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Komodo 12

Aus der ZUM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 24.08.2018
 Auf amazon.de kaufenChess Base GmbH, Hamburg – ISBN 978-3-86681-669-5, Preis 89,90 Euro

Ende Mai / Anfang Juni 2018 ist die neue Komodo-Engine in der Version 12 (genauer gesagt 12.1.1) beim Hamburger Anbieter ChessBase erschienen. Der mehrfache Computerweltmeister, der mit einer 64-bit-Multiprozessor-Maschine daherkommt, weiß auch in der aktuellen Ausgabe leistungstechnisch zu überzeugen. Sein ELO-Rating weist ihm auf der renommierten Internetseite „www.inwoba.de“ den dritten Platz mit einer ELO-Zahl von 3322 unmittelbar hinter Stockfish 9 (3383) und Houdini 6.02 (3347) zu. Damit sind die drei Genannten die derzeit einzigen Engines, die auf dieser Internetpräsenz die 3300-Marke überschreiten. Der ELO-Zuwachs von Komodo 12 im Vergleich zum Vorgänger (Komodo 11) fällt zwar nicht extrem aus und bleibt eher überschaubar (ca. 30 ELO-Punkte), aber die im Paket enthaltene „Monte Carlo-Engine“ stellt etwas Besonderes dar – dazu später noch weitere Anmerkungen.

Ausgeliefert wird das Programmpaket mit der aktuellen Fritz 16-Oberfläche und einer ChessBase Premium-Mitgliedschaft für sechs Monate, inklusive Zugang zu playchess.com, dem ChessBase Video-Portal, der Live Database und vielem mehr, wie sich nach Installation, Aktivierung und Start der Oberfläche leicht erkennen lässt. Das dreigeteilte Programm-Interface (Komodo – Playchess – Chessbase Web Apps) hat mich durch seine klare, übersichtliche Struktur, die leicht zu handhaben ist, wirklich überzeugt.

Im Gegensatz zu einigen meiner früheren Rezensionen möchte ich dieses Mal auf einen „häuslichen“ Leistungstest verzichten, weil es mit Sicherheit Rechnerumgebungen gibt, die mit vorzüglicher Hardware-Ausstattung und einem hohen Zeitaufwand umfangreiche Tests durchgeführt haben, die ich in dieser Form nicht anbieten kann. Der interessierte Schachfreund und potentielle Käufer wird aber in den bekannten Schachforen (z.B. www.inwoba.de, www.computerchess.org.uk/ccrl, http://cegt.forumieren.com, www.sp-cc.de oder anderen) fundierte Ergebnisse und Tests dazu vorfinden können.

Komodo 12 ist (und bleibt) damit eines der leistungsstärksten Schachprogramme und dürfte nahezu alle Schachinteressierten begeistern, ohne dass uns menschlichen Spielern auch nur der Hauch einer Gewinnchance bliebe. Selbst Welt- und Großmeister würden in einer längeren Turnier- oder Spielfolge keinen dauerhaften Erfolg für sich verbuchen können, da sind die Engines hoch überlegen.

Wohin jedoch die Entwicklung beim Computerschach gehen kann, zeigt uns eine andere Vorgehensweise auf, die ich bereits weiter oben erwähnte: die Monte Carlo-Engine oder auch das sog. „Alpha Zero-Projekt“. Was sich dahinter verbirgt, mutet schon beinahe revolutionär an: ein Computerprogramm, das ohne jegliche Kenntnisse des Schachspiels die hochoptimierten Versionen der aktuellen Schach-Engines vernichtend geschlagen hat. Wie kann / soll so etwas funktionieren? Simpel und einfach gesagt: das Konzept kann schon nach wenigen Stunden mit Partien gegen sich selbst so perfekt Spiele gestalten, dass die fähigsten Engines im wahrsten Sinne des Wortes untergehen. Als Beleg mögen vielleicht die folgenden exemplarisch ausgewählten Berichte / Resultate gelten:

„https://chess24.com/de/lesen/news/schachrevolution-durch-alphazero“ oder auch „https://de.wikipedia.org/wiki/AlphaZero“

Das Ganze funktioniert ohne Berücksichtigung höchstentwickelter Prozessoren oder RAM-Bausteine sondern nur durch sog. „Verstärkendes Lernen“. Dies heißt, dass MCTS (Monte Carlo Tree Search) Millionen von Partien gegen sich selbst spielen musste. Nach jeder Partie hat es einige seiner Gewichtungen optimiert und entschlüsselt, was gut funktioniert hat und was nicht. Man kann hier zum Teil auch von „neuronalen Netzwerken“ sprechen.

Wer dem Gedankengang tiefergehend folgen möchte, kann auch z.B. in diesem Schachforum mitlesen:
http://forum.computerschach.de/cgi-bin/mwf/topic_show.pl?tid=9635;pg=5.

Es bleibt festzuhalten, dass sich das aktuelle „Komodo 12“ diesem Trend anschließt und damit eine hochinteressante Entwicklung verfolgt. In der Spielstärke reicht vielleicht die Monte Carlo-Version noch nicht an die klassische Komodo 12-Schachengine ELO-technisch heran. Aber der Stil der beiden Versionen ist durchaus unterschiedlich: die Monte Carlo Version spielt wesentlich aggressiver und ist weniger auf materiellen Ausgleich fixiert, was interessante Perspektiven eröffnet. Wohin letztendlich die Entwicklung verläuft, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verlässlich abzusehen. Warten wir daher ein wenig ab!

Systemvoraussetzungen:
Minimum: PC mit Dual Core, 2 GB RAM, Windows 7, 8.1 oder neuer, DirectX11, Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetzugang.

Empfohlen: PC Intel i5 (Quadcore), 8 GB RAM, Windows 10, DirectX11, Grafikkarte mit 512 MB RAM oder mehr, 100% DirectX10-kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD-ROM -Laufwerk und Internetzugang.

Für den ChessBase Account: Internetzugang und aktueller Browser, z.B. Chrome, Safari, Firefox, Opera o.ä. Betriebssysteme: Windows, OS X, iOS, Android, Linux.

Fazit:
Das vorgestellte Programm „Komodo 12 mit AlphaZero Techniken“ hat mich überzeugt und beeindruckt mit seiner Spielstärke. Der 6-monatige Premium-Zugang zu „playchess.com“ und die Möglichkeit, an der ChessBase Cloud mit eigenem Account und auch an „Let’s Check“ für sechs Monate kostenlos teilzuhaben, sind gut und hilfreich für den engagierten Schachfreund.

Wer noch keine aktuelle Schach-Software sein eigen nennt und sein Spiel optimieren oder auf den Prüfstand stellen will, kann hier durchaus zugreifen. Der Preis ist vergleichbar mit alternativen Programmen und daher für das Gebotene absolut angemessen. Wer allerdings auf die ChessBase-eigenen Gimmicks (Fritz 16, Playchess, Chessbase-Webapps, Cloud o. Live Database) verzichten will und außerdem eine eigene Schach-GUI (z.B. Arena) benutzt, kann zur Erprobung und Evaluation auch auf eine kostenlose Engine wie z.B. das sehr leistungsstarke Stockfish zurückgreifen.

Herzlichen Dank an die Hamburger Firma ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(Pensionär und Co-Administrator auf ZUM-Schach)

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