Startseite Grundlagen Antike Mittelalter Frühe_Neuzeit 18/19Jh/International18/19Jh/Deutschland20Jh/International20Jh/Deutschland Länderverzeichnis Neue_EinträgeForum1GästebuchSuche Impressum
 
Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

[P|S|M]

Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
Der Krieg in Kiautschou.

(S. 31) Kiautschou ist bereits am 1. August 1914 durch Kaiserliche Verordnung in Kriegszustand versetzt worden. Am nächsten Tage erfolgte der Aufruf der Reservisten, am 8. August der der Land- und Seewehr. Gleichzeitig forderten die deutschen Konsulate in ganz China zur Gestellung in Tsingtau auf.
Da sich außer den stellungspflichtigen Deutschen noch eine große Anzahl von Freiwilligen aus ganz Ost- udn Südasien in Tsingtau einfand, kann nicht genau angegeben werden, wie hoch sich die Zahl der Verteidiger Kiautschous belaufen hat. In Friedenszeiten belief sich die Besatzung auf rund 2300 Köpfe.
Das Kreuzergeschwader verließ Kiautschou bald nach Kriegsausbruch, so daß nur kleinere Fahrzeuge zurückblieben. Unter den zum Verteidigungsdienst zurückgebliebenen Kriegsschiffen befand sich auch der alte österreichische Kreuzer "Kaiserin Elisabeth", dessen Besatzung in treuer Waffenbrüderschaft Seite an Seite mit der deutschen Verteidigung bis zum Ende gekämpft hat.
England allein hat gegen Kiautschou nichts unternommen. Am 15. August aber schloß es mit Japan ein Abkommen, das das Vorgehen gegen Kiautschou zum Gegenstand hatte. Am 9. August stellte bereits der japanische Botschafter in Berlin das Ultimatum, wonach Kiautschou bis zum 15. September ohne Gegenleistung an Japan übergeben werden sollte.
Am 23. August lehnte die deutsche Regierung eine Beantwortung dieses Ultimatums ab und berief ihren Botschafter aus Tokio ab. Schon am 20. August hatte der Gouverneur von Kiautschou den japanischen Staatsangehörigen befohlen, das Schutzgebiet bis zum 22. zu verlassen.
Bereits vor Ablauf des Ultimatums rüstete man in Japan, um am 27. August lag das zweite japanische Geschwader vor Tsingtau. Der Angriff wurde zu Lande von 60.000 Japanern und 2000 Engländern eröffnet. Er litt aber zunächst stark unter den Regengüssen und aufgeweichten Wegen. Gegen Ende September begann die volle Einschließung Tsingtaus oohne Rücksicht auf die chinesische Neutralität. Aber wenn die japanischen Zeitungen anfangs geäußert hatten: "Nach dem ersten japanischen Kanonenschuß ist Tsingtau erledigt," dann erwies sich diese Prahlerei als ein arger Rechenfehler. Nicht nur, daß die kleine Schar der Verteidiger sich mit allen Mitteln wochenlang mit Erfolg wehren konnte, sie hat überdies den Belagerern in Ausfällen (S. 32) und Vorstößen so viel Abbruch getan, daß das ganze japanisch-englische Vorgehen zum Stillstand kommen zu wollen schien. Schon der erste Sturm auf die Tsingtauwerke kostete die Angreifer 2500 Mann, so daß Japan Verstärkungen nachziehen mußte.
Auch zur See begnügte man sich deutscherseits nocht mit der Verteidigung. Zu erwähnen ist in dieser Hinsicht in erster Linie der erfolgreiche Angriff des alten Torpedobootes "S 90" auf den japanischen Kreuzer Takotschiha und dessen Vernichtung. Zehn Wochen lang konnte sich die kleine Besatzung halten, bis sie am 7. November zur Übergabe vor der Übermacht gezwungen wurde.
Tsingtau ist seitdem zu einer völlig japanischen Stadt geworden, ebenso wie sich Japan auch in den Besitz der deutschen Privatrechte an Eisenbahnen und Bergwerken in Schantung gesetzt hat.





 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt. Berlin 1918, S. 31f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz 

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Kartenabteilung

Document in English Language