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Primärliteratur
20. Jahrh. | Deutschland | ...nach 1945
[P|S|M]
Nachkriegsdeutschland: Brief vom 13. Oktober 1946
Löttringhausen, den 13.10.46

Mein lieber Vater Löns!
Zunächst möchte ich gleich zu Beginn Sie um Verzeihung bitten, falls ich in meinem letzten Brief Sie irgendwie verletzt habe. Es war ganz gewiss nicht meine Absicht. Es war vielleicht die Reaktion nach all den Jahren, in denen man seine persönliche Meinung zurückgehalten und herunterschlucken musste, und da ich gewohnt war, mit Ihnen stets offen zu reden und wusste, dass Sie stets selbst Offenheit verlangten, ging die Feder mit mir durch und mein Schreiben klang vielleicht schlimmer als mir im Sinne war. So möchte ich Sie denn jetzt bitten, nicht falsch von mir zu denken und mich nur im Sinne zu halten als einen jüngeren Kameraden, der dankbar Ihnen gegenüber ist für alles, was Sie ihm Gutes getan haben. - Ihre Tochter Elisabeth hat mir geschrieben und berichtet, was so alles in letzter Zeit bei Ihnen vorgegangen ist. Nicht viel Erfreuliches, aber ich hoffe, dass die Besatzung an Ihrem Haus vorübergeht. Ich hatte gedacht, dass Sie in Warendorf abseits vom Schuss lägen, aber scheinbar (Blatt 2) sind gerade die abgelegenen – weil ziemlich intakten Städtchen – Anziehungspunkte. Ich glaube, dass jetzt, wo der erste Ansturm der verheirateten Soldaten vorüber ist, Ruhe eintreten wird. - Es hat mir noch weniger gefallen, zu hören, dass Ihr Gesundheitszustand sich verschlechtert hat. Man kommt so in die Jahre, ich auch, wo es nicht mehr so richtig geht wie man will. Meine Operation Anfang 1943 war so ein Mahnzeichen. Hoffentlich rappeln Sie sich auch wieder auf um noch „Jahrenden“ - erinnern Sie sich noch?! - in Ruhe verbringen zu können. Ihre Kinder sind jetzt alle herangewachsen und haben Ihre Erwartungen erfüllt. Viel Schönes, das gebe ich zu, hat für uns die Welt nicht mehr zu geben, abgesehen von dem, was man an Schönem sich gegenseitig im Familienkreis und unter den nächsten Verwandten und guten Bekannten tut. Und so lassen Sie mich schliessen in dem Gefühl, dass ich auch noch zu Ihrem guten Bekanntenkreis gehöre. In dem Sinne grüsse ich Sie, lieber Herr Löns herzlichst und hoffe, bald bessere Nachricht zu hören.
Ihr alter A.L.

Rauchen Sie noch Ihr Pfeifchen?




Originale


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Dokument in English Language


Quelle: Privatarchiv Alexander Decker, mit frdl. Genehmigung
Digitale Edition GM und AG (Übersetzung) für psm-data