„Power Play 13 – Der Würgegriff“ – Daniel King

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 30.06.2010
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer power play ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-164-5, Preis 29,99 Euro

„Jetzt schlägt’s dreizehn!!!“ Mittlerweile liegt die 13. Lehr- und Trainings-DVD des englischen Großmeisters Daniel King bei der Hamburger ChessBase GmbH vor. Wieder einmal freue mich sehr auf diese Ausgabe und bin mehr als gespannt, welche schachlichen Leckerbissen unser Lehrmeister dieses Mal für uns bereit hält.
„Der Würgegriff“ oder – wie Daniel King es bei der Präsentation ausdrückt – „Das Druckspiel“ (auf Englisch „The Squeeze“) bedeutet eine strategische Variante, bei der einer der beiden Schach-Kontrahenten versucht, seinem Gegenüber alle Möglichkeiten zu nehmen, sich in Szene zu setzen. Eine sehr subtile Vorgehensweise, von der selbst der Autor meint, dass sie brutal in ihrer Konsequenz ist. Der Grundgedanke lautet demnach nicht, eigene Pläne oder Ideen zu forcieren, sondern in erster Linie sollen beim Gegenspieler jegliche Strategie oder Erfolg versprechendes Positionsspiel behindert, blockiert oder unterdrückt werden. Der Widersacher kann nichts unternehmen und ich brauche (im Idealfall) nur zu warten, bis sich die Schlinge zugezogen hat.
Natürlich darf nicht verschwiegen werden, dass sich solche Ideen nicht von selbst entwickeln, sondern man schon ein gehöriges Maß an Spielkunst besitzen muss, um diesen Plan des Unterbindens erfolgreich umzusetzen. King scheint sich sogar bisweilen ein wenig zu schämen, wenn er die Terminologie des „Zerquetschens“ in seinen Ausführungen verwendet. Ein mehr als 2500 Jahre altes Zitat eines chinesischen Generals mit Namen Sun Tzu wird von unserem Schachtrainer als Beleg für den Erfolg der Vorgehensweise angeführt: „Hundert Siege in hundert Schlachten zu erringen, ist nicht der Höhepunkt des Könnens. Den Feind ohne Kampf zu unterwerfen, ist der Höhepunkt des Könnens.“ (aus: „Die Kunst des Krieges“ ca. 500 v. Chr.)
Als Einstieg in das Thema zeigt er uns eine eigene Partie, in der er als 13-jähriger Schachspieler den bereits überaus erfolgreichen ungarischen Großmeister Adorjan bei einem Simultanmatch 1977 trotz der genannten Strategie des Weißen nach einem Fehler zur Aufgabe zwingt – ein fast geniales Konterspiel möchte man nach der Betrachtung meinen. Eine zweite Partie zwischen den Weltmeistern Kramnik und Kasparov zeigt uns im Intro andererseits den häufigen Erfolg des besprochenen Wegs des Unterdrückens der gegnerischen Entfaltungsmöglichkeiten ebenfalls mehr als anschaulich auf.
Es folgen im weiteren Verlauf in bekannter Manier Daniel Kings sogenannte Teststellungen, dieses Mal sind es 15, die der Betrachter durch eigene Analysen erschließen soll, um dann eine konsequente Fortsetzung zu erarbeiten. Am Ende der DVD lassen sich dann gemeinsam mit dem Engländer die Lösungen vergleichen, so dass jeder, der sich nicht selbst betrogen hat (weil er vorzeitig gespickt hat), zu einer echten Leistungsbewertung seiner Schachqualitäten gelangt.
Das ist aber bei weitem noch nicht alles: in ca. 30 Partiebeispielen erhält man einen sehr stringent aufgebauten Lehrgang zum „Würgegriff oder Druckspiel“, bei dem aus den unterschiedlichsten Schachepochen prominente Meister ihr Können zelebrieren. Die Beispielpartien sind unter anderem von Alekhine, Anand, Andersson, Botvinnik, Bronstein, Fischer, Karpov, Kasparov, King, Kramnik, Nunn, Petrosian, Short, Spassky, Timmann und Unzicker, wobei ich nur die wohl bekanntesten Schachgrößen genannt habe. Die Gesamtlaufzeit der Videosequenzen beträgt mehr als 5 Stunden. Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7 (was – wie immer wieder von mir erwähnt – bei dieser Hardwarevorgabe Probleme bereiten wird...), DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Wieder einmal eine überaus geglückte DVD meines Lieblingsautors Daniel King, der in gewohnter Manier den Betrachter motivierend anzusprechen weiß. Ich jedenfalls kann mich der Faszination, die King bewirkt, nicht entziehen.
Dank wie immer an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar, das jeden Euro wert ist.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)