Chessbase 9.0

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Michaela Mielke und Dr. Udo Käser am 12.03.2005

Bei ChessBase 9.0 handelt es sich um die zuletzt erschienene Version der von Mathias Feist, Lutz Nebe, Jeroen van den Belt und Matthias Wüllenweber programmierten Schachdatenbank, die mittlerweile weltweite Verbreitung gefunden hat und gleichermaßen für Profis und interessierte Amateure zum Standard geworden ist. Die Installation des Programms ist gut erklärt und sehr unproblematisch. Ältere Versionen von ChessBase müssen nicht deinstalliert werden. Vielmehr ist es möglich, die neue Version parallel zu älteren Versionen zu installieren. Erfreulich ist der Umstand, dass ältere Datenbanken, die unter früheren Versionen erstellt wurden, automatisch erkannt werden und nicht manuell importiert werden müssen.
Die Verwaltung der Datenbanken wurde mit der Version 9.0 weiter optimiert. Dies gilt insbesondere für Suchalgorithmen, um Partien nach unterschiedlichen Kriterien innerhalb von Datenbanken zu filtern. Dauerte die Suche bei großen Datenbanken (z. B. Megabases mit mehreren Millionen Partien) früher noch sehr lange, benötigt ChessBase 9.0 nur wenige Sekunden. Zugleich laufen Datenbanken unter ChessBase 9.0 nach bisherigen Erfahrungsberichten auch stabiler als früher. Kam es bei älteren Versionen gelegentlich vor, dass bei Datenbanken ohne vorherige Anzeichen plötzlich Integritätsverletzungen auftraten und Informationen verloren gingen, traten entsprechende Fehler in der aktuellen Version bislang noch nicht auf. Ein weiterer Vorteil besteht schließlich darin, dass Datenbanken nun vergleichbar zur Oberfläche unter Windows in eigenen Fenstern aufgerufen werden. Hierdurch ist das Übertragen von Partien, um z. B. Spiele von einer Datenbank in eine andere zu kopieren, viel einfacher geworden.




Neben diesen programminternen Möglichkeiten bietet das Programm zugleich Zugang zum Internetforum www.schach.de, auf dem Teilnehmer in sehr schön gestalteter Weise über die Möglichkeit verfügen, unter variabel einstellbaren Zeitmodi Onlineschach zu spielen, Schachturnieren im Internet beizutreten, interaktiv an Trainingseinheiten teilzunehmen oder diese bei ausreichender Spielstärke auch anzubieten. Gästen gegenüber haben Besitzer von ChessBase 9.0 hier den Vorteil, dass neben einer größeren Anzahl von Optionen, die sie nutzen können, ihre persönlichen Ergebnisse auch in einer Rangliste nach ELO-Zahlen gespeichert werden. So kann jeder Teilnehmer seine individuellen Fortschritte unmittelbar verfolgen. Gelungen ist auch die Implementation des Zugangs zu www.schach.de durch eine eigene Schaltfläche, die deutlich sichtbar in die Benutzeroberfläche integriert wurde, ohne störend zu sein. Die Verbesserungen gegenüber den Vorgängerversionen erhöhen auch die Möglichkeit, mit ChessBase sinnvoll zu trainieren, in ganz besonderem Maße. So wurde das Einfügen von Diagrammen in Partiekommentare verbessert. Gab es bei dieser Option bei älteren Programmversionen mitunter noch Schwierigkeiten, sind diese nun behoben worden. So bietet das Einfügen von Diagrammen nun die einfache Möglichkeit, sehr leicht kritische Partiesituationen durch Diagramme, die an der richtigen Stelle einer Partie platziert werden, zu veranschaulichen. Vor allem für Trainierende, die gerne mit Ausdrucken arbeiten möchten, ist diese Verbesserung sehr angenehm.
Auch die multimediale Unterstützung der Partiekommentierung ist weiter vorangeschritten. So können nun sehr leicht Partiekommentare z. B. durch Audio- oder Videodateien in Zugfolgen von Partien eingebunden werden. Auch wenn diese Option wahrscheinlich nur von wenigen Anwendern selbst genutzt werden wird, geht damit aber auch die Möglichkeit einher, Großmeister zur Analyse von Partien zu sich nach Hause zu holen: So bietet ChessBase mittlerweile eine Reihe von klassischen Schachpartien an, die von berufener Seite kommentiert worden sind, wie auch entsprechende Analysen zu verschiedenen Varianten der Eröffnungstheorie u. a. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass Chess Base 9.0 selbst nur zwei Partien mit multimedialer Analyse enthält: Eine Partie Kasporov - Short (Olympiade Thessaloniki 1988) mit einer Videoanalyse Kasparows sowie eine Partie Korschnoi – Karpow (Kandidatenfinale Moskau 1974) mit einer Audioanalyse Dr. Pflegers nach Kommentaren Kortschnois. Interessenten kommen somit nicht umhin, zusätzliche Produkte zu erwerben und die Sammlung multimedialer Analysen ggf. sogar kontinuierlich zu ergänzen.
Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Möglichkeit, nach vorgegebenen oder selbst definierten Schlüsseln, d. h. Kategoriensystemen, Partien sortieren zu lassen, so dass z. B. alle Partien einer Datenbank zum Thema "Sizilianisch" oder "Damenendspiel" zusammengestellt werden. Einerseits wurde diese Option einfacher gestaltet, so dass neue Schlüssel leichter definiert und die vorgegebenen Schlüssel leichter genutzt und auf neue Datenbanken übertragen werden können. Andererseits wurden die bisherigen Schlüssel gerade für Mittelspiele und Endspiele wesentlich stärker differenziert, so dass es nun in der Regel schnell möglich ist, zu Trainingszwecken alle Partien zu einem Thema zusammen zu stellen, ohne dass mühsam neue Schlüssel definiert werden müssten. Dies betrifft aber nicht nur Vorteile für das Training von Motiven, sondern ebenfalls die Möglichkeit, Spielerdossiers zu erstellen: Dies vereinfacht gleichermaßen die Vorbereitung auf Gegner wie die Analyse eigener Stärken und Schwächen.
Des Weiteren gehören wie schon in früheren Programmversionen die Analysemodule Fritz und Crafty zum Lieferumfang der Datenbanksoftware, die aber auch kontinuierlich weiterentwickelt werden. So kann das Analysieren von Partien durch das Verwenden der implementierten Schachcomputer unterstützt werden. Diese Möglichkeit nimmt den Trainierenden aber auch in die Pflicht: Es ist mit Hilfe dieser Engines leicht möglich, Stellungen schnell beurteilen und sich Varianten empfehlen zu lassen, ohne sich selbst auf die jeweilige Position einzulassen und sie zu durchdringen. So können die Analysemodule zwar dazu führen, dass Anwender Partien besser verstehen, doch ist auch die Möglichkeit gegeben, dass das genaue Gegenteil erreicht wird und die Rechenkraft der Schachcomputer zu einer größeren Oberflächlichkeit auf Seiten des menschlichen Anwenders führt –¬â€œ das Schicksal jeder technischen Errungenschaft. Insgesamt bietet ChessBase 9.0 somit ausgezeichnete Möglichkeiten, Schachpartien zu archivieren und zum systematischen Training zu nutzen. Der erfolgreiche Einsatz der Datenbanksoftware im Rahmen eines möglichst effizienten Trainings setzt aber Kompetenzen voraus, die nicht selbstverständlich sind trotz der einfachen Handhabbarkeit der Programmoberfläche. Wer die Möglichkeiten von ChessBase 9.0 aber zielgerichtet nutzt, kann von dem Programm außerordentlich profitieren.

Michaela Mielke (Anea), Udo Käser

Dr. Udo Käser ist FideMeister