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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
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Der
Krieg in der Südsee.
(S. 28) In Neu-Guinea war
es im Laufe des Juli 1914 gelungen, in Bitapaka die funkentelegraphische
Anlage fertig zu stellen.
Militärisch war eine Verteidigung kaum möglich, da das ganze in zahllose
Inseln aufgelöste Schutzgebiet nur über eine farbige Polizeitruppe von
wenigen hundert Mann verfügte.
Der Sitz des Gouverneurs wurde am 6. August nach Toma, etwa 12 Kilometer
landeinwärts von Herbertshöhe verlegt, weil Rabaul und Herbertshöhe offen
im Bereich feindlicher Geschütze lagen. Aus der vorhandenen Polizeitruppe und
den anwesenden Deutschen wurde eine Verteidigungstruppe organisiert, deren
geringe Bedeutung aber daraus ersichtlich ist, daß die Kopfstärke der weißen
Angehörigen in ihr einige 50 nie überstiegen hat. Maschinengewehre oder ähnliche
Waffen waren nicht vorhanden. Der Gouverneur beschränkte sich unter diesen
Umständen darauf, der Verteidigung die Abwehr feindlicher Angriffe auf die
funkentelegraphische Station Bitapaka zu befehlen.
In Abwesenheit des Gouverneurs, der sich auf einer Dienstreise befand,
waren am 12. August australische Kriegsschiffe in der Blanchebucht erschienen,
die Auskunft über (S. 29) den Standort der drahtlosen telegraphischen Station
verlangten. Da sie diese Auskunft natürlich nicht erhielten, dampften sie
wieder ab, ohne die angedrohte Beschießung wahr zu machen. Im übrigen begnügte
sich der Gegner sowohl in Rabaul als auch in Herbertshöhe mit der Zerstörung
der Telephonanlagen.
Am 11. September liefen früh morgens Torpedoboote in den Hafen von
Rabaul ein, denen zahlreiche Kreuzer und Unterseeboote mit einem
Truppentransportdampfer folgten. Britische Matrosen wurden in Herbertshöhe
gelandet, die dort die britische Flagge hißten. Gegenüber der englischen Übermacht
war die Verteidigung in einer um so schwierigeren Lage, als die Zöglinge der
englischen Mission den Australiern allenthalben Verräterdienste erwiesen.
Trotzdem wurde die Verteidigung energisch aufgenommen, die zu einem
erbitterten Buschkrieg führte. Angesichts der Unmöglichkeit die Funkenanlage
auf die Dauer zu verteidigen, wurde diese am 11. September abends zerstört.
Die nächsten Tage vergingen mit weiteren Buschkämpfen mit den britischen
Patrouillen, die dauern auf der Suche nach dem Standpunkt der Funkenanlage
waren. In der Frühe des 14. September setzte dann ein starkes Bombardement
der gesamten Umgebung von Rabaul und Herbertshöhe ein, worauf eine Kolonne
von etwa 600 Engländern auf dem Hauptweg nach Toma vorrückte. Außerdem
drangen mehrere Kompagnien, von eingeborenen Anhängern der wesleyenischen
Mission geführt, auf Nebenwegen in das Hinterland vor. Gegen Mittag traf die
Hauptkolonne in dem inzwischen geräumten Toma ein. Am Nachmittag des 14.
September forderte der britische Oberkommandierende den deutschen Gouverneur
zu Verhandlungen auf, denen dieser in Anbetracht der unglücklichen Lage
folgte.
Die weiße Bevölkerung in der Okkupationszone wurde von den gelandeten
Truppen aufs schärfste drangsaliert. Jedes Gebäude war geplündert worden
und der Okkupationsarmee standen immer noch Tausende ungelandeter
Milizsoldaten zu einem gewaltsamen Vorgehen zur Verfügung. Außerdem war ein
neues Bombardement zu befürchten, und es war nicht abzusehen, ob die geringe
Zahl der noch zur Verfügung stehenden kaum ausgebildeten Polizeimannschaften
gegenüber der Wirkung eines neuen Bombardements standgehalten hätte. Da
somit ein weiterer Widerstand kaum Aussicht auf Erfolg bieten konnte, trat der
Gouverneur am 17. September in Verhandlungen mit der englisch-australischen
Okkupation ein, die zu Kapitulationsbedingungen führten, die für das
Schutzgebiet und seine Bewohner äußerst vorteilhaft waren. Am 21. September
traf in Verfolg dieser Verhandlungen die bewaffnete macht des Schutzgebiets in
Herbertshöhe ein, wo sie sich den britischen Befehlshabern unter militärischen
Ehren ergaben.
Die Besetzung der übrigen Teile von Neu-Guinea bot darnach für die Engländer
und Australier keine Schwierigkeit mehr. Friedrich-Wilhelmshafen wurde Ende
September von ihnen besetzt, ebenso am 21. September Nauru.
Vor Jap erschienen am 12. August zwei englische Kriegsschiffe, die sich auch
auf die Zerstörung der Funkenstation beschränkten. Am 7. Oktober wurde die
Insel dann von den Japanern besetzt. Auch die Marianen und Palauinseln sind
kurz nacheinander sämtlich von den Japanern besetzt worden. Vor Angaur war
ebenso wie vor Jap bei Beginn des Krieges ein englisches Kriegsschiff
erschienen und hatten den Funkenturm zerstört. Nach Hinterlassung einer
Notiz, wonach das ganze Schutzgebiet Deutsch-Neu-Guinea im Namen des Königs
von England okkupiert sei, war das Kriegsschiff wieder abgefahren. Diese
Handlung hat aber die Japaner nicht abhalten können, später ihrerseits Agaur
zu besetzen. Ponape ist am 7. Oktober von japanischen Streitkräften in Besitz
genommen worden. Truk am 12. Oktober und Jaluit am 29. September. Diese
Besetzungen haben sich nach Lage der Dinge sämtlich kampflos vollziehen müssen.
Soweit das von den englisch-australischen Behörden besetzte Inselgebiet
in Betracht kommt, ist nur bekannt, daß nach Maßgabe der für die deutschen
Interessen äußerst günstigen Kapitulationsbedingungen die Arbeiten der
Plantagenunternehmungen fortgesetzt worden sind, so daß zu erwarten steht, daß
diesen nicht in dem Maße Schaden durch den Krieg erwächst, wie es in Afrika
der Fall gewesen ist.
In Samoa bestand eine zur Verteidigung fähige Truppe überhaupt nicht. Der
Gouverneur beschränkte sich darauf, die ansässigen Deutschen zur Bildung
einer Polizeitruppe aufzurufen, die der Aufrechterhaltung der Ordnung dienen
sollte.
Mit dem Vorgehen gegen Samoa hatte die englische Regierung die Regierung
von Neu-Seeland beauftragt. Ein Expeditionskorps von 53 Offizieren und 1351
Mann wurde ausgerüstet, das Neuseeland am 19. August auf zwei
Transportschiffen verließ. Am 29. August traf der Transport, der von fünf
Kriegsschiffen begleitet war, vor Samoa ein, das nach Landung von 1500 Mann
kampflos besetzt wurde.
Am 14. September trafen die deutschen Kreuzer "Scharnhorst" und
"Gneisenau" vor Samoa ein, unternahmen aber nichts gegen die Engländer
und fuhren am selben Tage wieder ab. Die Folge dieses Ereignisses war aber, daß
die neue Verwaltung schleunigst die deutschen Beamten von Samoa fortführte
und sie in Neuseeland internierte.
Die spärlichen, während des Kriegs aus Samoa eingetroffenen Nachrichten
lassen erkennen, daß die Verhältnisse unter der neuseeländischen Mißwirtschaft
sich für die deutschen Interessen sehr traurig entwickelt haben. Infolge völliger
Unvertrautheit der neuseeländischen Behörden mit den Erfordernissen des
Landes ist im Plantagenbetrieb viel von dem vernichtet, was in mühsamer
Arbeit aufgebaut worden ist.
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| Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf
Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt.
Berlin 1918, S. 28f |
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