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Deutschland | Imperialismus

[P|S|M]

Giuseppe Messerotti Benvenuti, Ein Italiener im China der Boxer, Briefe und Fotografien (1900-1901). Modena 2000, Teil 1: Die Reise

Abbildungen im Katalog

Port Said,
Juli 1900
Brief Nr. 14

Das Stadtzentrum liegt direkt vor unserem Ankerplatz. Es ist eines meiner besseren Negative. Jene Straße, die sich quasi in der Mitte des Kais öffnet, ist die Geschäftsstraße mit einer unendlichen Zahl von allen möglichen Läden. Unter einem Vergrößerungsglas sieht man sogar die Einwohner umherlaufen und die Straßenbahn fahren.
Gleich nach dem Aufstehen heute Morgen habe ich mich vergewissert, ob gestern Abend noch alle Briefe in die Post gegeben worden sind und bin dann an Land gegangen um die Stadt zu besichtigen. Dass wir gestern wesentlich früher als erwartet, nämlich um 22.30 Uhr, hier angekommen sind, war dem ruhigen Meer und einer leichten Brise, die in das Heck des Schiffes blies, zu verdanken. Die Stadt war natürlich beleuchtet und machte den Eindruck einer Großstadt; im Tageslicht ist sie weniger groß, aber besonders pittoresk. Vielleicht wirkt es auch nur so auf mich, weil es die erste orientalische Stadt ist, die ich sehe. Dennoch werde ich den Eindruck, den diese Stadt auf mich gemacht hat, sicher nie wieder vergessen. Die Straßen sind gerade und äußerst sauber, die Häuser haben ein hübsches Äußeres, alle mit Veranden und Terrassen und stattlichen Fenstern. Es gibt ein Geschäftsleben wie in unseren Hauptstädten. Entsprechend ist auch die Kleidung der Leute hier vielfältig .
Port Said,
Juli 1900
Brief Nr. 14
Vor einem der Geschäfte sitzt eine Gruppe älterer Männer und raucht eine dieser riesigen Wasserpfeifen.
Port Said,
Juli 1900
Brief Nr. 14
Ich habe gelernt, dass ein Telegramm von Ta-ku die Kleinigkeit von acht Lire pro Wort bei einer Mindestzahl von vier Wörtern kostet. Somit würde das billigste Telegramm, was ich dort aufgeben könnte, etwa lauten "Carlo Benvenuti Modena sto bene" (Carlo Benvenuti Modena, es geht mir gut). Es kostet mich 40 Lire. Wenn ich "sto" weglasse und nur "bene" schriebe, wären es noch 32 Lire. Das ist ein bißchen teuer, aber man muss sich melden; ich telegraphiere also trotzdem. Von Port Said kostet das Wort nur 2 Lire. Wenn ich zwei Tage hierbleibe, kann ich mit Rückantwort telegraphieren und erhalte somit auch von euch eine Notiz.
Port Said,
Juli 1900
Ein Hühnerhändler, der eine Magd betrügt. Interessant ist die männliche und weibliche Bekleidung, die man hier sehen kann. Es ist die einzige türkische Frau, die sich fotografieren ließ.
Port Said
Juli 1900

Brief Nr. 14
In Aden ist das Fotografieren absolut verboten, aber andererseits hatte ich dort auch keine interessanten Objekte. Nichtsdestotrotz: Unter dem Schutz eines riesigen, mit Lederpeitschen bewaffneten Polizeiaufgebotes, hatte ich meine liebe Not, mich vor Spitzbuben zu verteidigen, die mich wie Fliegen verfolgten und ihre Zeit damit verbrachten meinen Apparat und meine Schuhe zu bewundern.
Kamele auf der Straße von Aden,
Juli 1900
Brief Nr. 14
Man benötigt unbedingt Ferngläser, um an den Ufern überhaupt Lebenszeichen zu entdecken.

Der Kommandant der Giava,
August 1900
Brief Nr. 15

Morgen wird der heißeste Tag der Überfahrt sein. Wir passieren den thermischen Äquator, der weit entfernt von dem geographischen Äquator auf der Höhe von Massaua verläuft. Danach wird die Hitze nachlassen und wir werden sie erst wieder spüren, wenn wir hinter Singapur den Indischen Ozean erneut hochfahren. Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben Lanza, der Veterinär De Miceli und ich keinerlei Probleme mit der Seekrankheit; ein Sachverhalt, um den uns alle anderen beneiden.
Dusche auf der Brücke,  Juli 1900
Ich berichte dir vom Leben an Bord. Viele Stunden des Müßiggangs, in denen ich Mühe mit dem Lesen habe und auch nicht schreiben kann. Der mit dem erhobenen Arm ist der Kapitän Vallauri, der mit dem Hut der Oberleutnant Ferrero, der Lesende mit der Halbglatze ist der Apotheker Muzzioli und rechts ist noch die Hälfte von Lanza zu sehen, die andere Hälfte habe ich mit der Schere abgeschnitten, während ich die Kopie begradigt habe. Wir verbringen den Tag damit, die mitgebrachten Bücher zu lesen. Ich wiederhole ein bißchen Anatomie, jedoch ohne Eifer. Wir haben eine bestimmte Anzahl von Büchern zusammengelegt, Dante, Petrarca, Tasso, Ariosto, Leopardi, Giusti, Carducci und einige Bücher über Japan und China, zwei oder drei Atlanten und zwei Bücher des Quo Vadis-Autoren. Alles das lesen wir, jedoch wird in Kürze alles ausgelesen sein und wir haben noch nicht einmal den halben Weg zurückgelegt.

An Bord der Giava,
Juli1900
Brief Nr. 11

Ein früheres Foto von Bord der Giava, das ebenfalls verschwunden war. Ich habe noch ein anderes Foto, welches auch die Seeleute bei einem Manöver in den Masten zeigt, auch das ist verschwunden und ich konnte es nicht mehr finden. Mein Offiziersdiener bringt mir ständig alles in Ordnung und deswegen finde ich nichts mehr wieder.
Manöver an Bord
August 1900 

Brief Nr. 19
Wir liegen in Singapur auf Reede. Ein Leutnant zur See von der Stromboli ist auf die Giava gekommen und hat uns einige Nachrichten gebracht. Es habe angeblich eine große Schlacht gegeben, in deren Folge China Friedensangebote gemacht habe. Wir fahren übermorgen ab und werden von der Stroboli begleitet. Die Vesuv, die uns eigentlich hätten begleiten sollen, bleibt wegen eines Maschinenschadens in Singapur.
Singapur: Der Markt auf dem Fluss,
August 1900
Brief Nr. 15
Am Kai von Singapur in Tou Fong Paygiam. Lanza mit Helm, links haben Dampfschiffe festgemacht, rechts liegen Magazine und oben in der Mitte, wie du siehst, elektrisches Licht.
Der Kai von Singapur,  
August 1900
Brief Nr. 15
Ochsen in den Docks von Singapur. Gewidmet Minozzo, um ihm eine Idee von den einfachen und bequemen Jochen der Chinesen zu geben. [...] Der linke Ochse hat einen Kopf und ein Horn, die sehr charakteristisch sind. Was man zwischen den beiden Hallen im Hintergrund sieht, sind die Rettungsboote Frachtschiff, das am Kai liegt.

Singapur, angejochte Ochsen,
August 1900
Brief Nr. 15

Ein Wurstwarenhändler mit chinesischen Kunden; entsprechend sind wir im chinesischen Viertel.
Singapur, chinesischer Wurstwarenhändler, August 1900                   Brief Nr. 15
Eine Gruppe Offiziere an Bord der Giava. Kurz vor der Abfahrt, als ich von meinem letzten Ausflug aus Singapur zurückkehrte, ergab sich auf dem Kohlenbunker dieses Motiv. Zwischen dem Köhler und der Giava, hier nähergerückt, sieht man einen Teil (es war das kürzere) des berühmten Kais. Von den Offizieren von links Lanza mit dem Helm in der Hand, dann in der Gruppe der Artillerist Piovano, ein Bordoffizier, der den Rücken zukehrt und der Kommandant im Profil. 
Singapur, an Bord der Giava,
August 1900
Brief Nr. 15

Singapur, chinesische Kohlenarbeiter,
August 1900
Brief Nr. 15

Ein letzter Schnappschuss in Singapur, während schon die Seile gelöst werden. Chinesen löschen von einem m naheliegenden Kohlenschiff Kohle. Es war abends und neblig, also sieht man wenig, aber die Gruppe ist typisch. Der Kran zieht fünf Körbe Kohle hoch. Die Chinesen rücken jeweils in Fünfergruppen vor. Dabei beeilen sie sich und wer zuerst einen Griff bekommt, hat das Recht den Korb zu tragen. Für jeden transportierten Korb gibt es einen Cent (2 1/2 centesimi). Normalerweise sind sie diszipliniert und drehen eine Art Runde. Zuweilen passieren jedoch Dinge, die für einen Chinesen mit einer ordentlichen Tracht Prügel durch den englischen Aufseher enden, während die anderen Chinesen über ihn lachen. Im Allgemeinen vertragen sich die chinesischen Arbeiter gut, vorausgesetzt, dass alle das Recht haben sich mehr zu erholen als ihren Lebensunterhalt zu verdienen; sie helfen sich gegenseitig. Davon könnten unsere europäischen Arbeiter nur lernen.

 

Es tut mir unendlich leid, dass ich auch nicht eine der fantastischen Ansichten von Victoria [Hongkong] aufnehmen konnte. Aber am ersten Tag als ich an Land ging, regnete es und ich hatte keinen Apparat. Am zweiten Tag schien die Sonne und ich hatte den Fotoapparat dabei, als ich unten ankam, fand ich mich in einer dicken Wolke und smit hatte ich wieder Pech. Noch immer gibt es Wolken und ich befürchte, dass ich es nicht schaffen werden, den Hafen zu fotographieren. Wenn wenigstens das Schiff ruhig liegen würde, könnte man eine Aufnahme machen, aber es tanzt viel zu sehr. Ein bißchen Licht ist für einige Schnappschüsse zwingend notwendig. Hoffen wir das Beste.

Hongkong, chinesische Dschunken auf Reede,
August 1900
Brief Nr. 15

 

Deutsche Übersetzung: Georg Mondwurf für psm-data (© X.2001) mit freundlicher Genehmigung
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