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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913 - Koloniale
Literatur und Karten
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Togo (S. 15)
Geschichte : Schon vor der deutschen Besitzergreifung waren deutsche
Kaufleute, hauptsächlich Bremer, an der Sklavenküste ansässig. Flaggenhissung
im Juli 1884 durch Gustav Nachtigal auf der "Moewe". Kämpfe mit den
farbigen Bewohnern sind in dieser Kolonie kaum vorgekommen.
Grenze : Der
deutsch-französische Vertrag vom 23. Juli 1897 bestimmt die Grenze des
Schutzgebietes nach Norden und Osten (nur noch geringe Unklarheiten), die Grenze
nach Westen war bis auf ein kleines Stück im Jahre 1904 durch Notenaustausch
zwischen Berlin und London geregelt worden. Sie ist 1912 endgültig festgelegt
worden. Die Gesamtgröße des Schutzgebietes wird auf etwa 87.200 qkm berechnet
(größer als Bayern und mehr als doppelt so groß wie die Provinz Schlesien).
Bevölkerung : 1. Januar 1910 : 372, 1909 : 330 Europäer, wovon 337
Deutsche und 62 erwachsene Frauen. 1911 : 363 Weiße, darunter 327 Deutsche und
58 erwachsene Frauen, 1912 : 345 Weiße, 316 Deutsche, 61 Frauen. Die schwarze
Bevölkerung beträgt laut Zählung und nach Schätzungen 1.003.000. In den
einzelnen Bezirken wohnen : Lome-Stadt 11.500, Lome-Land 119.000, Anecho
112.000, Misahähe 140.000, Atakpame 80.000, Kete-Kratschi 20.000, Sokode
300.000, Mangu 225.000. - Regierungsschulen bestehen in Lome und Sebe, eine
Handwerkerschule in Nuatjä.
Im Süden wohnen Ewe-Neger, darunter Splitter anderer Stämme, teilweise
verwandt mit Stämmen der Goldküste, namentlich im Gebirge. Ihre Sprachen
werden nach und nach ganz vom Ewe verdrängt. In Mitteltogo sitzen von den
Ewenegern verschiedene Kleinstämme unbekannter Herkunft. Weiterhin folgen in
Nordosttogo die Tim, Kabure und ihnen verwandten Stämme und nach Westen zu die
Dagomba-, Gurma- und Konkombastämme. Der Handel ruht vielfach in den Händen
der Haussah.
Bewässerung und
Bodengestalt : An der 32 km langen Küste starke Brandung, daher Landung mit
Schwierigkeiten verbunden. Die seit 1905 fertige, nach dem Einsturz 1911 im
Jahre 1912 wieder hergestellte Landungsbrücke in Lome hat hierin Wandel
geschaffen; denn jetzt können Personen und Güter ohne Schäden und Verluste
gelandet werden. Doch wurde die Brücke 1911 durch schweren Seegang zerstört.
Neubau geplant. Die Mündung des in seinem Unterlauf schiffbaren Voltaflusses
befindet sich im englischen Gebiet. Südlich vom 7. Breitengrade bildet der
Talweg des Mona die Grenze zwischen dem Schutzgebiet und der französischen
Dahomey-Kolonie. Doch befindet sich die Mündung im französischen Bereich. Der
in seinem ganzen Lauf im deutschen Gebiet befindliche, sich in die Togo-Lagune
ergießende Haho-Flu ist nur nahe der Mündung für leichte Fahrzeuge (Kanus)
schiffbar. Nicht schiffbar, aber wasserreicher als der Haho sind der Todschie
und der Schio, die in normalen Jahren alle zwölf Monate hindurch Wasser führen.
Ersterer ist freilich in seinem Unterlaufe englisch, dieser wie der Haho ganz
deutsch und mündet in die Togo-Lagune. Erwähnt sei noch der unweit
Kete-Kratschi in den Volta mündende Oti.
In der Mitte des Schutzgebietes verläuft im allgemeinen süd-nördlich ein
stark gegliedertes und bewaldetes Gebirge, dessen mittlere Höhe 600-700 m beträgt,
in der Landschaft Dau 800 m und eine Anzahl Gipfel zwischen 900 und 1000 m zählt.
Das ihm vorgelagerte Agu-Massiv ist mit 1025 m die höchste Erhebung Togos.
Klima : Im Küstenlande mittlere Jahrestemperatur etwa 26 Grad Celsius.
Im Innern 28 Grad. An der Küste zwei durch Trockenzeiten scharf getrennte
Regenzeiten von April bis Juli und von September bis November, von denen die
letzte in manchen Jahren fast völlig ausbleibt (Dürrejahre). Je weiter ins
Innere, desto mehr rücken die beiden Regenzeiten aneinander, wodurch die
Trockenperiode zusammenschrumpft. In Nordtogo ist die Haupttrockenzeit sehr
scharf ausgeprägt, weniger in Mittel- und Südtogo. Im Norden ist die
Herbstregenzeit in der Regel ergiebiger als die des Frühjahrs, im Süden
umgekehrt. Regenmenge an der Küste 600-700 mm jährlich, im Innern 1200 bis
1300 mm. Im Togogebirge von Amedschovhe bis Kuma erreicht die jährliche
Regenmenge 1500 bis 1600 mm, das Maximum des Schutzgebietes. Während des
Dezember und des Januar weht der Harmattan (staubführender, trockener
Landwind).
Pflanzenwelt : An der Küste Palmen, an der Lagune Mangroven. Der
charakteristische Baum im ganzen Küstenstreifen ist die Kokospalme. Im
Hinterland Baum- und Grassavannen, und zwar in Süd- und Mitteltogo mit
reichlichem, im südlichem Teil von Nordtogo mit geringem, im nördlichen Teil
der Kolonie ohne Baumwuchs. Wälder nur in Süd- und Mitteltogo, an den Flußläufen
und im zentralen Togogebirgslande.
Nutzpflanzen (in Kultur oder Halbkultur) : Oelpalmen, Kokospalmen, Kautschukbäume,
Mais, Erdnüsse, Yams, Kassada, Baumwolle, Kakao, Nutzhölzer, Schibutterbaum,
Reis, Bohnen, Bananen, Ananas, Mango, Strophanthus, Kapokbaum u.a.m. Der ausgeführte
Kautschuk wurde bisher fast ausschließlich aus wild wachsenden Lianen gewonnen;
erst neuerlich pflegen einige Pflanzungen die Manihot-Kultur. Das Gesamtareal
der Plantagen beträgt 11.000 ha, wovon etwa ein Zehntel unter Kultur ist.
Tierwelt : Der Küstensaum ist arm an größeren Tieren. Im weiteren
Hinterland zahlreiche Affenarten, Antilopen, größere Raubtiere (Löwen,
Leoparden, Geparden, (S. 16) Hyänen). Flußpferde und wenige Elefanten;
Wildschweine. Reiche, bunte Vogelwelt. Viele Schlangenarten, darunter die
Riesenschlange und Puffotter. Alligatoren. Haustiere : Schafe, Ziegen, Schweine
(außer im Norden), Hunde, Katzen; Hühner, Perlhühner, Tauben, Enten, selten
Pferde (häufiger in Nordtogo als an der Küste); Rinder sind an der Küste
weniger häufig als in den Nordbezirken (Mangu etwa 50.000, Sokode 4000-6000).
Mineralien : Bei Banjeli und in Buem Eisenerzlager, die bisher nur von
den Eingeborenen ausgebeutet werden. Im Ssola-Gebirge Graphit-Einlagerungen. Im
Monu-Flu Alluvialgold. Bei Tokpli im Bezirk Anecho ein bedeutendes Kalklager.
Handel : Ausfuhr : Hauptprodukte : Palmöl, Palmkerne, Mais, Kautschuk,
Baumwolle; von untergeordneter Bedeutung : Elfenbein, Kakao, Kaffee, Erdnüsse,
Kopra, Pfeffer, lebende Tiere und Häute. - Einfuhr : Baumwollwaren, geistige
Getränke, Eisen und Eisenwaren, Holz und Holzwaren, Tabak, Zigarren,
Schiesspulver, Materialwaren. Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen auf
Seiten 10/11.
Verkehrswesen : Schiffsverkehr : 1905 : 247 Schiffe mit 491.000
Registertonnen. 1906 : 194 Schiffe mit 269.000 Registertonnen. 1907 : 251
Schiffe mit 348.000 Registertonnen. 1908 : 260 Schiffe mit 471.000
Registertonnen. 1909 : 369 Schiffe mit 690.000 Registertonnen. 1911 : 327
Schiffe mit 577.000 Registertonnen. 1911 : 275 Dampfer mit 677.000
Registertonnen {sic !} Eisenbahnen : Küstenbahn Lome-Anecho (44 km) am 18. Juli
1905 eröffnet. Lome-Agome-Palime (119 km), 27. Januar 1907 eröffnet. Die
Kosten von 7,8 Millionen Mark verzinst das Schutzgebiet. Lome-Atakpame (160 km)
eröffnet 1. April 1911. An Projekten seien erwähnt eine Bahn in die Ölpalmen-Bezirke
nördlich von Anecho und eine in den Bezirk Kpandu. Die Einnahmen der
Verkehrsanlage (Landebrücke, Küstenbahn und Strecke Lome-Palime) betrugen
April 1907 bis März 1908 : 305.000 M., April 1908 bis März 1909 : 317.000 M.,
im gleichen Zeitraume 1909/10 : 401.000 M., im Kalenderjahre 1910 : 834.000 M.,
1911 : 886.000 M. - Post und Telegraphie : Ende 1912 : 22 Anstalten, sämtlich
mit Telegraphenbetrieb davon 5 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 1006 km
Landtelegraphenlinien. Verkehr 1911 : 457.000 Briefsendungen, 24.107
Postanweisungen mit 2.940.898 Mark, 15.380 Pakete, 110.679 Zeitungsnummern,
34.458 Telegramme, 38.881 Gespräche. Postverbindungen : fünfmal monatlich. Beförderungsdauer
Berlin-Lome 17-31 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 3,65 Mark.
Schulwesen : In Togo
gibt es 163 Schulen der evangelischen und 196 der katholischen Missionen, sowie
je eine Fortbildungsschule und je ein Lehrerseminar. Regierungsschulen in Lome,
Sebe uns Sokode. Unterrichtsanstalten für weiße Kinder fehlen.
Verwaltungsbezirke : Sitz des Gouverneurs ist Lome. Gouverneur Herzog
Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Bezirksämter : Lome-Stadt und Lome-Land,
Anecho, Misahöhe, Atakpame, Kete-Kratschi, Sokode und Sausane Mangu.
Deutsche Militärpersonen unterstehende Polizeitruppen befinden sich bei den
Bezirksämtern Lome und Anecho (150 Farbige ohne die Polizei-Abteilungen der
einzelnen Bezirksämter und Stationen
).
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1913, auf Veranlassung
der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade
und M. Moisel. Berlin 1913, S. 15f |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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