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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913 - Deutsch-Südwestafrika
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Deutsch-Südwestafrika (S.
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Geschichte : Im Jahre 1883 schloß der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz
mit eingeborenen "Kapitänen" Verträge ab, durch die er Angra Pequena
und das benachbarte Land erwarb. Durch das berühmte Telegramm des Fürsten
Bismarck an den deutschen Konsul in Kapstadt vom 24. April 1884 wurden diese
Erwerbungen unter deutschen Schutz gestellt. - mit Ausnahme der Walfischbucht.
Die Grenzen wurden festgelegt durch Verträge mit Portugal 1886 und mit England
1890. Eingeborenenaufstände erhoben sich mehrfach gegen die deutsche
Herrschaft, so 1889 infolge der Umtriebe des Engländers Lewis, 1893 durch
Hendrik Witboi (Erstürmung von Hornkranz), 1896 durch die Kauas Hottentotten,
1904 durch die Hereros und Hottentotten (Schlachten am Waterberg 11. August
1904, bei Groß-Nabas Neujahr 1905 unter General von Trotha bezw. Major
Meister).
Größe und Grenzen : 835.100 qkm (= 1,5 mal Deutsches Reich). Die der Küste
vorgelagerten Guanoinseln (zwischen 24 Grad 37 Minuten und 28 Grad südlich),
sowie das Gebiet der Walfischbai, von Swakopmund nur eine halbe Stunde Weges,
sind im Besitz Englands (Südafrikanische Union), das auch im Süden und Osten
unser Nachbar ist, während wir nördlich an portugiesisches Gebiet (Angola)
grenzen. Der schmale Landstreifen bis zum Sambesi (oberhalb der Katarakte) heißt
vulgär "Caprivi-Zipfel".
Bevölkerung : Am 1. Januar 1908 : 8213 Weiße, darunter 6215 Deutsche
und 1446 Frauen. 1909 : 9410 Weiße, darunter 6629 Deutsche, darunter 1358
deutsche Frauen. 1910 : 12936 Weiße, darunter 10.226 Deutsche und 2173 Frauen.
1911 : 13962 Weiße, darunter 11140 Deutsche und 2468 erwachsene Frauen. 1912 :
14816 Weiße, darunter 12135 Deutsche und 4329 erwachsene Frauen. (Die Deutsche
Kolonialgesellschaft hat von 1898 bis Ende 1912 1730 deutschen Frauen und Mädchen
Beihilfen zur Übersiedelung in das Schutzgebiet gewährt.) Dagegen 1903 Zahl
der weißen Bewohner 3815, der Deutschen 2173, der Frauen 670. Als eingeborene
Bevölkerung, soweit sie der Verwaltung unterworfen ist, wurden ermittelt 20.000
Herero, 19.600 Bergdamara, 14.000 Nama und 10.000 Buschleute. Die Owambo (ungefähr
60.000), ein Bantustamm im Ambolande, zwischen dem 18. Grad südlicher Breite
und dem Kunene sind auf den Farmen, beim Eisenbahnbau und desgleichen geschätzte
Arbeiter. Außerdem finden etwa 6500 Kaffern aus dem Kaplande im Schutzgebiet
ihr Brot, so daß innerhalb der Kolonie mindestens 150.000 Farbige leben.
Bodengestalt : In seiner ganzen Ausdehnung ist Deutsch-Südwestafrika
eine bis zu 1200 m, anfangs sanft, dann meist steil ansteigende
Terrassen-Landschaft, die sich ungefähr 300 km vom Meere binnenwärts zu senken
beginnt. Die Breite des wüsten Küstengürtels (Namib) beträgt mehrere
Tagesreisen, doch bilden die Täler der größeren Flüsse (Riviere, nach dem
Kapholländischen) Oasen. Im Innern befinden sich vereinzelt und unregelmäßig
verteilt zahlreiche Gebirgszüge, Kuppen und Bergreihen, die um mehrere hundert
Meter über die durchschnittliche Landesoberfläche emporragen (Gneis und
Granit). Im Süden das 2000 m hohe Karasgebirge, zwischen Rehoboth und Windhuk
das Auasgebirge (2481 m hoch), weiter nördlich der Omatakoberg (2680 m hoch).
Nach Osten fällt die Hochebene zu der im Innern 500 m tiefer gelegenen
Kalaharisteppe ab, die man sich aber keineswegs als unfruchtbar und wüst
vorstellen darf.
Bewässerung : Von den Flüssen führen nur der Oranje und der Kunene,
sowie der in den Ngamisee ergießende Okawango das ganze Jahr hindurch fließendes
Wasser, sind aber nicht schiffbar. Auch der in den Oranjefluß mündende
Fischfluss versiegt nie ganz. Die übrigen sich in den Atlantischen Ozean ergießenden
Flüsse liegen während des größten Teils des Jahres trocken und bilden selbst
zur Regenzeit selten ununterbrochene Wasseradern (Swakop, Kuiseb) und werden
kapholländisch "Riviere" genannt. Quellen befinden sich in größerer
Zahl im Hererolande; hier ist auch die Regenmenge bedeutender als in Groß-Namaland.
Die Frage der Wassererschließung, der Staudämme usw. ist die wichtigste des
Schutzgebietes. Quellenerschließung durch Bohrkolonnen. Daneben Wasserfinden
durch Wünschelruten.
Klima : Das Klima ist im Sommer heiß, aber trocken und gesund. Der
Winter ist durchaus gemäßigt. Nachtfröste sind im Innern nicht selten. Der Küstenstrich
ist gleichmäßig kühl und hat bis 50 km landeinwärts nur Nebelniederschläge.
Vorherrschende Winde aus südlicher Richtung, in der wärmeren Jahreshälfte
(Oktober-März) auch Winde aus nördlicher Richtung, welche die Hauptregenzeit
von Januar bis März verursachen. In Windhuk beträgt die mittlere
Jahrestemperatur 20 Grad, im kühlsten Monat, Juli, 19 Grad, im wärmsten,
Januar, 25 Grad.
Pflanzenwelt : In dem wüsten Küstengürtel der Namib fehlt fast jeder
Pflanzenwuchs. (S. 24) Amboland : rein tropisch (Affenbrotbäume, Palmen usw.).
Damaraland : Steppe und Dormbusch mit oasenartigen Hainen von Ana- und Dornbäumen.
Namaland : Grassteppe, fast baumlos. Mit künstlicher Bewässerung ist die
Kultur von Getreide, Mais, Kartoffeln, Feigen, Datteln, Wein, Tabak usw. möglich.
Im Norden kommt Baumwolle fort.
Tierwelt : Küstengewässer fischreich, auf den vorgelagerten Inseln
Wasservögel (Guanolager). Im nördlichen Teile eine rein tropische Fauna (Großwild,
wie Elefanten und Giraffen, Raubtiere, Affen). Damaraland ist mehr für Großviehzucht,
Namaland für Kleinvieh geeignet. Ergebnisse der Viehzählung : Rindvieh 1912 :
172.000, 1911 : 144.000, 1910 : 121.000, 1909 : 96.000, 1908 : 73.000, 1903 :
90.385, Fleischschafe 1912 : 435.000, 1911 : 381.000, 1910 : 344.000, 1909 :
281.000, 1908 : 193.000, 1903 : 182.541, Wollschafe 1912 : 47.000, 1911 :
32.000, 1910 : 29.000, 1909 : 20.000, 1908 : 12.000, 1903 : 4.201, Angoraziegen
1912 : 20,000, 1911 : 10.000, 1910 : 8000, 1909 : 4500, 1908 : 4000, 1903 :
3391, gewöhnliche Ziegen 1912 : 448.000, 1911 : 385.000, 1910 : 319.000, 1909 :
238.000, 1908 : 156.000, 1903 : 156.000, Pferde 1912 : 13.000, 1911 : 12.700,
1910 : 10.600, 1909 : 8.300, 1908 : 6500, 1903 : 5.265, Strauße 1912 : 1277,
1911 : 640, 1910 : 330, Schweine 1911 : 7800, 1910 : 5200, alles ohne die im
Besitz der Schutztruppe befindlichen Tiere.
Farmwesen : Es wurden gezählt 1912 : 1245, 1911 : 1141 Farmer gegen 1047
in 1910. Die Größe des Farmareals betrug 1912 : 13 Millionen ha, 1911 : 11,75
Millionen ha, 1910 : 10,75 Millionen ha. Von den Farmern waren 1912 : 858, 1911
: 892 Deutsche (1910 : 793), 1912 : 94, 1911 : 121 Engländer (1910 128). Die
meisten Engländer (Kapländer) beherbergen die Bezirke Keetmanshoop, Warmbad
und Hasuur.
Mineralien : Bei Karibib anscheinend guter Marmor. Im Otawi-Gebiet, bei
Gorob und an noch einigen Stellen die Ausbeute lohnender Kupferlager. (Ziffern
der Ausbeute Seite 13). Wert der 1909 verschifften Mineralien rund 21 Millionen
Mark. 1910 über 33 Millionen Mark. 1911 nur 27 Millionen Mark. Bei Lüderitzbucht
sind in den Sanddünen der Namib seit Juli 1908 zahlreiche Diamanten gefunden
worden, zumeist im Gewicht von weniger als ein Karat, aber auch bis zu drei
Karat. Im Kaokofelde sind Vorkommen an Gold und Eisen festgestellt, deren Abbau
ohne Eisenbahnlinie nicht durchzuführen ist.
Handel : Eingeführt werden fast alle Gegenstände des europäischen
Marktes, insbesondere Getränke, Tabak, Kaffee, Zucker, Konserven, Mehl, Reis,
Bekleidungsstücke. Ausgeführt werden Viehhäute, Rindvieh, Kleinvieh, Kupfer,
Diamanten, Hörner, Straußenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano (Cap Cross). Werte
der Ein- und Ausfuhr siehe Tabelle auf Seite 10/11.
Verkehrswesen : Schiffsverkehr : Die Reede von Swakopmund wurde 1909 von
144 Dampfern mit 523.000 Reg. Tons, der Hafen von Lüderitzbucht von 108
Dampfern mit rund 434.000 Reg. Tons angelaufen, 1910 von 191 bzw. 195 Dampfern
mit 674.000 bzw. 594.000 Reg.-T. 1911 insgesamt von 385 Dampfern mit 1,25
Millionen Reg.-T. Die überwiegende Mehrheit waren Deutsche, während im
Vorjahre noch nahezu ein Drittel unter englischer Flagge fuhr. Überfahrtspreis
: Woermannlinie Hamburg-Swakopmund I. Klasse 602,50 M., II. Klasse 402,50 M.,
Zwischendeck 252.50 M.
Landverkehr : Verkehrsmittel im Innern für Personen und Frachten ist der
Ochsenwagen; mit 10 bis 20 Ochsen bespannt, legt er täglich mit Lasten von 30
bis 50 Zentnern 18 bis 35 km zurück. Zwischen Swakopmund und Windhul bestand
seit Juli 1902 eine 60 cm-spurige Feldbahn (382 km), die heute durch die Strecke
Swakopmund-Karibib der Otawibahn ersetzt ist, die Verbindung Swakopmund-Otawi
bis Tsumeb (570 km Kapspur), im September 1906 fertiggestellt; davon abzweigend
Linie Otawi-Grootffontein, erbaut 1908 von der South West Africa Company, 93 km,
60 cm-Spur; wöchentlich zwei Züge; täglich ein Zug zwischen Swakopmund und
Karibib, dreimal wöchentlich zwischen Usakos und Tsumeb. Karibib-Windhuk 1910
umgebaut. Strecke Lüderitzbucht-Keetmanshoop seit Juli 1908 in Betrieb. Im
Jahre 1908 fertiggestellt. Zweigstrecke von Seeheim unweit Keetmanhoop südlich
bis Kalkfontein (183 km). Seit 1912 Verbindung Windhuk-Keetmanshoop (Nord-Südbahn)
528 km.
Post- und Telegraphie : Ende 1912 : 95 Anstalten, darunter 82 mit
Telegraphenbetrieb und 28 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 2353 km
Landtelegraphenlinien und 6407 km Telegraphenleitungen. Verkehr 1911 : 6.495.300
Briefsendungen, 251.089 Postanweisungen mit 39.906.350 Mark, 13.527 Pakete,
1.534.000 Zeitungsnummern, 424.158 Telegramme, 2.419.940 Gespräche.
Postverbindungen : fünfmal monatlich. Beförderungsdauer 20-26 Tage.
Telegrammgebühr für das Wort
2,75 Mark.
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1913, auf Veranlassung
der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade
und M. Moisel. Berlin 1913, S. 22f |
GM
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