Power Play 12 – Der Igel – Daniel King

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 07.03.2010
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer power play ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-161-4, Preis 29,99 Euro

Das Dutzend ist voll, könnte man an dieser Stelle zur Einleitung sagen. Unser englischer Lehr- und Großmeister Daniel King hat es mit seinem neuesten Werk geschafft, eine symbolträchtige Zahl zu erreichen. Zum 12. Mal freue ich mich darauf, seine methodisch gut aufbereiteten Lehr-DVDs einer inter¬essierten Leserschaft zu präsentieren. Schauen wir uns also einmal an, was auf dieser Scheibe geboten wird.
Daniel King definiert ganz deutlich, dass der Igel keine bloße Eröffnung ist, sondern ein Spiel-system, das sich aus den verschiedensten Eröffnungsvarianten gestalten lässt. Genauso zeigt sich, dass der Igel immer aus der schwarzen Perspektive gestartet wird. Egal, was Weiß spielt, ob 1. c4, 1. d4 oder 1. e4, der Nachziehende ist fast immer in der Lage, den Igel-Aufbau zu errei¬chen. Der von King als typischster Verfechter dieses Systems genannte Spieler ist der schwedi¬sche Großmeister und Spitzenspieler Ulf Andersson, dem es nahezu immer gelingt, mit den schwar¬zen Steinen den Igel-Aufbau zu realisieren. Er hat den Igel auf den Schachbrettern der Welt gesellschaftsfähig und vor allem zu einem überaus erfolgreichen Spielsystem gemacht. Es zeigt sich im weiteren Verlauf, dass außer Andersson auch weitere namhafte Spitzenspieler diese Variante pflegen, stellvertretend seien hier die Welt- und Großmeister Karpov, Kasparov, Kramnik und Anand genannt.
Unser englischer Lehrmeister erläutert auf der bei ChessBase erschienenen DVD sehr ausführ-lich die Strategie, die es zu verfolgen gilt, um den typischen Igel-Aufbau zu erreichen. Prägend dafür steht seiner Meinung nach die Bauernstellung, bei der Schwarz seinen c-Bauern gegen den weißen d-Bauern getauscht hat. Springer auf f6 und d7, sowie der schwarze Läufer auf b7 und eine restliche Bauernstellung auf der 6. und 7. Reihe locken den Weißen, das Zentrum zu besetzen, aber zeigen nachfolgend drastisch auf, wie viele Lücken hinter (!) der weißen Bauern-stellung vorhanden sind. Zwei halboffene Linien und meistens frei verfügbare Diagonalen weisen auf die Schwächen der weißen Königsstellung hin. Natürlich ist es nicht so, dass Schwarz generell und grundsätzlich mit diesem System gewinnt oder gewinnen muss, aber in der typischen Kontertaktik liegt der Reiz für das erfolgreiche Spiel. In seinen einleitenden Worten machte Daniel King schon sehr deutlich, dass man sich nicht nur auf den bildhaften Vergleich mit einem wahrhaften Igel, der sich einigelt und verteidigt, be-schränken darf, sondern der Igel kann auf dem Schachbrett zu einer sehr aggressiven, raub¬tier-ähnlichen Bestie werden, die alles frisst, was sich ihr in den Weg stellt. Eine hochinteres¬sante Variante, zu der ich allen Schachfreunden und Schachfreundinnen nur raten kann. Auch den-jenigen, die nun meinen, ihr Standardspielsystem bereits gefunden zu haben, sei empfohlen, sich den Igel einmal genauer anzuschauen – es lohnt sich allemal.
Der Aufbau auf der DVD ähnelt der Vorgehensweise, die meines Erachtens typisch für Daniel Kings Aufbereitung von Schachthemen und –lehrinhalten ist. Einer knapp 30 minütigen Einfüh-rung schließen sich 14 Test- und Aufgabenstellungen an, die vom Lernenden zu analysieren, bzw. durch gute Fortsetzungen zu lösen sind. Der Kern des Datenträgers wird gefüllt durch fun-dierte und mehr als umfangreiche Ausführungen zu den Strategien, die es umzusetzen gilt. Wir erhalten Material zum Igel-Aufbau gegen Fianchetto-Systeme mit Lg2, aber auch Handreichun-gen zum Verhalten gegen klassische Systeme. Im letzten Teil der Silberscheibe verhilft uns dann der Engländer zu Lösungen und Erkenntnissen bei den vorhin genannten Teststellungen, die es ganz sicher in sich haben. King versteht es wirklich auch dieses Mal meisterhaft, dem Zuhörer / Zuschauer diese notwendigen Vorgehens¬weisen anhand zahlreicher Beispiele zu verdeutlichen. Die Gesamtlaufzeit der Videosequenzen liegt bei über 5 Stunden. Der Inhalt lässt sich wie immer über den auf der DVD beiliegenden ChessBase Reader, eine ChessBase Vollversion oder eine Oberfläche wie beim Schachprogramm Fritz als Schachmedia-Datei wiedergeben.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP oder Vista, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Vielleicht sollte die Hamburger Firma ChessBase doch aktuell einmal überdenken, auf ihren Verpackungen realistischere Anforderungen ans Computersystem aufzudrucken, weil ich mir jedes Mal die Frage stelle, wie ich die neuen (!) Betriebssysteme mit der genannten Hardware zum Laufen bringen will.
Fazit: Auch dieses Mal stellen die Power Play-Reihe und Daniel King eine Bereicherung für das schachbezogene Lernen dar – und wieder einmal eine klare Empfehlung meinerseits, vor allem wegen der lebendigen Vorträge des Großmeisters, denen man allzu gerne folgen will.
Und ich wiederhole mich gerne noch einmal: Weiterhin wichtig bleibt Daniel Kings Grund-gedanke „nicht nur bloßes Nachspielen, sondern kreative Aus¬einandersetzung mit Aufgaben-stellungen“, damit sich der entscheidende Lernzuwachs beim Interessenten ergeben wird.
Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)