Primaerliteratur
20. Jahrh. | Deutschland | Drittes Reich

[P|S|M]

Der Reichsbahnassistent Oskar Menzel: Arbeit gegen Partei-Engagement
Oskar Melzner, Lichtbild aus dem Wehrpass, 1939


1933: Hitler ergreift die Macht im Deutschen Reich und beginnt den Prozess der Gleichschaltung, in der alle Gesellschaftsbereiche auf die nationalsozialistische Volksgemeinschaft ausgerichtet werden. Mitgliedschaften in der NSDAP und in zahlreichen angeschlossenen Organisationen waren keine Pflicht- und doch bestand ein Druck, sich der Bewegung anzuschließen. Wer was werden wollte, war in der Partei und beteiligte sich dort lebhaft, durchlief eine "nationalsozialistische Laufbahn". Wer dies nicht wollte, hatte deutliche Nachteile bei der Erlangung eines Arbeitsplatzes, gerade im öffentlichen Dienst.
Das bekommt auch der gelernte Handlungs-Gehilfe Oskar Menzel (* 1. Mai 1909 in Beuthen/Oppeln) zu spüren. Inmitten des Krieges bewirbt er sich um eine Stelle als Reichsbahn-Assistent bei der Deutschen Reichsbahn, der unter der Parole "Räder müssen rollen für den Sieg" eine besondere Kriegswichtigkeit zuteil wird. Man hätte mit dem Dienst bei der Bahn dem Kriegsdienst für "Führer, Volk und Vaterland" entgehen können. Auf seine Bewerbung hin erhält Menzel eine Rückantwort von der NSDAP in seinem Reichsgau. Dadurch, dass die Partei auch in personellen Fragen, die das Reich betrafen, federführend war, zeigt sich die besondere Verbindung von Staat und Partei zwischen 1933 und 1945. In diesem Schreiben wird dem Gleiwitzer vorgeworfen, er beteilige sich nicht an Veranstaltungen der Partei und er habe vor einer Absage noch einmal die Möglichkeit, dazu schriftlich Stellung zu beziehen. Erst unter dem Druck der Partei beginnt er widerwillig, sich in der Partei zu engagieren. Eine weitere Beförderung wurde um ein Jahr ausgesetzt, weil er sich zwar scheinbar bemühe, den "Anforderungen als Volksgenosse" nachzukommen, ich jedoch nicht für die "Belange der Partei" interessiere.

Die Haltung Melzers gegenüber der NSDAP machte es ihm im Prozess der "Entnazifizierung" leichter und führte 1946 zu einer Übernahme in die Reichsbahn, der späteren Deutschen Bundesbahn. Dokumente, die dies bezeugen (und der Wehrpass Melzers von 1939) sind im Folgenden einsehbar:

Original-Schreiben der NSDAP (Gau Oberschlesien) zur Bewerbung (1942)
Abschrift von 1946 im Entnazifizierungsverfahren
Abschrift eines Schreibens der NSDAP; Aussetzung einer Beförderung
Reichsbahndirektorium Hannover bzgl. Wiederbeschäftigung (1946)
Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit (März 1949)

Wehrpass:

Wehrpass-Rücken
Seite 1
Seite 3
Seite 5
Seite 7
Seite 11
Seite 47

Als nebenläufig und dennoch relevant kann man folgende Briefvorlage werten, welche noch 1952 zu einer Beförderung verwendet wurde. Es offenbart, dass in Deutschland noch kein Sinneswechsel stattgefunden hat und immer noch Titel verwendet worden sind, die aus der Zeit vor 1945 stammen, als wäre der noch junge demokratische Staat "Bundesrepublik Deutschland" nicht existent:

Ernennung zum Reichsbahnsekretär (1952)

 

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