My best games – Yasser Seirawan

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 19.03.2010
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer grandmaster school ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-158-4, Preis 32,90 Euro

Mit seiner ersten bei ChessBase erschienenen DVD erlaubt uns der US-amerikanische Groß-meister syrischer Abstammung einen Einblick in die frühen Jahre seiner glänzenden Schach-karriere. Wir können auf eine Sammlung von 22 Partien zurückgreifen, die alle in den Jahren von 1975 – 1982 bei internationalen Events gespielt worden sind, also nicht mehr ganz frisch und aktuell erscheinen. Wir treffen allerdings im Gegenzug – wie so oft bei Produkten aus dem Hamburger Schachsoftwarehaus – auf eine bemerkenswerte Ansammlung von Groß- und Weltmeistern, die uns mit leuchtenden Augen oder klopfendem Herzen ans Brett fesseln soll.
Dieses Mal begegnen wir als Widersachern Seirawans den Schach-Koryphäen Larsen, Gligoric, Kortschnoi, Tal, Timman, Karpov und einigen wenigen nicht ganz so großen Meistern. Wen wun¬dert es, dass Seirawan uns 21 Siege und lediglich ein Remis gegen Karpov präsentiert – zumal der Titel „My best games“ eigentlich nichts anderes zulässt. Der gebürtige Syrer zeigt sich während der 5 Stunden Videolaufzeit als charmanter Plauderer, der seine Zuhörer und Zuschauer durch Eloquenz, aber auch hohes schachliches Wissen zu fes-seln vermag und uns intensive Einblicke in sein schachbezogenes Denken ermöglicht. Seinem Englisch vermag man leicht zu folgen und auch seine hohe kommunikative Kompetenz unter-scheiden sich angenehm von anderen Protagonisten seiner Zunft.
Seirawan erläutert in seinen Partiebeispielen seine Taktik, Strategie und seinen Stil, Schach zu spielen. Allerdings muss ich ein wenig kritisch anmerken, dass der Charakter der DVD keinem Lehr- oder Schulungsaspekt entspricht. Hier präsentiert sich uns keine Lernplattform im Stile eines Lehrgangs oder einer Schulung, sondern in einer eher „gemütlichen Wiener Kaffeehaus-atmo¬sphäre“ plaudert der Großmeister über seine Erfolge und Gewinnstrategien – hervor-zuheben ist ebenfalls das ehrliche Eingeständnis, in der Partie gegen Karpov einen sicheren Sieg weg¬geschenkt zu haben.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7 (die bei dieser absolut unrealistischen Hardwarevorgabe sicher wieder einmal phan¬tastisch laufen werden...), DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Ich wiederhole mich gerne an dieser Stelle: Vielleicht sollte die Hamburger Firma ChessBase doch aktuell überdenken, auf ihren Verpackungen realistischere Anforderungen ans Computer-system aufzudrucken, weil ich mir jedes Mal die Frage stelle, wie ich die neuen (!) Betriebs-systeme mit der genannten Hardware zum Laufen bringen will. Fazit: Wer eine DVD zur schachlichen Entspannung sucht und keineswegs einen Lehrgang, der kann sich durchaus an den kurzweiligen Ausführungen Seirawans vergnügen. Wer sein Schach-können effektiv trainingsartig steigern will, muss sich anderweitig umschauen. Außerdem bleibt am Ende ebenfalls die Frage offen, ob jeder Schachfan bereit ist, knapp 33 Euro für leichte Unterhaltung auszugeben.
Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)