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(GES,P) Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918, Allgemeines
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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
Der Krieg in Togo 

(S. 13) Togo befand sich dem Kriegsausbruch gegenüber in einer Lage, deren Ungunst nur noch von der der Südseebesitzungen übertroffen wurde. Schon seine für afrikanische Verhältnisse geringe Grösse von 87.000 Quadratkilometer machte es zu einem um so leichter zu erdrückenden Angriffsgegenstand, als es auf drei Seiten vom feindlichen Gebiet umklammert ist. Die schmale Front, mit der Togo an die See grenzt, verbesserte die Lage für die Verteidigung auch nicht gerade. Dazu kam, daß die Streitkräfte, die Frankreich in Dahomey zur Verfügung hatte, recht beträchtliche waren und auch England im Gebiet der Goldkste über 2000 Mann farbige Truppen verfügte. Die französisch-englische macht wurde außerdem noch durch Landungstruppen der Kriegsschiffe verstärkt. Diesen Kräften standen auf deutscher Seite 2 Offiziere und fünf Polizeimeister mit einer Polizeitruppe in der etatsmäßigen Stärke von 560 Farbigen gegenüber. Aus den vorhandenen weißen Kräften wurde außerdem noch eine Europäerkompagnie gebildet.
Gleich nach Kriegsausbruch wurde zwischen der Verwaltung von Dahomey und der der Goldküste ein Abkommen über den Angriff auf Togo getroffen. Während die Franzosen an der Küste entlang vorrückten und Porto Seguro am 8. August besetzten, hatten die Engländer eine stärkere Kolonne Goldküstentruppen auf Kriegsschiffen nach Lome, der Hauptstadt Togos gebracht. Der stellvertretende Gouverneur hatte sich mit der Polizeitruppe und sämtlichen wehrfähigen Deutschen ins Innere zurückgezogen, so daß die Engländer Lome am 8. August mit der feierlichen Zusage "die Ordnung zu wahren und das Eigentum zu schützen" besetzen konnten. Hier war als Vertreter der Regierung nur der Bezirksamtmann mit zwei Sekretären zurückgeblieben. Der Plan der vereinigten englisch-französischen Kräfte ging nun dahin, in verschiedenen Kolonnen auf Sansane-Mangu im Norden zu marschieren, wohin sich die Deutschen angeblich zurückgezogen haben sollten. Eine von Norden einrückende französische Kolonne stellte indessen am 15. August fest, daß diese Annahme irrig sei. Sansane-Mangu wurde an diesem Tage ohne Widerstand besetzt. Tatsächlich hatten sich die deutschen Kräfte bei Kamina und Atakpame versammelt. Kamina, das etwa 6 Kilometer östlich von Atakpame liegt, war der Standpunkt der im Frühjahr eröffneten, von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie für die Reichspost errichteten großen Funkenstation, deren Reichweite bis Nauen ging. Gegen diesen Platz wurde eine gemischte englische und französische Abteilung entsandt. Am 22. August kam es zu lebhafteren Kämpfen an der Chra an der Togohinterlandbahn, etwa 35 Kilometer südlich Kamina. Gegen die englisch-französische Übermacht war Kamina um so weniger zu halten, als die deutschen eingeborenen Soldaten sich in anderen Gefechten als nicht völlig zuverlässig erwiesen hatten. Nach Zerstörung des Funkenturmes kapitulierte die Verteidigung von Kamina, wobei vereinbart wurde, daß den kaufmännischen Firmen gestattet sein sollte, je einen Vertreter im Lande zu belassen. Die deutschen Gefangenen sind zum größten Teile dann nach dem französischen Dahomey überführt worden, wo sie ausnahmslos einer Behandlung unterworfen (S. 14) worden sind, die in ihrer Grausamkeit an das Gebahren mittelalterlicher Folterknechte erinnert. Erst nach langen Verhandlungen und entsprechenden Gegenmaßregeln ist es gelungen, ihre Überführung nach Europa zu veranlassen. An die bei der Übergabe zugestandenen Weiterungen haben England und Frankreich sich keineswegs gehalten. Nicht nur sind die kaufmännischen Angestellten restlos aus Togo ausgewiesen worden, sondern auch die Vertreter der Missionen, die teilweise noch bis zum Ende 1917 in Togo wirken durften, sind fast ausnahmslos von hier entfernt worden.
Zurzeit untersteht Togo englischer und französischer Verwaltung in der Weise, daß der westliche Teil von England, der östliche von Frankreich besetzt ist.
 



Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt. Berlin 1918, S. 13f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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