ChessBase 11 – Wissen ist Matt

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 16.10.2010
 Auf Amazon.de kaufenChessBase GmbH, Hamburg; erschienen Oktober 2010 ISBN: 978–3–86681–204–8; Preis 179,90 Euro (Start-Paket)
[Das Mega-Paket kostet 269,90 Euro, das Premium-Paket 369,90 Euro, ein Upgrade 99,90 Euro. Im Text wird nachfolgend nur das Start-Paket getestet und beschrieben.]

Das Jahr 2010 geht mit langsamen Schritten zu Ende und der Philosophie der Hamburger Firma ChessBase folgend erschien in diesen Wochen das neueste Schach-Datenbank-Produkt ChessBase 11. (ChessBase 10 war bekanntlich im Juli 2008 herausgekommen.)
Was gibt es nach gut zwei Jahren an Neuem zu berichten? Wo liegen die Unterschiede zu den wohl ebenfalls bekannten Vorgängerversionen? Welche Zielgruppe soll das Produkt ansprechen? Diese Fragen gilt es primär im Folgenden zu klären.
Zuerst einmal sei hervorgehoben, dass diese Datenbank mittlerweile weltweit sowohl bei Schachprofis als auch motivierten Vereinsspielern oder engagierten Schachfreunden mit Spaß am Spiel quasi zum Standard für Schachrecherchen jeglicher Art geworden ist. Der Spieler oder die Spielerin erhält hilfreiche Informationen zu aktuellen Varianten, kann sein eigenes Repertoire vergrößern, sogar potentielle Schwachstellen der Gegner analysieren (wenn sie denn in den Datenbanken gelistet sind...). Die Fülle an verfügbaren Daten ist enorm und lässt die Herzen aller Schachenthusiasten sicher höher schlagen.
Neu ist vor allem eine überarbeitete Bedienungsstruktur: Wer MS Office Programme kennt, weiß über die Möglichkeiten der neuen „Ribbons“ Bescheid. Auch bei der aktuellen Fritz 12 Version wurde diese Oberfläche bereits verwendet. Die Veränderungen sind meines Erachtens aber nicht nur einem optischen „Aufpeppen“ geschuldet, sondern stellen in der Praxis tatsächlich eine Bedienungsvereinfachung dar. Man sieht auf einen Blick mehr und muss sich nicht wie bisher durch verschachtelte Klappmenüs hindurch klicken. Nachdem ich mittlerweile lange Zeit mit den genannten Office-Produkten gearbeitet habe, kann ich den Veränderungen viel Positives abgewinnen – das wird auch bei ChessBase 11 so sein. ChessBase 11 überprüft übrigens beim Öffnen von neuen Fenstern, wie groß der Bildschirm ist – auch 16:9 Formate werden erkannt – und wie die aktuelle Fensteraufteilung gewählt wurde. Dann öffnet es die neuen Fenster automatisch so, dass der Platz auf dem Bildschirm optimal genutzt wird. Außer diesem „Face-Lifting“ gibt es weitere echte Neuerungen. Hier ist unter anderem eine neue Art von Eröffnungsbewertungen zu nennen. Der Schachfreund sieht nicht mehr nur die statistische Abbildung von häufig benutzten Varianten, sondern bekommt angezeigt, was aktuell (!) mit welchem Erfolg von referenzierten Schachgrößen gespielt wird. Auch das Spielerlexikon lässt sich vielfältig nutzen: Der Zugriff gewährt informative neue zusätzliche Möglichkeiten. Ich kann die Listen beispielsweise durch Anklicken eines Spaltentitels nach diesem Kriterium sortieren (z.B. nach ELO, nach Nation oder... oder...). Zusätzlich gibt es hier auch einen Filter – ähnlich einer Suchmaske – mit der man bestimmte Abfragen beantworten kann. Neben der Direktliste, die sich beim Anklicken eines Datenbanksymbols im Datenbankfester automatisch öffnet, gibt es in ChessBase 11 jetzt ein neues Schnellbrett, in dem man „auf die Schnelle“, ohne ein großes Brett zu laden, Partien durchspielen und sogar kommentieren kann. Da das Nachspielen von Partien für die meisten Schachfreunde vermutlich zu den häufigsten Anwendungen eines Schachprogramms gehört, kann das neue ChessBase-Produkt dabei einige überaus nützliche neue Funktionen bieten.
Für Suchen und Recherchen gibt es verschiedene Angebote mit speziellen Vorteilen. Wenn ich nach einer ganz bestimmten Stellung suche, habe ich die Wahl zwischen „Online“, was auf die ChessBase Online-Datenbank verweist oder „Festplatte“ - was in der eigenen Referenzdatenbank auf der Festplatte sucht. Der Zugriff auf die Festplatte ist schnell, der Zugriff auf das Internet und die Online-Datenbank, aber unter Umständen noch schneller, vor allem, wenn man eine schnelle Internet-Verbindung hat. Wer keine Zeit hat, seine eigene Datenbank regelmäßig zu pflegen, findet durch die Online-Suche mit Sicherheit auch die neuesten Partien. Die Datenbank wird wöchentlich aktualisiert. Wer dennoch über den Mega-Updateservice seine Datenbank auf der eigenen Festplatte regelmäßig aktualisiert, hat dann am Ende eine kommentierte Quelle, die vermutlich allen Anforderungen mehr als genügt. Nicht jeder von uns ist schließlich ein solcher Profi, der diesen Wissensfundus komplett ausschöpfen wird. Interessant sind vielleicht auch noch folgende Highlights:
Trifft man in einer Partie auf eine vermeintlich unbekannte Variante, kann ich mit Hilfe der Online-Datenbank überprüfen, ob es sich tatsächlich um eine Theorieneuheit handelt. Bei gedrückter Maustaste zeigt das Programm den besten Gegenzug durch einen Pfeil an, sogar bei laufender Schachengine. Je länger man die Figur festhält, desto genauer fällt die Analyse des möglichen Gegenzugs aus.
Für Technikfreaks: Aus der Datenbankliste kann eine Veröffentlichung von Partien im Internet mit einem einzigen Klick erzielt werden. Es ist keine eigene Webseite notwendig, mit Hilfe eines Silverlight-Clients kann sie jedoch überall eingebettet werden. E-Books in den Formaten epub und mobi (für Amazon Kindle und Sony Reader) können aus dem Programm heraus erzeugt werden. Serverseitig können die letzten 40 Partien eines Spielers als Datenbank heruntergeladen werden (falls der Spieler sie denn auf sichtbar geschaltet hat). Hier zum Schluss noch einmal die wesentlichen Bestandteile des ChessBase 11 Start-Pakets:

• ChessBase 11 Programm
• Zugang zur aktuellen CB-Onlinedatenbank mit über 5 Mio. Partien
• Fritz 6-Engine und Crafty-Engine
• Spielerdatenbank mit über 30.000 Spielerportraits
• ChessBase Big Database 2010 incl. Gutschein für kostenloses Upgrade auf Big 2011
• Partiendownload bis 31. Dezember 2011
• ChessBase Magazin Halbjahresabonnement (3 Ausgaben DVD + Heft)

Das Mega-Paket unterscheidet sich vom Start-Paket dadurch, dass es ein Jahresabonnement des ChessBase Magazins mit 6 Ausgaben enthält (siehe: Shop unter http://www.chessbase.de), was mich allerdings wegen der Preisdifferenz ein wenig erstaunen muss. Im Premium-Paket sind ergänzend zum Start-Paket noch beigefügt:

• DVD Fritz Endspielturbo 3 (9 DVDs),
• ChessBase Fernschachdatenbank 2011,
• ChessBase Magazin Jahres-Abo (6 Ausgaben),
• Premium-Mitgliedschaft auf schach.de (1 Jahr)


Systemvoraussetzungen:
Minimum: 1 GHz Pentium III, 512 MB RAM, DVD-Laufwerk, Windows ab XP SP 3, DirectX 9, Grafikkarte mit 256 MB RAM, Windows Media Player 9, Internetzugang für Updates, Online-Datenbank und Aktivierung (Online-Service endet am 31.12.2011)
Empfohlen: PC mit Intel Core 2 Duo 2,4 GHz, 4 GB RAM, DVD-Laufwerk, Windows 7, DirectX 10-Grafikkarte mit 512 MB RAM o. mehr, 100% DirectX-kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, Internetzugang für Updates, Online-Datenbank und Aktivierung (Online-Service endet am 31.12.2011)

Fazit:
Wie so oft, sollte ich mich auch dieses Mal zu einer Äußerung durchringen – aber es fällt mir immer wieder schwer (bzw. noch schwerer...)! In Anlehnung an einen alten Kalauer und den Programm-Untertitel kann ich mir nicht verkneifen zu sagen: „Wissen ist ‚Matt‘, aber nichts wissen, ‚matt‘ auch nichts...“ Ich kann wieder einmal kein für alle eindeutiges Resultat ermitteln. Für Vereinsspieler und Profis dürfte die Fragestellung „kaufen oder nicht“ noch am ehesten zu beantworten sein: wer kein neueres Datenbank-Programm besitzt, der muss ohne zu zögern kaufen, auch wenn der Preis verglichen mit 2008 geklettert ist; die aktuellen Neuerungen sind es allerdings im Vergleich zu Versionen vor ChessBase 9 wert.
Einem Neuling oder jemandem, der das Schachspiel erst kennenlernen will, kann ich nur raten, mit der Anschaffung zu warten und sich erst einmal zu fragen, ob er das Schachspiel seriös weiterbetreiben möchte, um dann ggf. nachfolgend einen Kauf in Erwägung zu ziehen. Wenn die Entscheidung dann lautet, ich brauche eine Schachdatenbank, kann man am aktuellen ChessBase-Produkt absolut nicht vorbeigehen.

Dank wie immer an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar, das jeden Euro wert ist.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)