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Primaerliteratur
20. Jahrh. | Deutschland | Drittes Reich
[P|S|M]
Sendel Grynszpan (Grünspan) (Vater von Herschel) berichtet über die Umstände der Abschiebung nach Polen

"Als wir die Grenze erreichten, wurden wir durchsucht, wir durften zehn Mark mitnehmen, das übrige wurde beschlagnahmt. Und die SS sagte uns, wir müßten ca. zwei Kilometer bis zur polnischen Grenze gehen. Die SS ist mit Peitschen gekommen und hat uns geschlagen; die nicht gehen konnten, wurden geschlagen. Sie befahlen uns zu laufen und schrien: "Lauft, lauft, schnell." Ich selbst erhielt einen Hieb und fiel auf den Rand der Landstraße. Wir erreichten die Grenze. Wir überschritten sie, die Frauen voran, denn man begann, auf uns zu schießen. Die Polen wußten nicht, warum wir ankamen und weshalb so viele Leute da waren. Ein General und polnische Offiziere erschienen und prüften unsere Papiere. Sie sahen, daß wir polnische Bürger mit Sonderpässen waren. Sie beschlossen uns hereinzulassen. Es regnete in Strömen, manche fielen ohnmächtig hin, ältere Leute hatten Herzanfälle. Wir hatten seit Donnerstagabend nichts gegessen. Sonntag kam ein Lastwagen aus Poznan. Wir stürzten uns auf das Brot, das abgeladen wurde. Es gab genug, bis wir alle gesättigt waren. Dann habe ich einen Brief nach Paris meinem Sohn Herschel geschrieben."



zit. nach: Die "Reichskristallnacht", Das Judenpogrom vom November 1938 in Bremerhaven-Wesermünde, in: Bremerhavener Sonntagsjournal vom 6. November 1988