| Primaerliteratur |
| 20. Jahrh. | Deutschland | Drittes Reich | [P|S|M] |
Friedrich Stampfer (SPD) im Jahre 1957 über die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes
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Die Abgabe der Fraktionserklärung
durch Otto Wels war kein rhetorisches Glanzstück, wohl aber eine moralische
Leistung von unvergänglichem Wert. Hitler hatte als Redner einen seiner besten
Tage. Ich hatte ihn bis dahin für einen Maschinenredner mittleren Ranges
gehalten, nun merkte ich, dass er bei all seiner Unbildung und Beschränktheit
ein großer Volksschauspieler war [...]. Das Publikum raste vor Begeisterung.
Leider muss ich gestehen, dass ich
an diesem Meisterstück politischen Komödiantentums nicht ganz unschuldig war.
Ich hatte nämlich unsere Fraktionserklärung, einem alten Brauch entsprechend,
noch ehe sie verlesen war, der Presse übergeben. Von da war sie an Hitler
gelangt, der nun Zeit genug hatte, seine Antwort vorzubereiten. Er hatte diese
Zeit gut ausgenützt.
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| Quelle: Stampfer, F. (1957) -
Erfahrungen und Erkenntnisse. Köln, S. 268 |

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