Mega Database 2011

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 26.04.2011
 Auf Amazon.de kaufenChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-226-0, Preis 149,90 Euro
(Upgradepreise: Mega 2011 von Mega 2010: 49,90 Euro; Mega 11 von älteren Mega Datenbanken: 99,90 Euro; Mega 2011 von Big 2010: 99,90 Euro)

Stimmen wir in den Chor der weihnachtlichen Sänger ein: „Alle Jahre wieder...“ – jawohl, es ist wieder so weit. Wie in den zurückliegenden Jahren hat es die Hamburger Firma ChessBase auch in diesem Jahr wieder geschafft, ein aktuelles Update, bzw. Upgrade ihrer bekannten Schach-Database im Weihnachtsmarkt zu platzieren. Damit wird die gute Tradition fortgesetzt, allen Schachinteressierten einen umfassenden Überblick über das Schachgeschehen nicht nur des ablaufenden Jahres an die Hand zu geben.
Mittlerweile sind etwa 4.780.000 Partien vom Jahr 1560 bis zum Jahr 2010 in dieser wohl weltweit größten Sammlung von Schachpartien erfasst worden. Eine wahrlich gigantische Zahl! Des Weiteren sind über 65.000 kommentierte Partien enthalten. Damit ist die Mega Database vermutlich auch die größte Sammlung kommentierter Partien. Zusätzlich gibt es 900.000 Partien aus Deutschland, alle Partien der Turniere der höchsten Kategorie des Jahres 2010, wie das Tal-Memorial Moskau, Linares, Shanghai, Nanjing, Bilbao, Dortmund und die Grand Prix Turniere. Die DVD enthält außerdem das neueste Spielerlexikon mit über 270.000 Namen und ca. 32.000 Spielerfotos.
In der DVD-Hülle erhält der Käufer ergänzend den Key, bzw. Aktivierungsschlüssel für alle zukünftigen Partie-Updates des Jahres 2011, die wöchentlich auf dem ChessBase-Server zum Download bereit gestellt werden. Nach der Freischaltung mit Hilfe des Schlüssels kann man diese heruntergeladenen Partien in seine eigene Mega Database integrieren. So braucht der Schach-Enthusiast schließlich nur auf das Jahresende 2011 zu warten – dann wird sich dieses Procedere aller Wahrscheinlichkeit nach wiederholen...
Mit Hilfe einer einfachen Rechnung lässt sich verdeutlichen, was diese enormen Zahlen für uns Menschenkinder bedeuten: Setzen wir den Fall, ich würde mir jede dieser verfügbaren Partien nur 5 (!!!) Minuten anschauen – was an sich schon völlig unsinnig ist, weil die ernsthafte Betrachtung einer Partie deutlich längere Zeit erfordert – , dann bräuchte ich für das bloße Anschauen 23.900.000 Minuten, das sind ca. 16.597 Tage, das wiederum sind etwa 45,5 Jahre ununterbrochener Analyse (wobei ich die Schaltjahre, Essens- und Schlafzeiten außer Acht gelassen habe). Was mache ich armer Tropf denn nur nächstes Jahr, wenn......???
Schließlich gibt es einen weiteren kleinen (!?) Wermutstropfen: Natürlich ist auf der DVD der ChessBase Reader enthalten, mit dem ich mir die gigantische Datenbank anschauen kann. Leider lässt sich damit nichts editieren, d. h. außer bloßem Betrachten kann ich keine weitere Funktionalität (Ergänzung oder Pflege der Datenbank) ausnutzen. ChessBase in Hamburg bietet das kostenlose „ChessBase Light“ an, bei dem jedoch die Größe der Datenbanken limitiert ist. Will man dies umgehen, gibt es vom Anbieter „ChessBase Light Premium“ für ca. 49 Euro ohne Dateigrößenbeschränkung.
Das Datenbankformat „*.CBH“ könnte man zwar mit geeigneten Programmen ins PGN-Format umwandeln, um die Database dann mit einem beliebigen PGN-fähigen Programm nutzen zu können (leider dann weniger funktional), jedoch wurde das PGN-Format erweitert, so dass wahrscheinlich alle (!) Informationen nur mit ChessBase 10 oder 11 (evtl. Light-Versionen) ausgelesen werden können. Ganz entscheidend bleibt jedoch, dass ChessBase auf seiner eigenen Internetseite darauf hinweist, dass aktuelle Updates nur mit ChessBase 10 oder 11 heruntergeladen werden können. Das nenne ich dann Ausnutzung einer monopolartigen Situation. Will ich also die gesamte Funktionspalette nutzen, muss ich zum ChessBase 11 Mega-Paket für 269,90 Euro greifen. Oder ich nehme alternativ das ChessBase 11 Start-Paket für 179,90 Euro, in dem dann leider nur die „Big-Database 2011“ enthalten ist.
Systemanforderungen: Pentium-PC mit 1 GHz o. besser, 512 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, ChessBase 9 Light Premium, ChessBase 10 oder ChessBase 11, Maus, Soundkarte, Internetzugang.
Fazit: Eine gigantische Datensammlung – keine Frage –, bei der jeder Schachbegeisterte mit der Zunge schnalzen wird. Die nutzbaren Möglichkeiten und vor allem die Aktualität der Schachpartien und der Spielerdossiers sprechen ebenfalls für sich. Allerdings stellt sich mir am Ende meiner Betrachtungen wieder einmal die Frage der Finanzierbarkeit. Wer mit oder durch Schach sein Geld verdient, wird womöglich nicht mehr den objektiven und ausschließlichen Blick auf die Bezahlbarkeit einer Schachsoftware legen. Schließlich kosten mein Ferrari und meine Porsche auch Geld, ebenso Golf- und Tennisclub, sowie die andauernden Kreuzfahrten und die Unterhaltskosten meiner Pferde.
Aber einmal im Ernst: für die meisten von uns bleibt Schach ein oft leidenschaftlich betriebenes Hobby und vermutlich ist es wirklich nicht das einzige. Deshalb muss jeder für sich in Erwägung ziehen, wie wichtig ihm oder ihr die gegebenen Möglichkeiten dieses Produkts sind. „Alle Jahre wieder...“ wird ein solcher Finanzakt nicht für jeden möglich sein. Danke trotzdem und in ganz besonderem Maße an ChessBase für das immer kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)