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(GES,P) Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918, Allgemeines
Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
Togo (S. 12)
 

Geschichte : Schon vor der deutschen Besitzergreifung waren deutsche Kaufleute, hauptsächlich Bremer, an der Sklavenküste ansässig. Flaggenhissung am 7. Juli 1884 durch Gustav Nachtigal (gest. 20. April 1885). Größere Kämpfe mit den farbigen Bewohnern sind in dieser Kolonie kaum vorgekommen. 

Grenze : Der deutsch-französische Vertrag vom 23. Juli 1897 bestimmte die Grenze des Schutzgebietes nach Norden und Osten, die Grenze nach Westen ist bis auf ein kleines Stück im Jahre 1904 durch Notenaustausch zwischen Berlin und London geregelt worden. Die deutsch-französische  Grenze wurde 1912 endgültig festgelegt. Die Gesamtgröße des Schutzgebietes wird auf etwa 87.200 qkm berechnet (größer als Bayern und mehr als doppelt so groß wie die Provinz Schlesien).

Bevölkerung : 1. Januar 1910 : 372, 1909 : 330 Europäer, wovon 237 Deutsche und 62 erwachsene Frauen. 1911 : 363 Weiße, darunter 327 Deutsche und 58 erwachsene Frauen, 1912 : 345 Weiße, 316 Deutsche, 61 Frauen, 1913: 368 Europäer, 320 Deutsche, 66 erwachsene Frauen . Die schwarze Bevölkerung beträgt laut Zählung und nach Schätzungen 1.032.000. In den einzelnen Bezirken wohnen : Lome-Stadt 11.500, Lome-Land 119.000, Anecho 112.000, Misahähe 140.000, Atakpame 80.000, Kete-Kratschi 20.000, Sokode 300.000, Mangu 225.000.  

Im Süden wohnen Ewe-Neger, darunter Splitter anderer Stämme, teilweise verwandt mit Stämmen der Goldküste, namentlich im Gebirge. Ihre Sprachen werden nach und nach ganz vom Ewe verdrängt. In Mitteltogo sitzen von den Ewenegern verschiedene Kleinstämme unbekannter Herkunft. Weiterhin folgen in Nordosttogo die Tim, Kabure und ihnen verwandten Stämme und nach Westen zu die Dagomba-, Gurma- und Konkombastämme. Der Handel ruht im Norden vielfach in den Händen der Haussah.

Bewässerung und Bodengestalt : An der 52 km langen Küste starke Brandung, daher Landung mit Schwierigkeiten verbunden. Die seit 1905 fertige, nach dem Einsturz 1911 im Jahre 1912 wieder hergestellte Landungsbrücke in Lome hat hierin Wandel geschaffen; denn jetzt können Personen und Güter ohne Schäden und Verluste gelandet werden. Die Mündung des in seinem Unterlauf schiffbaren Voltaflusses befindet sich im englischen Gebiet. Südlich vom 7. Breitengrade bildet der Talweg des Monu die Grenze zwischen dem Schutzgebiet und der französischen Dahomey-Kolonie. Doch befindet sich die Mündung im französischen Bereich. Der in seinem ganzen Lauf im deutschen Gebiet befindliche, sich in die Togo-Lagune ergießende Haho-Flu ist nur nahe der Mündung für leichte Fahrzeuge (Kanus) schiffbar. Nicht schiffbar, aber wasserreicher als der Haho sind der Todschië und der Sio, die in normalen Jahren alle zwölf Monate hindurch Wasser führen. Ersterer ist freilich in seinem Unterlaufe englisch, dieser wie der Haho ganz deutsch und mündet in die Togo-Lagune. Erwähnt sei noch der unweit Kete-Kratschi in den Volta mündende Oti.
In der Mitte des Schutzgebietes verläuft im allgemeinen süd-nördlich ein stark gegliedertes und bewaldetes Gebirge, dessen mittlere Höhe 600-700 m beträgt, in der Landschaft Daji 800 m und eine Anzahl Gipfel zwischen 900 und 1000 m zählt. Das ihm vorgelagerte Agu-Massiv ist mit 1025 m die höchste Erhebung Togos.

Klima : Im Küstenlande mittlere Jahrestemperatur etwa 26 Grad Celsius. Im Innern 23 Grad. An der Küste zwei durch Trockenzeiten scharf getrennte Regenzeiten von April bis Juli und von September bis November, von denen die letzte in manchen Jahren fast völlig ausbleibt (Dürrejahre). Je weiter ins Innere, desto mehr rücken die beiden Regenzeiten aneinander, wodurch die Trockenperiode zusammenschrumpft. In Nordtogo ist die Haupttrockenzeit sehr scharf ausgeprägt, weniger in Mittel- und Südtogo. Im Norden ist die Herbstregenzeit in der Regel ergiebiger als die des Frühjahrs, im Süden umgekehrt. Regenmenge an der Küste 600-700 mm jährlich, im Innern 1200 bis 1300 mm. Im Togogebirge von Amedschowe bis Kuma erreicht die jährliche Regenmenge 1500 bis 1600 mm, das Maximum des Schutzgebietes. Während des Dezember und des Januar weht der Harmattan (staubführender, trockener Landwind).

Pflanzenwelt : An der Küste Palmen, an der Lagune Mangroven. Der charakteristische Baum im ganzen Küstenstreifen ist die Kokospalme. Im Hinterland Baum- und Grassavannen, und zwar in Süd- und Mitteltogo mit reichlichem, im südlichem Teil von Nordtogo mit geringem, im nördlichen Teil der Kolonie ohne Baumwuchs. Wälder nur in Süd- und Mitteltogo, an den Flußläufen und im zentralen Togogebirgslande. Nutzpflanzen (in Kultur oder Halbkultur) : Ölpalmen, Kokospalmen, Kautschukbäume, Mais, Erdnüsse, Yams, Kassada, Baumwolle, Kakao, Nutzhölzer, Schibutterbaum, Reis, Bohnen, Bananen, Ananas, Mango, Strophanthus, Kapokbaum u.a.m. Der ausgeführte Kautschuk wurde bisher fast ausschließlich aus wild wachsenden Lianen gewonnen; erst neuerlich pflegen einige Pflanzungen die Manihot-Kultur. Das Gesamtareal der Plantagen beträgt 11.000 ha, wovon etwa ein Zehntel unter Kultur ist.

Tierwelt : Der Küstensaum ist arm an größeren Tieren. Im weiteren Hinterland zahlreiche Affenarten, Antilopen, größere Raubtiere (Löwen, Leoparden, Geparden, Hyänen). Flußpferde und wenige Elefanten; Wildschweine. Reiche, bunte Vogelwelt. Viele Schlangenarten, darunter die Riesenschlange und Puffotter. Alligatoren. Haustiere : Schafe, Ziegen, Schweine (außer im Norden), Hunde, Katzen; Hühner, Perlhühner, Tauben, Enten, selten Pferde (häufiger in Nordtogo als an der Küste); Rinder sind an der Küste weniger häufig als in den Nordbezirken (Mangu etwa 50.000, Sokode 4000-6000).

Mineralien : Bei Banjeli und in Buem Eisenerzlager, die bisher nur von den Eingeborenen ausgebeutet werden. Im Ssola-Gebirge Graphit-Einlagerungen. (S. 13) Im Monu-Flu Alluvialgold. Bei Tokpli im Bezirk Anecho ein bedeutendes Kalklager.

Handel : Ausfuhr : Hauptprodukte : Palmöl, Palmkerne, Mais, Kautschuk, Baumwolle; von untergeordneter Bedeutung : Elfenbein, Kakao, Kaffee, Erdnüsse, Kopra, Pfeffer, lebende Tiere und Häute. - Einfuhr : Baumwollwaren, geistige Getränke, Eisen und Eisenwaren, Holz und Holzwaren, Tabak, Zigarren, Schiesspulver, Materialwaren. Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen auf Seite 10.

Verkehrswesen : Schiffsverkehr : 1905 : 247 Schiffe mit 491.000 Registertonnen. 1906 : 194 Schiffe mit 269.000 Registertonnen. 1907 : 251 Schiffe mit 348.000 Registertonnen. 1908 : 260 Schiffe mit 471.000 Registertonnen. 1909 : 369 Schiffe mit 690.000 Registertonnen. 1911 : 327 Schiffe mit 577.000 Registertonnen. 1911 : 275 Dampfer mit 677.000 Registertonnen. 1912: 258 Schiffe mit 572.000 Registertonnen.
Eisenbahnen : Küstenbahn Lome-Anecho (44 km) am 18. Juli 1905 eröffnet. Lome-Agome-Palime (119 km), 27. Januar 1907 eröffnet. Die Kosten von 7,8 Millionen Mark verzinst das Schutzgebiet. Lome-Atakpame (167 km) eröffnet 1. April 1911. An Projekten seien erwähnt eine Bahn in die Ölpalmen-Bezirke nördlich von Anecho und eine in den Bezirk Kpandu. Die Einnahmen der Verkehrsanlage (Landebrücke, Küstenbahn und Strecke Lome-Palime) betrugen April 1907 bis März 1908 : 305.000 Mk.; April 1908 bis März 1909 : 317.000 Mk.; im gleichen Zeitraume 1909/10 : 401.000 Mk.; im Kalenderjahre 1910 : 834.000 Mk.; 1911 : 886.000 Mk.; 1912 : 918.000 Mk.; die Strecke Lome-Atakpame erzielte 1911 : 314.000 Mk.; 1912 : 360.000 Mk.  - Post und Telegraphie : Ende 1913 : 23 Anstalten, sämtlich mit Telegraphenbetrieb, davon 5 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 1140 km Landtelegraphenlinien. Verkehr 1912 : 489.000 Briefsendungen, 25.047 Postanweisungen mit 3.395.854 Mark, 15.106 Pakete, 113.296 Zeitungsnummern, 39.695 Telegramme, 54.285 Gespräche. Postverbindungen : fünfmal monatlich. Beförderungsdauer Berlin-Lome 17-31 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 3,65 Mark. Außerdem Funkentelegraphenstation in Kamina.

Schulwesen : In Togo gibt es 147 Schulen der evangelischen und 181 der katholischen Missionen, sowie je eine Fortbildungsschule und je ein Lehrerseminar. Regierungsschulen in Lome, Sebewi bei Anecho und Sokode. Unterrichtsanstalten für weiße Kinder fehlen.

Verwaltungsbezirke : Sitz des Gouverneurs ist Lome. Gouverneur:  Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Bezirksämter : Lome-Stadt und Lome-Land, Anecho, Misahöhe, Atakpame, Kete-Kratschi, Sokode und Sausane-Mangu.




Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt. Berlin 1918, S. 12f

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