„Power Play 11 – Verteidigung“ – Daniel King

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 28.12.2009
aus der Reihe: fritztrainer power play
Chess Base GmbH, Hamburg; ISBN ISBN 978-3-86681-137-9, Preis 29,99 Euro

Viele Veröffentlichungen in unserer Zeit – egal ob Software, Filme und Videos, Audio-Inhalte, Print Medien o. ä. – nehmen bekanntlich oft mit höherer, längerer Laufzeit deutlich im Niveau ab, beispielhaft seien hier aus meinem Blickwinkel genannt die Lindenstraße (1251 Folgen bisher), die Rocky-Filme I – VI, „Stirb langsam I – IV (V ist geplant)“, aktuell Asterix Bd. 34 anlässlich des 50. Geburtstags des Titelhelden...... (die Aufzählung ließe sich beliebig verlängern).
Ganz anders verhält es sich meines Erachtens mit dem 11. Produkt der Reihe „Power Play“, Titel „Verteidigung“, kommentiert vom Schachgroßmeister Daniel King. Mit dieser DVD will sich der Engländer einem scheinbar zwangsläufigen Dilemma des Schachspiels zuwenden, das in der Schwierigkeit besteht, in einer Partie noch das Ruder herumzuwerfen, nachdem der Gegner bereits deutliche Angriffsbemühungen unternommen hat. Ist es nämlich erst einmal so weit gekommen (auf der Basis „Richtig rechnen“ – Power Play 10 von Daniel King), wird es auch dem besten Schachspieler schwer fallen, ohne größeren Schaden aus der Partie herauszukommen.
Genau hier setzt unser Lehrmeister an: es gilt seiner Einschätzung zufolge, die Schlüsselmomente, aus denen potentielle Gefahr erwächst, rechtzeitig zu erkennen und nachfolgend eine (zu) passive Verteidigungsstellung zu vermeiden. Das Geheimnis einer guten Defensivtaktik besteht nämlich darin, auf aktive spielerische, positionelle Elemente zu setzen. King versteht es wirklich meisterhaft, dem Zuhörer / Zuschauer diese notwendigen Vorgehensweisen anhand zahlreicher Beispiele zu verdeutlichen. Der Aufbau der DVD gestaltet sich wie folgt:
Nach einer allgemeinen Einführung in die zu besprechende Thematik stellt uns der Moderator 10 Testsituationen aus real gespielten Partien der neuesten Zeit vor, die vom Interessenten zu analysieren und auf erfolgreiche Fortsetzungen zu prüfen sind. Wie aus der Vergangenheit wohl bekannt, weist der Großmeister immer wieder darauf hin, selbstverständlich das Notationsbrett des beigefügten ChessBase Readers (der Programmoberfläche) auszuschalten und die Stellungen an einem realen Schachbrett – und nicht am Computer – nachzuspielen. Gleiches gilt natürlich auch für die Auflösungen, die sich am Ende des DVD-Lehrgangs befinden. Wer sich selbst betrügen möchte, dem sei empfohlen, sofort die Lösungen aufzusuchen, um am Ende sagen zu können „...habe ich ja alles gewusst...“. Nach dieser Einführung und dem Hinweis auf die Aufgabenstellungen schließt sich der meines Erachtens bedeutsamste Teil der DVD an. In insgesamt 46 Themenpartien wird dem Schachbegeisterten ausführlich, präzise und auf sehr unterhaltsame Art eine Strategievielfalt vorgeführt, die bemerkenswert ist. Wir erfahren von typischen Situationen im Schachspiel, die man gründlich nacharbeiten sollte, weil der Lernzugewinn ein beachtlicher ist. Es geht um folgende Inhalte:

• Die verfrühte / verzögerte Rochade
• Der Vorstoß des f-Bauern
• Der Vorstoß g4 / h4
• Passive Spielweise
• Die Grundreihenschwäche
• Das Ausschlussverfahren
• Pattsituationen

Zahlreiche sehr namhafte Schachgrößen hat King auf der DVD zu unserer schachlichen Weiterbildung versammelt – ein wahres „Who Is Who“ der Schachwelt (u. a. Anand, Andersson, Ivanchuk, Karpov, Kasparov, King, Kortschnoj, Kramnik, Morozevich, Nielsen, Ponomariov, Seirawan, Sokolov, Spassky, Topalov – um nur die Wichtigsten zu nennen). Jede Partie wird in diesem DVD-Mittelteil intensiv unter der Prämisse der zielgerichteten Verteidigung untersucht und ausgewertet.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP oder Vista, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Wieder einmal stellt die Power Play-Reihe eine Bereicherung für das schachbezogene Lernen dar – und wieder einmal eine klare Empfehlung meinerseits, auch weil sich Daniel King angenehm von den zahlreichen Vertretern seiner Zunft abgrenzt. Keine öden, stereotyp vorgetragenen Phrasen, sondern ein lebendiger, lebhafter Vortrag – glänzend gemacht!!
Weiterhin wichtig bleibt für mich Daniel Kings Grundgedanke „nicht nur bloßes Nachspielen, sondern kreative Auseinandersetzung mit Aufgabenstellungen“, damit sich der entscheidende Lernzuwachs beim Interessenten ergeben wird.
Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)