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(GES,P) Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918, Allgemeines
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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
Allgemeines.

"Nicht Eroberungssucht, Ehrgeiz, Abenteuerdrang oder vorübergehende Laune haben die Lenker der Geschicke des deutschen Reiches veranlaßt, unter Bruch mit alten Überlieferungen und Grundsätzen überseeische Länder zu erwerben. Es hat sie dazu die Erkenntnis des dringenden Bedürfnisses nach sicheren eigenen Betätigungsfeldern für Handel und Wandel Deutschlands genötigt." Diese Worte, die der Geschichtsschreiber des deutschen Kolonialwesens, Legationsrat Dr. Alfred Zimmermann, seiner im Jahre 1914 erschienenen "Geschichte der deutschen Kolonialpolitik" vorausschickte, geben in wenigen Worten die Ursache wieder, die um die Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts weite Kreise Deutschlands zum Eintreten für eine koloniale Ausbreitung veranlaßte. Zwei Umstände waren es namentlich, die das Streben nach eigenem deutschen Kolonialbesitz in die Praxis umsetzten: Die fortschreitende Industrialisierung Deutschlands und damit der gesteigerte Rohstoffbedarf einerseits, andererseits die Tatsache, daß die letzten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts bei den großen Kolonialmächten immer mehr die Neigung hervortreten ließen, ihren eigenen Besitz dem fremden Unternehmungsgeist zu verschließen.
Bismarck selbst hat bekanntlich nur langsam und zögernd den Schritt zu deutschen Kolonialpolitik getan, trotzdem bereits seit den sechziger Jahren mehr und mehr Stimmen laut wurden, die damals bereits für Preußen eigenen Kolonialbesitz forderten. Erst als ihn Schwierigkeiten, die den deutschen Kaufleuten in der Südsee und in Westafrika durch die englische Regierung bereitet wurden, zu näherer Beschäftigung mit dem Schutze der deutschen Interessen in den überseeischen Kolonialgebieten fremder Länder nötigten, ist er für eine Politik erwärmt worden, die er kurze Zeit vorher noch für mindestens unzeitgemäß gehalten hatte. Bestärkt worden war er in dieser Auffassung überdies durch die laue Stimmung des überwiegenden Teils der Bevölkerung Deutschlands gegenüber allen außereuropäischen Fragen, und wenn er trotzdem von der Mitte der achtziger Jahre ab, zum großen Teil gegen den Widerstand Englands, den Schutz des Reiches auf größere Teile der Welt ausdehnte, so hat ihn das nicht gehindert, der gesamten Frage doch mehr oder weniger kühl gegenüber zu stehen. Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß, gemessen an den weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Bedürfnissen Deutschlands bei Kriegsausbruch diejenigen des Deutschlands der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sehr gering waren. Nichts charakerisiert den gewaltigen Unterschied zwischen heute und der Bismarckschen Zeit ja besser als auf der einen Seite das bekannte Wort Bismarcks, daß Konstantinopel für Deutschland nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert sei, und auf der andern Seite die Tatsache, daß heute deutsche Truppen an der Palästinafront und in Mesopotamien Hand in Hand mit türkischen Soldaten im Kampfe gegen die englische Weltmacht stehen. Und ebenso waren die weltwirtschaftlichen Bedürfnisse des Deutschlands der Bismarckschen Zeit ja verschwindend gering gegenüber denen des industrialisierten Deutschlands bei Ausbruch des Krieges. In dieser Hinsicht braucht nur daran erinnert zu werden, daß in den Jahren 1885 bis 1912 unser Außenhandel von 5,8 Milliarden auf rund 20 Milliarden Mark gestiegen ist.
Die große Bedeutung eigenen Kolonialbesitzes für die heimische Wirtschaft zu verkennen war allerdings auch Bismarck weit entfernt. In seiner Reichstags-Rede über die englische Politik in Ägypten vom 13. März 1885 [6. Legislaturperiode, 66. Sitzung, S. 1798, S. 1799, S. 1800, S. 1801] finden sich bereits folgende Sätze: "Nehmen Sie an, wenn ein Teil der Baumwolle, des Kaffees, den wir bei uns importieren, auf deutschem Grund und Boden übersee wüchse, wäre denn das nicht eine Vermehrung des deutschen Nationalreichtums? Wir kaufen jetzt die sämtliche Baumwolle von Amerika und sind auf ein gewisses Monopol der Amerikaner angewiesen, weil die indische und asiatische Baumwolle nicht in der Vollkommenheit bearbeitet und vorbereitet wird, daß sie sofort leicht in Verbrauch zu nehmen ist wie die amerikanische. Wenn wir dem gegenüber mit der gleichen Intelligenz wie die Amerikaner ihre Baumwolle pflanzen und bearbeiten in Gegenden wie Neu-Guinea, wie Kamerun, wie die afrikanischen äquatorialen Gegenden Baumwolle züchten könnten, die wir nicht mehr von Ausländern sondern von deutschen überseeischen Besitzern kaufen würden, - so wäre das ein Vorteil für unser Nationalvermögen, während jetzt das Geld, das wir für Baumwolle, Kaffee, Kopra und alle solchen äquatorialen Produkte ausgeben, rein à fonds perdu herausgeht aus unserm Vermögen." [S. 1800]
Wie bereits schon oben erwähnt, war es neben den weltwirtschaftlichen Gründen vor allem die Tatsache der schädlichen, ins riesenhafte gewachsenen Auswanderung, unter der Deutschland in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts litt. Wenn zum Beispiel in den Jahren von 1881 bis 1884 jährlich zwischen 150 und 200.000 Personen das deutsche Reich für dauernd verließen, um sich meistens in den Vereinigten Staaten von Nordamerika niederzulassen, so bedeutete das auf die Dauer einen Kräfteverlust, den auch der natürliche Bevölkerungszuwachs kaum auszugleichen in der Lage gewesen wäre. Und wenn wir auf Grund der gemachten Erfahrungen auch heute wissen, daß die Pläne eines Karl Peters, der hauptsächlich (S. 5) um deutsches Ansiedlerland zu schaffen, das spätere deutsche Ostafrika in Besitz nahm, auf falschen Voraussetzungen beruhten, so bleibt doch die Tatsache des Kräfteverlustes durch die Auswanderer, mit anderen Worten, die Erhaltung der deutschen Volkskraft auf deutschem Boden eine der stärksten Triebfedern bei der Schaffung deutschen Kolonialbesitzes.
Dazu kam, wenn auch vielfach unbewußt, ein gewisser imperialistischer Drang, der aber sich nicht nur in Deutschland äußerte, sondern ebenso sehr auch in den anderen europäischen Staaten. Wenn der liberale englische Lord Roseberry das Wort prägte, daß die Welt englisch werden müsse, soweit England überhaupt einen Einfluß auf ihre Gestaltung habe, so ist es natürlich, daß derartige Ansprüche ganz von selbst auch einen Ansporn für andere jugendfrische und kräftige Staaten bildeten. Gerade Deutschlands Eintritt in die Reihe der Kolonialmächte hat in den übrigen Ländern Europas in dieser Richtung einen Anstoß gegeben, der sich zahlengemäß aus folgender Tabelle ergibt.

  Größe des Kolonialbesitzes in qkm Bewohnerzahl.
1871 1916 1871 1916
Großbritannien 20.459.000 29.760.000 159.750.000 374.689.000
Rußland 14.901.000 17.166.000 5.500.000 32.229.000
Portugal 1.917.000 2.090.000 3.873.000 7.400.000
Niederlande 1.775.000 2.045.000 22.453.000 38.053.000
Frankreich 1.206.000 10.552.000 6.469.000 55.190.000
Spanien 303.000 232.000 6.500.000 220.000
Dänemark 121.000 193.000 40.000 124.000
Vereinigte Staaten - 307.000 - 9.677.000
Italien - 1.584.000 - 1.300.000
Deutschland - 2.913.000 - 16.000.000
Belgien - 2.382.000 - 20.000.000
Japan - 332.000 - 13.575.000

(Nach Dr. A Zimmermann, Die Kolonialreiche der Großmächte, Berlin 1915)

Wenn man berücksichtigt, daß Deutschland mit einer Bevölkerung, die die Frankreichs fast um 100% übertrifft und einem Handel, der den französischen bereits seit langem geschlagen hat, über ein so bescheidenes überseeisches Gebiet verfügt, während Frankreich im Laufe von 45 jahren das seine um mehr als das achtfache vergrößert hat, wenn man andererseits bedenkt, daß das kleine Belgien über einen Kolonialbesitz verfügt, der an Größe fast dem deutschen gleich ist, so ergibt sich ohne weiteres, daß der deutsche Imperialismus, soweit er kolonialpolitischer Natur ist, weit davon entfernt war, wie es während des Krieges von der Gegenseite mehr als einmal behauptet worden ist, zur Ursache des Krieges geworden zu sein.
Als Deutschland in die Reihe der Kolonialmächte eintrat, verfügte es über keinerlei kolonialpolitische und kolonialwirtschaftliche Erfahrungen, die sich auch nur annähernd mit denen hätten decken können, die die alten, teilweise seit Jahrhunderten in kolonialer Tätigkeit stehenden Staaten besaßen. Infolgedessen konnten die ersten Jahrzehnte deutscher Kolonialpolitik nichts anderes als eine Lernzeit sein. Fertig zum mitnehmen war nirgends etwas vorhanden, und was erworben werden sollte, mußte zunächst geschaffen werden. Es fehlte nicht nur jede Kenntnis des neuen Bodens, sondern vor allem mangelte es auch an dem Menschenmaterial, das imstande gewesen wäre, den Boden zu erschließen. Dazu kam, nachdem die voreilig erwarteten schnellen Erfolge ausblieben, eine gewisse Gleichgültigkeit der Heimat gegenüber den Dingen in den Kolonien, eine Gleichgültigkeit, die nicht zuletzt sich auch in den Handlungen und Maßregeln der maßgebenden Regierungsfaktoren äußerte. Man vergaß, daß Länder von der Größe z. B. Deutsch-Ostafrikas nur zu erschließen sind, wenn die nötigen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. Man übersah nur zu häufig, daß es sich darum handelte, die gesamte geistige Verfassung und die Wirtschaft der Eingeborenen im Sinne der Anpassung an die modernen Bedürfnisse zu revolutionieren; man vergaß, daß der auf tieferer und uns vielfach fremder Kulturstufe stehende Eingeborene überhaupt erst an eine Neuordnung der Verhältnisse gewöhnt werden mußte, die ihm fremd und mehr als einmal feindselig erschien, weil sie, letzten Endes zu seinem eigenen Vorteil, häufig in ihm lieb gewordene alte Gewohnheiten hineinzugreifen ge[z]wungen war. So mußte die gesamte deutsche Kolonialgeschichte zunächst eine Zeit des Gärens und der Umwandlung darstellen, bis die Grundlagen geschaffen waren, auf denen sich eine moderne Wirtschaft aufbauen kann.
Mit dem wachsenden Verständnis für überseeische Dinge in Deutschland änderte sich auch die Auffassung vom Wert deutscher Kolonialpolitik. War die deutsche Kolonialpolitik weiten Volksschichten bisher nichts anderes als ein zwar schmuckvolles, aber immerhin nicht notwendiges Ornament am Reichsbau erschienen, so weckten die wachsenden Erfolge auf dem Gebiete der Kolonialwirtschaft, die Verstärkung der Fäden, die zwischen Heimat und Kolonien hin und her laufen, namentlich auch in der Arbeiterschaft und ihrem vornehmsten politischen Ausdruck, der Sozialdemokratie, das Verständnis für den Wert eigenen überseeischen Besitzes. Die Folge dieser Erkenntnis war zunächst die großzügigere Behandlung der kolonialen Verkehrsprobleme, die vor allen Dingen in der seit Beginn dieses Jahrhunderts ins Werk gesetzten kolonialen Eisenbahnbaupolitik ihren Ausdruck fanden. Handelte es sich dabei auch um große, zunächst dem Reich aufzuerlegende Ausgaben, so zeigte sich doch mehr und mehr, daß es sich hierbei um gut angelegte Kapitalien handelte. Cecil Rhodes hat einmal das Wort geprägt: Eisenbahnen sind teurer als Kanonen, aber in Afrika tragen sie auch weiter. Überblickt man rückschauend die Geschichte der deutschen Schutzgebiete in den letzten 10 Jahren vor dem Kriege, so zeigt sich treffend, wie sehr die moderne Verkehrspolitik erschließend und fördern nicht nur in dem Sinne gewirkt hat, daß dem Mutterland (S. 6) und seinen einzelnen Gliedern Vorteile aus der wirtschaftlichen Erschließung der Kolonien entstanden, sondern vor allen Dingen auch in bezug auf die Hebung der eingeborenen Bevölkerung. Der große Unterschied der modernen Kolonialpolitik gegen die mittelalterliche, wie sie etwa die Spanier in Amerika oder die Portugiesen in Indien vertraten und der heutigen beruht in der Tatsache, daß jene nur ausbeutend arbeitete, während die moderne Kolonialpolitik in erster Linie aufbauend tätig ist. Kolonialvolk sein heißt nicht, sich in den Besitz irgend eines Stückes Land zu setzen um es nur den Zwecken des Mutterlandes dienstbar zu machen, sondern der Begriff umschließt eine Reihe von Pflichten, die in erster Linie sich auf die Schaffung besserer Lebens- und Daseinsbedingungen für die dem Kolonialvolk anvertrauten tiefer stehenden Eingeborenen beziehen. Auf diesen Punkt einzugehen sei für die weiteren Auseinandersetzungen vorbehalten. An dieser Stelle sei nur auf eine Tatsache hingewiesen, die für die gesamte gegenwärtige und zukünftige Beurteilung der kolonialen Fragen von Bedeutung ist. In der Kongokonferenz, die im Jahre 1885 auf Anregung Bismarcks zur Regelung der internationalen auf Mittelafrika bezüglichen verhältnisse in Berlin zusammengetreten war, war vereinbart worden, daß, wenn eine Macht, welche Souveränitäts- oder Protektoratsrechte in Mittelafrika besäße, in einen Krieg verwickelt werden sollte, sich die übrigen vertragsschließenden Teile verpflichteten, dafür einzutreten, daß auf Antrag bestimmte Landgebiete in Afrika neutralisiert werden sollten. Die kriegführenden Teile sollten dann darauf Verzicht leisten, ihre Feindseligkeiten auf die so neutralisierten Gebiete zu erstrecken. Diese Bestimmung war in erster Linie auf Betreiben der Vereinigten Staaten von Nordamerika aufgenommen, in denen die Erinnerung an die Greuel der Indianderfeldzüge am Ende des achtzehnten Jahrhunderts noch so stark nachwirkten, daß man es für die Zukunft verhindern wollte, daß die Bewohner Mittelafrikas zu Zeugen eines vor ihren Augen sich abspielenden Krieges zwischen Weißen gemacht würden. Die gesunde Überlegung ließ es sämtlichen Unterzeichnern der Kongoakte, zu denen in erster Linie auch Deutschland, England und Frankreich gehörten, im Interesse der Kultur und des mühsam in Mittalafrika Aufgebauten zweckmäßig erscheinen, die Eingeborenen im Falle eines Krieges aus dem Spiel zu lassen, nicht zuletzt auch deshalb, um nicht ihren mühsam zurückgedämmten Instinkt zum Schaden des Ansehens der weißen Rasse und ihres Kulturstandes aufzulösen. Sofort nach Ausbruch des Krieges hat Deutschland Schritte unternommen, um Amerika in diesem Sinne zu Geltendmachung seiner Autorität zu veranlassen, und auch Belgien als Besitzer der Kongokolonie hat sich diesem Schritt angeschlossen. Schließlich sind aber die Bestimmungen des Artikel 11 der Kongoakte kläglich an der gleichgültigen Haltung der Vereinigten Staaten von Nordamerika gescheitert, nachdem bereits Frankreich und England schon wenige Tage nach Kriegsausbruch die Bestimmungen praktisch zerrissen hatten, indem sie den Krieg sowohl nach Kamerun als auch nach Deutsch-Ostafrika hineingetragen hatten. Wenn auch dem Wortlaut nach die betreffenden Abmachungen der Kongoakte auf die Südseebesitzungen Deutschlands sowie auf Togo keine Anwendung zu finden brauchten, so entsprach es doch ihrem Sinn, daß auch diese Gebiete nicht als Kriegsschauplatz in Betracht kommen sollten. Nachdem aber nun einmal der Krieg auch nach Afrika und der Südsee übertragen worden ist und damit die Solidarität der weißen Rasse in den Augen der Eingeborenen auf das schwerste verletzt worden ist, nachdem überdies insbesondere Frankreich Zehntausende und Hunderttausende seiner schwarzen Eingeborenen nach den Schlachtfeldern in Mazedonien und zwischen Kanal und Schweizer Grenze überführt hat, muß leider mit der Tatsache gerechnet werden, daß die gesamten Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß, zwischen der Hand voll Herrschern und den Millionen Beherrschten auf eine andere politisch-soziale Grundlage gerückt worden sind.
Mögen die Folgen dieser Tatsachen sein, welche sie wollen: auf Frankreich und England fällt die Schuld an diesen Dingen, die eines der schlimmsten Verbrechen gegen die Kultur Europas darstellen!

* * *

Handel. Der deutsche Außenhandel hatte 1913 einen Wert von 20,868 Milliarden Mark erreicht. Seine Entwicklung im letzten Jahrzehnt zeigt folgende Tafel (1)

(in Millionen Mark)

  1902 1903 1904 1905 1906
Einfuhr 5805,8 6321,2 6854,5 7436,0 8028,9
Ausfuhr 4812,8 5130,0 5315,6 5841,8 6361,2
Gesamthandel 10618,6 11451,1 12170,1 13277,8 14390,1

 

  1907 1908 1909 1910 1911 1912
Einfuhr 8748,9 7666,6 8526,9 8934,1 970,6 10695
Ausfuhr 6846,2 6399,0 6594,2 7474,2 810,6 8957
Gesamthandel 15595,1 14065,6 15121,1 16408,3 1781,2 19652
 

Seit 1902 hat demnach unser Aussenhandel zugenommen um annähernd  100%.

Handelsflotte : Bestand am 1. Januar 1893 : 3728 Schiffe mit 1,3 Millionen Netto-Registertonnen und 41.635 Mann Besatzung. Bestand am 1. Januar 1911 : 4675 Schiffe mit 2,9 Millionen Netto-Registertonnen und 73.993 Mann Besatzung. (S. 7)

Deutscher Schiffahrtsverkehr : 1893 : 133.874 Schiffe mit 27,45 Mill. Register-Tonnen,
1909 : 219.761 Schiffe mit 57,13 Mill. Register-Tonnen, 1911: 226.270 Schiffe mit 63,20 Mill. Register-Tonnen.

Im Auslande hatte die deutsche Flotte 1914 die folgenden Stationen :

I. Westafrikanische (Westküste Afrikas mit vorliegenden Inselgruppen). 2 Kanonenboote (Panther, Eber). 
II. Ostafrikanische (Ostküste Afrikas mit den vorliegenden Inseln, Rotes Meer und Persischer Meerbusem), 2 ungeschützte Kreuzer (Seeadler, Geier); ein Vermessungsschiff: Möwe.
III. Ost- und Westamerikanische Küste, 1 kleiner geschützter Kreuzer (Bremen, später Karlsruhe)
IV. Australische Station (Australien und die Südsee-Inseln), 2 Kanonenboote (Condor, Cormoran), 1 Vermessungsschiff (Planet).
V. Ostasiatische Station. (Ost- und Suedküste Asiens mit den vorgelagerten Inselgruppen einschl. des ostindischen Archipels.
a) das Kreuzergeschwader : 2 Panzerkreuzer (Scharnhorst, Gneisenau), 3 kleine geschützte Kreuzer (Leipzig, Nürnberg, Emden), 1 Begleitdampfer (Titania).
b) Dem Kreuzergeschwader unterstellt waren: 4 Kanonenboote (Iltis, Jaguar, Tiger, Luchs), 3 Fluß-Kanonenboote (Tsingtau, Vaterland, Otter), 2 Torpedoboote (Taku, S 90).

Der Verkehr im Suez-Kanal in 1000 Netto-Register-Tonnen
Im Jahre englische deutsche französische holländische
1870 289.2 - 84.7 0.3
1871 546.5 2.1 89.1 0.6
1880 2432.9 37.8 185.4 125.7
1890 5331.1 490.6 365.9 248.5
1900 5605.4 1466.4 751.8 507.0
1910 10413.6 2563.7 833.0 854.5



Das internationale Kabelnetz

Das internationale Seekabelnetz bestand 1914 aus 2576 Kabellinien mit einer Gesamtlänge von 531.691 km gegen 2528 Leitungen mit 498.951 km Gesamtlänge im Jahre 1911.
Von den 2542 Leitungen entfallen auf
I. Kabel im Staatsbesitz 2164 (1911 : 2129) Leitungen mit 100.989 (90.689) km.
II. Kabel im Besitz von Privatgesellschaften 412 (399) Leitungen mit 430.702 (408.262) km

 

I. Die bedeutendsten Anteile der Kabel im Staatsbesitz

1913

1912

Anzahl km Anzahl km
Frankreich 81 23,053 77 21,043
Pacific Cable Board 7 17,009 5 14,539
(England, Australischer Bund, Neuseeland und Kanada)
Japan 180 9,114 179 7,531
Spanien 24 5,803 24 5,808
Niederl. Indien 21 7,669 18 5,695
Deutschland 98 5,474 97 5,532
England 225 5,315 222 5,003
Vereinigte Staaten von Amerika 15 4,001 13 3,981
Brit. Indien 6 3,603 6 3,603
Norwegen 770 2,598 770 2,598
Italien

58

3,024

58

2,359

 

II. Die bedeutendsten Anteile der Kabel im Besitz von Privatgesellschaften

1913 1912
Anzahl km Anzahl km
Eastern Telegraph Company, London 106 84,287 104 79,678
Eastern Extens Austral. a. China T.C., London 36 47,099 35 44,489
Western Tel. C., London 30 44,217 30 44,217
Commercial Cable Comp., Paris 15 30,783 15 30,756
Anglo-American T.C., London 15 24,111 15 24,111
C. Francaise D. C. T., Paris 24 21,203 24 21,203
Central a. S. American T. C., New York 24 20,644 21 20,471
E. a. S. African T. C., London 17 19,460 17 19,460
Commercial Pacific C. C., New York 6 18,570 6 18,570
Deutsch-Atlantische Telegraphengesellschaft, Köln 5 17,730 5 17,728
Grande Compagnie des telegraphes du Nord, Kopenhagen 29 17,309 27 16,509
Western Union Telegraph Comp., New York 9 13,606 12 13,648
Deutsch-Südamerikanische Telegraphengesellschaft, Köln 5 13,640 3 10,715

 (S. 8)

Funkentelegraphenstationen für den öffentlichen Verkehr.

Ende März 1914

Deutschland 17
Belgien 1
Bulgarien 1
Dänemark 1
Frankreich 12
Großbritannien und Irland 14
Italien 14
Malta 1
Montenegro 1
Niederlande 1
Norwegen 8
Österreich-Ungarn 3
Portugal 2
Rußland 16
Schweden 5
Spanien 9
1) Europa Summe 109
Argentinien 12
Bahamainseln 1
Brasilien 18
Brit. Guayana 1
Brit. Honduras 1
Canada 50
Chile 1
Columbia 1
Costarica 3
Cuba 8
Curaçao 1
Honduras 2
Jamaika 1
Mexiko 8
Nikaragua 1
Panama 4
Peru 6
Portorico 3
Tobago 1
Trinidad 1
Uruguay 13
Ver. St. v. Amerika 183
2) Amerika Summe 308
Ägypten 2
Algier 1
Azoren 5
Belg. Kongo 14
Brit. Somaliland 2
Canaren 2
Comoren 1
Deutsch-Ostafrika 3
Deutsch-Südwestafrika 2
Eritrea 1
Franz. Äquat. Afrika 1
Franz. Westafrika 4
Engl. Goldküste 1
Ital. Somaliland 10
Kamerun 1
Liberia 2
Madagaskar 2
Marokko 3
Nigeria 1
Port. Westafrika 1
Sierra Leone 1
Span. Guinea 1
Südafri. Union 3
Tunis 1
Zanzibar 2
3) Afrika Summe 67
Brit. Indien 8
Ceylon 1
China 9
Franz. Indochina 3
Japan 8
Kiautschou 1
Niederl. Indien 5
Persien 2
Philippinen 8
Siam 2
4) Asien Summe 47
Austral. Bund 19
Cocos Inseln 1
Fidschi Inseln 3
Hawaii 8
Karolinen 1
Marianen 2
Marshall-Inseln 1
Neu-Seeland 3
Palau Inseln 1
5) Australien Summe 39
Im Ganzen 567
davon
in deutschem Besitz 31
in englischem Besitz 117

 

Englands wichtigste Flottenstützpunkte

Am Atlantischen Ozean und seinen Randmeeren
Gibraltar (erworben 1704)
Malta (erworben 1800)
Cypern (erworben 1878)
Port Said (erworben 1882)
S. Helena (erworben 1650)
Falklandsinseln (erworben 1839)
Guayana (erworben 1796)
Jamaika (erworben 1659)
Bermudainseln (erworben 1609)
Neu-Fundland (erworben 1623)
Am Indischen Ozean und seinen Randmeeren
Kapstadt (erworben 1800)
Zanzibar (erworben 1890)
Aden (erworben 1839)
Suez (erworben 1882)
Bombay (erworben 1769)
Colombo (erworben 1796)
Kalkutta (erworben 1696)
Singapore (erworben 1824)
Am Stillen Ozean
Hongkong (erworben 1842)
Neu-Guinea (erworben 1886)
Queensland (erworben 1859)
Neu-Seeland (erworben 1833)
Tongainseln (erworben 1904)
Vancouver (erworben 1848)

 

(1) Die Statistiken sind zum Teil, die landeskundlichen Angaben auf Seite 12ff. völlig dem von Hubert Henoch bearbeiteten illustrierten Jahrbuch zur Ausgabe 1914 des "Kleinen Kolonialatlas" unter Berücksichtigung neuer Ergebnisse entnommen.




 

 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt. Berlin 1918, S. 4ff

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