeldes (Deutsch-Südwestafrika) von J. Kuntz. 1:800.000

Geologische Übersichtskarte des Deutschen Namalandes. Aufgen. u. gez. in d. Jahren 1906/10 von Dr. Paul Range.


1:2.000.000

 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1913, auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913, S. 24ff.

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mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz 

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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