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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1914 - Die Entwicklung der deutschen Südseeschutzgebiete im Jahre 1913
Die Entwicklung der deutschen Südseeschutzgebiete im Jahre 1913. 

Unsere Kenntnis von Kaiser-Wilhelmsland ist durch die von der Deutschen Kolonialgesellschaft angeregte und wesentlich geförderte Expedition des Kaiserin-Augustaflusses beträchtlich gefördert worden. Die Teilnehmer sind bis auf Dr. Thurnwald im Herbst 1913 ins Mutterland zurückgekehrt und werden demnächst die Ergebnisse ihrer Forschungen, über die sie kurz schon in der Deutschen Kolonialzeitung berichtet haben, veröffentlichen.
Das Feld der Tätigkeit drängt sich hauptsächlich auf das südliche Becken des Sepik zusammen, von der holländischen Grenze bis zur Küste. Hier boten die zahlreichen von Süden kommenden Nebenflüsse und das dichte, an den Hauptstrom herantretende Bergland bei weitem interessantere Aufgaben als die große vielfach versumpfte nördliche Sepikebene. Das nördliche Sepikbecken war, abgesehen von der nächsten Umgebung des Hauptstromes, völlig unbekannt. Durch die Tätigkeit der Expedition, insbesondere des Dr. Behrmann, ist unsere Kenntnis von dem Innern Neu-Guineas um drei bis vier Gradfelder fortgeschritten. Die rechten Nebenflüsse des Sepik wurden aufgesucht und kartiert. Auf dem linken Ufer war alles Suchen nach größeren Zuflüssen vergeblich. Im Ganzen hat sich gezeigt, daß die sich der Erschließung Neu-Guineas entgegengestellten Schwierigkeiten nicht unüberwindlich sind, und daß die Eingeborenen freundschaftlichen Anknüpfungsversuchen zugänglich sind.
Im Bismarck-Archipel hat sich stellenweise die Ausbreitung unserer Verwaltung ein vorher nicht gekannter Widerstand entgegengesetzt. Im Innern von Neu-Hannover wurde ein bewaffnetes Einschreiten des Bezirksamtes Käwieng gegen unbotmäßige Eingeborene notwendig. Dagegen gelang es in Baining einen Teil der Eingeborenen unserer Verwaltung näher zu bringen. Es ließ sich hier auch die Arbeiteranwerbung mit Erfolg ausdehnen. Heute arbeiten ständig ein große Anzahl von Bainingleuten in den benachbarten Pflanzungen der Weißen.
Deren Haupterzeugnis, die Kopra, hat nach den Ergebnisse des Jahres 1912 wiederum ein Mehr erzielt. Deutsch-Neu-Guinea, einschließlich des Inselgebietes, hat über 17.300 Tonnen Kopra im Werte von mehr als 6 Millionen Mark, Samoa über 11.200 Tonnen im Werte von wesentlich mehr als 4 Millionen Mark auf den Weltmarkt geworfen. Heute sind in Neu-Guinea über 32.000 ha Landes bebaut, davon 9/10 mit Kokospalmen bestanden. Allenthalben breitet sich die Palmenkultur neu aus und beim Gouvernement gehen immer noch Anträge auf Landabgabe ein. Zudem sind die Weltmarktpreise für Kopra recht gute.
Kautschuk, Kakao, Sisal und dergleichen fallen dabei kaum ins Gewicht.
Vor Jahren hatte man an die mineralischen Vorkommen des Schutzgebietes große Erwartungen geknüpft. Der Herkules-Fluß enthält ja Gold in seinem Sande. Eine dorthin entsandte Untersuchungsexpedition konnte aber ihre Arbeit nicht zu Ende führen. Am oberen Herkules-Fluß sind mehrfach Goldfelder belegt und in der üblichen Weise durch Handwäscherei ausgebeutet worden. Es gehören tatkräftige und mit der Wildnis wohl vertraute Männer dazu, um hier fernab von jeglicher Kultur in den dichten Urwäldern von Kaiser-Wilhelmsland sich dieser Tätigkeit hinzugeben. Leider ist man noch nicht an die Untersuchung und Ausbeutung der im Eitape-Bezirke entdeckten Erdölvorkommen gegangen. Der Fiskus hat das Gebiet gesperrt. Die Ausbeute an Phosphat auf Nauru und Angaur hat wiederum zugenommen. Auf der erstgenannten Insel hat sich indessen Arbeitermangel fühlbar gemacht.
In der Ausfuhrliste von Deutsch-Neu-Guinea finden wir fast 10.000 Stück Paradiesvögel, die mit einem Werte von annähernd einer halben Million Mark eingesetzt worden sind. 1913 wird die Zahl vielleicht noch größer sein, hingegen hört dieser Export für 1914 auf, da für länger als ein Jahr Schonzeit auferlegt ist.
Die Ponapeleute, die uns im Jahre 1911 so viel zu schaffen machten, haben sich ruhig verhalten. Auch die Eingeborenen im weiteren Mikronesien bereiteten keine Schwierigkeiten. Hier ist unsere Verwaltung dabei, allmählich und vorsichtig uralte Einrichtungen wie das Lehnswesen, das Mutterrecht und dergleichen abzuschaffen. Man bemüht sich vor allem, soziale Schäden abzustellen, nämlich das Ansehen der Frau in der Familie zu heben, und sie dem Einfluß der verschiedenen Verbände innerhalb und außerhalb der Hütte zu entziehen.

Eingeborener Bogenschütze aus Kaiser Wilhelmsland.

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Die Samoaner haben die Regelung der Nachfolgerschaft für den verstorbenen Oberhäuptling Mataafa gleichfalls ruhig hingenommen. Die Würde ist durch den neuernannten Gouverneur Dr. Schultz abgeschafft worden. (S. 41)
Erfreulich ist, daß anscheinend die Samoaner sich mehr als Arbeiter verdingen. So wurden sie bei größeren Neubauten im Tagelohn beschäftigt. Die Pflanzungen allerdings sind nach wie vor auf Chinesen angewiesen, deren es jetzt in dem kleinen Schutzgebiet bereits über 1500 gibt.
Die Eröffnung des Panamakanals wird vielleicht zur Folge haben, daß der Verkehr Samoas sich hebt. Es liegt halbwegs zwischen Amerika und Asien. Freilich kann sich der Hafen von Apia mit dem des amerikanischen Tutuila nicht messen. Wesentlich für Samoa wie auch für die gesamten deutschen Südseebesitzungen ist die Errichtung einer Telefunkenverbindung, die wir mit Rabaul und Apia hergestellt haben, so daß Nachrichten zwischen dem Mutterland und diesen Tochtergebilden nicht mehr auf eine Beförderung über Australien oder Jap angewiesen sind


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Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1914, auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel, S. 40f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
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