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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
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Kamerun (S. 14)
Geschichte : Die Flaggenhissung im Juli 1884 leitete wie in Togo
Nachtigall, der auch im Schutzgebiete auf der Joßplatte in Duala begraben ist.
Unter dem Einflusse englischer Umtriebe waren im nächsten Jahre
Eingeborenenunruhen durch die "Olga" und "Bismarck" zu
unterdrücken. Verhältnismäßig spät erst drangen wir ins Hinterland vor (Zug
des Oberstleutnants Pavel zum Tschadsee 1902), während England und Frankreich
eher zur Stelle waren. In Mittel- und Südkamerun waren wiederholte Expeditionen
gegen aufsässige Stämme nötig.
Größe : Altkamerun
495.600 qkm (= Deutsches Reich ohne die Provinz Schlesien). Gesamtkamerun
790.000 qkm d. h. fast 1 ½ mal die Fläche des Deutschen Reiches. Die Grenze
gegen die englische Nachbarkolonie ist endgültig festgelegt. Das Gleiche gilt für
die gegen Französisch-Äquatorial-Afrika, welche 1906 bis 1908 unwesentlich und
durch das Marokko-Abkommen von 1911 erheblich verändert worden ist. Die
Auseinandersetzung mit Spanien (Spanisch-Guinea) steht noch aus.
Bevölkerung : Die weiße Bevölkerung betrug 1903 : 710, 1904 : 826;
1905 : 896; 1906 : 1010; 1907 : 1128, 1908 : 1127, 1909 : 1284, 1910 : 1455,
1911 : 1537 Europäer, wovon 1359 Deutsche und 178 Frauen; 1912 bereits 1871,
davon 1643 Deutsche und 230 erwachsene Frauen. Zählungen der Farbigen haben
bisher nur in wenigen Bezirken stattgefunden, hauptsächlich der Steuererhebung
wegen. Als Gesamtziffer wird angegeben 4.150.000. Eingeborene Hauptstämme: In
den Tschadsee und Benuëgebieten die mohamedanischen Haussah, ein Handelsvolk,
die viehzüchtenden Fullah (Fulbe), verschiedene Araber- und zahlreiche Heidenstämme.
Südwärts folgen die Graslandstämme von Mittelkamerun, von denen die Mbum,
Bata, Tikar, Beia und Wute die bekanntesten sind. Näher der Küste reihen sich
an im Nordwesten und Westen, bis zur Südgrenze hinunter die Bafut, Bali, Bamum,
Bamilleke, Banjang, Bakundu, Ngolo, Bamboko, Bakwiri, Duala, Bassa, Bakoko und
Mabea. Östlich von letzteren Stämmen wohnen die Mfang-Stämme der Bule, Ntum,
Mwei, Jaunde, Bane und Mwele. In den Flußgebieten des Dscha, Bumba und Ssanga
sitzen die Bakota-Stämme Maka, Kaka, Badjue (Njem), Mensime, Ndsimu, Kunabembe,
Mbimu u. a. m., die Beia-Stämme Banganda und Ikassa am Grünen-Likuala, die
Banda-Stämme Jangere, Babinga und Bomassa (längst des Ssanga) und endlich die
Babangi-Stämme (zwischen Ssange und Grünen-Likuala). Gezählt oder sorgfältig
geschätzt wurden folgende Stämme und Bezirke : Duala 77.000, Victoria 12.000,
Ossidinge 34.000, Kribi 33.000, Jaunde 209.000, Rio-del-Rey 19.000,
Johann-Albrechtshöhe 60.000, Banjo 38.000, Bamenda 270.000, Ebolowa 100.000,
Lomie 31.000, Jabassi 180.000, Bare 20.000, Dume 11.300, Dschang 187.000, Edea
97.000, Jukaduma 15.000, Garua 530.000, Kusseri 280.000 Köpfe.
Bodengestalt : Das höchste
Gebirge im Umkreis des Atlantischen Ozeans ist das Kamerungebirge (4070 m). Das
Schutzgebiet steigt im übrigen in Terrassen mit vielen aufgesetzten Gebirgszügen
im allgemeinen nach Osten und Nordosten an. Während im Süden die höchsten
Partien 1000m nicht überschreiten, werden im Norden schon sehr bald von der Küste
in den Bambuto- und Bansso-Bergen Höhen bis über 3000m erreicht. Nördlich
Ngaundere fällt das Kameruner Hochland zunächst in einem großen 7-800m
betragenden Steilabfall, dann allmählich zu der in etwa 300m Seehöhe
gelegenen, von einzelnen Bergmassiven (Mandara Gebirge, Ssar, Alantika, Shebshi)
unterbrochenen Benuë-Tschadsee-Ebene herab. Eine etwa von Bali über die Mbammündung,
Dume-Station und Bania nach Singa am Ubangi gedachte Linie ergibt annähernd die
Grenze des ununterbrochenen Küstenurwalds.
Flüsse (von Norden nach Süden) : Das Rio-del-Reygebiet mit mehreren
Zuflüssen, ebenso wie das Kamerunflußgebiet, in das der Mungo, Wuri und
Dibambu münden, sind ausgedehnte Ästuare, von Mangrovesümpfen bedeckt. Der
sehr bedeutende, nur streckenweise schiffbare Sanaga mit dem Mbam; der Njong,
dessen Oberlauf nach neueren Untersuchungen schiffbar ist (zwischen Widimenge
und Abong-Mbang) mit dem Nkele; schließlich die kleineren nicht schiffbaren :
Lokundje, Kribi und Kampo. Zum Kongo strömen der Ssanga mit Ngoko (oder Dscha)
und Kadeï, sowie der noch wasserreichere Ubangi. Adamaua wird von dem
schiffbaren Benuë, dem größten Nebenfluß des Niger, entwässert, der eine
internationale Verkehrsstraße zum Meere bildet (Nigerschiffahrtsakte 1885).
Weniger wichtig der Croßfluß, der in Nigerien mündet. Der in den Tschadsee mündende
Schari und sein Nebenfluß der Logone, sind weithin schiffbar.
Klima : Die mittlere Jahres-Temperatur beträgt an der Küste etwa 25
Grad Celsius; der Februar mit 27 Grad ist im Durchschnitt der wärmste, der Juli
mit 23 Grad der kälteste Monat. Die Regen- und Trockenzeiten liegen in den
verschiedenen Gebietsabschnitten sehr verschieden. Hauptregenzeit zumeist Mai
bis Oktober. Jedenfalls gehört das Küstengebiet am Kamerunberg zu den
regenreichsten Gebieten der Erde, (S. 15) Debundja 10.000 mm, Victoria und Duala
4200 mm Regen im Jahr. Das Klima ist besonders in den Waldgebieten ungesund, in
den hochgelegenen Gebieten des nördlichen Kamerun erheblich besser.
Pflanzenwelt : Küste
und Kamerunberg dicht bewaldet. Zumeist wertvolle Nutzholzbestände. Ferner :
Mangroven, Palmen, Pandanus, Wollbäume, Brotfruchtbäume, Mangos. Reiche Bestände
von Kautschuklianen, auch in Neukameruner Grasland bis zur Sumpfvegetation des
Tschad-See-Gebietes. Angebaut werden Kakao, Kautschuk und Ölpalmen.
Tierwelt : Reiche Insektenwelt. Die Flüsse, besonders der Sanaga,
wimmeln von Alligatoren. Bunte Vogelwelt (vom Kolibri bis zum Nashornvogel).
Unter den Säugern zahlreiche Arten von Affen (Schimpanse und Gorilla),
Raubtieren (Leoparden), Dickhäutern (Elefanten, auch in Küstennähe) und
Zweihufern (Büffel und Antilopen). Kamerun ist nicht so wildreich wie
Deutsch-Ost- und Deutsch-Südwestafrika.
Mineralien : Seit
Jahren sind Zinnlager bekannt. Bei Victoria unbedeutende Petroleumquellen. Im
Ossidinge-Bezirk Solquellen, die auf Salz- und Kalilager und möglicherweise
Kohlenfelder schließen lassen. Die bergmännische Erkundung des Schutzgebietes
ist noch weit zurück.
Handel und Verkehr : Die Ausfuhr besteht in Kautschuk, Palmkernen, Palmöl,
Kakao, Elfenbein, Hölzern; von geringerer Bedeutung: Kolanüsse, Njabi-Nüsse,
Kopal, Vieh; in der Entwicklung: Tabak und Baumwolle.
Eingeführt werden Manufakturwaren, Nahrungsmittel, geistige Getränke, Geld,
Salz, Holz, Holzwaren, Eisen und Eisenwaren, Glaswaren, Tabak, Pulver und Waffen
usw.
Verkehrswesen :
Schiffsverkehr : Die Kameruner Häfen und Reeden wurden im Jahre 1907 von 474
Dampfern von 1.270.000 Registertonnen angelaufen. 1908 : 421 mit 1.316.000
Registertonnen. 1909 383 mit 1.035.000 Registertonnen. 1910 : 385 Dampfer mit
1.291.000 Registertonnen. 1911 von 397 Dampfern mit 1.495.000 Registertonnen,
wovon unter deutscher Flagge 242 mit 1.126.000 Registertonnen. 1912: 604 Schiffe
mit 1.733.000 Registertonnen.
Eisenbahnen : Kurze Schmalspurbahn (Privatbesitz) Victoria-Soppo (43 km). Bahn
von Duala nach den Manengubabergen (160 km) seit 1906 im Bau, eröffnet 1910.
Bewilligt und seit 1908 im Bau eine Linie Duala-Edea-Mbalmajo (am Njong-Flusse)
(293 km), die mit großen Geländeschwierigkeiten zu kämpfen hat und Anfang
1914 bis zur Station Bidjoka , 153 km, vollendet war.
Post- und Telegraphie : Ende 1913 : 46 Anstalten, darunter 24 mit
Telegraphenbetrieb und 22 mit Ortsfernsprecheinrichtungen. 1162 km
Landtelegraphenlinien; Verkehr 1912 : 1.526.300 Briefsendungen, 83.416
Postanweisungen mit 16.591.507 Mark, 40.987 Pakete, 257.800 Zeitungsnummern,
109.931 Telegramme, 470.335 Gespräche. Postverbindungen : drei bis viermal
monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Duala 20-30 Tage. Telegrammgebühr für das
Wort 3,65 Mark. Außerdem eine Funkentelegraphenstation in Duala.
Schulwesen : Die Regierungsschulen für Farbige in Duala, Viktoria,
Jaunde und Garua zählten 1912 insgesamt 833 Schüler. Außerdem unterhalten die
Missionen der verschiedenen Bekenntnisse zahlreiche Unterrichtsanstalten. Sämtliche
unterrichten nach einem vom Gouvernement aufgestellten Lehrplan insgesamt 45.000
farbige Schüler.
Verwaltung : Sitz des Gouverneurs ( Dr. Ebermaier) ist Buea. Das
Schutzgebiet zerfällt jetzt in 28 Verwaltungsbezirke : Duala, Victoria,
Rio-del-Rey, Johann-Albrechtshöhe, Ossidinge, Dschang, Bare, Jabassi, Edea,
Kribi, Muni, Ebolowa, Jaunde, Banjo, Dume, Lomie, Jukaduma, Unter-Ssanga,
Bamenda, Wolö-Ntem, Jwindo, Mittel, Ssanga-Lobaje, Ober-Ssanga-Uham,
Ober-Logone, Bamum, Ngaundere, Garua, Deutsche Tschadseeländer (Sitz Mora). |
| Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf
Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt.
Berlin 1918, S. 14f |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek
zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz

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