Schachendspiele 5 - Endspielprinzipien Aktivität & Initiative – Karsten Müller

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 27.04.2011
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer endspiel
ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-181-2, Preis 29,99 Euro

Fachlicher Mentor auf dieser mittlerweile 5. Endspiel-DVD ist der Hamburger Großmeister Dr. Karsten Müller, der schon seit Jahren (auch bei der Schachsoftware-Schmiede ChessBase) als Schachbuchautor und international anerkannter Endspielexperte bekannt ist. Unter anderem schreibt er eine Kolumne über Schachendspiele im ChessBase Magazin und die Endgame Corner auf Chesscafe.com. Er spielt seit Jahren in der 1. Bundesliga für Hamburg und wurde als beste Platzierung 1996 / 1997 Dritter bei der Deutschen Meisterschaft. 2007 wurde er von einer Jury des Deutschen Schachbundes zum Schachtrainer des Jahres gekürt. Seine bisher höchste ELO-Zahl lag bei 2558 in der ersten Jahreshälfte 1999.
Der Schwerpunkt dieser DVD liegt bei den Endspielprinzipien Aktivität und Initiative, aber es geht auch um Matt und den richtigen Figurenabtausch. Ich könnte es mir nun sehr einfach machen und genau das vom rückwärtigen Klappentext der DVD-Verpackung abschreiben, was in den meisten Rezensionen / Kritiken im Internet und auch bei den kommerziellen Anbietern der Software bereits zu lesen ist. Das will ich jedoch nicht tun, sondern im Gegensatz dazu möchte ich ergänzend auf einzelne ausgewählte Aspekte der vorgestellten Partien eingehen, die als Videosequenzen, unterstützt durch den beigefügten ChessBase Reader (wie bei ChessBase gewohnt), von Karsten Müller präsentiert in etwa 4,5 stündiger Länge vorliegen.
Anders als in den vorherigen DVDs, wo er sich überwiegend mit materiellen Gesichtspunkten des Endspiels auf dem Schachbrett auseinandersetzte, erläutert der deutsche Großmeister schon in der Intro dieses Datenträgers, dass ein gewichtiger Faktor für erfolgreiche Endspiele in der Aktivität zu suchen ist, vordringlich in der Aktivität des Königs und sehr oft begleitend von der des Turms, der hilfreich zur Seite steht. Ein weiterer Schwerpunkt wird von K. Müller auf das Ergreifen der Initiative gelegt – belegt durch Endspiele mit Türmen, Springern und vor allem ungleichfarbigen Läufern. Es geht also mehr oder minder um typische Endspielmotive, die den Interessenten hier vorgeführt werden sollen, inklusive Mattbildern und Abtauschvarianten.
Dies bedingt folgenden thematischen Grundaufbau auf der DVD. Wir finden vier Kapitel vor:

1. Aktivität
2. Initiative
3. Matt
4. Der richtige Abtausch

46 Partiedemonstrationen bekannter Experten sollen die Erkenntnisse und Theorien des Großmeisters belegen, unter anderem treffen wir beim Lehrprogramm auf Aronian, Carlsen, Anand, Shirov, Leko, Short, Kortschnoj, Timman, Yusupov, Gelfand, Rubinstein und weitere.
In den meisten Partien geht es um typische Sequenzen, wie zum Beispiel der Versuch einer Abgrenzung des Mittelspiels vom Endspiel, die sogenannten Bodycheck- oder Anti-Bodycheck-Strategien, sowie Blockadefragen. Ebenfalls erläutert der deutsche Trainer Damenzugfolgen sowie Gewinnstrategien mit ungleichfarbigen Läufern, die die Initiativseite begünstigen.
Einen deutlichen Schwerpunkt legt Karsten Müller schließlich auf Empfehlungen zum dosierten Figurenabtausch und einer sich daraus ergebenden potentiellen Problematik. Welche Figur ist aktiv, welche dominant, welche schwach, welche hat Zukunftswerte und rechtfertigt oder verbietet einen Abtausch? Man sieht: ein weit gesteckter Rahmen, den es zu analysieren gilt.

Fazit: Die DVD „Schachendspiele 5“ bietet dem Interessenten eine Fülle an Gedanken zur Thematik des Schachendspiels. Anders als bei vielen Veröffentlichungen liegt jedoch hier der Schwerpunkt nicht auf bloßen Materialüberlegungen, sondern auf prinzipiell zu entwickelnden Strategien. Das bedingt zwangsläufig, dass eher der fortgeschrittene Schachfreund (oder die fortgeschrittene Schachfreundin) aus diesem Produkt seinen wahren Nutzen zu ziehen vermag. Der Neubeginner sollte sich lieber zuerst rudimentäre, grundlegende Materialien des Endspiels zu Gemüte führen, bevor er diesen Lehrgang verinnerlichen will.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz o. besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte
Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)