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Sekundaerliteratur
Mittelalter

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Die Zeit der salischen Kaiser 1024-1125, von Friedrich Neubauer

Konrad II. und Heinrich III.

- Konrad II. (1024-1039)

- Heinrich III. (1039-1056)

Heinrich IV. (1056-1106)

- Die vormundschaftliche Regierung. 1056-1065.

- Heinrich IV. und die Sachsen. 1065-1075.

- Heinrich und Gregor VII. 1076-1085.

- Die zweite Hälfte der Regierung Heinrichs. 1085-1106.

Heinrich V. (1106-1125)

Ergebnisse

Der erste Kreuzzug. 1096-1099.

- Ursachen der Kreuzzüge

- Der erste Kreuzzug

- Die Staaten der Kreuzfahrer


Konrad II. und Heinrich III.

- Konrad II. (1024-1039)

Auf beiden Ufern des Rheins oberhalb Mainz versammelten sich der Adel und die Bischöfe aller deutschen Stämme und wählten den Urenkel Konrads des Roten und der Liutgard, Konrad, dessen ererbter Allodialbesitz in der Gegend von Worms lag, zum König. Er wurde in Mainz gekrönt: ein klar denkender Staatsmann, ein Fürst von starkem, unbeugsamen Willen, der rücksichtslos, oft hart durchgriff [...].

Auf seinem ersten italienischen Zuge ließ es sich in Rom die Kaiserkrone aufsetzen. Damals waren in Rom die Könige Knut von Dänemark, Norwegen und England und Rudolf von Burgund anwesend; dem ersteren gegenüber verzichtete Konrad auf die Mark Schleswig, die einst Heinrich I. erworben hatte; der letztere hatte ihn schon vorher als Rechtsnachfolger Heinrichs II. in dem burgundischen Erbe anerkannt. Mit Energie stellte er die deutsche Herrschaft in Oberitalien her. Auf seinem zweiten Römerzuge griff (S. 64) er auch in Unteritalien ein. - Nachdem Rudolf von Burgund gestorben war, sicherte sich Konrad die Herrschaft über das Land. [...] 

Im Innern machte ihm sein Stiefsohn Ernst von Schwaben, der Kaiserin Gisela Sohn aus erster Ehe, zu schaffen; denn da seine Mutter eine Nichte Rudolfs von Burgund war, glaubte er nähere Ansprüche auf dieses Land zu haben. Nachdem er sich zum zweiten Male empört hatte, setzte ihn Konrad nach der Burg Giebichenstein bei Halle in Haft, befreite ihn jedoch nach einiger Zeit wieder und gab ihm auch Schwaben zurück; als sich aber Ernst weigerte, gegen seinen Freund Werner von Kiburg die Reichsacht zu vollstrecken, wurde er selbst geächtet. Er fiel mit Werner zusammen im Schwarzwald im Kampfe gegen Dienstmannen des Klosters Reichenau. Die Sage verschmolz seine Person mit der Liudolfs und erzählte von seinen weiten Reisen in abenteuerliche Fernen.

Konrad führte die Regierung mit starker Hand. Die Herzogtümer Bayern und Schwaben gab er nach dem Tode ihrer Inhaber an seinen Sohn Heinrich, während er selbst Franken beherrschte. Gleichzeitig tat er der Macht der großen Vasallen dadurch wesentlichen Abbruch, daß er in Italien die Erblichkeit auch der niederen Lehen gesetzlich feststellte, ein Grundsatz, der bald auch in Deutschland Anerkennung fand. Ebenso blieb er der Herr der Kirche. Ihre Geldeinkünfte aus dem Markt-, Zoll- und Münzrecht, die mit dem Wachstum des Verkehrs sich steigerten, machte er dadurch für sich nutzbar, daß er von den neu ernannten Bischöfen eine Abgabe forderte; die kirchliche Reformpartei freilich brandmarkte dieses Verfahren als "Simonie", Verkauf geistlicher Ämter.

- Heinrich III. (1039-1056)

Konrads jugendlicher Sohn Heinrich war nicht weniger tatkräftigen und herrischen Charakters als sein Vater. Darin unterschied er sich von ihm, daß er eine sorgfältige wissenschaftliche Ausbildung genossen hatte, und daß ihn die kluniazensischen Gedanken einer Kirchenreform stark beeinflußten; in dieser ernstreligiösen Richtung bestärkte ihn seine Gemahlin Agnes (S. 65) von Poitiers. Die süddeutschen Herzogtümer vergab er wieder. Dem Osten gegenüber blieb er in den Bahnen der Politik seines Vaters: Böhmen und eine Zeitlang selbst Ungarn waren ihm untertan.

Der Kirche stellte er sich anders gegenüber als sein Vater, da er zwar das Recht die Bischöfe zu ernennen mit aller Energie festhielt, die Simonie aber aufgab. Der Gottesfriede, der zuerst auf einer südfranzösischen Synode beschlossen worden war - von Mittwoch abend bis Montag früh, außerdem in der Zeit der hohen Feste sollten bei Strafe des Kirchenbannes die Waffen ruhen - und sich unter kluniazensischem Einfluß über ganz Frankreich und Burgund verbreitet hatte, fand zwar in Deutschland keinen Eingang; aber der König suchte durch sein persönliches Beispiel, indem er denen, die wider ihn gefehlt hatten, mehrmals in öffentlicher Versammlung verzieh und das Gleiche von den Anwesenden forderte, den inneren Frieden zu begründen.

Indessen herrschte in Rom völlige Verwirrung: die Römer hatten den Papst verjagt und einen anderen gewählt; der frühere Papst war bald zurückgekehrt, hatte aber die Tiara an einen dritten Papst, Gregor VI., einen Vertreter der kluniazensischen Richtung, verkauft, ohne doch gänzlich zu verzichten. Nunmehr zog Heinrich nach Italien; unter seinem Einflusse wurden auf der Synode von Sutri alle drei Päpste abgesetzt und ein deutscher Bischof gewählt, Suidger von Bamberg. Dieser, der sich Clemens II. nannte, krönte Heinrich zum Kaiser; nach seinem Tode sind unter dem Einfluß des Kaisers drei andere deutsche Bischöfe zu Päpsten gewählt worden.

Heinrich zog noch ein zweites Mal über die Alpen. In Mittelitalien stieß er auf keinen Widerstand; doch fühlte er sich nicht stark genug, die Normannen anzugreifen, die mächtig emporstrebten und die Bahnen einer kaiserfeindlichen Politik einschlugen. Auch in Deutschland stand Heinrichs Macht nicht mehr so unangefochten da wie zu Anfang seiner Regierung, da ein großer Teil des deutschen Adels wegen seines rücksichtslosen Auftretens gegen ihn feindselig gestimmt war. Da starb der Kaiser plötzlich, erst 39 Jahre alt, auf einer Pfalz im Harz.

Heinrich IV. (1056-1106)

- Die vormundschaftliche Regierung. 1056-1065.

Heinrich IV. war bei seines Vaters Tode erst sechs Jahre alt. So bestieg ein Kind den deutschen Thron, während das Reich großen Gefahren entgegenging. Der hohe Laienadel war aufsässig und gedachte die Zeit der Unmündigkeit des Königs für seine Sonderinteressen zu benutzen. Dazu kam die Entwicklung der kirchlichen Verhältnisse. In (S. 66) der Kirche war, durch Heinrich III. selbst unterstützt, die klunianzensische Richtung erstarkt, welche zunächst die innere Reinigung und Erneuerung der Kirche selbst anstrebte, deren letztes Ziel aber die Herrschaft der gereinigten Kirche über Welt und Staat war. Zwar hatte sich der größte Teil der deutschen Bischöfe bisher diesen Plänen abhold gezeigt und hielt an der durch die Verfassung Ottos des Großen ihnen verliehenen Stellung fest. Aber das Papsttum war für die neuen Gedanken gewonnen; und zugleich fand dieses eine starke politische Stütze in dem Normannenstaat. Die Regierung des Papstes Nikolaus II., dessen Politik völlig von dem damaligen Kardinal-Archidiakonus Hildebrand beeinflußt wurde, ist in doppelter Beziehung denkwürdig. Erstens wurde unter ihm das Recht, den Papst zu wählen, auf die Kardinäle, die höchsten Geistlichen der römischen Diözese, beschränkt, was zunächst den Zweck hatte, den römischen Adel auszuschließen. Zweitens nahmen damals die normannischen Fürsten ihre Besitzungen vom Papst zu Lehen und traten mit ihm in ein enges Bündnis. Die Normannen eroberten damals ganz Unteritalien: Robert Guiskard (d.h. der Schlaue) vertrieb die Griechen aus Apulien und Calabrien, während sein Bruder Roger die Eroberung des von den Sarazenen beherrschten Siziliens begann.

Für Heinrich führte zunächst seine Mutter Agnes die Regierung, jedoch ohne die nötige Tatkraft. Sie verlieh das erledigte Schwaben an den Grafen Rudolf von Rheinfelden, Bayern an den Sachsen Otto von Nordheim, Kärnten an Berthold von Zähringen, ohne doch an ihnen eine Stütze zu finden. Es bildete sich eine Verschwörung von hohen Geistlichen und Adligen; ihr Haupt war der Erzbischof Anno von Köln, der Held des Annoliedes, ein sittenstrenger und eifriger, aber auch ehrgeiziger und herrischer Kirchenfürst. 1062 wurde Heinrich seiner Mutter, die auf der Insel Kaiserswerth bei Düsseldorf Hof hielt, entführt. Die Kaiserin verzichtete nunmehr auf die Vormundschaft und ging nach Rom, um dort das Leben einer Büßerin zu führen; die Reichsregierung fiel an die Bischöfe, unter denen Anno als Erzieher Heinrichs die erste Rolle spielte. Neben ihm aber gewann einen steigenden Einfluß auf den jungen König der Erzbischof Adalbert von Bremen, nicht minder ehrgeizig, aber eine glänzende, heitere, Verschwendung und Pracht liebende Natur. Er hatte einst das Angebot des Papsttums zurückgewiesen, weil er in dem Plane lebte, Bremen zum Mittelpunkt der nordischen Mission, zu einem nordischen Patriarchat zu erheben; zugleich (S. 67) suchte er seinen Landsitz möglichst auszudehnen und das Erzbistum von den sächsischen Herzögen, denn Billungen, unabhängig zu machen.

- Heinrich IV. und die Sachsen. 1065-1075.

Adalberts Macht wuchs noch, seit Heinrich mit 15 Jahren für wehrfähig erklärt worden war; aber seine geistlichen und weltlichen Gegner nötigten den König auf dem Fürstentage von Tribur, ihn auf einige Jahre vom Hofe zum entfernen. Indessen war Heinrich auch ferner nicht gewillt, den Bischöfen einen wesentlichen Einfluß einzuräumen; er befolgte, umgeben von königlichen Dienstmannen (Ministerialen), aus denen er seine Berater nahm, eine ganz persönliche Politik. Er gedachte sich ein starkes Königtum zu gründen, dessen Kern die Länder nördlich und südlich des Harzes sein sollten - hier hatte auch Heinrich III. gern geweilt und sich in Goslar eine Kaiserpfalz gebaut -; militärisch wollte er sich auf den Kranz von Burgen, die er aufführen ließ und mit seinen Dienstmannen besetzte, finanziell auf die Erträge der Harzbergwerke und der großen dortigen königlichen Domänen und auf die Leistungen der umwohnenden Sachsen stützen, während er zugleich die Simonie in derselben Weise wie Konrad II. übte.

Im Jahre 1070 wurde Otto von Nordheim eines Mordversuchs auf den König angeklagt; Bayern wurde ihm genommen und an den schwäbischen Grafen Welf [Fußnote: Die Welfen haben von 1070-1180 über Bayern geherrscht; ihnen folgten die Wittelsbacher.] übertragen. Im Bunde mit Herzog Magnus Billung von Sachsen erhob sich Otto; doch mußten sich beide unterwerfen. Daß Magnus in Haft gehalten wurde, verstärkte die Erregung des sächsischen Volkes, das über seine schwere wirtschaftliche Belastung erbittert war und die Minderung seiner alten Freiheiten fürchtete. So kam es zum Aufstande; das sächsische Aufgebot, zu einem Zuge gegen Polen versammelt, zog statt dessen, Adel und Bauernschaft im Verein, vor die Harzburg, wo Heinrich weilte. Dieser entfloh durch das Gebirge. Da versagten ihm auch die süddeutschen Herzöge den Gehorsam, unter dem Vorwand, er habe zwei von ihnen ermorden lassen wollen. In dieser Bedrängnis fand Heinrich Hilfe bei der Bürgerschaft von Worms; auch blieben ihm die meisten Bischöfe treu. An der Spitze eines Heeres stehend, schloß er mit den Sachsen einen Vertrag, wonach sie gegen das Versprechen der Amnestie und der Niederreißung der Burgen zum Gehorsam zurückkehrten.

Aber die Kirchen- und Gräberschändung, deren sich die sächsischen Bauern bei der Zerstörung der Harzburg schuldig machten, (S. 68) führte einen Umschwung in der Stimmung der Fürsten herbei. Mit einem starken Heere konnte Heinrich im nächsten Jahre im Felde erscheinen; das von Otto von Nordheim geführte sächsische Heer wurde völlig geschlagen; auf Gnade und Ungnade unterwarfen sich die Sachsen. Stärker als je schien Heinrichs königliche Gewalt dazustehen.

- Heinrich und Gregor VII. 1076-1085.

Indessen hatte jener Hildebrand, der seit Nikolaus II. der päpstlichen Politik die Richtung gegeben hatte, als Gregor VII. den päpstlichen Stuhl bestiegen. Er stammte aus einem Städtchen in Toskana, war zuerst als Kaplan Gregors VI. emporgekommen und hatte sich ganz den kluniazensischen Ideen angeschlossen: die Kirche innerlich zu reformieren und mit dem Geist der Askese zu erfüllen; sie zu einer geschlossenen, universalen Organisation unter dem Papste, dem Stellvertreter Christi, als ihrem Haupte zu vereinigen; sie von dem weltlichen Staat nicht bloß unabhängig zu machen, sondern über ihn zu erheben und die Herrschaft des Gottesstaates über alles Irdische, die Lehnshoheit des Papstes über die Christenheit zu begründen. Um die Geistlichkeit von allem Weltlichen hinweg und der Kirche zuzuwenden, ordnete er die allgemeine Durchführung des Cölibats [Zölibats], der Ehelosigkeit der Priester, an; um die Kirche unabhängig vom Staat zu machen, verbot er nicht allein die Simonie, sondern stellte bereits 1075 den Grundsatz auf, daß die Investitur der Bischöfe durch Laien gegen Gottes Gesetz sei. Nun waren die Bischöfe aber nicht nur Beamte der Kirche, sondern seit Ottos des Großen Regierung zugleich Reichsbeamte und mit Reichsgut und Hoheitsrechten ausgestattet; der deutsche König konnte ihre Ernennung nicht dem römischen Papste überlassen.

Gregor hatte bereits einige königliche Räte wegen Übung der Simonie mit dem Banne belegt. Als er jetzt Heinrich selbst mit dem Banne bedrohte, wenn er fortfahre Simonie und Investitur zu üben, ließ ihn dieser durch eine Synode zu Worms absetzen. [Fußnote: Heinricus rex Hildebrando iam non apostolico, sed falso monacho. Ego enim cum omnibus episcopis nostris tibi dicimus: Descende, descende!] Gregor antwortete, indem er ihn mit dem Banne belegte, für abgesetzt erklärte und seine Untertanen des Eides entband. Die unmittelbare Folge war, daß die süddeutschen Herzöge ebenso wie die Sachsen von neuem abfielen. Heinrich sah sich aller Macht beraubt; in einem Vertrage mit seinen in Tribur versammelten Gegnern mußte er versprechen, sich der Regierungsgeschäfte vorläufig zu enthalten und sich der Entscheidung des Papstes zu fügen, der nach Augsburg eingeladen wurde.

(S. 69) Da faßte Heinrich den Entschluß, sich des gefährlichen Gegners zu entledigen, indem er Kirchenbuße leistete. Mit seiner Gemahlin Berta von Susa begab er sich im Winter über den Mont-Cenis nach Italien. Gregor, der sich bereits auf der Reise nach Deutschland befand, fürchtete einen Angriff des Königs und eilte nach Canossa, einer Burg seiner treuen Anhängerin, der Markgräfin Mathilde von Tuscien; als aber Heinrich als Büßer dort erschien, sah er sich genötigt, ihn vom Banne zu lösen. Nunmehr kehrte dieser nach Deutschland zurück. Indessen haaten die abgefallenen Fürsten an seiner Statt Rudolf von Schwaben zum König gewählt; er war der erste Gegenkönig. So entstand der Bürgerkrieg; der bedeutendste Mann der Gegenpartei war Otto von Nordheim, während Heinrich besonders Friedrich von Büren zur Seite stand, den er mit Schwaben belehnte und dem er später seine Tochter Agnes zur Gemahlin gab, der Stammvater der Hohenstaufen. Im Kampfe war Heinrich wenig glücklich: auch bei Hohenmölsen wurde er besiegt, aber Rudolf verlor in der Schlacht die rechte Hand und starb.

Zwar wurde ein neuer Gegenkönig gewählt, Hermann von Salm. Aber Heinrich wandte sich jetzt gegen Gregor, der ihn während des Bürgerkriegs von neuem gebannt hatte. Nach vergeblichen Versuchen, Rom zu erobern, gewann er die Römer durch Geld für sich, zog in die Stadt ein, erhob den Erzbischof von Ravenna zum Gegenpast und ließ sich von ihm krönen, während sich Gregor in der Engelsburg, dem Mausoleum Hadrians, behauptete. Ihn befreite nach des Kaisers Abzug Robert Guiskard, der bei dieser Gelegenheit Rom zum Teil niederbrannte; er nahm Gregor mit sich nach Salerno, wo dieser 1085 mit den Worten verschied: dilexi iustitiam et odi iniquitatem; propterea morior in exsilio. In ihm starb ein mächtiger Kämpfer für einen gewaltigen Gedanken, den Gedanken der Durchdringung und Beherrschung alles Weltlichen durch das Geistliche. Aber er hatte verkannt, daß auch der Staat seine eigentümlichen sittlichen Ideale zu erfüllen hat; und um seine Ziele zu erreichen, hatte er den Abfall der deutschen Fürsten und den Bürgerkrieg gutgeheißen.

- Die zweite Hälfte der Regierung Heinrichs. 1085-1106.

Hermann von Salm kam bald darauf um; die Sachsen, deren Führer Otto von Nordheim schon vorher gestorben war, unterwarfen sich; die meisten Bischöfe hingen dem Kaiser an. 1090 zog Heinrich zum zweiten Male über die Alpen, wo Urban II. zum Papst gewählt worden war, ein Mann, der dieselben Ziele wie Gregor VII. verfolgte und, (S. 70) ohne seine Größe zu besitzen, an diplomatischem Geschick ihm überlegen war. Heinrich wurde vom Unglück verfolgt; mehrere lombardische Städte schlossen einen Bund gegen ihn; sein schon zum König gekrönter Sohn Konrad fiel von ihm ab; seine zweite Gemahlin Praxedis, eine russische Prinzessin, verließ ihn. Während er sich in der Gegend von Verona aufhielt, feierte der Papst gewaltige Triumphe, indem er auf den Konzilien von Piacenza und Clermont die Massen zu einem Kreuzzug entflammte. Italien war für Heinrich verloren.

Dagegen trat in Deutschland ein Zustand des Friedens ein; auch die Welfen versöhnten sich mit dem Kaiser. Dieser ließ Konrad, der bald darauf starb, absetzen und seinen zweiten Sohn Heinrich zum König krönen; doch hatte er ihn vorher schwören lassen, nicht vor seinem Ableben die Regierung zu beanspruchen. Mit Erfolg war er bemüht, den Landfrieden im Reiche durchzusetzen, zum Schutze von Bürger und Bauer, zur Unzufriedenheit des Laienadels, der in Kampf und Fehde sein Lebenselement sah und wirtschaftliche Arbeit verachtete. Mit der Kirche konnte sich Heinrich nicht versöhnen: er erbot sich einen Kreuzzug zu unternehmen, wobei er wohl zugleich den Zweck verfolgte, die Tatenlust des deutschen Adels nach außen abzuleiten; aber Urbans II. Nachfolger Paschalis II. wiederholte den Bannfluch.

Die Mißstimmung des Adels benutzte sein Sohn Heinrich zum Abfall; auch die Bischöfe schlossen sich zumeist an ihn an, als er im Jahre 1105 das Hoflager plötzlich verließ. Auf verräterische Weise nahm er seinen Vater gefangen und zwang ihn zu Ingelheim zur Thronentsagung. Aber noch einmal entfloh der Kaiser; er fand ein Zuflucht bei dem Bischof Otbert von Lüttich; Köln wurde der Mittelpunkt einer Erhebung zu seinen Gunsten. Da starb er zu Lüttich. Seine Leiche stand noch fünf Jahre lang in einer ungeweihten Kapelle am Dom zu Speier [Speyer], bis sie vom Banne losgesprochen wurde.

Heinrich IV., der unter allen deutschen Königen das tragischste Schicksal gehabt hat, ragte unter seinen Zeitgenossen hervor durch Gaben des Leibes, des Verstandes, des Willens. Von unbezähmbarer Leidenschaft in der Jugend, wo ihm eine starke, zum Guten leitende Hand fehlte, durch schwere Schicksale sodann geläutert und zum gerechten und versöhnlichen Regenten herangereift, hat er zwar das Ziel einer gewaltigen Machtverstärkung des Königtums nicht erreichen können; indessen hat er, im Kampfe mit dem Papsttum, das seine (S. 71) Machtansprüche auf das höchste steigerte, im Kampfe mit dem unbotmäßigen, fehdelustigen deutschen Adel, der sich auf die Eifersucht der Stämme stützte und die deutsche Krone zu einer Wahlkrone machen wollte, nur zeitweilig unterstützt von den deutschen Bischöfen, die einst die stärkste Hilfe der deutschen Könige gewesen waren, getragen dagegen von der lebhaften und begeisterten Zuneigung des aufblühenden deutschen Bürgertums, von den Rechten des deutschen Königtums keines preisgegeben.

Heinrich V. (1106-1125) war ein harter und finsterer Charakter, kühn und willenskräftig, aber gewalttätig und von niemand geliebt. Die Frage der Investitur dachte er auf einem Römerzug zu entscheiden, den er mit einem starken Heere deutscher Ritter antrat. Ein mit Paschalis II. abgeschlossener Vertrag bestimmte im Sinne der folgerichtigen Kluniazenser, daß der König auf die Investitur, die Kirche aber auf alles Reichsgut, das sie seit Karl dem Großen erhalten hatte, verzichten solle. Aber als in der Peterskirche der Vertrag verlesen wurde, entstand die größte Erregung unter den Bischöfen, die ihn für unausführbar erklärten. Da ließ Heinrich Paschalis festnehmen, führte ihn, als die Römer sich erhoben, mit sich in die Campagna und nötigte ihn, auf die Investitur zu verzichten, ihn zu krönen und zugleich zu versprechen, ihn nicht bannen zu wollen. Siegreich kehrte er nach Deutschland zurück und bestattete mit kaiserlichem Punk die Leiche seines Vaters im Dom zu Speier [Speyer].

Zwar nicht der Papst, aber eine burgundische Synode sprach den Bann über Heinrich aus. In Deutschland aber entstand gegen die erstarkte königliche Macht ein Fürstenaufstand, dessen Führer Lothar von Supplinburg, Herzog von Sachsen, war. Heinrich mußte die Bekämpfung des Aufstandes den Brüdern Friedrich und Konrad von Staufen, seinen Neffen, überlassen, um nach Italien zu gehen. [Fußnote: Die "große Gräfin" Mathilde von Tuscien war gestorben. Obwohl diese ihr Erbe der Kirche vermacht hatte, nahm es der Kaiser in Besitz, ebenso die Reichslehen wie ihre Allodien (Eigengüter).]

Papst Calixtus II. erneuerte den Bannfluch über den Kaiser. Endlich kam es in Würzburg zur Versöhnung mit den deutschen Fürsten und sodann 1122 zur Beilegung des Investiturstreits durch das Konkordat von Worms: die Bischöfe sollten von nun an durch (S. 72) das Kapitel, aber in Gegenwart des Königs oder seines Vertreters gewählt werden; der König sollte sie darauf durch das Zepter mit den weltlichen Hoheitsrechten belehnen; dagegen verzichtete er auf die geistliche Investitur durch Ring und Stab. 1125 starb Heinrich V. kinderlos.

Ergebnisse

Der Versuch Heinrichs IV., die Macht des deutschen Königtums wesentlich zu verstärken, war nicht gelungen. Vielmehr hatte der unter ihm beginnende Investiturstreit das Reich in doppelter Beziehung stark erschüttert: Heinrich V. hatte auf das Recht, die Bischöfe zu ernennen, verzichten müssen, und die Sondergewalt der großen Vasallen war gewachsen. In jene Zeit fällt die erste Aufstellung eines Gegenkönigs. Der Bürgerkrieg, der die letzten 50 Jahre der Salier erfüllt hatte, dauerte auch unter den beiden nächsten Königen fort, bis Friedrich Barbarossa die macht des Königtums über die Vasallen wieder feststellte, während sich ihm zugleich die deutsche Kirche anschloß.

In dem lang andauernden Bürgerkriege vergaben die großen Vasallen und Grundherren einen großen Teil ihres Gutes zu Lehen, um ihr reisiges Gefolge zu vermehren; so wuchs der niedere Adel, der nur dem Schildesamt lebte und sich über eigene wirtschaftliche Arbeit erhaben fühlte, außerordentlich. Es bildete sich ein Stand von unfreien Dienstmannen oder Ministerialen, der durch die Ehre des Rittergurts mehr und mehr von den hörigen Standesgenossen geschieden wurde und allmählich mit den freien Rittern zu einem Stande zusammenwuchs.

Trotz des inneren Zwistes entwickelte sich die deutsche Volkswirtschaft. Immer reger wurde der Handel und die Gewerbetätigkeit; beide knüpften sich an das erblühende Städtewesen. Schon machten sich manche rheinische Städte von ihren bischöflichen Herren unabhängig; Worms und Köln waren die ersten deutschen Städte, die eine politische Rollen spielten.

Die Pflegerin der Wissenschaft, vornehmlich der Geschichtsschreibung, und der Kunst, vor allem der Baukunst, blieb auch in diesem Zeitraum die Geistlichkeit. Auch die deutschen Gedichte, die in jener Zeit entstanden, z. B. das Annolied, sind von Geistlichen geschaffen.

Der erste Kreuzzug. 1096-1099.

- Ursachen der Kreuzzüge

Die Kreuzzüge erklären sich einerseits aus der tiefreligiösen Stimmung, welche in jener (S. 73) Zeit alle Stände ergriff, zur Gründung neuer Mönchsorden, des Cisterzienserorden (von Cîteaux in Burgund) und des Kartäuserordens (von Chartreuse in der Dauphiné) führte, dem Papsttum in seinem Kampfe gegen den Staat zu Hilfe kam und sich ganz besonders in einer außerordentlichen Zunahme der Wallfahrten nach dem Heiligen Grabe äußerte; andrerseits aus der Lust an abenteuerlichen, beuteverheißenden Kämpfen, welche den im ganzen Abendland zahlreich vorhandenen, wirtschaftliche Erwerbstätigkeit verachtenden ritterlichen Lehnsadel erfüllte. In Italien und Spanien war die Ritterschaft bereits im Glaubenskriege begriffen. Auch die italischen Seestädte, Amalfi, Pisa, Venedig, Genua, pflegten, während sie gewinnreichen Handel mit der Levante trieben, zugleich durch Streifzüge die Küsten der Saraszenen heimzusuchen. 

Daß aber eine umfassende Unternehmung zur Wiedereroberung der heiligen Stätten zustande kam, daß die christliche Welt für eine große religiöse Aufgabe unter die Waffen gerufen wurde, war die Tat des Papsttums. Schon Gregor VII. hatte einen Feldzug geplant, um dem byzantinischen Kaiser gegen die seldschuckischen Türken beizustehen. Diese, aus Turan gekommen, hatten sich fast ganz Vorderasien unterworfen und bedrohten bereits Konstantinopel; als Beherrscher Palästinas mißhandelten sie die Pilger, während die Araber, die früher Inhaber des Heiligen Landes, den Pilgern zwar eine Steuer auferlegt, aber sonst nichts in den Weg gelegt hatten. Als jetzt der Kaiser Alexius Komnenus das Hilfegesuch wiederholte, nahm Urban II. den Gedanken Gregors auf; auf den Konzilien von Piacenza und Clermont begeisterte er Unzählige für den Kreuzzug. Feurige Prediger, vor allen der Klausner Peter von Amiens, trugen die Bewegung weithin durch die Lande.

- Der erste Kreuzzug

Zwar die ungeordneten, zuchtlosen Scharen, die unter Peter von Amiens, Walter von Habenichts und anderen nach Konstantinopel aufbrachen und ihren Marsch vielfach durch Verwüstungen und Judenverfolgungen bezeichneten, fanden teils in Ungarn oder Bulgarien, teils in Kleinasien den Untergang. Aber ihnen folgten wohlgerüstete, reisige Haufen, nicht von Königen geführt - denn wie Heinrich IV., so war auch der König von Frankreich im Banne - , sondern von Angehörigen des hohen Adels: Gottfried von Bouillon, dem Herzog von Niederlothringen, und seinem Bruder Balduin, dem reichen Grafen Raimund von Toulouse, Boemund von Tarent, dem ebenso ehrgeizigen wie klugen (S. 74) Sohne Robert Guiskards, und seinem Vetter Tankred, den die Sage und der Dichter Tasso, der Verfasser des "Befreiten Jerusalem", als Blume aller Ritterschaft gefeiert haben, und vielen anderen.

Auf verschiedenen Wegen gelangten die Kreuzfahrer nach Konstantinopel, wo sie Alexius durch kluge Verhandlungen dazu vermochte, ihm den Lehnseid zu schwören. Ihr Unternehmen wurde dadurch begünstigt, daß das Reich der Seldschucken nach dem Tode seines Begründers schnell zerfallen und die mohammedanische Welt in viele Staaten zersplittert war. Im Frühjahr 1097 brachen sie auf und durchzogen unter vielen Kämpfen Kleinasien. Während Balduin von dem armenisch-christlichen Fürsten von Edessa eingeladen und durch eine Volkserhebung an dessen Stelle erhoben wurde, belagerte das übrige Heer acht Monate lang die reiche und große, stark ummauerte Stadt Antiochia. Sie wurde nach vielen Beschwerden nur durch Verrat genommen und ging in den Besitz Boemunds über, der sich hier ein Fürstentum gründete; ein gewaltiges Heer des Sultans von Mossul wurde von dem durch Auffindung der heiligen Lanze begeisterten Heere in die Flucht geschlagen. Erst im Sommer des Jahres 1099 langte der Rest des Kreuzheeres vor Jerusalem an und erstürmte die Stadt unter furchtbarem Blutvergießen am 15. Juli. Gottfried von Bouillon wurde zum Beschützer des Heiligen Grabes ernannt; er sicherte die Eroberung durch einen Sieg über ein ägyptisches Heer bei Askalon. Als er schon im nächsten Jahre starb, folgte ihm sein Bruder Balduin als König; er ist der eigentliche Gründer des Königreichs Jerusalem. [Fußnote: Ein zweites Kreuzfahrerheer, das dem ersten an Stärke nicht viel nachgab, und an dem sich diesmal auch viele rechtsrheinische Deutsche beteiligten, erlitt im Jahre 1101, als es seinen Marsch durch das nördliche Kleinasien nahm, infolge schlechter Führung und mangelnder Zucht in den Gegenden am Halys eine vernichtende Niederlage.]

- Die Staaten der Kreuzfahrer

Unter fortwährenden schweren Kämpfen mit äußeren Feinden, auch den Griechen, und unter vielfachen inneren Zwistigkeiten gestalteten sich die Kreuzfahrerkolonien allmählich zu Staaten aus; von Wichtigkeit war es, daß die Küstenstädte allmählich erobert wurden. Vom Abendlande erhielten sie in jedem Jahre Zuzug bewaffneter Pilger. Es waren Kriegerstaaten, die hier entstanden, beherrscht von der kriegerischen Ritterschaft, die sie gegründet hatte. Ihre Formen waren die des Lehnsstaats, und so litten sie an denselben Gebrechen wie die Staaten des Abendlandes, an Schwäche der Zentralgewalt und Unzuverlässigkeit der Vasallen; (S. 75) die Fürsten von Edessa, Antiochien und Tripolis, zu denen auch kleinere Vasallen traten, standen nur in loser Abhängigkeit vom Könige von Jerusalem. Es kam dazu, daß die Geistlichkeit, an ihrer Spitze der Patriarch von Jerusalem, einen maßgebenden Einfluß für sich beanspruchte. Endlich fehlte nicht das Element des Bürgertums, da sich in den Küstenstädten Kolonien italienischer Kaufleute ansiedelten.

Zwar gewannen die Kreuzfahrerstaaten insofern eine gewisse nationale Einheit, als das französische Volkstum, das schon von Anfang an überwogen hatte, allmählich das herrschende wurde; auch gab sich der junge Staat ein Gesetzbuch, die assises de Jérusalem. Ebenso hob sich das Land wirtschaftlich trotz des andauernden Kriegszustandes: die Erzeugnisse der Levante, Südfrüchte und Weine, tyrisches Glas und Purpur, Seide und Baumwolle, Zucker, Spezereien, wurden ausgeführt; die Küstenstädte wurden Mittelpunkt des Handels zwischen Orient und Okzident. Andrerseits war die Begleiterscheinung der unsicheren Verhältnisse, die dem einzelnen heute reiche Beute oder Handelsgewinn, morgen Tod und Gefangenschaft brachten, ein wüstes Genußleben und tiefe Unsittlichkeit.

Eine eigentümliche Vereinigung der mönchischen und ritterlichen Ideale trat in den geistlichen Ritterorden zutage. Der Tempelritterorden, der seinen Namen von seiner Wohnung im königlichen Palast nahe der Stelle des einstigen salomonischen Tempels hatte, vereinigte zuerst die Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsames mit dem des Kampfes zum Schutz der Pilger und der heiligen Stätten; er bestand aus Rittern, Geistlichen und dienenden Brüdern; an seiner Spitze stand ein Meister. Nach diesem Vorbild organisierte sich die Genossenschaft der Pfleger des Johanneshospitals zu Jerusalem, das schon vor dem ersten Kreuzzug von einem reichen Amalfitaner Kaufmann begründet worden war; so entstand der Orden der Johanniter oder Hospitaliter. Im dritten Kreuzzug trat beider Orden der der Deutschritter zur Seite.

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aus: Neubauer, F., Lehrbuch der Geschichte für höhere Lehranstalten, Ausgabe A, IV. Teil, 19. Auflage. Halle a.d.S. 1915, S. 63-75

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