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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
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30 Jahre deutscher
Kolonialpolitik
Das Ergebnis 30jähriger
Kolonialpolitik, soweit es in Zahlen auszudrücken ist, geht aus den nachstehend
abgedruckten Tabellen hervor. Sie widerlegen bereits die in Deutschland vielfach
verbreitete und unbesehen hingenommene Behauptung, als ob die Kolonialwirtschaft
uns bisher überhaupt keinen Vorteil gebracht hätte.
Nur zu häufig vergißt man, daß die Erschließung von kolonialem Neuland eine
Angelegenheit ist, in der der Erfolg zum großen Teil auf der Erfahrung beruht.
Gemessen an dem Maßstab selbst der englischen Kolonien aber berechtigte das,
was in den deutschen Schutzgebieten geschaffen worden war, zu den besten
Hoffnungen hinsichtlich der Zukunft. Es widerlegt aber auch auf das schlagendste
die so vielfach verbreitete Anschauung, als wenn der Deutsche zur Erschließung
eigenen Neulandes nicht in der Lage sei. Ein in dieser Beziehung sicherlich
unverfänglicher Zeuge, der sozialdemokratische Abgeordnete Krätzig, der als
Gewerkschaftler dem Bekleidungsgewerbe nahesteht und deshalb zu einem sachverständigen
Urteil berechtigt ist, hat sich kürzlich (S. 9) zum Beispiel hinsichtlich
dessen, was von Deutschland auf dem Gebiet der Baumwollerzeugung geleistet
worden ist, folgendermaßen geäußert: "Für die Rohstofferzeugung der
Textilindustrie kamen bisher die Kolonien nur in ganz beschränktem Maße in
Betracht. Es muß jedoch gesagt werden, daß in den letzten Jahren dem
schwierigen Problem der Baumwollkultur in verschiedenen unserer Kolonien in sehr
sachkundiger Weise nachgegangen wurde und daß wahrscheinlich schon größere
Ernteerträge an Baumwolle zu verzeichnen gewesen sein würden, wenn nicht eine
Zeit lang das Gründer- und Spekulantenvolk viel verdorben hätte. Hoffen wir,
daß es nach dem Kriege möglich sein wird, die Erzeugung von Rohstoffen für
die deutsche Textilindustrie in derselben sachkundigen Weise wie kurz vor dem
Krieg weiter zu führen, um aus der Gefahr herauszukommen, die der deutschen und
österreichisch-ungarischen jeden Augenblick die Luft abzuschneiden droht."
Daß aber die aus der Statistik ersichtliche Entwicklung unseres überseeischen
Besitzes sich nicht allein auf die Schaffung materieller Werte erstreckt hat,
sondern daß Deutschland, seinem Ruf als das sozialste Volk der Welt getreu,
auch gegenüber seinen farbigen Untertanen seine Pflichten voll und mit Erfolg
erfüllt hat, dafür ist die Haltung der Eingeborenen in fast allen unsern
Kolonien während des Krieges ein glänzender Beweis. Letzten Endes bleibt der
Prüfstein für die koloniale Eignung einer Verwaltung und eines Volkes immer
die Art, wie sie sich mit dem Kampf abfindet, der sich von selbst ergibt, wenn
ein modernes europäisches Volk an die Erschließung eines Landes herangeht,
dessen Bewohner innerlich und äußerlich den neuen Herren völlig wesensfremt
gegenüberstehen. Die Konflikte, die sich daraus ergeben, daß die beherrschende
Rasse unter möglichster Schonung der Eigenart der Eingeborenen doch gezwungen
ist, gerade im Interesse der neuen Untertanen diese häufig gegen ihren Willen
und gegen ihren Widerstand auf neue Wege und Bahnen zu zwingen, sind bekanntlich
auch in unseren Kolonien nicht ausgeblieben. Es sei nur an den Araberaufstand in
Ostafrika, die Schwierigkeiten in Samoa, die verschiedenen Aufstände in Südwestafrika,
in Kamerun usw. erinnert. Trotzdem hat sich bei Ausbruch des Krieges fast
restlos gezeigt, daß die deutsche Verwaltung trotz der Kürze der Zeit bereits
so fest Wurzel in den Eingeborenen geschlagen hatte, daß es diesen als
selbstverständlich erschien, wenn sie sich ohne Zögern an die Seite der
deutschen Regierung stellten. Um diese Tatsache voll zu würdigen, bedarf es nur
des Hinweises darauf, daß der fast in allen Kolonien aufgenommene Kampf gegen
die Entente von vornherein für eine ziemlich zweifelhafte, wenn nicht verlorene
Sache angesehen werden mußte, da unsere Kolonien im Augenblick des
Kriegsausbruches völlig von der Heimat abgeschnitten waren. Mag man die
Verdienste der in den Schutzgebieten tätigen weißen Bewohner noch so hoch
veranschlagen, so wäre ihr Widerstand schon wegen ihrer geringen Anzahl sehr
bald zum Erlöschen verurteilt gewesen, wenn sie nicht auf die schwarzen
Eingeborenen hätten zurückgreifen können. Das Beispiel Kameruns ebenso wie
das Ostafrikas wiegt jedenfalls ein vielfaches schwerer als die von der Entente
unter Führung Englands in die Welt gesetzte Behauptung von den Greueln der
deutschen Kolonialherrschaft, die dazu herhalten muß, um der Welt zu beweisen,
daß es ein Gebot der Menschlichkeit sei, die Eingeborenen der bisherigen
deutschen Kolonien vor der Rückkehr unter die deutsche Herrschaft zu bewahren.
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| Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf
Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt.
Berlin 1918, S. 8f |
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mit freundlicher Unterstützung durch die
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