Startseite Grundlagen Antike Mittelalter Frühe_Neuzeit 18/19Jh/International18/19Jh/Deutschland20Jh/International20Jh/Deutschland Länderverzeichnis Neue_EinträgeForum1GästebuchSuche Impressum
 
Sekundaerliteratur
Mittelalter

[P|S|M]

Die Zeit der Hohenstaufen. 1138-1250 (1254). von Friedrich Neubauer, Teil II

Der Ausgang der Hohenstaufen; das Interregnum

- Der Ausgang der Hohenstaufen

- Das Interregnum

Der Ausgang der Kreuzzüge

- Das Ende der Kreuzfahrerstaaten und die Schicksale der Ritterorden

- Die Ergebnisse der Kreuzzüge


Der Ausgang der Hohenstaufen; das Interregnum

- Der Ausgang der Hohenstaufen

(S. 91) Konrad IV. verließ bald Deutschland, um Unteritalien zu behaupten, das bisher sein Halbbruder Manfred verteidigt hatte. 1254 starb er, mit Hinterlassung Konrads, eines zweijährigen Kindes, das am bayrischen Hofe auferzogen ward. Jetzt ließ sich Manfred zum König krönen und gewann noch einmal Ruhm und Macht für die ghibellinische Partei. Gegen ihn rief der Papst Karl von Provence und Anjou, den Bruder Ludwigs IX. des Heiligen, und belehnte ihn mit Apulien und Sizilien; Manfred wurde geschlagen und fiel. Da zog der sechzehnjährige Konradin mit einem Heere, das er unter Verpfändung seiner letzten Stammgüter angeworben hatte, nach Italien. Bei Tagliacozzo aber wurde er nach anfänglichem Siege geschlagen und floh über Rom an die Küste; dort wurde er gefangen und an Karl von Anjou ausgeliefert, der ihn nebst seinem Freunde Friedrich von Baden in Neapel als Landfriedensbrecher hinrichten ließ.

Sizilien blieb nicht in der Hand Karls; 1282 wurde die Franzosen durch die sizilianische Vesper vertrieben, und die Insel ging in den Besitz Peters von Aragonien über, eines Schwiegersohnes Manfreds.

- Das Interregnum

In der Verwirrung, welche in Deutschland seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges entstanden war, vereinigte sich zum ersten Male eine Anzahl rheinischer Städte, um den Frieden und die Verkehrssicherheit zu erhalten. Der rheinische Städtebund, dem auch Bischöfe und Grafen sowie bayrische und sächsische Städte beitraten, und an dessen Spitze sich König Wilhelm selbst stellte, hat einige Jahre lang machtvoll dagestanden, ist dann aber schnell wieder zerfallen.

Wilhelm von Holland, der nur am Niederrhein Anerkennung gefunden hatte, kam 1256 auf einem Feldzug gegen die Friesen um. Darauf wählte ein Teil der Kurfürsten, deren Wahlprivilegium damals zuerst auftritt, gegen Zahlung hoher Geldsummen Richard von Cornwallis, den Bruder des Königs von England, der mehrere Male am Rhein erschien, ohne einen wesentlichen Einfluß zu erwerben. Ein anderer Teil wählte, ebenfalls durch Geld gewonnen, den (S. 92) von den ghibellinischen Städten Italiens erworbenen Alfons von Kastilien, der in weiblicher Linie mit den Staufen verwandt war; dieser kam nie nach Deutschland. So brach für Deutschland "die kaiserlose, die schreckliche Zeit" herein, in der es an einer [...] Zentralgewalt inmitten der miteinander ringenden Sondergewalten fehlte.

Der Ausgang der Kreuzzüge

- Das Ende der Kreuzfahrerstaaten und die Schicksale der Ritterorden

In demselben Jahrhundert, das den Niedergang der Kaisermacht sah, gingen auch die Kreuzzüge und die christlichen Staaten im Orient zu Ende. Nachdem Jerusalem in die Hand des ägyptischen Sultans gefallen war, unternahm Ludwig IX. der Heilige von Frankreich einen Feldzug nach Ägypten; nach anfänglichen Erfolgen wurde er mit seinem Heere gefangen genommen und mußte sich durch ein hohes Lösegeld loskaufen. Später machte er einen Zug nach Tunis, starb aber dort an einer Seuche.

Darauf gingen Antiochia, Tripolis und 1291 auch Akkon verloren. Die geistlichen verließen Syrien. Der Deutsche Orden hatte schon seit 1230 die Eroberung Preußens begonnen. Der Johanniterorden verlegte seinen Sitz zunächst nach Cypern [Zypern], dann nach Rhodus [Rhodos], von wo aus er die Türken auf das heftigste bekämpfte. Nachdem Suleiman der Prächtige Rhodus nach schwerer Belagerung erobert hatte, übergab Karl V. dem Orden die Insel Malta, wonach man ihn auch den Malteserorden nannte. 1798 entriß ihm Napoleon die Insel.

Der Templerorden reizte durch seinen großen Reichtum die Habsucht Philipps IV. des Schönen von Frankreich. Von ihm gedrängt, hob 1312 der in Avignon residierende Papst Clemens V. den Orden, dem grobe Ausschweifungen und geheimer Götzendienst vorgeworfen wurden, auf; der Großmeister des Ordens wurde verbrannt.

- Die Ergebnisse der Kreuzzüge

Das Ende der Kreuzzüge wurde durch das allmähliche Erlöschen der schwärmerisch-religiösen, asketischen Stimmung herbeigeführt, der sie entsprungen waren. Sie hatten ungeheure Verluste an Menschen und Gut gekostet, ohne daß die christlichen Eroberungskolonien im Orient Bestand gehabt hätten. Die Gründe für den Mißerfolg lagen zunächst in der Uneinigkeit und schlechten politischen Leitung der Kreuzfahrerstaaten; ferner darin, daß die abendländische Einwanderung zu gering war, um Syrien in europäischer Weise zu kultivieren, und daß sie zum größten Teil aus (S. 93) Kriegern und Kaufleuten, nicht aus Bauern bestand; endlich auch darin, daß in diesem Militärstaat, wo aller Besitz und Erwerb unsicher war und auf der Spitze des Schwertes stand, ein Hasten nach schnellem Gewinn und Lebensgenuß entstand [...].

Indessen haben die Kreuzzüge auf die Kultur des Abendlandes den tiefgehendsten Einfluß ausgeübt. Der Stand zunächst, welcher der vornehmste Träger dieser Bewegung war, der Ritterstand, verdankte ihnen die religiös-schwärmerische Färbung seines Standesideals und seinen Zusammenschluß zu einer das ganze christliche Europa umfassenden Genossenschaft. Für die Völker des Abendlandes erwuchs sodann aus den Kreuzzügen und den durch sie herbeigeführten Berührungen mit fremden Völkern und Volkssitten eine Vermehrung der technischen Kenntnisse und des gelehrten Wissens, die im höchsten Maßen anregend wirken mußte. Den Aristoteles z. B., von dem die ganze mittelalterliche Philosophie, die Scholastik, abhängt, lernte das Abendland aus arabischen Bearbeitungen kennen. Der Spitzbogen, auf dessen konstruktiver Verwendung die Gotik beruht, ist zuerst in der arabischen Architektur, wenn auch nur als Ornament, verwandt worden.

Von besonderer Bedeutung war die durch die Kreuzzüge herbeigeführte außerordentliche Steigerung des Orienthandels. Dieser lag vorzugsweise in der Hand der Italiener, zumal der sich gegenseitig in stetem Wetteifer bekämpfenden Venetianer und Genuesen, mit denen dann die oberdeutschen Städte in enge Handelsverbindung traten. Über Alexandria, das wieder zum wichtigsten Platze für den westöstlichen Handel wurde, bezog man die Erzeugnisse Indiens; von den genuesischen Kolonien, die am Nordrande des Schwarzen Meeres entstanden, führten Handelsstraßen bis nach China, von dessen Reichtümern im 13. Jahrhundert der venetianische Reisende Marco Polo berichtete. Die osmanische Eroberung von Syrien, Ägypten und schließlich Konstantinopel schädigte diesen Handel sehr, und bald darauf wurde durch die Portugiesen der Seeweg nach Ostindien entdeckt. Doch blieb Venedig neben Lissabon und Antwerpen auch nachher noch längere Zeit eine der wichtigsten Plätze für den Orienthandel.

[zurück] [weiter]





aus: Neubauer, F., Lehrbuch der Geschichte für höhere Lehranstalten, Ausgabe A, IV. Teil, 19. Auflage. Halle a.d.S. 1915, S. 91-104

GM (digitale Edition) für psm-data